Lexus LC 500h im Fahrbericht

Lexus bringt sein luxuriöses Coupé LC 500 nun auch als Hybrid
und ergänzt den Namen um ein kleines "h". Wir haben mit dem LC 500h
eine nächtliche Ausfahrt durch die Straßen Sevillas gemacht.
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Lexus bringt sein luxuriöses Coupé LC 500 nun auch als Hybrid und ergänzt den Namen um ein kleines "h". Wir haben mit dem LC 500h eine nächtliche Ausfahrt durch die Straßen Sevillas gemacht.

© Hans-Dieter Seufert
07.02.2017 - 10:36 Uhr von Jens Dralle

Wir waren mit dem neuen Lexus LC 500h in Sevilla unterwegs. Am späten Abend haben wir uns dem neuen großen Coupé von Lexus gewidmet. Dessen sanfter Hybridantrieb lässt der Nacht ihren Frieden – kann aber auch anders.

Die Welt verrottet, zumindest die kleine Welt. Vor 25 Jahren war sie hier zu Hause, für ein paar Wochen. Die große weite Welt präsentierte sich, viele Länder kamen, brachten Architektur, Lebensgefühl, Farben, Klänge, Gerüche mit nach Sevilla. Jetzt liegt der Geruch alternder Industriebauten über dem Viertel, das 1992 die Weltausstellung zelebrierte. Ein paar Unternehmen gehen hier ihren Geschäften nach, dazwischen ein Spielplatz, irgendwo ein Kiosk, ansonsten Zäune und Verfall. Sanft rollt der Lexus LC 500h über die breiten Straßen, die weniger von Autos, vielmehr von Fahrradfahrern, Inlinern und Longboardern frequentiert auf die Nacht warten.

Als Teil des Toyota-Konzerns möchte auch Lexus gerne die Welt ein bisschen besser machen, lobpreist gerne die Effizienz seiner Hybridantriebe. Bereits nach wenigen Hundert Metern im neuesten Modell fällt auf: Die stets etwas merkwürdige Geräuschkulisse, die dem Fahrer trotz Automatikgetriebe eine latente Unfähigkeit im Umgang mit dem Kupplungspedal unterstellte, ist weg. Die stufenlose Automatik geht allmählich in Rente, im LC 500h arbeitet ein Vierstufengetriebe, ergänzt durch ein Untersetzungsgetriebe, das die ersten drei Gänge um je drei weitere ergänzt. Drei mal drei macht neun, plus Gang Nummer vier als Overdrive, macht zehn. Klingt kompliziert, fährt sich aber einfach, wie immer bei Lexus. Vom Plaza Altozano in die Calle Bestis rollt der LC ohnehin schon wieder rein elektrisch, das ohne Spiegel 1,92 Meter breite Coupé quetscht sich an zwei Streifenwagen vorbei. 200 Meter später erklärt eine erhebliche Menschenmenge die Polizeipräsenz: Hier wird gefeiert, sich selbst, das Leben und wer weiß, was sonst noch.

Die exotische Optik sorgt für Aufsehen

Es ist Montagabend. Schön. Der LC schleicht sich an, der Lärm übertönt seinen Antrieb, nicht jedoch seinen Auftritt. Von Desinteresse am Automobil keine Spur, neugierige Blicke verfangen sich in der extrovertierten Linienführung. Die Proportionen ließen sich vor allem dank der neuen Architektur GA-L (Global Architecture Luxury) realisieren, denn sie positioniert das Triebwerk in Front-Mittelmotorposition nun 50 Millimeter näher an der Spritzwand als bislang. Zudem fokussiert sich der LC so konsequent wie bisher höchstens der Sportwagen-Exot LFA auf den Fahrer, rückt ihn ins Zentrum, lässt ihn weit unter der flachen Dachlinie sitzen – verglichen mit dem GS um 101 Millimeter.

Er drückt ihm direkt das kleine Lenkrad in die Hand, drapiert alle fahrrelevanten Bedienelemente wie den Drehregler für die unterschiedlichen Modi und jenen für die Regelelektronik in unmittelbare Nähe der Hände, sagt: Fahr mich. Zunächst jedoch quetschen die engen Altstadtgassen den LC wieder heraus auf die breiteren Straßen, dort meldet sich dann der 3,5-Liter-V6-Motor, bleibt noch zurückhaltend. Später, wenn das 299 PS starke Aggregat richtig gefordert werden darf, outet es sich als nicht besonders talentierter Musiker, klingt bestenfalls kernig, eigentlich jedoch recht dröhnig.

