Crate Engine und Getriebe-Adapter von Electric GT: So passt der V8-Elektromotor ans Oldtimer-Getriebe

Crate Engine und Getriebe-Adapter von Electric GT: So passt der
V8-Elektromotor ans Oldtimer-Getriebe
Bild 1 von 15

Crate Engine und Getriebe-Adapter von Electric GT: So passt der V8-Elektromotor ans Oldtimer-Getriebe

© Electric GT

Die US-Firma Electric GT bietet komplette E-Triebwerke zum Selbsteinbauen an – und zwar in V8-Form. Die passen dank eines technischen Kniffs sogar ans Original-Getriebe.

Es ist knapp vier Jahre her, dass die Elektroauto-Szene erstmals Notiz von der Firma Electric GT nahm. Damals, im Sommer 2016, stellten die Kalifornier einen zum E-Mobil umgebauten Ferrari 308 vor. Der zuvor halb ausgebrannte "Magnum-Ferrari" erhielt von Electric GT einen 246 kW / 335 PS und maximal 475 Newtonmeter starken Antriebsstrang mit drei E-Maschinen und einer 46-Kilowattstunden-Batterie. Und obendrein ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk, moderne Bremsen, ein Fünfgang-Getriebe von Porsche sowie einen neu gestalteten Innenraum. In fünf Sekunden beschleunigt der elektrische Italo-Sportwagen von null auf 60 mph (96,6 km/h), die Höchstgeschwindigkeit liegt oberhalb der 290-km/h-Marke und die Reichweite gibt Electric GT mit gut 209 Kilometern an.

Elektrischer Crate Engine in V8-Form

Seitdem haben die Kalifornier noch einen elektrisch angetriebenen Fiat 124 Spider realisiert sowie die Arbeiten an Toyota Land Cruiser-Exemplaren der FJ40- und FJ60-Serie aufgenommen. Und sind im Zuge dessen auf eine Idee gekommen: Wie wäre es, das Crate Engine-Konzept der großen US-Hersteller aufzugreifen und auf Elektroantriebe zu adaptieren? Crate Engines sind Motoren, die von den Autobauern einzeln – in Kisten verpackt – an die Kunden verschickt werden, die diese dann in ihre eigentlich leistungsschwächeren Autos einbauen. Dieses Prinzip ist vor allem bei Viertelmeile-Racern verbreitet – und könnte doch auch für Menschen interessant sein, die ihren Verbrenner auf Elektroantrieb umrüsten wollen, oder?

Doch damit war die Kreativität der Truppe um Eric Hutchison noch nicht erschöpft. Denn bei Electric GT hatten sie den Gedanken, den E-Motor samt dessen Peripherie wie einen Verbrennungsmotor aussehen zu lassen. Und zwar wie ein ausgewachsenes V-Triebwerk mit acht oder mehr Zylindern. Zudem unabhängig davon, ob ein oder zwei E-Maschine(n) zum Einsatz kommen. Die Amerikaner versprechen eine "Plug-and-Play-Lösung mit hoher Leistung, die nahezu wartungsfrei ist", von einem "durchschnittlichen Mechaniker" problemlos eingebaut werden kann und für viele verschiedene Automodelle passen soll. Ein alter VW Bus soll bald ebenso von dem elektrischen Crate Engine angetrieben werden wie die Ford-Klassiker Mustang und Bronco.

Bis zu 243 PS und maximal 461 Nm

Standardmäßig kommen in dem etwa 86 Zentimeter langen Paket (ein Smallblock-V8 misst etwa 74 Zentimeter) AC-50-Elektromotoren zum Einsatz – und damit Teile, die bei nachträglich zum E-Auto umgebauten Fahrzeugen relativ verbreitet sind. AC-51- oder HyPer9-Pendants sind auf Wunsch erhältlich. Die einmotorige Variante leistet 114 kW / 155 PS und liefert maximal 331 Newtonmeter. Im Datenblatt der zweimotorigen Ausführung stehen 179 kW / 243 PS und maximal 461 Newtonmeter.

Im Elektro-V-Motor, dessen Gehäuse aus dem 3D-Drucker stammt, sind fast alle technischen Notwendigkeiten bereits enthalten: Motor(en), Steuerung(en), Ladegerät(e), Sensoren, Relais und Computersysteme. Fehlen noch die für die unterschiedlichen Modelle passenden Montagehalterungen, von denen Electric GT aber bereits einige entwickelt hat und andere nach Kundenvorgaben herstellen kann. Das Triebwerk ist "vorkonstruiert, vorgefertigt und vorgetestet", sagt der Hersteller.

Einbau in fünf Schritten

Einbauen müssen die Kunden den E-Motor allerdings selbst; auch die Verantwortung für die Batterie liegt bei den Käufern. Immerhin liefert Electric GT eine Einbauanleitung mit. Der Vorgang soll nach folgendem Schema ablaufen: Zuerst wird der Motorblock ins Chassis gehängt und mit dem Getriebe gekoppelt, bevor das Kühlsystem und der Kabelbaum ins Interieur ergänzt werden. Es folgen die Stromleitungen zum Batteriepaket und zum Ladeanschluss, die Kühlpumpe und der Wärmetauscher, dann soll das Ding auch schon funktionieren. Elektrische Klimakompressoren und Heizer sind als Zubehör erhältlich.

Electric GT empfiehlt übrigens, den Motor an ein Schaltgetriebe zu koppeln und bietet dafür bereits Kupplungen, Schwungräder und Adapterplatten an. Wobei man bei der Wahl des Getriebes darauf achten sollte, dass es grundsätzlich für das hohe Drehmoment der elektrischen Antriebseinheit ausgelegt ist. Derartige Adapter-Systeme stehen für luftgekühlte VW- und Porsche-Modelle ebenso zur Verfügung wie für Schaltungen aus dem Ford- und GM-Konzern, den Toyota Land Cruiser, diverse Volvo-Modelle und das T56-Getriebe von Borg-Warner und kosten etwa 1.000 Dollar. Weitere Applikationen folgen demnächst. Von Automatikgetrieben rät Electric GT ab. Weil sie eine zusätzliche Hydraulikpumpe erfordern und "wegen der Ineffizienz von Drehmomentwandlern".

Der 155 PS und maximal 331 Nm starke GTe-253 Crate Motor ist für 33.949 Dollar (umgerechnet gut 30.000 Euro) erhältlich. Das klingt nach viel, zumal man das Ding ja noch selbst einbauen muss. Aber für ein Komplettfahrzeug von Electric GT zahlt man etwa das Doppelte. Wer beim Einbau Hilfe benötigt, erhält diese übrigens vom Electric GT-Team. Oder man wendet sich direkt an eine Fachwerkstatt seiner Wahl.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
Top-Themen
Bei 'ServusTV' spricht Sebastian Vettel ungewohnt offen über den Rausschmiss bei Ferrari, eine mögliche Rückkehr zu ...mehr
Weil Porsche keinen eigenen Vertrieb hatte, kamen die Kunden ins Werk. Das ist heute noch möglich und immer ein ...mehr
Der Rentner-Benz mit Porsche-Fahrleistungen oder der Kombi mit V8: Schlicht verpackte Leistung reizt den Fan und nicht ...mehr
Anzeige