Rimac C_Two (2020)

12/2019, Rimac C_Two Erlkönig
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12/2019, Rimac C_Two Erlkönig

© Rimac Automobili

Rimac Automobili unterzieht den C_Two aktuell intensiven Tests auf der Highspeed-Strecke in Nardo. Ende 2020 soll das Elektro-Hypercar auf den Markt kommen.

Der Rimac C_Two, der bis vor Kurzem noch Concept 2 hieß, ist noch gar nicht richtig auf dem Markt, da denkt Firmenchef Mate Rimac bereits über weitere Modellversionen nach. „Zukünftige Varianten des Autos werden rennstreckenfokussiert sein“, sagte er dem Magazin „Top Gear“. Im aktuellen Zustand sei der C_Two eher auf Komfort getrimmt, etwa mit elektrisch einstellbaren Sitzen und alltagstauglichen Reifen. Das ließe Raum für etwas „mit mehr Punch“ , wie unsere britischen Kollegen richtigerweise feststellen.

Plant Rimac den Nürburgring-Rekord?

Rimac' Aussage war die Antwort auf die Frage, ob der kroatische Elektroauto-Spezialist einen Angriff auf den Nürburgring-Rekord plant. „Das würde mich interessieren, aber vielleicht nicht mit dem C_Two.“ Die aktuellen Rekordhalter VW ID.R und Nio EP9 seien schließlich Rennwagen und der Rimac eher das zuverlässige, täglich nutzbare Elektro-Hypercar.

Aktuell betreibt Rimac den letzten Feinschliff, um den C_Two fit für den für Ende 2020 geplanten Marktstart zu machen. Dafür sind die Testfahrer und Entwickler auf der italienischen Highspeed-Strecke in Nardo unterwegs, die inzwischen dem Kooperationspartner Porsche gehört. Und auch Crashtests gehören zum Programm. Um sich darauf vorzubereiten und gut abzuschneiden, führte der E-Sportwagen-Pionier kürzlich selbst welche durch – fünf an der Zahl. Und veröffentlichte Fotos und Videos von deren „ erfolgreichem“ Verlauf. Die Kroaten wollen so sicherstellen, dass ihr erstes echtes Serienauto weltweit für die Straße zugelassen und auf allen wichtigen Märkten vertrieben werden kann. „Das ist ein nervenaufreibender Prozess für das ganze Team“, heißt es bei Rimac. Aber auch für jene Zuschauer des Crash-Videos, die in etwa einschätzen können, wie hoch der finanzielle Gegenwert der absichtlich herbeigeführten Schäden ist.

Das zweite Sportwagenmodell der Kroaten wird natürlich auch wieder rein elektrisch angetrieben. Der C_Two ist größer und noch luxuriöser als das Concept 1, bleibt aber ein Zweisitzer. Vom C_Two sollen nur maximal 100 bis 150 Exemplare gefertigt werden, 20 davon im ersten vollen Produktionsjahr. So niedrig die Stückzahl, so exorbitant der Preis. Rimac spricht von über einer Million Euro.

Mit 1.915 PS auf 412 km/h

Draufgepackt hat Rimac auch beim Antrieb. Bestückt mit vier Elektromotoren, je zwei pro Achse, leistet der Rimac C_Two 1.408 kW – umgrechnet 1.915 PS – und kommt auf ein Gesamtdrehmoment von 2.300 Nm. Damit soll der Elektrosportwagen in knapp unter zwei Sekunden von Null auf Tempo 100 spurten, die 300-km/h-Marke wird nach 11,8 Sekunden gerissen, als Höchstgeschwindigkeit werden 412 km/h angegeben. Die nötige Energie hält ein 120 kWh großes Akkupaket bereit. Im Norm-Modus soll das eine Reichweite von 650 Kilometer ermöglichen. Geladen wird per Schnelllader – 80 Prozent in 30 Minuten.

Beim Design setzt der Rimac auf klassische Mittelmotor-Sportwagen-Linien und kombiniert dazu nach vorne oben öffnende Flügeltüren. Darüber hinaus setzt Rimac auf diverse aktive Aero-Elemente. So wird die Fronthaube von großen Luftführungen durchzogen, die je nach Anforderung per Klappen geöffnet oder geschlossen werden können. Ebenfalls mit aktiven Klappen versehen sind die seitlichen Lufteinlässe in der Frontschürze. Der große Heckspoiler ist in der Höhe und in der Neigung verstellbar und kann zudem als Luftbremse genutzt werden. Weitere Steuerelemente finden sich am vollverkleideten Unterboden, der wie ein Venturi-Kanal geformt ist.

Autonom bis Level 4

Das Chassis an sich ist ein Kohlefaser-Monocoque, die Crash-Strukturen sind aus Aluminium und Karbon geformt. Die Batteriemodule sitzen im Mitteltunnel, dem Unterboden sowie hinter den Passagieren, die Elektromotor-Module jeweils davor und dahinter. An der Vorderachse befindet sich ein Einganggetriebe, an der Hinterachse gibt es gleich zwei davon. Ein Torque-Vectoring-System sorgt für eine optimale Momentenverteilung.

Über alle Energieströme und Kraftflüsse informiert das digitale Cockpit. Hier werden auch alle anderen Fahrinformationen eingespielt. Weitere Displays finden sich auf der Mittelkonsole und der Armaturentafel. Dem Beifahrer stehen drei weitere Displays zur Verfügung. Für eine Komplettüberwachung und autonome Fahrfunktionen nach Level 4 spannt Rimac zahlreiche Sensoren, Radarsysteme, Lidar-Radar und Kamera-Systeme ein. Der Kofferraum hinter den Passagieren lässt sich vielfach konfigurieren, beispielsweise auch für den Helmtransport.

Quelle: 2019 Motor-Presse Stuttgart
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