Geheimnisvoller McLaren-Erlkönig

McLaren testet auf dem Nürburgring einen geheimnisvollen
Erlkönig. Was hat es damit auf sich?
Bild 1 von 16

McLaren testet auf dem Nürburgring einen geheimnisvollen Erlkönig. Was hat es damit auf sich?

© Stefan Baldauf
14.11.2017 - 14:06 Uhr von Andreas Haupt

McLaren testet auf dem Nürburgring einen getarnten 675LT. Mit Fake-Nummernschild und einem großen Heckflügel. Das ist der P1-Nachfolger.

Eigentlich ist der McLaren 675LT ein Auslaufmodell. McLaren hat ihn bereits in seiner Modellaufreihung in die Legacy-Sparte abgeschoben. Dort parkt er neben M6GT, F1, 12C und 650S. Vom 675LT mit 675 PS starkem Biturbo-V8 baute McLaren 1.000 Stück. 500 Coupés und 500 Roadster. Zu einem Stückpreis von über 300.000 Euro.

Ein neuer Testträger zeigt, dass die Briten ihren limitierten Supersportwagen noch lange nicht eingemottet haben. Unser Erlkönig-Fotograf fotografierte auf der Nürburgring-Nordschleife einen komplett getarnten 675LT. Mit einem großen feststehenden Heckflügel statt der typischen Airbrake. Die Sportwagen-Welt rätselt: Was ist das für ein McLaren? Ein neuer Supersportwagen für die Straße? Oder ein neuer Rennwagen?

Straßen-Supersportwagen bestätigt

Des Rätsels Lösung liefert eine von McLaren herausgegebene Presseinfo. McLaren bestätigt, einen weiteren Supersportwagen für die Top-Baureihe Ultimate Series zu bauen. Der soll bereits im ersten Quartal 2018 kommen und dürfte das Entwicklungskürzel P15 tragen. Seine Premiere im Netz wird der am 10. Dezember 2017 feiern, einem größeren Publikum wird er sich auf dem Genfer Autosalon präsentieren. Dieses nächste Modell der Ultimate Series, soll das ultimative Rennauto sein, aber auch für die Straße zugelassen sein. Tägliche Nutzbarkeit wird geopfert, um das intensivste Fahrerlebnis rund um eine Rennstrecke zu geben. Sein Design, das als brutal bezeichnet wird, ist der reinste Ausdruck der Philosophie des Unternehmens, „Form follows function“. Weitere Details, einschließlich des Namens des Modells, sollen noch vor Ende dieses Jahres bekannt gegeben werden. Gemutmaßt wird als Antriebsquelle der neue Vierliter-V8-Biturbo, der auf gut 790 PS leistungsgesteigert wird. Das Gewicht soll lediglich 1.300 kg betragen. 500 Exemplare sollen gebaut werden. Als Preis werden rund 950.000 Euro kolportiert. Bekannt ist zudem: McLaren arbeitet an weiteren neuen Modellen für seine Ultimate Series. Es wird einen neuen dreisitzigen Sportwagen geben. Wie einst den F1. Codename für den neuen: BP23. Geplanter Markstart: Anfang 2019.

McLaren-Erlkönig mit der Kennung MV 715-23

Als der Erlkönig aufgetaucht ist, hatten wir nachgefragt. McLaren beteuerte zunächst, dass es sich um einen Testträger für Fahrwerkskomponenten handelt. Mehr stecke nicht dahinter. Die Erprobung neuer Fahrwerkstechnik auf der Nordschleife macht Sinn. Wo sonst kann man besser testen als auf der abwechslungsreichen Rennstrecke?

Aber Teile wie Aufhängungen, Federn, Dämpfer und Stabis sind ohnehin versteckt. Wieso muss man also die Karosserie bekleben? Und wieso braucht es den Heckflügel? Das führt zu Spekulationen. Zumal unser Fotograf berichtet, dass der McLaren mit einem Fake-Nummernschild zum Nürburgring fuhr.

Der Erlkönig trägt die Kennung MV 715-23. Zwei Insassen sitzen im Cockpit. Rein optisch sieht der Erlkönig aus wie ein GT3-Auto. McLaren modifizierte die Frontschürze. Die vordere Haube trägt zwei Aussparungen. Die Luke auf dem Dach ist ebenfalls neu. Hierdurch dringt frische Luft zum Motor. McLaren hat mit dem 650S bereits ein GT3-Auto im Angebot. Mit 3,8-Liter-Biturbo-V8, der durch das Reglement bei rund 500 PS eingefangen wird. Der 650S GT3 kam 2015 als Nachfolger des MP4-12C GT3. Vielleicht ist der gesichtete Erlkönig der Nachfolger vom Nachfolger.

Straßensportwagen für die Rennstrecke

Eine andere Möglichkeit wäre es, dass McLaren den 675LT analog zu 570S und 650S als Sprint-Modell verkaufen will. Beide angesprochenen Sportwagen tragen einen feststehenden Heckflügel und sind nur für die Rennstrecke gebaut – besitzen also keine Straßenzulassung. Ein 675LT würde sich als Topmodell in dieses Schema einordnen.

Ein GT-Auto für Le Mans scheint der Erlkönig nicht zu sein. Dafür wirkt er nicht radikal genug. Besonders, wenn man sich den Diffusor anschaut. Es heißt, McLaren evaluiere einen Einstieg in Le Mans. Unter der Führung von Zak Brown hat sich in der Rennsparte einiges getan. Siehe Fernando Alonsos Gastauftritt beim Indy500. Das wäre unter dem alten Boss Ron Dennis unmöglich gewesen. Allerdings, so heißt es, will McLaren erst einmal abwarten, wie sich die Sportwagen-WM nach dem Porsche-Ausstieg neu sortiert. Vielleicht ergibt sich ja sogar ein Einstieg in die Topklasse.

Quelle: 2017 Motor-Presse Stuttgart
Kommentare
Top-Themen
Empfehlung: Ford Sierra XR4i Motor: V6, 12V, 2.792 ccm / Leistung: 150 PS bei 5.700 U/min / Gewicht: 1.250 kg / Vmax:mehr
Mit dem neuen Jahr treten auch einige neue Regeln und Vorschriften für Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer in Kraft.mehr
Wir blicken auf das untere Ende der Verkaufs-Hitparade des KBA und nennen die Modelle, die im Oktober 2017 die ...mehr
Anzeige
Auto Motor und Sport
Anzeige
Auch interessant
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige