Alle Umweltzonen in Europa

Immer mehr Plaketten wandern, dank neuer Umweltzonen, auf die
Autofrontscheiben.
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Immer mehr Plaketten wandern, dank neuer Umweltzonen, auf die Autofrontscheiben.

© Adobe Stock Thomas Melcher, Zeit4men, FotoIdee, Julians Schlosser, Peggy Stein, Freesurf
16.11.2018 - 13:40 Uhr von Anne Mandel

Für eine bessere Luftqualität gibt es in Europa immer mehr Umweltzonen. Nun verschärft Madrid seine Regelungen – und sperrt ausländische Fahrzeuge vorerst aus. Paris zieht nach. promobil zeigt die Zonen in Spanien, Frankreich und Co.

  • Neuigkeiten: aktuelle Fahrverbote in Madrid, Frankreich, Essen und Gelsenkirchen
  • Frankreich
  • Belgien
  • Großbritannien
  • Italien
  • Dänemark und Österreich
  • Deutschland

+++ Update 15. November 2018: Madrid macht dicht +++

Ab dem 30. November dürfen nur noch Fahrzeuge mit der spanischen Umweltplakette „Distintivo Ambiental“ in das Zentrum der Hauptstadt einfahren. Grund dafür ist die neue Umweltzone Madrid Central ZEZ, die unabhängig der Wetterlage und damit permanent gilt. Da Ausländer bislang keine derartige Umweltplakette kaufen dürfen, bleibt ihnen die Einfahrt in die Metropole untersagt. Zukünftig soll es ein System geben, dass auch ihnen die Fahrt in die Stadt erlaubt. Bis dahin sollten Urlauber besser öffentliche Verkehrsmittel nutzen und das eigene Wohnmobil am Stadtrand parken. In Madrid gibt es bereits zwei Umweltzonen, diese betreffen jedoch nur das äußere und mittlere Stadtareal.

In Barcelona gilt seit Dezember 2017 eine ähnliche Regelung: Bei Luftverschmutzungsalarm ist die Einfahrt in das gesamte Stadtgebiet für bestimmte Benzin- und Dieselfahrzeuge untersagt. Das gleiche gilt ab Dezember auch für ältere Motorräder. Für das Jahr 2020 soll – wie in Madrid – eine permanente Umweltzone eingerichtet werden.

+++ Update 15. November 2018: Erstes Fahrverbot auf Autobahn +++

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat Fahrvebote für die Städte Essen und Gelsenkirchen veranlasst. Ein Novum: Das Fahrvebot umfasst auch Teile der A40. Eine Autobahn, die quer durch das Ruhrgebiet verläuft. Betroffen sind in Essen ab dem 1. Juli 2019 Dieselfahrzeuge bis zur Schadstoffklasse Euro 4, ab 1. September 2019 dann auch Dieselfahrzeuge der Klasse Euro 5. In Gelsenkirchen ist die Kurt-Schumacher-Straße ab dem 1. Juli 2019 nur noch für Euro 6-Diesel freigegeben. Für Gewerbetreibende sollen Ausnahmen gelten. Die Deutsche Umwelthilfe hatte in beiden Fällen geklagt. In zahlreichen Städten – darunter Berlin, Stuttgart und Köln – wurden bereits Fahrverbote angeordnet. Hamburg ist bislang die erste und einzige Stadt, die schon jetzt zwei Straßen für alte Dieselfahrzeuge gesperrt hat.

+++ Update 13. November 2018: Paris will keine alten Diesel mehr +++

Alle Dieselfahrzeuge, die vor 2001 registriert wurden, dürfen vorraussichtlich ab Juli 2019 nicht mehr in die französische Hauptstadt einfahren. Das beschloss die Métropole du Grand Paris. Die betroffenen Fahrzeuge dürfen demnach das Gebiet innerhalb der Autoroute 86 nicht mehr befahren. Bürgermeisterin Anne Hidalgo begrüßte in der Zeitung „Le Parisien“ die Entscheidung: „Das sind gute Nachrichten für die Gesundheit aller Bewohner“.

