Selbstfahrende Autos auf den Straßen

04/2018, Jaguar I-Pace Waymo
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04/2018, Jaguar I-Pace Waymo

 © Jaguar
15.04.2018 - 21:54 Uhr von Bernd Conrad

Hyundai hat in Korea die weltweit ersten selbstfahrenden Brennstoffzellenautos auf die Straße geschickt, Nio testet in Shanghai. Google-Schwester Waymo ist in den USA schon viel weiter gefahren.

Hyundai hat in Korea eine Flotte von selbstfahrenden Nexo auf die knapp 190 Kilometer lange Strecke von der Hauptstadt Seoul zum Olympiaort Pyeongchang geschickt. Die nach Level 4 autonom fahrenden SUV sind damit laut Hyundai die ersten weitgehend fahrerlosen Brennstoffzellenfahrzeuge auf öffentlichen Straßen.

Die vierte Stufe des autonomen Fahrens beinhaltet sämtliche Fahrmanöver und -szenarien, die der Computer selbsttätig ausführt. Pedale und Lenkrad sind an Bord, falls der Fahrer in bestimmten Notsituationen eingreifen muss.

5G-Mobilfunknetz von Korea Telecom

Im technisch hoch entwickelten Korea konnte die Nexo-Flotte zur Kommunikation zwischen Auto und Umwelt auf ein 5G-Mobilfunknetz vertrauen. Mit 110 Stundenkilometern ging es über die Autobahn, höhere Geschwindigkeiten sind in Korea nicht erlaubt.

In den USA sind die selbstfahrenden Autos der Firma Waymo, wie Google Teil von Alphabet, schon seit längerer Zeit unterwegs. Die extra entwickelten runden Kleinstwagen waren die ersten Autos ohne Fahrer und gelten bis heute als Inbegriff des Roboterautos. Den Großteil der Flotte bestreitet mittlerweile ein umgebauter Chrysler Pacifica Van mit Hybridantrieb.

Waymo berichtet, dass im Zeitraum November 2016 bis November 2017 Testfahrer, die auch bei den amerikanischen Autos noch an Bord sind, in 63 Fällen eingreifen mussten, weil sich das System aus welchem Grund auch immer ausgeschaltet hat.

Über 500.000 Kilometer in Waymos Roboter-Autos

75 Waymo-Fahrzeuge haben in diesem 12-Monats-Zeitraum Unternehmensangaben zufolge eine Strecke von insgesamt 326.000 Meilen (knapp 525.000 Kilometer) zurückgelegt. Bei den 75 Vans soll es übrigens nicht bleiben. Insgesamt 1.500 weitere Autos sind von Waymo bereits bestellt, die dann für das autonome Fahren umgebaut werden.

Waymo bestellt 20.000 Jaguar I-Pace

Jetzt hat Waymo mit Jaguar zudem die Lieferung von elektrischen Jaguar I-Pace vereinbart. 2018 will man das batteriebetriebene Crossover in der Flotte autonom fahrender Autos testen. Schon im Jahr 2020 will Waymo den Jaguar I-Pace im regulären Straßenverkehr einsetzen.

Bis zu 20.000 Autos soll Jaguar in den kommenden zwei Jahren an Waymo liefern.

In den USA sind auch Autobauer selbst mit Roboterwagen unterwegs, das aber in wesentlichem geringerem Umfang. General Motors hat im gleichen Zeitraum mit über 90 Fahrzeugen 90.000 Meilen (ca. 144.900 Kilometer) Streckenerfahrung gesammelt. Nissan ist mit 5.007 Meilen (8.058 Kilometer) ebenso abgeschlagen wie der Erfinder des Automobils: drei selbstfahrende Mercedes haben in den USA 1.087 Meilen (1.749 Kilometer) zurückgelegt.

General Motors hatte erst kürzlich angekündigt, bereits im Jahr 2019 selbstfahrende Taxis marktreif zu haben. Zulieferer Bosch, ein Kooperationspartner von Daimler auf dem Gebiet der Roboter-Taxis, hat Medienberichten zufolge schon für 2018 erste Autos in deutschen Städten angekündigt. Die fahren dann aber noch im Rahmen eines Feldversuches in klar definierten Gebieten.

