Autogas-Umrüsten: Informationen zur Umrüstung Ihres PkW auf Gas

Auto auf Gas umrüsten
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Auto auf Gas umrüsten

 
03.03.2005 - 23:00 Uhr

Gasbetriebene Autos sind eine echte Alternative bei den derzeit hohen Spritpreisen. Im Vergleich zu anderen Kraftstoffen entstehen beim Einsatz von Gasfahrzeugen deutlich weniger Abgasemissionen und es lassen sich bis 50 % der Treibstoffkosten sparen – so lassen sich die Umrüstkosten schnell wieder reinholen.

Zur Wahl stehen zwei Sorten Gas: Flüssiggas und Erdgas

Flüssiggas = Autogas = LPG (Liquified Petroleum Gas)
Flüssiggas ist ein Gemisch aus Propan und Butan, das unter relativ geringem Druck (ca. 10 Bar) schon in flüssigem Zustand vorliegt (10 Bar), er nimmt dabei nur 1/260stel seines gasförmigen Volumens ein. Flüssiggas ist sehr energiereich und verbrennt dabei schadstoffarm und lässt sich gut lagern. Eine der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Flüssiggas ist der Antrieb von Motoren. Autogas ist Flüssiggas, das zum Antrieb von Verbrennungsmotoren verwendet wird. Es eignet sich als Kraftstoff ebenso gut wie Benzin, Diesel oder Erdgas.

Da die Qualitätsanforderungen an Autogas europaweit einheitlich geregelt sind, ermöglicht es dem Autogas einen problemlosen europaweiten Einsatz. Eine der prägnantesten Eigenschaften von Autogas ist seine hohe Klopffestigkeit (Oktanzahl von 105 bis 115), die den Zusatz von Additiven unnötig macht. Der Einsatz von Flüssiggas für motorische Zwecke hat sich in der Praxis seit Jahrzehnten bewährt. In anderen Ländern wie Italien wird dieser Kraftstoff schon seit den 70er Jahren eingesetzt – bis heute.

Erdgas = Methan = CNG (Compressed Natural Gas)
Erdgas besteht weitestgehend aus Methan, das unter sehr hohem Druck in flüssigem Zustand vorliegt (etwa 200 bar). Besonders in Deutschland setzt man seit den 90er Jahren auch auf Erdgas als Brennstoff für Kraftfahrzeuge, im Januar 2005 waren ca. 28.000 Autos auf deutschen Straßen Erdgas–angetriebene Autos. Ähnlich wie das Autogas hat es eine höhere Oktanzahl als Benzin (und sogar noch als Autogas) mit etwa 130 Oktan.

Eins vorweg: Sollten Sie sich keinen Neuwagen mit Gasbetrieb kaufen wollen, so können Sie das bestehende Fahrzeug umrüsten lassen. Allerdings müssen Sie schon einen Benziner fahren, also ein Fahrzeug mit Otto–Motor. Diesel–Fahrzeuge lassen sich nicht auf Erdgas bzw. Autogas umrüsten.

Dabei lassen sich die Gasfahrzeuge in zwei Gruppen einteilen:

  • monovalente Fahrzeuge, die ausschließlich mit Flüssiggas/Erdgas fahren.
  • bivalente Fahrzeuge, die neben dem Gastank weiterhin über den ursprünglichen Benzintank verfügen und somit beide Kraftstoffarten nutzen können.

Autogas bietet den Vorteil, dass es in herkömmlichen Otto–M otoren auf einfache Weise eingesetzt werden kann. Dies ermöglicht den Antrieb wahlweise mit Autogas oder Benzin (sogenannter bivalenter Antrieb). Auf dem Armaturenbrett wird in der Regel ein Schalter eingebaut, mit dem man zwischen Benzin– oder Gasantrieb umschalten kann – auch während der Fahrt. Damit ist auch bei einem entleerten Gastank eine Weiterfahrt ohne Schwierigkeiten gewährleistet. Der bivalente Antrieb garantiert somit eine deutlich größere Reichweite, weil sich die konventionelle Benzinreichweite und die neu hinzukommende Gasreichweite addieren. Da zur Zeit das Tankstellennetz für Gas noch nicht so weit ausgebreitet ist, auch ein notwendige Voraussetzung.