Reisemobilisten dürfte das jedoch weniger freuen: In das Areal fallen beliebte Standmöglichkeiten für Wohnmobile wie beispielsweise der Camping de ParisBois de Boulogne. Ein Stellplatz für 300 Mobile auf einem Campingplatz am westlichen Stadtrand direkt an der Seine. Auch der Parking Wurtz ist davon betroffen: Der gebührenpflichtiger Stellplatz für zehn Mobile im Süden der Stadt darf zu besagten Datum nicht mehr angefahren werden.

Umweltzonen: Pkw- und Wohnmobil-Fahrverbote in Europa

Feinstaubalarm, „Dieselskandal“ und überschrittene Grenzwerte bei den Stickoxiden in Städten wie Stuttgart, Hamburg oder München haben das Thema Luftverschmutzung in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Die Regierungen und Kommunen geraten in Zugzwang, nicht zuletzt weil immer mehr Bürger, Umweltverbände und selbst die EU gegen die schlechte Luftqualität klagen.

Viele europäische Städte wollen nun dagegensteuern: Für bessere Luftqualität werden immer mehr plakettenpflichtige Umweltzonen eingeführt, sogenannte LEZ (Low Emission Zones), die allerorten wie Pilze aus dem Boden schießen. Gerade für Reisemobilisten, die naturgemäß viel unterwegs sind, wird die Situation immer unübersichtlicher: Wo befinden sich die Zonen, wer darf einfahren und welche Plakette benötigt er dafür? Welche Strafen drohen bei Zuwiderhandlungen? promobil hat sich durchs Kleingedruckte gekämpft und zeigt, wo man als Reisemobilist in Europa aufpassen muss.

Frankreich: Umweltplakette Crit'Air

In fünf Touristengegenden gelten derzeit temporäre Fahrverbote. Diese Luftschutzzonen werden nur dann mit Verboten belegt, wenn es wetterbedingt nötig ist. Betroffen sind Paris, Straßburg, Lyon, Annecy und Isère (Alpen-Region, Grenoble). Hier dürfen Autos ohne Umweltplakette Crit'Air und mit Crit'Air-Klassen 5 oder 4 nicht mehr fahren. Wer ohne oder mit der falschen Plakete unterwegs ist, dem drohen hohe Geldstrafen.

Anfang Juli 2016 wurde in Frankreich die Umwelt-Plakette „Crit’A ir“ und die dazugehörigen Umweltzonen, zunächst in Paris und Grenoble, eingeführt. Doch es kommen immer neue Städte und Regionen hinzu. Eine ZPA-Zone wurde beispielsweise Anfang November für den Großraum Straßburg, der 33 Gemeinden umfasst, eingerichtet. Die lokale Regelung sieht hier vor, dass Fahrzeuge ab dem fünften Tag akuter Luftverschmutzung nur mit entsprechender Crit’Air-Vignette fahren dürfen.

Mittlerweile müssen auch deutsche Touristen eine Umwelt-Plakette an ihrem Fahrzeug anbringen: Fahrzeuge aus dem Ausland müssen die Plakette seit dem 1. April 2017 vorweisen. Erhältlich ist sie seit März 2017 unter https://www.certificat-air.gouv.fr/de/. Fährt man ohne Plakette in eine Umweltzone, wird ein Bußgeld in Höhe von 68 Euro für Pkw und 135 Euro für Lkw und Gleichgestellte fällig.

Warum? Ziel der Maßnahme ist es, die atmosphärischen Verschmutzungen, vor allem Stickoxide und Feinstaub in der Luft, zu reduzieren. Daher soll nur noch neueren und schadstoffärmeren Fahrzeugen die Zufahrt zu den Umweltzonen gestattet werden. Diese Zonen umfassen hauptsächlich Städte beziehungsweise Ballungsgebiete mit besonders hohen Feinstaubwerten. Schrittweise wollen weitere französische Städte diese LEZ einführen.

