Audi A5 Sportback und VW Arteon im Vergleich

Ein Konzern und zwei Flachdach-Viertürer auf Limousinen-Basis im
Vergleich: Wenn Sie schon immer Interesse an einem Coupé hegen,
dann haben wir hier zwei interessante Exemplare für Sie. Den Audi
A5 Sportback und den VW Arteon.
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Ein Konzern und zwei Flachdach-Viertürer auf Limousinen-Basis im Vergleich: Wenn Sie schon immer Interesse an einem Coupé hegen, dann haben wir hier zwei interessante Exemplare für Sie. Den Audi A5 Sportback und den VW Arteon.

© Hans-Dieter Seufert
16.05.2018 - 09:24 Uhr von Marcus Peters

Ihnen sagt seit jeher ein Coupé zu, doch Sie benötigen einen Viertürer mit großem Kofferraum? Dann hätten wir hier den Audi A5 Sportback und den VW Arteon für Sie. Beide als Allradler und mit starken Turbobenzinern.

So ein Coupé-Schwung ist echt anspruchsvoll. Nehmen Sie ein Blatt Papier, einen Bleistift und zeichnen Sie eine Dach-Silhouette, wie Sie sie beim Audi und beim VW sehen. Setzen Sie an, ziehen Sie durch – von der Frontscheibenkante bis tief hinein ins Heck. Klappt nicht? Selbst Designstudenten üben lange am optimalen Schwung für ein sehenswertes Coupé-Dach, denn letztlich entscheidet die perfekte Linie darüber, ob sich genügend Liebhaber finden.

Die gehörten früher einer elitären Gesellschaft an: wohlhabend und ohne Kinder (denn Coupés waren teure Zwei-plus-zwei-Sitzer). Oder reich und mit Kindern (dann war das Coupé nur Teil eines Fuhrparks). Erst die Erfindung des Flachdach-Viertürers auf Limousinen-Basis mit rahmenlosen Seitenscheiben demokratisierte die Coupé-Idee. So wie eben der A5 Sportback und der Arteon.

Einen Viertürer Coupé zu nennen, klingt verwegen. Zumal wenn der Kofferraum unter einer Fließheckklappe liegt. Andererseits haben sich in der jüngeren Vergangenheit schon verwegenere Verbalverbrämungen als Bezeichnung einer Klasse kritiklos festgesetzt.

An Modellen wie Sportback und Arteon jedenfalls ist vieles sportlicher und nützlicher als an anderen. Der Kofferraum des Audi bietet mit umgeklappten Rücksitzen bis zu 1.300, derjenige des VW bis zu 1.557 Liter Volumen. Weiterer Vorteil des Arteon: Er lässt sich dank der weiter aufschwingenden Klappe einfacher mit Sperrigem beladen. Auch haben Passagiere auf den Vorder- wie den Rücksitzen mehr Platz, können leichter in den Fond steigen.

Stilvolle Umgebung

Das klingt nach einem Durchmarsch im Karosserie-Kapitel, doch der Audi spielt seine Qualitäten beim Thema Qualität aus – und schließt damit bei den Punkten fast auf. Im A5 verreist man in der stilvolleren Umgebung, dreht an fein klickenden Knöpfen und drückt auf straff rückmeldende Taster. Der Arteon-Fahrer muss sich im Vergleich mit einem deutlich schmuckloseren Umfeld samt Touchscreen begnügen – höhere Ablenkung inklusive, denn ohne hinzublicken, ist der Bildschirm so wenig zu bedienen wie ein Smartphone.

Dabei läuft Ablenkung dem Gesamtkonzept dieser Art von Fahrzeug zuwider. Sportback und Arteon sollten viertürige GTs sein, geschaffen für die Grande Tour, die große Reise. Und zu anstrengungsfreien Langstreckenwagen gehört vor allem eines: Reisekomfort.

Den bieten beide schon durch ihre effektive Schalldämmung – trotz rahmenloser Seitenscheiben übrigens auch gegen Windgeräusche. Der Audi ist hier etwas leiser als der VW, was sich in den Messergebnissen bemerkbar macht. Dass unter der Fronthaube jeweils nur ein Vierzylinder-Benziner läuft, nimmt man bei Teillast nicht wahr. Beide Zweiliter-Turbos machen erst bei Vollgas auf sich aufmerksam.

Federung zu detailverliebt

Kritik folgt beim Federungskomfort. Da haben die Fahrwerkstechniker den GT-Charakter wohl mit Sportlichkeit verwechselt. Beide Testwagen treten mit adaptiven Stoßdämpfern an, die eigentlich für ihr hohes Engagement bekannt sind. Doch sie filtern nur grobe Zumutungen des Straßenbaus weg, lassen den Rest generös durchdringen, als müssten sie ihren Fahrern detailverliebt vom Zustand der Asphaltdecke berichten. Dabei will man in einem GT doch möglichst unbehelligt von solchen Störungen Strecke machen und genießen.

Dass der Audi das Komfort-Kapitel für sich entscheidet, liegt an zwei Alleinstellungsmerkmalen: Die induktive Ladevorrichtung macht sich akustisch bemerkbar, sobald man beim Aussteigen sein Smartphone zu vergessen droht. Zudem reagiert der Abstandstempomat des A5 auf Verkehrszeichen. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für den besseren Seitenhalt der Sportsitze.

Den kann man tatsächlich gebrauchen, denn der Sportback sticht hochmotiviert in Kurven. Allerdings arbeitet seine Lenkung nicht ganz so gefühlvoll wie die des Arteon, der dem A5 problemlos folgen kann. Von sich aus würde er dessen hohes Tempo allerdings nicht anschlagen, denn der VW animiert kaum zu einer engagierten Fahrweise.

An mangelndem Zug liegt das nicht, im Gegenteil: Der Arteon sprintet sogar schneller auf Tempo 100 als der Sportback. Im Gegenzug genehmigt er sich für seinen enthusiastischeren Vortrieb im Testdurchschnitt knapp einen Liter mehr Sprit – zwei Punkte kostet ihn das im Antriebs-Kapitel. Der höhere Verbrauch macht sich auch bei den Emissionen bemerkbar, wo er insgesamt sogar vier Punkte verliert.

Im Sicherheits-Kapitel lässt der VW noch einmal sechs Punkte liegen, was sich entscheidend auf den Ausgang der Eigenschaftswertung auswirkt. Er verzögert zwar schon gut, doch der Audi kommt bei allen prüfungsrelevanten Geschwindigkeiten nochmals früher zum Stillstand.

Kreis, Schwung und Dreh

Nach dem Addieren wird klar, dass der Audi bereits weit enteilt ist – praktisch uneinholbar für den VW. Der bringt zwar in der R-Line seine umfangreiche Ausstattung ins Spiel, muss aber an anderer Stelle nachgeben: bei den Kosten für Unterhalt, Wartung und Kraftstoff. Zudem verkauft er sich gebraucht schwieriger als der Sportback.

Bleibt am Ende vor allem der Platzvorteil, der für den Arteon spricht. Und etwas, was sich in Punkten nicht bemessen lässt: je nach persönlicher Betrachtungsweise der möglicherweise perfektere Dachschwung.

Womit sich der Kreis dieser Geschichte mit einem Schwung als Dreh schließt.

Technische Daten:

A5 Sportback 2.0 TFSI Quattro

Leistung: 185 KW (252 PS)
Drehmoment (bei U/min): 370
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Grundpreis:50.600 €

Arteon 2.0 TSI 4Motion

Leistung: 206 KW (280 PS)
Drehmoment (bei U/min): 350
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Grundpreis:50.675 €

Bewertung

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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