Elektro-Transporter von der Post

Streetscooter Work
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Streetscooter Work

© Streetscooter
11.10.2018 - 12:12 Uhr von Gregor Hebermehl

Beim Streetscooter, dem Elektro-Transporter der Deutschen Post und DHL, geht es Schlag auf Schlag. Nachdem die Produktion des größeren Modells Streetscooter XL in Köln startete, gibt Bosch nun bekannt, dass man den E-Lieferwagen vermieten wird. Außerdem wird die Streetscooter-Familie konsequent weiterentwickelt.

  • Work-XL-Produktionsstart
  • BMW-i3-Akkus
  • CO2-Bilanz, Kosten, Preis
  • Zukunft
  • Technik und Vertrieb

Der Streetscooter, gebaut von der gleichnamigen Firma, die wiederum eine Tochter der Deutschen Post und DHL ist, macht weiter Karriere. Der Elektro-Transporter wird nun in immer mehr Carsharing- und Verleihprogramme integriert. Bereits seit Ende letzten Jahres bieten Ikea und die Autovermietung Hertz den Streetscooter zur Kurzzeitmiete an, allerdings nur am Standort in Kaarst bei Düsseldorf. Ab Dezember 2018 zieht Bosch nach und startet ein umfangreicheres Pilotprojekt: An fünf Toom-Baumärkten in Freiburg, Berlin, Frankfurt, Leipzig und Troisdorf bei Köln sollen die elektrischen Transporter zum Mieten bereitstehen.

Baumarkt-Carsharing und Work-XL-Produktionsstart

Bosch, das die Antriebskomponenten für den Streetscooter liefert, zieht das Projekt als Carsharing auf, genau wie Ikea und Hertz. Die Parkplätze der Baumärkte verfügen über Ladesäulen, an denen die Lieferwagen zur spontanen Miete bereitstehen. Dort müssen sie nach dem Transport auch wieder abgestellt werden. Der Kunde zahlt eine Stundenpauschale, in der die gefahrenen Kilometer und die Stromkosten enthalten sind. Anmietung und Rückgabe wird über eine Smartphone-App erledigt. Sollte das Projekt erfolgreich sein, will Bosch den Service mit weiteren Partnern ausbauen.

Einen anderen Meilenstein hatte die Streetscooter GmbH erst kürzlich verkündet: In den Ford-Werken in Köln startete die Serienproduktion des Work XL. Dahinter verbirgt sich die größere Streetscooter-Version, die auf dem Ford Transit basiert und von einem 90 kW (122 PS) starken Elektromotor angetrieben wird. Die Batteriekapazität des maximal 90 km/h schnellen Work XL beträgt 76 Kilowattstunden, das soll eine Reichweite von 200 Kilometern ermöglichen. Sein Ladevolumen beträgt 20 Kubikmeter, was für mehr als 200, insgesamt maximal 1.275 Kilogramm schwere Pakete reicht. Der E-Transporter erreicht ein zulässiges Gesamtgewicht von 4.050 kg. Ford plant, anfangs täglich 16 und pro Jahr etwa 3.500 Streetscooter Work XL zu fertigen.

BMW liefert Akkus für Streetscooter

Es ist nicht die einzige Kooperation mit einem deutschen Autohersteller, die die Streetscooter GmbH eingegangen ist. Die kleineren elektrischen Transporter der Post fahren nämlich künftig zum Teil mit Batterien von BMW. Die im Werk Dingolfing gefertigten Akkus sind baugleich mit jenen des BMW i3 und haben dort eine Kapazität von 33 kWh. Die Lithium-Ionen-Akkus bestehen laut BMW aus acht Modulen mit jeweils 12 Zellen und können auch aufgeteilt werden. Die Akkukapazität des Streetscooter ist mit 20,6 Kilowattstunden angegeben, die Reichweite mit 80 Kilometern.

Laut BMW handelt es sich um eine „Plug and play“-Lösung, die auch an andere Kunden verkauft wird. Unter anderem nutzt Torqueedo die i3-Akkus für seine elektrischen Bootsantriebe und im Kreuzfahrtterminal des Hamburger Hafens stabilisieren i3-Akkus das Stromnetz. Im Sommer und Herbst 2017 hat BMW an externe Kunden 1.400 i3-Akkus aus dem Dingolfiner Werk ausgeliefert, die Produktion sei skalierbar, heißt es aus München. An Streetscooter gingen 160 Akkus, BMW ist einer von mehreren Zulieferern für die Aachener Posttochter.

