Audi TT, Porsche Cayman im Vergleichstest

144,5 km/h: Nur knapp liegt der Porsche beim schnellen
Ausweichen im Rahmen der Fahrdynamiktests vorn (Audi: 143,5
km/h).
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144,5 km/h: Nur knapp liegt der Porsche beim schnellen Ausweichen im Rahmen der Fahrdynamiktests vorn (Audi: 143,5 km/h).

© Achim Hartmann
30.11.2014 - 00:00 Uhr von Marcus Peters

Audi TT 2.0 TFSI gegen Porsche Cayman. Das heißt: Front- gegen Mittelmotor, Vorderrad- gegen Hinterradantrieb, Turbo gegen Sauger, Reihenvierzylinder gegen Sechszylinder-Boxer. Auf zum Duell ...

Wie lange gibt es sie noch, traditionelle Sportwagen wie den Porsche Cayman mit frei saugendem Mittelmotor und angetriebener Hinterachse? Mit respektlosem Ehrgeiz drängen turbogeladene Fronttriebler aus der neuen Welt nach vorn; sie versprechen ähnliche Agilität bei geringerem Preis. So wie der neue Audi TT. Als 2.0 TFSI kostet er 35.000 Euro.

Audi TT passt sich dem digitalen Zeitalter an

Dennoch wollen wir Ihnen diesen Kampf der Konzepte nicht vorenthalten. Audi TT gegen Porsche Cayman, das ist Turbo gegen Sauger, Reihenvierzylinder gegen Sechszylinder-Boxer, Front- gegen Mittelmotor, Vorder- gegen Hinterradantrieb, Baukasten gegen Einzelentwicklung und nicht zuletzt eben analog gegen digital. Im Porsche Cayman laufen noch Zeiger über echte Instrumente, im Audi TT empfindet ein Computerdisplay die klassischen Instrumente nach, animiert zudem die Navi-Karte sowie diverse Bord-Infos.

Das ist preisgünstig und ganz im Sinne des Baukastens: Die gleiche Bildschirmfolie lässt sich in verschiedene Modelle einbauen, differenzierende Anmutungen der Instrumente sind nur noch eine Frage der Programmierung. Und im Falle des Audi TT ist die Darstellung gelungen: groß und gestochen scharf, direkt im Blickfeld. Wo wir schon beim Vereinfachen sind: Die Bedienungselemente der Klimaanlage sitzen im Zentrum der Lüftungsdüsen.

Es dauert etwas, bis man sich in das neue MMI-System eingefunden hat. Ähnlich wie im Porsche, nur dass hier alle Funktionen auf eigenen Tasten liegen. Man muss sich also in beiden durchwühlen: beim Audi TT durchs Menü, beim Cayman durchs Tastendickicht. Einmal verstanden, führen beide Wege ohne Probleme ans Ziel.

Apropos Ziel: Das ist die Landstraße, schließlich fühlen sich beide als Herrscher über die Kurven. Und der Audi TT will hier trotz Frontantrieb nichts anbrennen lassen, stürzt sich mit dem S-Line-Sportpaket (2.490 Euro) samt 19-Zöllern (920 Euro), Sportsitzen und Tieferlegung um zehn Millimeter ins Getümmel.

Audi TT kopiert Bodenwellen

Das passive Sportfahrwerk hat bereits während der Anfahrt über die Autobahn auf sich aufmerksam gemacht – als Kopist von Bodenwellen. In der Stadt ließ das leise Abrollen noch hoffen, doch schon beim Ansprechen auf Unebenheiten gibt sich der Audi TT hölzern und straff. Alle, die auf Reisekomfort Wert legen, sollten sich die adaptiven Dämpfer für 1.300 Euro gönnen.

Weil die Ingolstädter aber beweisen wollen, dass der Audi TT einen Platz in der Sportwagenliga verdient hat, ist der Testwagen mit der bärbeißigen Federung ausgerüstet. Sie gestattet der Karosserie gegenüber dem Serienfahrwerk weniger Seitenneigung, maximiert die Lenkpräzision und lässt hervorragende Fahrdynamikwerte erwarten.

Und wie er sich ins Zeug legt, forsch, ja fast schon hastig einlenkt, keinen Zoll von der eingeschlagenen Linie abweicht und selbst beim Gasgeben im Scheitelpunkt nicht abdriftet. Untersteuern? Nur auf Nässe. Bei den Fahrdynamikprüfungen auf Trockenheit dagegen nicht. Überrascht registriert der Pilot, wie es den Audi TT stärker in die Kurve hineinzieht, als es der Lenkwinkel vorgibt – der radselektiven Momentensteuerung sei Dank. Doch das alles fühlt sich auch ein wenig nach Playstation an.

Porsche-Gefühl ist sofort da

Steigen wir also nach dem Audi TT in den Porsche Cayman. Porsche-Gefühl, sofort: die schmal geschnittenen, tief eingelassenen Sitze. Der große mittige Drehzahlmesser. Das Zündschloss links. Alles prägt den Fahrer schon im Stand. Wenn er dann den Schlüssel dreht und der Boxer aufbellt, ist sie da: diese Lust, auf Kurvenpirsch zu gehen.