Wie? Die Fahrzeuge werden in sechs verschiedene Kategorien eingeteilt und erhalten eine entsprechende Plakette. Ausschlaggebend dafür sind das Jahr der Erstzulassung und die Abgaswerte nach europäischer Euro-Abgasnorm. Wohnmobile unter 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht werden als Pkw eingestuft, Wohnmobile über 3,5 Tonnen gelten als Lkw.

Die Einstufung in die Crit’Air-Kategorien erfolgt folgendermaßen: Die grüne Plakette bleibt Fahrzeugen mit Wasserstoff- und Elektroantrieb vorbehalten. In die Kategorie 1 werden Gas- und aufladbare Hybridfahrzeuge einsortiert. Diesel-Pkw mit Euro 5 oder 6 landen in Kategorie 2, während Diesel-Lkw nur mit Euro 6 in diese Klasse eingeordnet werden. Die Zuordnung zu den Kategorien 3 bis 5 erfolgt analog zu Kategorie 2. Keine Plakette erhalten Pkw mit Euro 1 und Lkw mit Euro 1 oder 2.

Die Einrichtung von Umweltzonen obliegt der jeweiligen Kommune. Diese legt auch fest, welche Crit’Air-Kategorien zu welchen Zeiten die Umweltzone befahren dürfen. Dies ist meist mit einem zusätzlichen Hinweis unter dem Schild der Umweltzone gekennzeichnet. Anders als in Deutschland gelten die Einfahrverbote, sofern nicht anders angegeben, Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr.

Wo? Welche Plakette man für welche Zone braucht, ist ausgeschildert. Mit Hilfe der Green-Zones-App kann man auch unterwegs einfach auf Informationen zu den Umweltzonen zugreifen.

Vorsicht im Elsass: Am 1. November 2017 wurde die Luftschutzzone „zone de protection de l'air“ (ZPA) in Straßburg und der Region Elsass eingeführt. Ab dann dürfen auf allen öffentlichen Straßen nur noch Fahrzeuge mit einer Crit'-Air Plakette fahren. Ab dem Stichtag gilt dann eine Art „Feinstaub-Alarm“ für das Straßburger Stadtgebiet: Wenn es über mehrere Tage schlechte Luft gibt, entscheidet die Farbe der Plakette, ob das Fahrzeug überhaupt noch auf die Straße darf. Wer sich nicht daran hält, muss mit Strafen zwischen 35 und 375 Euro rechnen.

Belgien: Umweltzone in Antwerpen und Brüssel

In der flämischen Stadt Antwerpen besteht seit 1. Februar 2017 eine LEZ-Umweltzone. Die gesamt Innenstadt liegt in dieser Zone, außerdem ein Teil des Stadtviertels Lineroever. Der Antwerpener Autobahnring R1 ist jedoch davon ausgeschlossen.

Die Umweltzone in Antwerpen ist ausgeschildert und gilt das ganze Jahr. Nur Fahrzeuge, die die Abgasnorm einhalten oder eine vorübergehende, kostenpflichtige Zulassung haben, dürfen in diese Zone fahren. Betroffen sind im ersten Schritt Dieselfahrzeuge der Euronorm 3 (ohne Rußpartikelfilter) und älter.

Besucher aus dem Ausland können vor einer Reise nach Antwerpen ihr Fahrzeug online registrieren unter: lez.antwerpen.be. Die Registrierung ist gebührenfrei und kann bis 24 Stunden nach dem Hineinfahren in die Umweltzone erfolgen. Für den Vorgang benötigt man den Fahrzeugschein und das COC Zertifikat mit EG-Übereinstimmungsbescheinigung. Diese Bescheinigung erhält man entweder beim Fahrzeugkauf oder man kann sie beim Autohersteller anfordern. Nur registrierte Fahrzeuge können von den Kameras, die in der Umweltzone aufgestellt sind, mit dem Nummernschild abgeglichen werden. 

