Seat Alhambra 2.0 TDI 4Drive: Auch heute noch eine SUV-Alternative?

Der Seat Alhambra wird, wie der annähernd baugleiche VW Sharan,
seit 2010 in aktueller Modellgeneration gebaut.
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Der Seat Alhambra wird, wie der annähernd baugleiche VW Sharan, seit 2010 in aktueller Modellgeneration gebaut.

© Bernd Conrad

Seit 2010 wird der Seat Alhambra, parallel zum VW Sharan, in aktueller Generation gebaut. Mit leichten Modifikationen stemmt sich der Van auch heute noch gegen den Trend zum SUV. Mit Erfolg?

Es liegt in der Natur einer Welle, dass sie alles, was mitschwimmt, ein Stück weit hinfort trägt. Das kann man nicht nur während eines Urlaubes an der Küste beobachten, sondern auch sehr gut bei Trends und Modeströmungen.

Es war und ist die SUV-Welle, die den Autokäufern entgegenkam und praktisch denkenden Familienvätern oder Hobbyspediteuren irgendwie die Orientierung abgenommen haben muss. Die Konsequenz: Man wandte sich vom Van ab. So ein Es Ju Vi war halt unbestreitbar weniger spießig. Sieben Sitze, viel Laderaum und eine hohe Anhängelast für Wohnwagen und Co. gibt es ja auch.

Alles schön und gut. Bis man sich in einem ruhigen Moment einfach mal der Strömung entsagt und nachsieht, was denn im Teich der Vans noch so herumschwimmt. Die Population nimmt nämlich stetig ab.

Nennenswerte Player im Markt sind nur noch das Brüderpaar Galaxy und S-Max von Ford und die annähernd baugleichen Zwillinge VW Sharan und Seat Alhambra. Renault Espace? Der versucht sich, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit, als schicker Reisegleiter. Chrysler / Lancia Voyager? Bitte im Geschichtsbuch nachblättern.

177 PS starker Diesel und Allradantrieb

Für die Reise zu fast vergessenen automobilen Bedürfnissen rollt der Seat Alhambra heran. Unter der kurzen Motorhaube werkelt der altgediente 2.0 TDI-Diesel mit 177 PS, der bis zu 380 Nm Drehmoment über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bei Bedarf an alle vier Räder verteilt. 4-Drive nennt Seat den Allradantrieb. Wenn man die entsprechenden Optionen auswählt, bietet der Alhambra auf gut 9,2 Quadratmetern Verkehrsfläche – und damit dem Raumbedarf einer Mittelklasse-Limousine – Platz für bis zu sieben Personen. Im Gegensatz zu manchem SUV mit dritter Sitzreihe (ja, auch Dir, Tarraco) können zwei Jugendliche oder kleinere Erwachsene auch ganz hinten zumindest Mittelstrecken aushalten. Großfamilien mit kleinen Kindern freuen sich über fünf (!) Einzelsitze im Fond mit Isofix-Verankerungen und ausreichend Platz, ebenso viele Kindersitze zu arretieren.

Auch als Option erhältlich: integrierte Kindersitze für die äußeren Plätze der zweiten Reihe mit ausklappbarer Sitzerhöhung und speziellen Kopfstützen, die das Stühleräumen vom Zweit- in den Erstwagen obsolet machen. Dazu kommt der geringe Platzbedarf der Schiebetüren, die zudem das Anschnallen des Nachwuchses komfortabler machen.

Sieben Personen oder 2.300 Liter Ladung

Bei voller Bestuhlung bleibt nur noch ein kleinwagenhafter Kofferraum. Wenn man die hinteren Sitze aber einfach und leichtfüßig im dann etwas angehobenen Ladeboden versenkt, stehen knapp 2.300 Liter für Neuware aus dem Möbelhaus, die Fahrt des Altholzes zum Wertstoffhof oder Umzugsgut zur Verfügung.

Wenn das nicht reicht, oder wenn das Urlaubsdomizil für die Familie auf dem eigenen Grundstück überwintert, zieht der Seat Alhambra 2.0 TDI auch noch bis zu 2,4 Tonnen schwere Anhänger.

Ganz schön SUVig also? Dazu passt auch die hohe Sitzposition mit dem entsprechenden Komfortplus beim Ein- und Ausstieg. Auf kleiner oder großer Tour wähnt sich der Fahrer wie im Führerstand eines ICE-Schnellzugs. Die flach stehende Windschutzscheibe ist weit von ihm entfernt, dazwischen erstreckt sich das Armaturenbrett gefühlt bis kurz vor den Horizont. Zusammen mit den steil stehenden Scheiben an Flanken und Heck sowie dünnen Dachpfosten ergibt sich eine formidable Übersichtlichkeit.

Smartphone-Integration gegen Aufpreis

Beim Kilometerfressen mit Richtgeschwindigkeit bleibt der Diesel weit im Hintergrund, auch Wind- und Abrollgeräusche halten sich zurück. Mühsamer ist da schon der Blick auf die Navigationskarte des veralteten Infotainment-Systems. Bei VW hieß so was früher mal RNS 510. Das Display mit 6,5 Zoll Bildschirm-Diagonale ist mittlerweile arg klein. Echtzeitverkehrsdaten werden nicht für die Routenführung genutzt, weil ein Online-Zugang fehlt.

Immerhin haben die Ingenieure dem System eine optionale Smartphone-Anbindung für Apple CarPlay und Android Auto mit auf den Weg gegeben, womit auch eine Navigationsapp genutzt werden kann.

Seit 2019 gibt es für den Seat Alhambra, wie auch für den VW Sharan, mehr Fahrassistenz. Die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage hält bis 210 km/h den Abstand zum Vordermann. Serienmäßig haben alle Ausstattungslinien den Frontkollisionswarner mit Notbremsfunktion und eine Verkehrszeichenerkennung.

Acht Liter Diesel auf 100 Kilometer

Mangelnde Bereitschaft seitens des Konzerns, Entwicklungs-Budget in die weniger gefragten Vans zu investieren, spürt man dennoch an vielen Stellen. Die Scheinwerfer arbeiten in der Basisvariante Style mit Halogentechnik, die beiden weiteren Ausstattungslinien Xcellence und FR-Line bieten Bi-Xenon-Leuchten. Das Tagfahrlicht strahlt aber auch hier mit Birnen. LED-Licht gibt es nicht.

Der Diesel ist zwar nach Euro 6d-Temp gesäubert und nutzt dafür einen SCR-Katalysator – das dafür nötige AdBlue muss aber umständlich über einen Zugang im Kofferraum eingefüllt werden. Ein praktischer Einfüllstutzen hinter dem Tankdeckel fehlt. Dort kippt man nach WLTP-Norm 7,3 bis 7,6 Liter Diesel für 100 Kilometer hinein, während der Probefahrten pendelte sich der Verbrauch bei knapp unter acht Litern ein. Für einen Siebensitzer mit Allradantrieb ein noch akzeptabler Wert.

Mit dem 70 Liter großen Tank lassen sich so gute Reichweiten erzielen. Vor allem dann, wenn man über den dritten Lenkstockhebel die Geschwindigkeitsregelanlage aktiviert, das optionale Verstellfahrwerk in der "Comfort"-Stufe den Asphalt glättet und alle wohlig nach draußen schauen oder (bis auf den Fahrer) schlafen. Einer dieser Momente, wo der Wunsch nach einem engeren SUV plötzlich so weit weg ist wie der nächste Urlaub.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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