Instant Recovery: Sauberes Windows bei jedem Neustart

Instant Recovery: Sauberes Windows bei jedem Neustart
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Instant Recovery: Sauberes Windows bei jedem Neustart

© Microsoft

Der PC mit Windows 10 soll immer absolut fehlerfrei laufen? Mit den richtigen Tools ist das kein Problem. Wir stellen zwei geeignete Kandidaten vor.

Der selbstreparierende PC

Es klingt wie ein kühnes Versprechen aus der Marketingabteilung: Ihr PC mit Windows 10 wird sich in Zukunft immer selbst auf den bestmöglichen Stand zurücksetzen und damit so gut wie unzerstörbar sein. Ausnahmsweise kann die Realität dieses Versprechen auch halten: Anwendungen wie Time Freeze und Reboot Restore Rx nehmen sich den aktuellen Systemzustand und halten ihn für die Zukunft fest. Bei jedem Neustart wird dieser Status automatisch wiederhergestellt.

Sinn und Zweck von Instant Recovery

Moderne PCs sind komplexe Systeme. Von dieser Komplexität bekommen Nutzer in Windows 10 nicht viel mit, da die meisten Prozesse unter der Haube ablaufen. Durch die Verfügbarkeit von mehreren Millionen Programmen treten früher oder später aber immer Fehler auf. Manchmal lassen sie sich schnell beheben, manchmal ist eine aufwändige Fehlersuche die Folge. Wäre es nicht eine schöne Sache, wenn man einen Windows-PC stattdessen in einem makellosen Zustand einfrieren und immer wieder benutzen könnte?

Das dachte sich auch Microsoft selbst: Schon vor 15 Jahren veröffentlichte das Unternehmen das "Shared Computer Toolkit", das kurz darauf in "Windows SteadyState" umbenannt wurde. Sobald jemand das Programm installierte, war die Arbeit mit dem PC ganz normal möglich: Anwender durften Software installieren, Dateien löschen und so weiter. Nach einem Neustart setzte die Software alle Änderungen jedoch wieder zurück und das System erschien wieder im Ursprungszustand.

Auf diese Weise war es unmöglich, am System etwas kaputtzumachen. Daher etablierte sich auch schnell ein Name für diesen Zustand: Kioskmodus. Jeder konnte vorbeischauen, aber niemand konnte etwas verändern.

Die Zielgruppe bestand vorrangig aus Hotels, Cafés, Bildungseinrichtungen und ähnlichen Institutionen. Dort stellte die Software sicher, dass neue Nutzer immer dieselbe Umgebung vorfanden. Auch im privaten Bereich existieren Anwendungsbereiche. Wer oft neue Software installiert, sich einen PC mit mehreren Familienmitgliedern teilt und das Gerät auch produktiv einsetzt, wünscht sich vielleicht einen derartigen Kioskmodus.

Windows SteadyState gibt es seit langer Zeit nicht mehr und die alte Fassung ist auch nicht mit Windows 7, 8.1 oder 10 kompatibel. Im aktuellen Windows 10 existiert zwar eine Variante; diese funktioniert aber anders (dazu später mehr). In der Zwischenzeit schauen wir uns mit den erwähnten Programmen Time Freeze und Reboot Restore Rx zwei andere Kandidaten an.

Der Umgang mit Time Freeze und Reboot Restore Rx

Hinsichtlich der Funktionalität unterscheiden sich beide Anwendungen nur im Detail. Die wesentliche Funktionalität bleibt dieselbe. Probieren Sie am besten beide Programme aus, um einen Favoriten zu finden.

Instant Recovery mit Reboot Restore Rx

Die Installation von Reboot Restore Rx muss über ein Windows-Konto mit Administratorrechten erfolgen. Das ist in Familien hilfreich, da andere Nutzer somit keine Änderungen an der Software vornehmen können.

Während des Setups legen Sie fest, welche Partitionen der Festplatten Sie schützen möchten (und welche nicht). Diese Option können Sie komfortabel nutzen, um beispielsweise das Systemlaufwerk - üblicherweise "C:" - zu schützen, während Datenpartitionen nicht geschützt sind und somit verändert werden dürfen. Heruntergeladene Bilder beispielsweise verschwinden nach dem nächsten Neustart also nicht von der Festplatte. In der Praxis könnte sich dies so auswirken: Erstellte und gespeicherte Word-Dokumente bleiben erhalten (da sie auf der Datenpartition "D:" liegen), während in Microsoft Word vorgenommene Änderungen am Programm verworfen werden (da die Anwendung auf der Systempartition "C:" installiert ist).