Fahrzeuge, die die Auflagen nicht erfüllen, können maximal acht Mal im Jahr gegen Erwerb einer Tagesskarte in die Umweltzone fahren. Die Karte ist ebenfalls auf der Website oder an Parkscheinautomaten vor Ort erhältlich.

Wer die LEZ-Zone ohne Sonderzulassung oder Registrierung befährt, dem droht eine Geldstrafen von 124 Euro. Im Jahr 2018 soll die Strafe auf 150 Euro angehoben werden. Ausgenommen von der Regelung sind Motorräder. Für Oldtimer, die älter als 40 Jahre sind, kann man eine vorübergehende Zulassung anfordern.

In Brüssel und Umgebung wurde am 1. Januar 2018 eine Umweltzone eingeführt. Sie umfasst das gesamte Gebiet der Hauptstadt-Region mit allen Gemeinden und ist das ganze Jahr über gültig. Nur die Ringstraße R0 ist davon nicht betroffen. Stufenweise dürfen bis 2025 ältere Fahrzeuge nicht mehr in das Gebiet einfahren. Ab 2018 beispielsweise sind Euro-Norm-1-Diesel ausgesperrt, ab 2019 Euro-Norm-2-Diesel und keine Benziner mit Euro-Norm 1. Die Regelung betrifft allerdings nur Pkw, Vans, Transporter bis 3,5 t zGG, Busse und Reisebusse. Wohnmobile sind davon bislang ausgenommen – genauso wie Motorräder, Kleinkrafträder und LKW über 3,5 t zGG.

Großbritannien: Umweltzone LEZ in der Region um London

Auch in London gibt es jetzt eine Umweltzone. Zusätzlich zur Stau-Zonen-Gebühr müssen Autofahrer in London noch eine Umwelt-Gebühr bezahlen. Die Low Emission Zone (LEZ) umfasst den Großraum von London, darunter auch Teile der M1 und M4.

Von der LEZ nicht tangiert werden Pkw und Motorräder sowie Kleintransporter unter 1,205 Tonnen Leergewicht – Reisemobile bis 3,5 Tonnen aber schon. Sowohl in Großbritannien als auch in anderen Ländern zugelassene Fahrzeuge müssen die für die LEZ vorgeschriebenen Abgasnormen erfüllen: Für Reisemobile bis 3,5 Tonnen ist das die Norm Euro 3, für Reisemobile über 3,5 Tonnen Euro 4.

Vor der Einfahrt in eine LEZ muss das Fahrzeug online registriert werden. Die Zonen werden von Kameras überwacht. Darüber hinaus muss die geforderte Abgasnorm erfüllt werden.

Wer unbedingt in die LEZ fahren muss, aber die Anforderungen nicht erfüllt, kann eine Tagesgebühr entrichten. Dafür muss das Fahrzeug vorher postalisch oder per E-Mail bei der Organisation „ Transport for London“ registrieren, was bis zu zwei Wochen dauern kann. Die Tagesbebühr liegt je nach Fahrzeuggröße zwischen 100 und 200 Pfund. Für ein Wohnmobil zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen beträgt sie 100 Pfund für 24 Stunden. Wer unbefugt einfährt, muss mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 500 Pfund (rund 560 Euro) rechnen.

Weitere Infos unter: tfl.gov.uk/modes/driving/low-emission-zone/about-the-lez?

Italien: Verkehrseinschränkungen in Städten

In Italien gibt es mehrere sogenannte „zona traffico limitato“ ( ZTL) in verschiedenen Städten wie Bologna, Florenz, Genua, Mailand, Neapel, Pisa, Rom und Verona. Diese Zonen sollen Stau und Umweltverschmutzung vermeiden und sind mit einem Fahrverbotsschild gekennzeichnet.