Worauf beim Einbau einer bivalenten Autogasanlage unbedingt zu achten ist, ist die Kompatibilität mit der eingesetzten Kfz–T echnologie in dem Fahrzeug. Dies hat im Laufe der Jahre zur Entwicklung verschiedener Autogastechnologien geführt. Die am Markt vorhandenen Autogassysteme lassen sich zum einen in sogenannte Venturisysteme (selbstansaugende Systeme) und Einspritzsysteme und zum anderen in Systeme der 1., 2. und 3. Generation unterteilen. Welches System zu Ihrem Fahrzeug am besten passt, kann Ihnen ein Umrüster in Ihrer Nähe beschrieben.

Hier gibt es einen Überblick über die Umrüster aus Gasbetrieb in Ihrer Nähe:
www.autogastanken.de

Vor einer Umrüstung sollte geklärt werden, ob dadurch Garantien des Herstellers außer kraft gesetzt werden, sofern ein Garantie–Anspruch noch besteht. Auch die Sachmängelhaftung durch die Umrüstung muss vorher überprüft werden.

Umrüstkosten
Die Umrüstkosten unterscheiden sich nach Fahrzeug – Typ (Baujahr, Abgasnorm, Anzahl der Zylinder) und liegen für Autogas bei etwa 1800 – 3000 Euro, bei Erdgas aufgrund der stabileren Tanks (höherer Druck) sind 3000 – 4500 Euro zu zahlen. Dabei wird der Wiederverkaufswert des Autos natürlich entsprechend erhöht. Besonders zu beachten ist, dass bei Umrüstung auf Erdgas häufig eine finanzielle Unterstützung des lokalen Erdgasversorgers geleistet wird, der ja im Gegenzug einen neuen Kunden bekommt.

Wem die Umrüstkosten zu hoch sind (schließlich muss man den Betrag erst mal wieder durch Fahren "reinsparen"), dem sei vielleicht bei der Anschaffung eines neuen oder gebrauchten Fahrzeugs dazu zu raten, ein bereits umgerüstetes Fahrzeug zu kaufen. Diese haben in der Regel einen Aufpreis von 1000 bis 1500 Euro.

Sprit–Preise, Tankstellen und Sparpotenzial

Wo tanke ich mein Gas?

In Deutschland gibt es, mit zunehmender Tendenz, derzeit ca. 980 Tankstellen für Autogas und etwa 620 für Erdgas. In Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Italien, Frankreich, England und Polen besteht ein teilweise recht dichtes Netz, vor allem für Autogas, im Gegensatz zu Dänemark, Österreich und Schweiz.

Zu beachten ist noch, dass im Ausland wegen unterschiedlicher Zapfanschlüsse u.U. Adapter erforderlich sind. Diese Adapter erhält man in der Regel bei den Tankstellen, oder man schaut mal vor einer Reise bei Ebay rein und besorgt sich den entsprechenden Adapter.


Beispiel-Rechnung
Aufpreis bzw. Umrüstkosten x 100 / (Verbrauch Benzin*Literpreis – Verbrauch Gas x Literpreis) = Fahrtstrecke, ab der man spart.

Angenommene Daten:
Umrüstkosten 2000 Euro
Verbrauch Benzin: 8 l / 100 km Literpreis: 1,30 Euro
Verbrauch Autogas: 9 l / 100 km Literpreis: 0,60 Euro

Zurückgelegte Fahrtstrecke, ab der sich die Umrüstung rechnet:

2000 x 100 / (8*1,30 – 9*0,60) = 2000 x 100 / (10,4 – 5,4) = 40.000 km

Anschließend lässt sich dann gut sparen, 100 km mit Benzinbetrieb würden in diesem Beispiel 10,40 Euro kosten, während man mit Gasbefeuerung nur 5,40 Euro zahlt. Alle 100 km kann man sich also 5 Euro von der linken in die rechte Tasche stecken.