Auf der Autobahn kann sich der Basis-Cayman ohnehin keine Meriten verdienen; der turbogeladene Audi TT hängt ihm im Nacken, lässt sich kaum abschütteln. Doch während es dessen Fahrer durchrüttelt, genießt man im Porsche einen guten Federungskomfort. Seine adaptiven Stoßdämpfer nehmen Unebenheiten fast schon limousinenartig auf, ohne ein Nachschwingen zu erlauben.

Limousinenartig? Nur beim Langstreckenkomfort. Auf der Landstraße dagegen ist der Cayman ein Sportwagen-Purist. Wie ein perfekt eingerittenes Pferd reagiert der Porsche auf sanften Schenkeldruck, nimmt Kurven geschmeidig und ohne Hast. Dieses trittsichere Wandeln auf der perfekten, schnellen Linie zieht den Fahrer in seinen Bann. Nichts mehr von den schwitzigen Händen früher Jahre; der Cayman ruht in sich, komme was und wer wolle – selbst wenn ein Audi TT im Nacken sitzt, der übrigens in der Fahrdynamikprüfung praktisch gleichauf liegt.

Audi TT mit verbesserter Lenkung

Selbst die Furcht vor plötzlichen Ausfallschritten des Mittelmotor-Zweisitzers ist unbegründet. Porsche hat den Cayman neutral bis leicht übersteuernd ausgelegt – im Sinne eines hilfreich mitlenkenden Hecks, das der Audi TT zumindest unter Last nicht bieten kann. Ebenso wenig den auf abgesperrter Strecke unter Kennern sehr geschätzten Powerslide. Bei allem ingeniösen Ehrgeiz: Das wird Fronttrieblern bis in alle Zeiten verwehrt bleiben.

Nachteile wie Antriebseinflüsse in der Lenkung zeigen sich beim Audi TT nur noch selten – etwa wenn das Drehmoment in nassen Kurven über die Vorderräder herfällt. Bei Vollgas schlägt der Zweiliter-Vierzylinder fast wie ein TDI zu, drückt sich aus dem Keller und stürmt durchs Drehzahlband. Der Lader setzt verzögert ein, doch ein wirkliches Loch muss man nicht überstehen.

Dem kann der Boxer des Cayman nur sein direktes Ansprechverhalten und seine Drehgier entgegensetzen. Oder ist es eine Drehpflicht? Denn unter 4.000/min schiebt wenig. Überhaupt enttäuscht der 2,7-Liter-Boxer mit verhaltener Leistungsabgabe, bleibt beim Null-auf-hundert-Sprint wie beim letzten Mal unter der Werksangabe – trotz des geflissentlich schaltenden PDK. Und der Porsche braucht im Schnitt auf 100 Kilometern 1,8 Liter mehr als der Audi TT.

Der Sauger stirbt aus

Angesichts dieser Messwerte von Audi TT und Porsche Cayman: War es das für den frei saugenden Sportwagen? Zum größten Teil ja. Der Vergleichstest verdeutlicht die Überlegenheit eines heutigen Lader-Triebwerks bei Drehmoment und Verbrauch. Das weiß auch Porsche und wird künftig im Cayman einen Turbo-Boxer einsetzen. Und das Mittelmotorprinzip mit Heckantrieb? Das wird überleben.

Denn was die kalten Beschleunigungs- und Verbrauchswerte nicht erzeugen können, ist dieses erdverbundene Gefühl, dieses Verwachsen mit dem Auto, dieses wärmende Kribbeln einer perfekt durchflossenen Kurvenkombination im Cayman. Ähnlich emotionale Reaktionen hat der Audi TT im Testteam nicht hervorgerufen, dafür wirkt er zu perfektioniert. Er ist der Typ, der alles kann, was Punkte-Belohnung bringt. Deshalb gewinnt er die Eigenschaftswertung dieses Vergleichstests. Bei den Kosten hatte der teure Porsche ohnehin nie eine Chance.

Wir werden gerade Zeugen des Eroberungsfeldzugs der digitalen Welt. Traditionelle Sportwagen müssen sich unterwerfen, um nicht ihre Daseinsberechtigung zu verlieren. Für den Saugmotor zu plädieren hat zumindest in der Großserie wohl keinen Sinn mehr, für das Mittelmotorprinzip allerdings schon. Es überzeugt in Kurven vielleicht nicht mehr die Stoppuhr – das Herz eines Piloten aber doch.

Technische Daten:

TT Coupé 2.0 TFSI

Motor:Reihenmotor
Zylinder:4
Hubraum:1984 cm³
Leistung: 169 KW (230 PS)
Drehmoment (bei U/min): 370
Leergewicht:1305 kg
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Kraftstoff:Super Benzin
Grundpreis:35.950 €

Cayman

Motor:B
Zylinder:6
Hubraum:2706 cm³
Leistung: 202 KW (275 PS)
Drehmoment (bei U/min): 290
Leergewicht:1415 kg
Höchstgeschwindigkeit:264 km/h
Kraftstoff:Super Plus
Grundpreis:54.211,25 €

Bewertung

Quelle: 2014 Motor-Presse Stuttgart
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