Fahrbericht Alpina B3 S Biturbo Touring

Alpina gibt in seiner umgestrickten BMW 3er Baureihe mehr
Leistung frei, und will weiter Komfort und Spaß vereinen. Wie
gelingt das in Limousine und Touring? Wir haben es auf der
Rennstrecke Bilster Berg ausprobiert.
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Alpina gibt in seiner umgestrickten BMW 3er Baureihe mehr Leistung frei, und will weiter Komfort und Spaß vereinen. Wie gelingt das in Limousine und Touring? Wir haben es auf der Rennstrecke Bilster Berg ausprobiert.

© Pierre-Etienne Ferraro / Alpina

Alpina gibt in seiner umgestrickten BMW 3er Baureihe mehr Leistung frei, und will weiter Komfort und Spaß vereinen. Wie gelingt das in Limousine und Touring? Wir haben es auf der Rennstrecke Bilster Berg ausprobiert.

440 PS und 660 Nm: Das sind die neuen Leistungsdaten für Alpina B3 S und B4 S. In den Varianten ohne S sind es 30 PS und 60 Nm weniger. Das überarbeitete 4er Coupé haben wir bereits über den 4,2 Kilometer langen Bilster Berg mit seinen 19 Kurven gescheucht. Jetzt ist der B3 S dran. Wie der Hersteller so schön sagt, ist er der schnellste BMW Alpina 3er, den die Buchloe-München-Connection bislang aufgelegt hat.

Erste Ausfahrt: Alpina B3 S Touring. Der Kombi macht auf Understatement. Wie im Prinzip alle seine Alpina-Mitstreiter. Ohne die Alpina-Schriftzüge und die Akrapovic-Vierrohrauspuffanlage würde man kaum ahnen, wie viel Leistung der Hersteller in der 4,632 Meter langen Karosserie verpackt. Und selbst wenn man den Reihensechser anlässt, knallt da erstmal nichts. Schneller, besser, stärker: ja, aber bitte nicht so laut, dass man sich nach fünf Fahrjahren erstmal ein Hörgerät anstöpseln muss.

Viel Drehmoment über breites Drehzahlband

Schon in den ersten Wechselkurven fällt auf, dass der Touring ein ganz schöner Brocken ist, der einer schnellen Gangart erstmal widerspenstig gegenüber tritt. Die Vorderräder folgen zwar dem Lenkeinschlag, aber man muss schon das richtige Maß an Speed finden, um nicht von der Ideallinie zu trudeln, und dann die nächste Kurve zu spitz anzufahren.

In dem Fall muss man langsam weitermachen, warten, bis sich der B3 S Touring wieder auf der Ideallinie einklinkt, sonst bezahlt man am Kurvenausgang. Wenn alles passt, fährt sich der Kombi untersteuernd bis neutral, hangelt sich der Haftungsgrenze seiner Michelin-Gummis entlang und drückt sich am Kurvenausgang wie ein Boxer aus den Seilen.

Von 2.000 bis 5.000/min belasten 600 Nm die geschmiedete Stahlkurbelwelle. Das Maximaldrehmoment liegt zwischen 3.000 und 4.500/min an. Mit Allradantrieb rennt der Touring in 4,1 Sekunden (Heckantrieb 4,3 Sek.) aus dem Stand auf 100 Sachen. Die 200er Marke ist nach 14,4 Sekunden geknackt (14,6).

Mit Allradantrieb wiegt er 1.845 Kilogramm nach EU-Norm – also mit 90 Prozent gefülltem Tank und 68 Kilogramm schwerem Fahrer und sieben Kilogramm Gepäck. In unserem Fahrbericht können Sie das Gepäck rausrechnen, dafür beim Fahrer 13 Kilo aufsatteln. Das Panoramadach speckt den Alpina B3 S Touring um etwa 40 weitere Kilos auf. Zur Einordnung: Ein BMW 340i Touring xDrive wiegt 1.760 Kilogramm.

B3 S Touring mit Allrad knapp unter 300 km/h

Bessere Grundausstattung und mehr Dämmung schlagen ins Gewicht. Vielmehr jedoch der Umbau des N55-Monoturbos zu einem Biturbo-Sechszylinder. Dafür hat BMW für Alpina ein neues Aluminium-Kurbelgehäuse gegossen. Die Einlassluftführung optimierte man ebenso wie die Abgasseite. Ausgelagerte Kühler für Wasser und Motoröl tragen Sorge, dass das Dreiliter-Aggregat nicht überhitzt. Auch wenn man den Alpina B3 S über mehrere schnelle Runden einer Rennstrecke aussetzt.

So wie jetzt: Der Alpina B3 S Touring nimmt die Gerade in Richtung der Ostschleife unter die Räder. Die elektronischen Dämpfer härten oder weichen das Fahrwerk, je nachdem, ob es gerade über eine der beiden Bodenwellen geht oder nicht. Vier Fahrmodi lassen sich einstellen: Eco Pro für die umweltschonende Klientel, Komfort für die Softies, Sport und Sport Plus für diejenigen, die es knackiger wollen und auch mal Kurven räubern möchten. Für eine erhöhte Steifigkeit und präziseres Handling hat Alpina den Vorderwagen mit einer zusätzlichen Strebe versteift, steifere Lager eingebaut, die Spur an die größeren 20-Zoll-Räder angepasst und die Reifen auf dem Radträger um etwa ein Grad nach innen gekippt.

Als Höchstgeschwindigkeit gibt Alpina für den B3 S Touring Allrad 298 km/h an. Mit Heckantrieb sollen es 303 Stundenkilometer sein. Freilich lassen sich solche Geschwindigkeiten nur in der Nacht bei freier Fahrt erreichen. Ansonsten sind bei wohlwollendem Verkehr eher zwischen 200 und 250 km/h Standard. Dafür ist so ein Alpina Touring ja auch gemacht. Schnell sein, trotzdem komfortabel bleiben.

Preis Alpina B3 S Touring

Schaut man sich die 3er/4er Baureihe bei Alpina an, so greifen etwa 41 Prozent auf den Touring zurück. 90 Prozent davon bestellen ihn mit Allrad. 17 Prozent holen sich die Limousine. Auch hier ist die Allradfraktion den Hecktrieblern überlegen: 70 zu 30 Prozent. Für unseren Fahrbericht auf der Rennstrecke stellt Alpina den hinterradgetriebenen B3 S. Und was ist das für ein agiler Viertürer. Die Limousine wuselt leichtfüßig durch Kurven, verkraftet schnelle Richtungswechsel, drückt auch mal mit dem Heck und bremst stabil. Das angepasste ZF-Getriebe – Drehmomentwandler mit stärkerem Dämpferelement, verstärkter Radsatz – arbeitet wie im Touring präzise. Egal, ob man selbst auf die etwas gewöhnungsbedürftigen Schalter hinter dem Lenkrad drückt, oder die Automatik Automatik sein lässt.

Noch ein Wort zum Preis. Die Limousine kostet mit Heckantrieb ab 72.900 Euro. Für Allrad ist ein Aufschlag von 2.900 Euro fällig. Den Touring gibt es als RWD ab 74.700 Euro. Als AWD ab 77.600 Euro.

Technische Daten:

B3 S Touring Allrad

Leistung: 324 KW (440 PS)
Drehmoment (bei U/min): 660
Höchstgeschwindigkeit:298 km/h
Grundpreis:77.600 €

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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