Nissan Dayz Roox

Nissan Dayz Roox - Fahrbericht - Kei-Car - Tokio Motor Show
2019
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Nissan Dayz Roox - Fahrbericht - Kei-Car - Tokio Motor Show 2019

© Daijiro Kori / Nissan

Auf Japans Straßen wuseln eifrig die Kleinstwagen der so genannten Kei-Car-Klasse herum. Und eigentlich passen die maximal 3,39 Meter langen Winzlinge wie der Nissan Dayz Roox auch prima nach Europa – so lange kein Wind weht.

Ferienprogramm, damals, vor vielen Monden, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: „Und wir falten die rechte Kante mit die linke Daumen nach die oben“. So oder so ähnlich lautete eine der gebräuchlichsten Anweisungen beim Origami für Kinder. Zumindest in der Erinnerung.

In seinem Ursprungsland Japan zählt die komplexe Papierfalttechnik zu den höchsten Künsten. Und einigen Japanern gelingt es auf dieser Basis aus Blech kunstvolle Kleinstwagen zu falten. Na ja, obwohl sie zunächst meist sehr schachtelig aussehen. Die Raumökonomie jedoch beeindruckt, dürfen die Würfel maximal 3,40 Meter lang, 1,40 Meter breit, aber immerhin zwei Meter hoch sein.

Gut, ganz so weit oben liegt die Dachlinie des Nissan Dayz Roox nicht, doch 1,78 Meter, hey, das ist doch was. Sonst hält sich der Viertürer natürlich an alle anderen Spielregeln dieser Fahrzeugklasse, der Hubraum beträgt 658 cm³, die Leistung nicht mehr als 64 PS. Daher benötigen die Käufer keinen Nachweis über einen Parkplatz, erhalten steuerliche Vergünstigungen – sowie ein beeindruckendes Raumgefühl.

Raumgefühl + Rundumsicht: top

Die hintere Schiebetür auf der Beifahrerseite öffnet elektrisch, und ob der lichten Höhe erwartest du ein Echo, würdest du jetzt in den Innenraum jodeln. Mal eben 1,40 Meter Innenhöhe, hui, da kommt selbst Deutschlands Vorzeige-Schuhschachtel VW Multivan nicht mit. Dazu kommt eine um 26 Zentimeter längsverschiebbare Rücksitzbank, die, ganz nach hinten gerückt, ein bemerkenswertes Raumgefühl realisiert. Du wartest eigentlich nur noch auf den Turnlehrer, der Kommandos gibt, so wie damals im Gymnastikraum der Schule, wenn mal wieder die Turnhalle belegt war.

Selbst vom Fahrersitz aus bietet der Nissan eine aquariumartige Rundumsicht, der steil stehenden A-Säulen und der Dreiecksfenster wegen. Startknopf drücken, los geht’s, ins Gewusel von Tokio und darüber hinaus. Den hoch montierten Wählhebel des Automatikgetriebes auf D-Rücken, Gas geben, vorsichtig, wer weiß, was passiert, denn es könnte auch ein Turbomotor unter der Haube stecken. Anders sind 64 PS bei dieser Hubraum-Obergrenze nicht zu realisieren.

Selbst Allradantrieb ist in dieser Klasse keine Seltenheit, Nissan bietet ihn für den Dayz Roox ebenfalls an. Das Dreizylinder-Aggregat trommelt, es bewegt sich nur nicht viel. Mehr Gas. Die Drehzahl schnellt nach oben, laut Drehzahlmesser wären 9.000 Umdrehungen möglich, meine Güte. Jetzt liegen etwa 5.000 an, es kommt Leben in das Häuschen, nicht nur akustisch. Natürlich übernimmt ein stufenloses CVT-Getriebe die Kraftübertragung, die Japaner stehen auf diese Technik mit der gewöhnungsbedürftigen Geräuschkulisse, da sozusagen die Drehzahl der Geschwindigkeit vorauseilt.

Saugmotor mit 49 PS

Es scheint also, als fährst du ständig mit schleifender Kupplung. Das Nissan-Häuschen rollt aus der Stadt, auf die Schnellstraßen gen Osten. Und während du so Gas gibst, denkst du dir, nein, ein Turbomotor kann das nicht sein. Und Allradantrieb hat der Nissan ebenfalls nicht, bestimmt nicht. Tatsächlich arbeitet im Testwagen die 49 PS starke Saug-Variante des intern 3B20 genannten Motors, verdichtet mit 10,9:1.

Wirklich flott bewegen sich also vorwiegend andere, doch das Raumgefühl findest du immer noch wirklich herrlich, guckst ein wenig herum, und wieder fällt dir auf, dass selbst Baustellen-Lkw so sauber aussehen, als kämen sie gerade aus dem Showroom. Plötzlich versetzt der Nissan eine halbe Fahrspur nach links, als ihn auf einer Brücke eine Windböe erwischt. Es wird nicht das letzte mal sein, denn da draußen streunt Ungemütlichkeit umher.

Der eine Taifun hat sich vor einigen Tagen verkrümelt, der nächste ist schon angekündigt. Also Lenkrad festhalten, konzentriert Fahren, trotz des eher defensiven Fahrstils der Einheimischen. Mit seinen 14-Zoll-Rädern und der eher Komfort-orientierten Fahrwerksabstimmung bewegt sich die hohe Karosserie bereits dann bemerkenswert, wenn du nur deinen Kopf dem Beifahrer zuwendest.

Egal, denn der kleine Nissan macht Laune. Anders eben. Wegen des cleveren Konzepts, wegen des generösen Raumgefühls. Und auch: Wegen der Schiebetüren. Ja, alles das gab’s in Deutschland schon mal, in der einen oder anderen Form, doch nichts zündete. Vielleicht wäre jetzt die Zeit reif für lustige, praktische Kleinwagen-Konzepte. Ein bisschen müsste so ein Dayz Roox noch angepasst werden, natürlich, vor allem beim Fahrwerk, eigentlich auch beim Getriebe, doch das wäre wohl zu aufwendig. Denn aus Papier mit dem linken Daumennagel zu falten, das geht eben nicht.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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