Die Regelung variiert je nach Region. In Mailand beispielsweise braucht man im historischen Stadtzentrum unter der Woche tagsüber ein Ticket ( comune.milano.it). Dieses erhält man zum Beispiel an Tabacchi-Läden oder Zeitungskiosken. Von der Einfahrt ausgeschlossen sind Dieselfahrzeuge bis Euro 4 sowie Fahrzeuge mit einer Länge über 7,5 Meter. In Bologna müssen Fahrzeuge ein Umwelt-Ticket für die verkehrsbeschränkte Zone ZTL erwerben, wenn sie zwischen 7 und 20 Uhr dort hineinfahren ( comune.bologna.it). In Südtirol gibt es in Brixen und Bozen von Montag bis Freitag stundenweise für viele Fahrzeuge ein Fahrverbot.

Dänemark und Österreich

Neben den bisher genannten Umweltzonen existieren in Dänemark und Österreich weitere Zonen, die aber nicht für Reisemobile gelten. In Dänemark betrifft das die Städte Aalborg, Aarhus, Kopenhagen und Odense. Hier brauchen nur Lkw und Busse über 3,5 Tonnen den sogenannten Eco-Sticker.

In Österreich benötigen Lkw seit 2015 in den Umweltzonen (zum Beispiel in Wien) eine Abgaskennzeichnungsplakette, umgangssprachlich „Umwelt-Pickerl“ genannt. Mit Tschechien plant ein weiteres europäisches Land die Einführung von Umweltzonen, voraussichtlich wird das Vorhaben 2018 in die Tat umgesetzt.

Deutschland

Und in Deutschland? Seit 2008 wurden über 50 Umweltzonen eingerichtet, die man mittlerweile nur noch mit einer grünen Plakette befahren darf. Aufgrund schlechter Luftwerte in einigen Großstädten wurde darüber hinaus die blaue Plakette ins Spiel gebracht, die im Wesentlichen nur noch Diesel-Fahrzeuge, die der Abgasnorm Euro 6 entsprechen, erhalten sollen. Die blaue Plakette liegt aber gerade auf Eis.

Derweil spitzt sich die Lage in Städten wie Stuttgart, Köln, Hamburg, München und Düsseldorf zu. Zahlreiche Gerichte in deutschen Großstädten haben bereits Fahrverbote für das Jahr 2019 veranlasst.

Vier Fragen an den Verkehrsminister

Wie sollen in Stuttgart die EU-Richtlinien zur Luftreinhaltung umgesetzt werden?

Konkret wurde in Stuttgart bereits im Jahr 2005 der erste Luftreinhalteplan mit über 30 Maßnahmen aufgestellt. Seither haben wir vor allem hinsichtlich der Belastung mit Feinstaub deutliche Minderungen erreichen können. Der Jahresmittelwert konnte von 51 auf zuletzt 38 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) an der Messstation Stuttgart am Neckartor gesenkt werden. Der Grenzwert liegt bei 40 µg/m³.

Die Anzahl der Tage mit Überschreitung des Tagesmittelwertes in Höhe von 50 µg/m³ wurde von 187 auf 63 reduziert. Das ist unter anderem ein Ergebnis der Einführung der grünen Umweltzone mit Partikelfilterpflicht für Dieselfahrzeuge. Aber wir sind noch nicht am Ziel einer flächendeckenden Einhaltung der Grenzwerte in Baden-Württemberg angelangt. Momentan sind wir bei der dritten Fortschreibung des Luftreinhalteplanes. Es geht um weitere Verbesserungen und schlussendlich die Einhaltung der Grenzwerte: sowohl für Feinstaub (PM10) als auch für Stickstoffdioxid (NO2).

Die geplanten Maßnahmen umfassen vor allem den Ausbau und die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und des Rad- und Fußverkehrs, die Förderung und den Ausbau der Elektromobilität, ein Geschwindigkeitskonzept für den Kfz-Verkehr sowie ein optimiertes Parkraummanagement.

