Immer mehr Beschäftigte von Armut gefährdet

Immer mehr Beschäftigte von Armut gefährdet
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Immer mehr Beschäftigte von Armut gefährdet

 

Fünf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland droht trotz eines Vollzeitjobs ein Abrutschen in die Armut. Die Ursachen sind insbesondere eine sinkende Tarifbindung, Globalisierung und Strukturwandel. Infolge der derzeitigen Wirtschaftskrise könnte die Zahl der Armutgefährdeten auch noch weiter zunehmen.

Immer mehr Menschen in Deutschland droht einer Studie zufolge trotz eines festen Arbeitsplatzes das Abrutschen unter die Armutsgrenze. Ihr Anteil hat sich zwischen 1999 und 2005 von drei auf sechs Prozent erhöht, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet.

Weiterer Anstieg befürchtet
Im Jahr 2006 sei der Anteil der von Armut gefährdeten Vollzeiterwerbstätigen zwar wieder auf fünf Prozent gesunken. "Durch die Folgen der Finanzkrise ist dieser Rückgang aber wieder gefährdet", befürchten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.

Für die Zunahme der Niedrigeinkommen seit Ende der 90er Jahre sieht das IAB drei zentrale Ursachen: Zum einen sei die Tarifbindung in Deutschland gesunken. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten werde heute von Flächentarifverträgen erfasst. Mitte der 90er Jahre seien es noch rund zwei Drittel gewesen.


Ein weiterer Grund sei im Strukturwandel zu suchen. Hier habe es eine Verschiebung zugunsten von Dienstleistungsbranchen gegeben, in denen häufig Niedriglöhne gezahlt würden. Zu guter Letzt hätten sich als Folge der Globalisierung die Arbeitsmarktchancen für Geringqualifizierte ohne berufliche oder schulische Ausbildung verschlechtert.

Ab wann ist man arm?
Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens bezieht. In Deutschland lag die Grenze dabei laut IAB 2006 - dem letzten in der Studie untersuchten Jahr - für Alleinstehende bei 837 Euro, für ein Paar mit zwei Kindern bei 1.758 Euro monatlich.

Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland laut IAB seit Mitte der 90er Jahre deutlich gewachsen. Noch 1994 hätten erst 16 Prozent der Vollzeit-Beschäftigten weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttoeinkommens verdient. Bis 2004 sei der Anteil jedoch auf 22 Prozent gestiegen.

Keine amerikanischen Verhältnisse
Trotz der wachsenden Armutsbedrohung von Männern und Frauen mit Vollzeitjob könne noch nicht von US-amerikanischen Verhältnissen gesprochen werden. Eher sei in beiden Ländern ein gemeinsamer Trend zum allmählichen Anstieg der Erwerbsarmut zu beobachten, meinen die Arbeitsmarktforscher vom IAB. In Deutschland würden Beschäftigte mit geringem Einkommen durch staatliche Unterstützung stärker als in den USA vor Armut geschützt.

DGB bekräftigt Mindestlohn-Forderung
Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) belegt die IAB-Studie, wie dringend erforderlich Mindestlöhne nicht unter 7,50 Euro pro Stunde seien. Es dürften nicht noch mehr Arbeitskräfte "in den Sog nicht existenzsichernder Arbeit gezogen werden", betonte DGB- Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Dies gelte insbesondere für die Leiharbeit, wo jeder achte Arbeitnehmer von Vollzeitarbeit nicht leben könne und auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen sei.

Quelle: freenet.de
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