Übrigens können Sie nur Partitionen interner Festplatten wählen. Angesteckte Datenträger wie USB-Sticks oder externe Festplatten kann Reboot Restore Rx nicht ansprechen.

Nach der Einrichtung erfolgt ein Neustart. Sobald dieser abgeschlossen ist, wird Reboot Restore Rx automatisch starten und unbemerkt im Hintergrund laufen. Wer sich nun anmeldet und den PC nutzt, kann ihn ganz normal verwenden, Programme installieren, im Internet surfen und vieles mehr. Einen Unterschied zur gewöhnlichen Nutzung eines PCs werden Sie nicht feststellen. Erst nach dem nächsten Neustart werden Sie ein kurzes Prozessfenster von Reboot Restore Rx zu sehen bekommen. In dieser Zeit wird der Ursprungszustand wiederhergestellt.

Einen Unterschied von diesem Verhalten werden Sie nur bemerken, wenn Sie sich als Administrator einloggen. Dann sehen Sie nämlich rechts unten im Systray ein Icon für Reboot Restore Rx. Dort dürfen Sie das Programm ein- und ausschalten und noch einmal konfigurieren. Schalten Sie das Tool aus, wird dies auf alle Benutzerkonten auf dem PC angewendet.

Instant Recovery mit Time Freeze

Auch Time Freeze müssen Sie mit einem Administratorkonto installieren. Klicken Sie sich einfach durch die Setup-Routine und starten Sie anschließend den PC neu. Danach sehen Sie im Systray wieder ein neues Icon. Nach einem Doppelklick darauf öffnet sich Time Freeze, wo Sie zwei Optionen aktivieren sollten: "Enable Time Freeze automatically when Windows starts" und "Enable Folder Exclusion when Time Freeze is ON".

Die zweite Option ist dafür verantwortlich, dass bestimmte Ordner und Dateien in der Systempartition von der Funktion von Time Freeze ignoriert werden. Danach klicken Sie im Programmfenster rechts oben auf "Start Time Freeze" und bestätigen die Auswahl mit "OK".

Auch hier gilt: Alle Änderungen gelten für sämtliche Nutzerkonten an diesem PC. Ein wichtiger Unterschied zu Reboot Restore Rx ist, dass Sie einzelne Dateien vom Änderungsschutz ausnehmen lassen können. Außerdem schützt das Programm nur die Systempartition - alle anderen Laufwerke bleiben zwangsläufig außen vor. Im alltäglichen Gebrauch sollte dies den Wünschen der meisten Anwender entsprechen.

Hauseigene Tools und Alternativen

Windows 10 selbst bringt ebenfalls einige Mittel mit, die der Funktionalität von Time Freeze und Reboot Restore Rx teilweise entsprechen. Auch mit Bordmitteln können Sie also einen bestimmten Systemzustand festhalten und ihn später wiederherstellen.

Unter Windows 10 heißt diese Funktion Systemwiederherstellung: Sie ist nicht neu und existiert bereits seit mehreren Windows-Versionen. Vor der Installation einer neuen Software legen Sie damit beispielsweise einen Wiederherstellungspunkt fest und können diesen - falls etwas schief gelaufen ist - später wieder aktivieren. Diese Funktion kann praktisch sein, allerdings funktioniert sie nicht immer zu 100 Prozent zuverlässig. Ob Sie sich nur auf die Systemwiederherstellung verlassen sollten, wenn Sie an dem Gerät etwa produktiv arbeiten, ist eine große Frage. Besser ist es, wenn Sie sich auch nach anderen Möglichkeiten umsehen.

Alternativen zur Systemwiederherstellung

In Frage kommen komplette Backups der Windows-Partition. Geeignete Tools dafür sind etwa Paragon Backup & Recovery Free oder auch der Aomei Backupper. Mit beiden Anwendungen sichern Sie die Systempartition "C:". In dem entstehenden Image sind alle aktuellen Daten, Einstellungen und Informationen zu Windows und installierter Software enthalten. Gibt es Probleme, können Sie Windows also in einen garantiert lauffähigen Zustand zurücksetzen.