Kalifornien erlaubt autonome Autos ab April

Der US-Bundesstaat Kalifornien hat jetzt einen beachtenswerten Vorstoß unternommen. Ab dem 2. April 2018 ist dort die Zulassung und der Betrieb autonomer Autos erlaubt. Eine entsprechende Verordnung, die für Notfälle einen Fahrer an Bord verlangt, wurde von den Behörden gestrichen.

Ganz ohne Kontrolle sollen die fahrerlosen Autos aber auch in Kalifornien, wo das Gros der Internet- und Tech-Start-ups zu Hause ist, nicht auf den Straßen herumfahren. Über Funk sollen die Fahrzeuge fernüberwacht werden, außerdem werden alle Fahrten aufgezeichnet. Ein ähnliches System kennt man aus Flugschreibern in der Luftfahrt.

Der Mensch soll dem Roboterauto auch in Kalifornien weiterhin übergeordnet sein. Vor allem, wenn er eine Uniform trägt. Medienberichten zufolge müssen die Anbieter autonomer Autos und Fahrdienste ein Kommunikationsverfahren entwickeln und verbauen, dass es der Polizei erlaubt, ein selbstfahrendes Auto zu stoppen.

Nio testet selbstfahrenden ES8 in Shanghai

Die junge chinesische Elektroautomarke Nio, die Ende des letzten Jahres die Serienversion des SUV Nio ES8 zeigte, plant für die Zukunft auch die Einführung selbstfahrender Autos.

Jetzt beginnen die Erprobungen im öffentlichen Straßenverkehr der Megacity Shanghai. Als erster Autohersteller hat Nio die hierfür nötige Genehmigung der Stadtverwaltung erhalten.

Hier kommt Nio natürlich der Heimvorteil zugute, der Hauptsitz des Unternehmens mit Büros in München in Kalifornien ist in Shanghai angesiedelt.

Chen Mingbo, Vorsitzender der Shanghaier Kommission für Wirtschaft und Information, hat bei der Zuteilung der Genehmigung lobende Worte für die Firma im eigenen Stadtgebiet parat:

„Nio ist einer der Branchenführer im Bereich Intelligenz, Elektrifizierung und Konnektivität, genau wie in den Bereichen der Spitzentechnologie, Forschung, Entwicklung und Erprobung.“

Frei im Stadtgebiet werden sich die Nio-Testwagen nicht bewegen, die Erprobungsfahrten werden auf speziell freigegebenen Strecken stattfinden.

Volkswagen testet autonomes Parken in Hamburg

Auch in Deutschland tut sich was. Der Volkswagen-Konzern hat am Hamburger Flughafen für mehrere Monate einen Teilbereich des Parkhauses in Terminalnähe angemietet. Hier wird gemeinsam mit dem Flughafenbetreiber das autonome Parken erprobt.

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung Hamburg Airport, sieht die Technologie des autonomen Fahrens als wichtigen Baustein seiner „Smart Airport Vision“.

Der Passagier soll sein Fahrzeug an der Parkhauseinfahrt abstellen. Den Rest übernimmt das Auto. Es fährt selbsttätig in das Parkhaus hinein und sucht sich einen freien Stellplatz. Der kann auch gewechselt werden, zum Beispiel, um zu einer Ladesäule zu fahren, wo ein Elektroauto oder ein Plug-in Hybrid Strom nachladen kann. Ist der Akku voll, parkt sich das Auto wieder um, damit die Ladesäule für andere Nutzer wieder frei ist.

Auch die Ankunft nach einer Urlaubs- oder Geschäftsreise wird für den Kunden komfortabler. Michael Eggenschwiler spricht vom „ Luxus, wenn das Auto nach der Landung schon an der Ausfahrt auf seinen Besitzer wartet.“

Der Volkswagen-Konzern testet das autonome Parken aktuell mit entsprechend umgebauten Audi Q7 e-tron, VW Passat GTE und Porsche Panamera E-Hybrid.

Anfang der 2020er-Jahre will der Konzern die ersten Serienautos anbieten, die ohne Zutun des Fahrers in entsprechend vorbereitete Parkhäuser fahren und dort parken können.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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