5.000 Streetscooter im Einsatz

Ende November hatte die Post bekannt gegeben, das Ziel, 5.000 Streetscooter im Einsatz zu haben, erreicht zu haben. Ende November waren 3.700 Streetscooter Work und 1.300 Streetscooter XL unterwegs. Alle Elektro-Transporter haben zusammen nach Angaben des Bonner Konzerns 13,5 Millionen Kilometer zurückgelegt.

CO2-Bilanz, Kosten, Preis

Die jährliche CO2-Ersparnis gibt die Post mit 16.000 Tonnen an – bei einem Ökostrom-Anteil von 100 Prozent. Dabei spart der Konzern sogar noch Geld mit den Streetscootern: „Sie verursachen 60 bis 80 Prozent weniger Kosten für Wartung und Verschleiß gegenüber vergleichbaren konventionellen Fahrzeugen.“ Die Post verkauft den Streetscooter auch an andere Firmen. Das Basismodell Work Pure kostet 31.950 Euro, abzüglich 4.000 Euro Förderprämie.

Künftig autonom unterwegs

Den Elektrotransporter haben DHL, die StreetScooter GmbH und die RWTH Aachen entwickelt. Eine Version mit Brennstoffzelle ist in Entwicklung und 2018 startet eine autonom fahrende Testflotte mit Technik von Nvidia und ZF.

20.000 Streetscooter aus zwei Werken

Die lokal emissionsfrei fahrende Streetscooter-Flotte wurde vom Bundesumweltministerium bisher mit rund 9,5 Millionen Euro gefördert. Bis Ende des Jahres möchte die Post die Produktion von 10.000 Streetscooter auf 20.000 Modelle pro Jahr verdoppeln. Dazu hat das Unternehmen jetzt neben dem ehemaligen Talbot-/Bombardierwerk Aachen einen weiteren Produktionsstandort in Nordrhein-Westfalen in Betrieb genommen: Ab sofort laufen im neuen Werk in Düren auf dem rund 78.000 m² großen Gelände des Autozulieferers Neapco bis zu 10.000 E-Transporter pro Jahr vom Band, das entspricht einer Tagesproduktion von 46 Fahrzeugen (im Ein-Schicht-Betrieb). Mittelfristig plant der Konzern, seine Flotte komplett auf Elektroantrieb umzustellen.

Test mit Feinstaubfilter

Ganz neu in der Erprobung ist eine zusammen mit dem Filterspezialisten Mann + Hummel entwickelte emissionsneutrale Variante, die auch dem Feinstaub zu Leibe rückt, denn auch Fahrzeuge mit Elektroantrieb sondern über Reifen-, Brems- und Straßenabrieb Feinstaub ab, sind also nicht emissionsfrei. Durch den Einsatz eines Feinstaubpartikelfilters ist die Gesamtbilanz des Fahrzeuges im Hinblick auf den Feinstaubausstoß neutral. Der Feinstaubpartikelfilter nimmt so viele Staubpartikel auf wie beim Fahren durch Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb entstehen. Das Filterelement hängt unter dem Fahrzeugboden auf Höhe der Hinterachse und saugt per Ventilatoren Umgebungskluft an, die dann in den Filterelementen gereinigt wird.

Die Filtermodule werden zunächst in fünf Streetscooter-Testfahrzeugen verbaut, die ab sofort in deutschen Innenstädten in Dienst gehen. Nach erfolgreichem Test ist ein serienmäßiger Einsatz des Feinstaubfilters möglich. Dann könnten mit dem Streetscooter die ersten quasi emissionsfreien Autos in Serie gehen.

Autonome Testflotte startet 2018

DHL startet 2018 eine Streetscooter-Testflotte, die autonom fährt. Mit den autonom fahrenden Elektro-Lieferwagen soll die letzte Meile der Zustellung automatisiert werden: Das spart Geld und Zeit. Die Steuerbox der Testflotte verfügt über Künstliche Intelligenz (KI), der Zulieferer ZF hat sie gemeinsam mit Nvidia entwickelt. Kameras, Lidar- und Radarsensoren liefern Daten und Bilder, mit denen die Software ihrer Umgebung wahrnimmt und interpretiert. So sollen die Fahrzeuge selbstständig umparken und ihre Route planen. Einen Prototyp haben DHL und ZF Mitte Oktober während der Nvidia-Entwicklerkonferenz GTC in München vorgestellt.

