Genesis GV80: So fährt der Bentley für Arme

Genesis GV80: So fährt der Bentley für Arme
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Genesis GV80: So fährt der Bentley für Arme

© Genesis

Sieht aus wie ein Bentley Bentayga, meinen Sie? Tatsächlich steckt hinter dem GV80 aber ein luxuriöser Hyundai. Nur, dass er eben Genesis heißt. Genug Verwirrung gestiftet, jetzt muss der Luxus-SUV im Fahrbericht zeigen was er kann.

Genesis. Da hat jeder gleich eine Melodie im Kopf, oder? Doch bevor Sie jetzt alle mit Drumsoli von Phil Colins und Peter Gabriel am Mikro in kollektive Konzerterinnerungen abschweifen – es geht hier um Autos. Da klingelt jetzt nichts? Die einstigen Hyundai Genesis – Coupés und Limousinen – waren ja auch zum Vergessen. Doch seit 2015 ist der Modellname im Ausland zur Luxus-Submarke gereift, mit der die Koreaner nun auch in Europa angreifen wollen.

Na, dann schauen wir mal, wie viel Premium tatsächlich im Genesis GV80 steckt. Am selbstbewussten Auftritt mangelt es dem SUV schon mal nicht. Mit großmaschigem Grill samt geflügelten Genesis-Logo, zweiteiligen LED-Scheinwerfern, die sich hinter den Radhäusern fortsetzen, und reichlich Chrom ahmt der GV80 den Bentley Bentayga nach. Kein Wunder, zeichnet doch der Ex-Designer der Briten Luc Donckerwolke auch für den GV80 mit verantwortlich.

Auch innen: very british

Mehr Schein als Sein, denken Sie jetzt. Na, dann steigen Sie mal ein. Die Türen ziehen sich automatisch an. Weiches Nappaleder (2.580 Euro) schmiegt sich nicht nur Fahrer und Beifahrer an, sondern auch den Fondpassagieren, deren Sitze ebenfalls vielfach elektrisch verstell- und vollklimatisierbar sind. Sogar eine dritte Reihe lässt sich ordern, welche eingeklappt die üppigen 735 bis 2.152 Liter Volumen hinter der elektrischen Heckklappe kaum schmälern.

In der Luxury Line ist viel Leder im Innenraum vernäht, die Mittelkonsole mit dunklem Eschenkernholz vertäfelt und braunes Alcantara am Dachhimmel verklebt. Die wenigen übrigen Flächen zieren weiche Kunststoffe. Ganz ehrlich, das kann die Premium-Konkurrenz nicht besser. Klar, über den Stil des Zweispeichenlenkrades kann man streiten. Nicht aber über dessen einfache Bedienung mit übersichtlichen Tasten.

iPod-artige Infotainmentbedienung

Etwas komplizierter wird's beim Infotainment. Genesis spendiert dem Hyundai-System einen Dreh-Drück-Steller im Stil des ersten Apple iPods. Der Drehkranz samt mittiger Touchfläche für handschriftliche Eingaben erfordert jedoch etwas Gewöhnung. Dabei erleichtern geriffelte Aluwalzen für Lautstärke und Kartenzoom sowie eine solide Sprachsteuerung und diverse Direkttasten den Zugriff auf viele Funktionen. Schade nur, dass der große 14,5-Zoll-Screen etwas zu weit weg vom Fahrer platziert ist, träge aufs betouchen reagiert und die Navikarten feiner auflösen könnten.

Fahrassistenz und 3D-Cockpit schwächeln

Näher dran sitzt man am digitalen Cockpit mit seinen übersichtlich animierten Rundinstrumenten. Die zeigen sich auf Wunsch in dreidimensionalem Look, der jedoch längst nicht die Brillanz der S-Klasse-Anzeigen erreicht. Dafür erscheinen andere Fahrzeuge im großen Head-up-Display als kleine Grafik. Leider agieren die Level-2-Assistenten im Testwagen recht unbeholfen. Natürlich nicht im Stand, wir fahren ja bereits. Ist Ihnen gar nicht aufgefallen? Kein Wunder, der GV80 ist nicht nur bestens gedämmt, er unterdrückt Umgebungsgeräusche mit Gegenschall oder macht den Innenraum mit der Lexicon-Soundanlage zur Livebühne für Genesis, also die Band.

Kultivierter Reihensechser

Doch jetzt spielt der Reihensechszylinder, als Anheizer sozusagen. Dessen Diesel-Stimme ist nur wahrnehmbar, weil sie künstlich verstärkt aus den aluvergitterten Boxen basst. So schiebt der 278 PS starke 3,0-Liter-Selbstzünder den 2,2-Tonner mit 588 Nm Drehmoment in 7,5 Sekunden auf 100 km/h. Trotz Turboaufladung mit variabler Geometrie entfaltet er seine Kraft jedoch weniger vehement als vergleichbare Triebwerke von Daimler oder BMW, was wohl auch dem selbst entwickelten Achtgangwandler zuzuschreiben ist, der merklich auf Komfort getrimmt wurde.

SUV mit Kurventalent

Klingt unsportlich, doch der GV80 ist durchaus kurventalentiert. Denn der Allradler verteilt seine Kraft nicht immer auf alle Viere, sondern primär nach hinten. Dort sitzt ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferential, dass alle Momente auch auf ein Rad leiten kann. So dreht das Heck mit ein, was den SUV auf Landstraßen überraschend handlich wirken, zumal die Lenkung alle Befehle präzise umsetzt und nur etwas Rückmeldung vermissen lässt. Etwas mehr Feinschliff wünscht man sich vom Adaptiv-Fahrwerk, das wohl auch wegen der mächtigen 22-Zöller viele Fahrbahnunebenheiten kommuniziert und auf langen Bodenwellen Mühe hat, den Aufbau zu stabilisieren. Doch das ist, neben der fehlenden Bekanntheit der Marke, eine der wenigen Schwächen des Luxus-SUVs.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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