Neuer Kia X-Ceed

Kia X-Ceed
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Kia X-Ceed

© Werner Gröger Meier

Wie jetzt, ist der neue X-Ceed bloß eine halbe Portion? Im Gegenteil, die Kia-Strategen trauen dem jetzt erscheinenden Crossover 50 Prozent der gesamten Ceed-Verkäufe zu. Und dass, obwohl die Kompaktklasse-Family eh schon aus drei Modellen besteht. Gucken wir doch mal, ob die optimistische Einschätzung passt.

Eins kann man den Kia-Strategen nicht vorwerfen: dass sie in der Kompaktklasse irgendwas verschnarcht hätten. Neben dem normalen viertürigen Ceed, dem Kombi sowie dem Shooting Brake Pro-Ceed bringen sie nun noch einen – ja, was eigentlich – an den Start. Nummer vier heißt jedenfalls X-Ceed, und ist weder schlankes Coupé noch kantiger SUV, wohl aber ein Kind unsere Zeit. Und die ist gierig nach Crossover-Typen. Nicht so kantig wie ein echter SUV, nicht so raumlimitiert wie ein Coupé und: auf keinen Fall langweilig. Ergo hat Kia seine Kunden gefragt, den Markt ausgelotet und sich exklusiv für Europa und Russland an die Arbeit gemacht.

Etwas länger und etwas höher als der Ceed

So baut der XCeed bei gleichem Radstand mit 4,40,Metern einen Tick länger als der Standard-Ceed, hält andererseits aber Abstand zum größeren SUV Sportage. Doch wer nun denkt, na ja, ist doch keine große Sache mehr heutzutage, bockst einfach den normalen Viertürer auf, spaxst ein paar coole Plastikteile dran und gut, der irrt. Lediglich beiden vorderen Türen stammen vom Ceed, der Rest der Karosserie ist im Prinzip neu. Selbst die sogenannte Tigernase bekam ein Lifting.

So wie die Sitzposition. Leicht erhöht vereinfacht den Einstieg ohne den Fahrer thronig von der Straße zu entkoppeln, eine gute Übersicht bietet der X-Ceed ebenfalls, die A-Säulen stören kaum und hinten lauert keine dunkle Höhle auf Fond-Opfer, das Designteam verkniff sich eine ausufernde C-Säulengestaltung. Hinten Zusteigende empfängt der X-Ceed somit als willkommene Gäste, offeriert ihnen je nach Ausstattung sogar eine Sitzheizung.

Alles so digital hier

Und vorn? Kia-Profis bedienen das aus anderen Modellen bekannte Cockpit ohne Eingewöhnung, registrieren jedoch das neue 12,3 Zoll große hochauflösende Volldigitalinstrument. In der Mitte thront der ebenfalls neue, 10,25-Zoll-Touchscreen im Breitwandformat. Beides ist allerdings den höheren Ausstattungen vorbehalten, in der Basis müssen konventionelle Instrumente und ein Achtzoll-Monitor richten – ohne Navigationsmodul, jedoch mit Koppelung zu Apple-CarPlay oder Android Auto. Was ja nicht das schlechteste ist. Indes: eine Kartendarstellung im Display vor dem Fahrer, die verweigert Kia mit der Begründung, die Anpassungszeit der Fahreraugen dauere zu lange. Wenn das kein guter Anlass für ein Treffen etwa von Kia- und Audi-Ingenieuren wäre... Wir bewerben uns hiermit zum Mäuschenspielen.

Jetzt auch Online

Ach ja, mit dem großen Infotainment kommt der Online-Dienst „Uvo“ und damit Echtzeit-Infos sowie per App fernebedienbare Funktionen wie Vorklimatisierung, Fahrzeugortung oder Routenplanung ins Auto. Wer lieber Musik hört, kann sich von einer JBL-Anlage mit acht Lautsprechern und 320 Watt Leistung beschallen lassen inklusive 360-Grad-Eindruck. Zwei der Lautsprecher lauern im Kofferraum, wo sie einer Steckdose, Gepäckhaken sowie einem soliden höhenverstellbaren Ladeboden Gesellschaft leisten.

Genug erzählt, Abfahrt. Wir starten mit dem 140 PS starken 1,4-Liter mit Schaltgetriebe, er wird den größten Verkaufsanteil bestreiten. Der Turbovierzylinder schiebt unauffällig und ausreichend kräftig an, bliebt bei Alltagsdrehzahlen dezent im Hintergrund, wird erst beim Hochdrehen präsent. Doch das ist normalerweise nicht nötig, der Punch der 242 Newtonmeter Drehmoment reicht bei mittleren Drehzahlen fürs flotte Vorwärtskommen lässig aus.

Flott fahren? Aber bitte!

Und flott liegt dem 1,4-Tonner, dessen Lenkung und Fahrwerk die Kia-Ingenieure für besseres Handling und Komfort überarbeiteten, ja ihm überdies gripstarke Conti Sport Contact 5 aufziehen. Die Lenkung arbeitet im besten Sinne unauffällig, nicht zu leichtgängig mit homogener Übersetzung.

Lediglich ausgewiesene Sportfahrer könnten sich selbst im Sportmodus trotz reduzierter Servounterstützung (sowie spontanerer Gasannahme) noch einen Tick mehr Rückmeldung wünschen. Andererseits freuen selbst sie sich am agilen Handling, so dreht der X-Ceed bei provozierten Lastwechseln zart das Heck ein. Bei grobem Unfug zieht natürlich das Stabilitätsprogramm die Leine stramm, solange man den mit einer Multilenkerhinterachse versehenen Crossover jedoch sauber fährt, passt alles.

Passt alles, das gilt auch für die Federung. Längere Unebenheiten schwingt der X-Ceed ordentlich aus, Karosseriebewegungen bleiben kontrolliert, lediglich auf kurzen Unebenheiten poltert es schon mal.

Assistenz? Jede Menge

Was dem Wohlbefinden kaum abträglich ist. Bequeme Sitze mit ausreichend Seitenhalt, angenehme Klimatisierung und vor allem die Kia-üblich einfache Multimediabedienung überzeugen genauso wie das serienmäßige LED-Licht. Ebenfalls überzeugend: das Assistenzangebot, das von der selbstlenkenden Einparkhilfe, Spurhalter, Frontkollisionswarner, Querverkehrwarner, über Stauassistent bis Verkehrszeichenerkennung reicht. Einiges davon ist an der Basis Edition 7 (für 21.390 Euro mit Einliter-Dreizylinder) Serie, der Rest an Ausstattungen gebunden.

Benziner und Diesel ab sofort, Plugin-Hybrid ab 2020 Und die Motorisierungen? Nun, zum Einstieg serviert Kia den 120-PS-Dreizylinder, darüber den von uns mit Schaltgetriebe sowie dem angenehm unauffällig und zielführend schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gefahrenen 1,4-Liter. Kräftiger, fleischiger fühlt sich der 1,6-Liter an, der mit 204 PS natürlich bessere Fahrleistungen bei zart reduzierter Laufkultur bietet. Diesel gibts auch: 1,6 Liter groß und 115 oder 136 PS stark. Anfang 2020 folgte in Plugin-Hybrid mit einer Gesamtleistung von 141 PS und einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 60 Kilometern.

Könnte also was werden mit den 50 Prozent. Ab dem 21. September 2019 kann der X-Ceed zeigen, was er kann.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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