Brennstoffzellen-Version kommt 2018

Wie der Spiegel berichtet, soll neben den reinen batterieelektrischen Versionen auch eine Variante mit Brennstoffzellenantrieb kommen. Die wurde in Zusammenarbeit mit Ingenieuren der Hochschule Aachen entwickelt. Der Brennstoffzellen-Streetscooter hat nach Angaben von Post-Vorstand Jürgen Gerdes eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Er könnte bei der Post auf den Mittelstrecken zwischen den Ballungszentren eingesetzt werden. Bereits im nächsten Jahr will der Bonner Logistikkonzern 500 dieser Autos bauen und in den Probebetrieb nehmen.

Darüber hinaus verkauft das Unternehmen seine bislang für den Postbetrieb und Lieferverkehr optimierten eigenen E-Fahrzeuge auch an Dritte. Mindestens die Hälfte der diesjährigen Jahresproduktion ist dabei für externe Interessenten vorgesehen. Diese sieht der Post-Konzern vor allem erst einmal bei Kommunen, strategischen Partnern und großen Flottenkunden im In- und europäischen Ausland.

Die Jahresproduktion der StreetScooter-Fahrzeuge verteilt sich in etwa zu gleichen Teilen auf die Modelle Work (mit rund 4m3 Ladevolumen) und „Work L“ (mit rund 8m3 Ladevolumen). Die Preise für den StreetScooter Work beginnen ab 32.000 Euro (für die Basisvariante „Work Pure“). Auf Wunsch bietet die StreetScooter GmbH auch die entsprechende Lade-Infrastruktur mit an. Der nächste noch größere Transporter mit ca. 20m3 Ladevolumen („Work XL“) wird voraussichtlich Anfang 2018 auf den Markt kommen und dann ebenfalls in den externen Vertrieb gehen. Auch die E-Bikes von StreetScooter („Work S“) und E-Trikes („Work M“) können ab sofort von Dritten erworben werden.

In Sachen Streetscooter spricht Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Post – eCommerce – Parcel von Deutsche Post DHL Group, vom aktuell größten E-Mobilitätsprojekt in Deutschland. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks weist auf die Vorteile von Elektromobilität bei Lieferfahrzeugen im Stadtverkehr hin: „Gerade in Städten wird der leise und saubere Antrieb nicht nur ein Gewinn für Klima, Umwelt und Gesundheit sein, sondern auch für die Lebensqualität.“, begründet Hendricks den massiven Einsatz von Steuergeldern für das Projekt. Seit 2011 arbeiten DHL und die StreetScooter GmbH zusammen. Der speziell im Hinblick auf die Bedürfnisse des Postzustelldienstes hin entwickelte Streetscooter ist seit 2013 im Einsatz, 2014 übernahm DHL die StreetScooter GmbH.

Der Streetscooter liefert mit 41 elektrischen PS aus

Der Streetscooter „Work L“ wurde von DHL für den Kurzstrecken-Einsatz im ländlichen und kleinstädtischen Raum konzipiert. Täglich muss er bis zu 300 Stopps und Anfahrvorgänge bewältigen können – bei 300 Einsatztagen pro Jahr. Das in einfacher Kastenbauweise gehaltene Fahrzeug ist 4,6 Meter lang, zwei Meter breit und zwei Meter hoch.

Das 1,5 Tonnen schwere Modell verträgt eine Zuladung von 650 Kilogramm. Für den Antrieb ist ein Asynchronmotor mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt (knapp 41 PS) und einem maximalen Drehmoment von 130 Newtonmetern zuständig. Der Lithiumionen-Akku hat eine Kapazität von 20,6 Kilowattstunden. Damit soll der maximal 85 km/h schnelle Streetscooter bis zu 80 Kilometer weit kommen.

Vertrieb über Ford-Händler

Zur Erweiterung des Vertriebsnetzes konnte Streetscooter jetzt eine Vereinbarung mit Ford treffen. Die Modelle Work und Work L werden ab sofort auch über Nutzfahrzeughändler der Marke, Ford Transit Center genannt, verkauft. Damit wächst die Zahl an Verkaufsstandorten für Streetscooter eigenen Angaben zufolge auf 80.

„Die (in den Ford Transit Centern) Nutzfahrzeugkompetenz bietet gemeinsam mit zertifizierten Schulungen im Umgang und Service mit Elektrofahrzeugen eine hervorragende Basis für den weiteren Markterfolg unseres E-Transprter-Portfolios“, sagt Achim Kampker. Er bekleidet in Doppelfunktion nicht nur das Amt des Chefs von Streetscooter, sondern ist auch Geschäftsbereichleiter Elektromobilität bei Deutsche Post DHL.

Gemeinsam mit Ford wird auch der größere Transporter, logischerweise Streetscooter Work XL genannt, realisiert. Dabei handelt es sich um einen Ford Transit mit Kofferaufbau und Elektro-Antriebsstrang.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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