Warum ist das Fahren mit Gas so günstig?
Gemäß §3 Absatz 1 Nr. 1.a MinöStG (Mineralölsteuergesetz) gilt ein ermäßigter Steuersatz für Flüssiggas als Kraftstoff von 9.7 Cent/Liter. Bei Autogas ist allerdings diese steuerliche Begünstigung erst mal nur bis zum 21.12.2009 festgeschrieben, nach derzeitigem Recht würde sich der Steuersatz danach auf 22 Cent / Liter erhöhen (Änderungen sind natürlich nicht ausgeschlossen). Bei Erdgas gilt der ermäßigte Satz noch "etwas" länger, nämlich bis zum 31.12.2020. Nur mal als Vergleich: Der Steuersatz für Benzin beträgt derzeit 65 Cent / Liter zzgl. MwSt.

Autogas und Erdgas stoßen wesentlich weniger CO2 aus, dem vermeintlichen Treibhausgas, im Vergleich zu Benzin bis zu rund 15 % weniger.

Der Gastank, der entweder im Kofferraum verstaut wird oder als sogenannter Radmuldentank an der Stelle des Reserverads eingebaut wird, ist bei Autogas etwa 3,5 mm dick und besteht aus Stahl. Der normale Betriebsdruck soll 10 bar betragen. Geprüft werden diese Tanks allerdings mit dem 4fachen Druck, also 40 bar. Zusätzlich ist der Tank mit einem so genannten Rohrbruchventil ausgestattet.

Erfahrungen haben gezeigt, dass Gasautos keinem höheren Risiko ausgesetzt sind als Benzin–betriebene Fahrzeuge (in manchen Ländern liegen Erfahrungswerte von über 30 Jahren vor). Dies haben Crashtests und Feuertests gezeigt.

In Garagen, so heißt es häufig, gelte grundsätzlich ein "Einstellverbot von Gasfahrzeugen". Dies ist allerdings ein Irrglaube, in der sogenannten Garagenverordnung wurde dieses Verbot bereits aufgehoben (mit Einschränkungen in Bremen und dem Saarland für Autogas). Zwar kann der Vermieter der Garage letztendlich bestimmen, wen er in seiner Garage parken lässt und wen nicht, allerdings sollte man zunächst Unwissenheit des Vermieters voraussetzen und ihn enfach mal auf besagte Garagenverordnung hinweisen.

 AutogasErdgas
Umrüstkosten 1800 –
3000 Euro
3000 –
4500 Euro
Spritkosten 0,50 – 0,60
Euro pro Liter
0,45 – 0,50
Euro pro Liter
Motor Otto–MotorOtto–Motor
Kraftstoff Autogas oder
Benzin
Erdgas oder
Benzin
Kraftstoff
lagerung
wenig Druck
(10 Bar)
hoher Druck
(200 Bar)
Reichweite ähnlich Benzin250 bis 300 km
Anzahl Tankstellen 980
Stand Oktober 05
620
Stand Oktober 05
Ermäßigter
Steuersatz bis
Ende 2009Ende 2020
Ersparnis im
Vergleich
zu Benzin
40 bis 50 %45 bis 55 %

Insgesamt wird man sich wohl an den lokalen Bedingungen orientieren müssen, ob und auf was man umrüstet. Ist eine Erdgas–T ankstelle in der Nähe und fördert der Erdgas–Versorger die Umrüstung direkt mit Barem oder aber mit Tankgutscheinen, so wird man wohl eher geneigt sein, auf Erdgas umzurüsten.

Die relativ geringe Reichweite von Erdgas und die höheren Umrüstkosten sprechen dagegen wohl eher für Autogas. Auch dass unsere europäischen Nachbarn bisher dem Autogas mehr Aufmerksamkeit schenkten, spricht vielleicht eher für Autogas, wenn man auch im Ausland mobil sein möchte.

Ein kurzes Fazit könnte vielleicht so aussehen: Umrüstung lieber auf Autogas wegen der geringeren Kosten. Bei Kauf eines Neuwagen sollte man aufgrund der zu erwartenden längeren Nutzungsdauer auf Erdgas wechseln, weil hier die Steuervergünstigungen länger festgeschrieben sind. Die Diskussionen zeigen aber: Jeder findet seine persönlichen Argumente für die eine oder andere Lösung.

Quelle: freenet.de
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