Volvo XC60 gegen XC90

Volvo XC60 T6 AWD, Volvo XC90 T6 AWD, Exterieur
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Volvo XC60 T6 AWD, Volvo XC90 T6 AWD, Exterieur

© Achim Hartmann
08.07.2018 - 00:00 Uhr von Clemens Hirschfeld

Wer an Volvo denkt, hat meist praktische Kombis im Kopf. Dabei sind die Bestseller im Programm der Schweden längst die SUV XC60 und XC90. Doch wer von beiden ist denn nun der Bessere?

Die Frage zu klären, welcher der beste Volvo ist, kann nur mit bösen Leserbriefen der großen Fangemeinde enden. Daher klären wir hier lieber, welcher der beiden großen Schweden-SUV besser zu Ihnen passt. Wie das gehen soll? Am besten mit einem Vergleichstest im Fragebogenstil – womit sich die unzähligen Straßenbefragungen während des Studiums des Autors endlich auszahlen. Bereit? Gut.

Für vier reicht der XC60

Zunächst wüssten wir gerne, wie viele Personen in Ihrem Haushalt leben. Wenn Sie hier spontan mit „weniger als fünf“ antworten können, reicht der XC60. Der bietet sowohl Fahrer und Beifahrer genügend Raum auf vielfältig elektrisch einstell-, beheizbaren sowie optional massagefähigen Sitzen. Im Fond finden zwei Erwachsene oder Kinder auf zwei integrierten Kindersitzen für 270 Euro fast ebenso bequem Platz.

Sie haben mehr als zwei Kinder? Dann steigen Sie doch in den geräumigeren XC90. Auch hier gefällt die hohe Sitzposition. Im Fond lassen sich die Beine übereinanderschlagen und die Arme ohne anzustoßen hinter dem Kopf verschränken. Und wenn alle drei Plätze belegt sind, können sich auf den versenkbaren Klappsitzen im Heck (1.500 Euro) zwei weitere Erwachsene niederlassen.

S ie sind Single? Gegenfrage: Was wollen Sie dann mit einem Volvo? Ach so, sie haben viele raumgreifende Hobbys. Selbst dann sollte der 1.432 Liter große Laderaum im XC60 genügen, der sich durch die fernent-riegelt umklappende Lehne ergibt. Die mehr als zwei Meter lange Ladefläche und ein halber Kubikmeter mehr Volumen im XC90 sind dagegen schon umzugswagentauglich. Zudem öffnet seine Heckklappe immer elektrisch, beim 60er kostet das 510 Euro. Noch komfortabler geht’s via Fußschwenksensor ab 600 Euro.

Haben Sie neben auto motor und sport „Schöner Wohnen“ oder „Audi“ abonniert? In den Testwagen stellt sich sofort Volvoness ein, denn die Innenräume lassen sich mit verschiedenen Hölzern, Metallblenden und Ledersorten wohnlich einrichten. Im Cockpit unterscheiden sich die beiden übrigens nur in Nuancen, der große SUV wirkt an ein paar Stellen noch feiner.

Großes Assistenzpaket für Volvo XC90 und XC60

Ansonsten kommunizieren beide serienmäßig über digitale Cockpitanzeigen und das senkrecht stehende Infotainment-System in der Mittelkonsole mit dem Fahrer. In die komplexe Menüstruktur muss sich dieser jedoch erst einarbeiten. Eine, wenn auch teure, Empfehlung verdient das Bowers & Wilkins Soundsystem, das mit bis zu 1.400 Watt aus insgesamt 19 Lautsprechern im XC90 die Akustik des Göteborger Opernhauses nachahmt. Bei der Sicherheitstechnik bieten die Schweden ein sehr umfangreiches Assistenzpaket serienmäßig. Der teilautonom fahrende Pilot-Assist ist im XC90 immer mit an Bord. Für 1.610 Euro arbeitet im XC60 dafür die neuere Version.

Wo wird Ihr Auto in der Nacht abgestellt? Einzelgarage oder Parkhaus? Dann wird es meist eng mit dem XC90, der mit seinen knapp fünf Metern Länge und zwei Metern in der Breite – ohne Außenspiegel, versteht sich – extrem unübersichtlich wirkt. Im direkten Vergleich ist der kleinere SUV deutlich leichter zu manövrieren, aber auch hier ist die rund 600 Euro teure 360-Grad-Rundumkamera eine gute Investition.

R-Line kostet Komfort

Wie wichtig ist Ihnen Fahrkomfort auf einer Skala von eins bis zehn? Okay, jetzt wird es knifflig, denn der erlebte Komfort hängt stark von der Ausstattungslinie ab. Die konstruktiven Voraussetzungen sind dank SPA-Plattform samt Doppelquerlenkern vorn und Integralachse hinten die gleichen. Zwar sind beide SUV hier mit der optionalen Luftfederung für 2.270 Euro ausgestattet, doch der XC90 ist hier als R-Line auf Sportlichkeit getrimmt. Und die offenbart sich nicht nur in optischem Zierrat und schmaler geschnittenen Sitzen, sondern auch in der strafferen Abstimmung sowie schärferen Kennlinien für Lenkung und Gaspedal. Sportsgeist weckt das allerdings weder in diesem noch bei irgendeinem anderen aktuellen Volvo-Modell.

Und so rollt der XC60 ohne R-Line-Insignien und mit 19- statt 20-Zöllern sanfter ab. Obwohl sich seine Karosserie in Kurven ebenfalls gerne nach außen lehnt, wirkt er insgesamt agiler. Das liegt allerdings nicht an der eher indirekten Lenkung oder der betont unauffälligen Achtgangautomatik, sondern am Antrieb. Denn der 310 PS starke Vierzylinder hat mit dem knapp 200 Kilo leichteren XC60 mess- und spürbar weniger Mühe. Beide sind zwar akustisch gut gedämmt, aber ein laufruhiger Sechszylinder würde ihnen sicher besser stehen. Mehr Leistung und Ruhe gibt es jedoch nur in Form des Plug-in-Hybrids mit dem 87 PS starken Elektromotor an der Hinterachse. Ein grünes Gewissen dürfen aber alle Volvo-Käufer haben, denn als einer der Ersten haben die Schweden ihre Motoren – auch die Diesel – nach der aktuellsten Abgasnorm Euro 6d-Temp zertifiziert.

Zum Schluss wüsten wir gerne, wie hoch das jährliche Haushaltseinkommen ist. Ja, einen Volvo muss man sich leisten können, das war schon immer so. Im Falle des XC90 ist die 100.000-Euro-Marke mit etwas Ausstattung aber schnell erreicht und mit der viersitzigen Topvariante Excellence sogar überschritten. Da ist der XC60 zumindest mit den kleinen Dieselmotoren deutlich erreichbarer. Der Testsieg, liebe Volvo-Fangemeinde, geht recht eindeutig an den XC60. Der Fragebogen hat bei Ihnen etwas anderes ergeben? Auch gut.

Technische Daten:

XC60 T6 AWD

Leistung: 228 KW (310 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:230 km/h
Grundpreis:61.150 €

XC90 T6 AWD

Leistung: 228 KW (310 PS)
Drehmoment (bei U/min): 400
Höchstgeschwindigkeit:230 km/h
Grundpreis:71.850 €

Bewertung

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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