Elektrische BMW mit Hans-Zimmer-Sound

BMW Elektroauto-Sound by Hans Zimmer
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BMW Elektroauto-Sound by Hans Zimmer

© Gregor Hebermehl

Die Soundkulisse von Elektroautos macht nicht viel her. Der weltberühmte Filmkomponist Hans Zimmer soll das jetzt für BMW ändern.

Ein unscheinbares Gewerbegebiet in der 15th Street im kalifornischen Santa Monica: Hier residiert Hans Zimmer in gemütlich und prächtig ausgestatteten Musikstudios. Der deutsche Komponist ist seit Jahren der wichtigste Filmmusiker in Hollywood. Eine Figur, eine x-beliebige Szene oder eben ein Auto: Zimmer weiß, wie etwas klingen muss. Seine Eltern fuhren BMW und er erkannte jeden Abend den Klang des BMWs seiner Mutter, wenn diese von der Arbeit kam. Deshalb ist der Sound von Autos für Hans Zimmer eine Erinnerung, eine sehr emotionale Sache – und diese Emotionen möchte er auch den Elektroautos von BMW verleihen.

Ein grauer kalter Morgen und volle Straßen: Zimmer wundert sich nicht, dass in so einem Szenario manch einer mit versteinerter Miene in sein Auto steigt und zur Arbeit fährt. Das möchte der Komponist aus Hollywood jetzt ändern. Die Leuten sollen vom künstlichen Sound ihres Elektro-BMW begeistert sein und mit einem Lächeln ihre Fahrt antreten. Und Zimmer ist dabei mental längst in Kalifornien zuhause: Den alten Verbrennungsmotor-Geräuschen trauert er keine Sekunde nach, er schaut vorbehaltlos in die Zukunft und möchte etwas vollkommen Neues erschaffen. Er sieht die Chance, jetzt den Sound des Straßenverkehrs der unmittelbaren Zukunft zu prägen und dabei nichts dem Zufall zu überlassen.

Viele Anforderungen an den Sound

Ebenfalls federführend in die Entwicklung von neuen BMW-Elektroauto-Sounds eingebunden ist der Italiener Renzo Vitale. Vitale spricht deutsch, ist Komponist, Pianist und hat an der RWTH Aachen im Bereich Akustik promoviert. Er ist unter anderem dafür zuständig, dass der künftige E-Autosound sämtlichen Anforderungen genügt – und davon gibt es viele. So soll der Sound dynamisch, modern und emotional sein, nach Hightech klingen und zudem alle rechtlichen Vorschriften erfüllen.

Dabei möchte Vitale nicht einfach rumprobieren, sondern den Sound zielgerichtet aus vielen kleinen Einzelelementen komponieren. Allerdings gibt es für die Entstehung dieser kleinen Soundelemente zwangsläufig einige Versuche. So berichtet Vitale davon, dass er Hans Zimmer fragte, ob der Einsatz einer Gitarre okay wäre. Zimmer stimmte sofort zu – aber unter der Bedingung, dass sich die Gitarre nicht wie eine solche anhören dürfe. Also legten Zimmer und Vitale eine Gitarre auf einen Hocker, und entlockten ihr gemeinsam gitarrenuntypische Töne. Um deren Weiterentwicklung kümmern sich dann nicht nur Hans Zimmer und Renzo Vitale, sondern auch Alan Meyerson in den Studios von Hans Zimmer.

Am Schluss kommt Alan Meyerson

Alles, was Hans Zimmer komponiert geht zuletzt durch Meyersons Hände. Er sorgt für das perfekte Einspielen und Mixen – bevor er zu Zimmer kam, arbeitete er 15 Jahre lang als Record Mixer. Beim Soundstudio-Nachwuchs gilt Meyerson als harter Lehrmeister – und wer durch seine Lehre ging, steigt im Musikgeschäft oft ganz oben ein. Meyerson lässt Sound exakt so klingen, wie ihn sich Regisseure, Bands und Auftraggeber wie BMW wünschen. Meilensteine in seinem Berufsleben waren die Blockbuster Gladiator, Hannibal und der nicht ganz so hoch aufgehängte „The Fan“ – aber seit Jahrzehnten gibt es praktisch keine Hollywood-Produktion, an der Meyerson nicht beteiligt ist.

Trotz seiner Prominenz in der Filmmusik-Szene hat Hollywood nach wie vor Schwierigkeiten mit Meyersons Namen: Sogar auf einem Grammy ist sein Name falsch eingraviert, erzählt er belustigt. Auch er freut sich auf die Arbeit an Sounds für Elektroautos – schließlich macht er nicht nur Filme. Kürzlich hat Meyerson innerhalb von drei Wochen 6,5 Stunden Musik für das Computerspiel zu Star Wars eingespielt. Er ist überzeugt davon, wenn man nur fünf Prozent mehr Aufwand in die Produktion von Musik steckt, hört sich das um 1.000 Prozent besser an. Und sein Boss Hans Zimmer sei der erste gewesen, der mit großem Aufwand und viel Präzision Filmmusik auf ein neues Level gehoben hätte.

Hans Zimmer möchte die Welt verändern

Für Zimmer ist die Zusammenarbeit mit BMW schlicht eine Möglichkeit, „die Welt zu verändern und die schönsten Soundlandschaften zu erschaffen.“ Der Sound soll den Fahrer beeinflussen, die Geräusche müssen immer elegant sein – selbst die Stille. Auch Renzo Vitale betont, wie wichtig Stille ist – zumindest der künstliche Innensound eines Elektroautos soll sich komplett ausschalten lassen. Und der Sound soll der Maschine Auto eine Seele geben, damit das Auto eben nicht wie eine kalte Maschine wirkt – das ist Hans Zimmer wichtig. Für die Studie BMW Vision M Next hat er bereits einen Beschleunigungs-Sound entwickelt – und Vorschläge für den Start- und Stopp-Sound zukünftiger BMW-Modelle gibt es auch schon. Bereits 2020 gehen die ersten Hans-Zimmer-Elektroauto-Sounds bei BMW in Serie.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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