Kleiner Nachteil: Ein Image dieser Art benötigt viele Gigabyte Speicherkapazität. Es nimmt also recht viel Zeit in Anspruch, Backups dieser Art wieder einzuspielen. Betrachten Sie die Wiederherstellung von Partitions-Backups eher als eine Notfalllösung, wenn alle anderen Methoden keinen Erfolg zeigen. Zuletzt verlangt diese Form der Sicherung auch recht viel Eigeninitiative: Systemdaten und persönliche Dokumente sollten Sie sehr strikt trennen, da sonst die eigenen Dateien bei einer Wiederherstellung eventuell überschrieben werden könnten. Fotos, gespeicherte E-Mails und Co. sind dann verloren.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung von virtuellen Maschinen. Damit installieren Sie gewissermaßen einen weiteren PC in Ihrem PC. Tools wie der Vmware Workstation Player oder VirtualBox starten in einem Fenster eine weitere Installation von Windows 10, die gegen Änderungen von außen geschützt ist. Der Nachteil daran ist der Ressourcenhunger, da sowohl der eigentliche PC als auch der "PC im PC" betrieben werden müssen. Nutzen Sie stets sehr rechenintensive Anwendungen, kommt diese Lösung nicht in Betracht (oder Sie müssen den PC aufrüsten).

Die sicherste Lösung bleibt somit das Daten-Backup - aber es ist auch mit dem höchsten Aufwand verbunden.

Ein Testbericht aus dem Alltag

Entscheiden Sie sich für Time Freeze oder Reboot Restore Rx, sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass alle anderen Nutzer am PC nicht als Administratoren unterwegs sind. Ansonsten drohen Probleme, wenn einer der Nutzer - vielleicht ungewollt - die Konfiguration verändert.

Im Alltag empfehlen wir, die Schutzfunktion dieser Anwendungen hin und wieder zu deaktivieren: Manchmal nehmen Sie Updates des Betriebssystems vor, installieren eine neue Software für alle Nutzer, verändern eine wichtige Einstellung in der Konfiguration und dergleichen mehr. Schalten Sie dafür sowohl Time Freeze als auch Reboot Restore Rx kurzzeitig aus, führen Sie Ihre Änderungen durch und aktivieren Sie die Software dann wieder. Vor allem nach einem der großen Windows-Updates, die Microsoft zwei Mal im Jahr veröffentlicht, empfiehlt sich dieses Vorgehen. Andernfalls würden Sie stets mit einem veralteten System arbeiten, das Fehlern gegenüber anfällig ist.

Es kann außerdem nicht schaden, die gesamte Windows-Partition vor der Installation der Instant-Recovery-Tools durch ein Backup zu sichern. Keines dieser Programme kann mit verschiedenen Startprofilen umgehen. Ein Backup garantiert, dass Sie nicht versehentlich eine falsche Einstellung vornehmen.

Der Kioskmodus in Windows 10 - kaum der Rede wert

Die Zeiten von Windows SteadyState sind, wie bereits erwähnt, längst vorbei. Sie dürfen im neuen Kioskmodus von Windows 10 nur noch eine einzige App öffnen (dies dient der Sicherheit) und die Funktion steht nur noch in Windows 10 Pro zur Verfügung.

Möchten Sie es trotzdem ausprobieren, starten Sie die Windows-Suche über einen Druck auf die Windows-Taste und geben dann im Suchfeld "Kiosk" ein. Dann werden Sie sofort eine Auswahl namens "Kiosk einrichten (zugewiesener Zugriff)" sehen. Klicken Sie darauf und gehen Sie danach auf "Erste Schritte". Windows 10 fordert Sie jetzt nach einem beliebigen Namen auf - wählen Sie vielleicht "Browser-Kiosk".

Jetzt wählen Sie die App aus, die Sie zur Verfügung stellen möchten. Da die Auswahl auf Apps aus dem Store begrenzt ist (dies erhöht die Sicherheit beträchtlich), entscheiden Sie sich zum Beispiel für Microsofts Edge als Browser. Gehen Sie nun auf "Weiter" und klicken Sie dann auf "Als öffentlicher Browser". Geben Sie nun eine Start-URL ein (vielleicht www.google.de) und beenden Sie alles mit "Weiter" und "Schließen".

Starten Sie den PC neu oder melden Sie sich ab, sehen Sie nun diesen Kioskmodus als weiteres Benutzerkonto. Wählen Sie es aus, können Sie nur den soeben definierten Browser verwenden. Die gesamte andere Software ist gesperrt. Der Haupteinsatzzweck dürften Geschäfte sein, die ihren Kunden genau eine Software zur Verfügung stellen möchten.

Fazit

Time Freeze und Reboot Restore Rx funktionieren im Alltag hervorragend und halten ihre Versprechen. Der interne Kioskmodus von Windows 10 fällt deutlich ab und ist nur in Nischen eine Überlegung wert. Möchten Sie stets mit einem fast brandneuen und einwandfreien Windows 10 unterwegs sein, ist diese Lösung die beste Variante - auch, wenn sie Backups nicht ersetzt.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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