Dann kommt auch das mehrstufige Hybridsystem an die Grenzen seiner Souveränität, zeigt durch die virtuellen Gänge wieder den Gummibandeffekt des CVT-Getriebes, wenngleich in stark abgeschwächter Form. Insgesamt entwickelt der Antriebsstrang 359 PS, die den rund zwei Tonnen schweren Lexus souverän fortbewegen, in nur fünf Sekunden von null auf 100 km/h zum Beispiel – so die Werksangabe. Nur mag man es ihm nicht recht zumuten, ihm und sich selbst die vorrangig akustische Anstrengung ersparen.

An den Setas, jenen eigentümlich schwungvollen Holzpilzen am Place de la Encarnacion (eigentlich heißt das Bauwerk Metropol Parasol), fragt ein kleiner Junge, ob er mal den Klang des Motors hören könne. Der rechtsgesteuerte Testwagen lässt ihn sogar in gebrochenem Englisch fragen. Besser jedoch, er lebt weiter in dem Glauben, dass da etwas Furchteinflößendes unter der Haube arbeitet. Zumal im Leerlauf ohnehin nichts passiert, wenn das Gaspedal traktiert wird. Wer auf echten harten Saugmotor-Sound steht, der muss dem freundlichen Lexus-Verkäufer die Modellbezeichnung LC 500 in den Kaufvertrag diktieren. Dessen V8-Saugmotor macht die Welt sicher nicht besser, aber unterhaltsamer. Doch das ist eine andere Geschichte.

Das Handling überzeugt trotz frühem Untersteuern

Sevilla jedenfalls fühlt sich auch vom Hybrid-Coupé bestens unterhalten, dreht sich nach ihm um, umkreist es andächtig, fotografiert es, natürlich. Auf der Pasarela de la Cartuja brüllt es ihn sogar an, immer wieder, ach nein, es ist nur der Trainer einiger Ruderer, die in der Dunkelheit auf dem Guadalquivir entlangpatschen.

Man habe viel Wert auf die Agilität gelegt, erklärt Lexus gerne zum LC. Ja, und selbst beim Hybrid will man die Welt gar nicht mal mehr so sehr verbessern, sondern vor allem Spaß am Autofahren vermitteln, daher auch das neue Getriebe. Und das Handling? Wird geprägt von einer bemerkenswerten Leichtigkeit, die sich aus dem authentisch-agilen Einlenkverhalten und der beachtlichen Rückmeldung der Lenkung ergibt – obwohl sie mit variabler Übersetzung arbeitet. Je nach Ausstattungsvariante dramatisiert eine Hinterachslenkung die Wendigkeit und stabilisiert bei hohem Tempo, und dennoch flüchtet sich das Coupé früher in sicheres Untersteuern als eigentlich nötig. Also doch lieber die lange Reise, weiter entfernte Ziele müssen über das etwas gewöhnungsbedürftige Touchpad in das Navigationssystem eingegeben, ein eher herber, aber noch guter Federungskomfort in Kauf genommen werden.

Oder eben doch eine Städtetour, durch Sevilla vielleicht, allein, während das Mark-Levinson-System das 2+2-Interieur mit Portishead oder Colour Haze ausfüllt. Ihr TripHop und Bluesrock drückt kraftvoll, fließt harmonisch aus den 13 Lautsprechern. Immer wieder fällt der Blick auf die frei der Verkleidung entspringenden Türöffner, eines der auffälligsten Details. Der aktive Heckspoiler hingegen, Teil des Performance-Pakets, döst in dezenter Ruheposition, das Carbondach bleibt jedoch stets sichtbar, als Zeichen für das Streben nach Dynamik.

Kaufpreis: Mindestens 90.000 Euro

Jetzt fühlt es sich auf den eher mäßig instand gehaltenen Straßen doch so an, als ob die 21-Zoll-Räder eine Nummer zu groß sind, aber sie füllen die üppigen Radhäuser nun mal so schön. Drei weitere Personen könnten noch mit, um die Kathedrale ebenso wie den Alcazar an sich vorbeiziehen zu lassen. Nur dürften zwei von ihnen nicht sehr groß sein. Also doch nur mit Beifahrer. Nein, lieber allein. Gibt auch keinen Ärger wegen des Kofferraums. 172 Liter Volumen. Aber ein 82-Liter-Tank.

Also doch die große Reise. Um im Lexus LC 500h die Welt zu erobern, nicht sie zu verbessern. Sie, die Welt, wird nicht viele von ihnen zu sehen bekommen, das Segment luxuriöser und mindestens 90.000 Euro teurer Coupés ist ja recht überschaubar – ganz gleich, ob mit oder ohne Lexus. Umso mehr wird sich die Welt freuen, wenn sie ein LC bereist. Zumindest die kleine, ehemals große Welt in Sevilla tat es.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
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