Welche Rolle spielt dabei die blaue Plakette?

Hauptverursacher für die NOX-Grenzwertüberschreitungen sind die Emissionen aus dem Straßenverkehr – insbesondere der Schadstoffausstoß der Dieselfahrzeuge. Mit der Einführung einer neuen „blauen“ Plakette könnten bundeseinheitlich besonders emissionsarme Fahrzeuge gekennzeichnet werden. Bei zu hohen Luftschadstoffwerten dürften dann nur noch Fahrzeuge mit blauer Plakette in die Umweltzonen einfahren. Dies würde zu einer deutlichen Abnahme der Stickstoffdioxidbelastung in den hochbelasteten Städten und Gemeinden führen. In vielen Städten sogar direkt zu einer Einhaltung der Grenzwerte. Das belegen Gutachten der zuständigen Regierungspräsidien. Die Zuständigkeit für die Einführung der blauen Plakette liegt allerdings bei der Bundesregierung und die hat sich bislang nicht in dieser Sache bewegt. Durch die nun angekündigte Klage der Europäischen Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof wird sich das vielleicht ändern – zumindest hoffe ich das sehr!

Angenommen, es kommt zu Dieselfahrverboten in und um Stuttgart: Wird es Ausnahmen für Reisemobil-Touristen und/oder Anwohner mit Reisemobil geben?

Wir wollen allen Bürgerinnen und Bürgern ein attraktives Mobilitätsangebot bieten. Die geplanten Verkehrsbeschränkungen haben nicht den Verlust von Mobilität, sondern die Einhaltung der Luftschadstoffgrenzwerte zum Ziel – und das schnellstmöglich, um die Gesundheit aller nicht länger zu belasten. Für die Nutzung von Wohnmobilen zu Urlaubszwecken während der potenziellen Fahrverbote ist im derzeitigen Entwurf des Luftreinhalteplans für Stuttgart die Möglichkeit einer Ausnahme angedacht.

Warum werden gerade die Dieselmotoren strenger behandelt als andere Verbrennungsmotoren?

Wie schon erwähnt ist der Hauptverursacher der hohen Luftschadstoffwerte der Straßenverkehr. Nach Analysen der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz wissen wir, dass dieser allein für etwa 77 Prozent der Stickstoffdioxidbelastung an der Messstelle „Am Neckartor“ verantwortlich ist. Vor allem die Emissionen aus Auspuffen der Dieselfahrzeuge tragen zu diesen hohen Stickoxidbelastungen maßgeblich bei. Fahrzeuge mit Ottomotor weisen hingegen deutlich geringere Stickstoffoxid-Emissionen auf. Daher müssen mögliche effektive Verkehrsverbote zuerst bei den Dieselfahrzeugen ansetzen.

Achtung Falle: Umweltplakette und Euro-Norm

Der Einbau eines Rußpartikelfilters ist für ältere Dieselmodelle meist der einzige Weg, um eine grüne Umweltplakette zu bekommen. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist allerdings, dass sich durch den Rußfiltereinbau auch die Euro-Norm des Fahrzeugs ändert. Das ist nicht der Fall. Durch die Nachrüstung ändert sich nur die Partikelminderungsklasse, die letztendlich für die Vergabe der Umweltplaketten maßgeblich ist.

Auch im Ausland hängt die Vergabe der Umweltplaketten meist von der Euro-Norm ab. Sie definiert auch die Steuerklasse des Fahrzeugs sowie die Höhe der Go-Box-Maut in Österreich für Reisemobile über 3,5 Tonnen. Wer dank eines nachgerüsteten Rußpartikelfilters eine grüne Umweltplakette erhalten hat, darf nicht den Fehler begehen und für sein Fahrzeug die Euro-4-Klasse reklamieren. Die österreichische Maut-Gesellschaft Asfinag zeigt sich in dieser Hinsicht wenig kulant: Es drohen empfindliche Nachzahlungen.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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