Neuer Aston Martin Valkyrie: Red Bull baut Supersportler

Aston Martin Valkyrie (2020): Der Supersportler darf auf die
Straße
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Aston Martin Valkyrie (2020): Der Supersportler darf auf die Straße

© Aston Martin

Aston Martin und Red Bull haben ein Hypercar für die Straße und die Rennstrecke entwickelt. Der von Starkonstrukteur Adrian Newey designte Valkyrie soll Maßstäbe bei Beschleunigung und in Kurven setzen. In Silverstone war das Auto bereits auf der Rennstrecke unterwegs. Jetzt durfte er auch auf die Straße.

Im Laufe des Jahres 2020 sollen die ersten Fahrzeuge des Aston Martin Valkyrie an die Käufer ausgeliefert werden. Im Sommer 2019 gab es für die betuchte Kundschaft schon Mal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was sie erwartet. Der neue britische Supersportler wurde im Rahmen des Formel-1-Rennens in Silverstone erstmals fahrend der breiten Masse vorgestellt.

Vor den Augen von Aston-Martin-Boss Andy Palmer und Red-Bull-Starkonstrukteur Adrian Newey drehte der Straßensportler die ersten Showrunden. Der Valkyrie wurde für den Auftritt vor Publikum in ein besonderes Design gehüllt. Den gleichen Look verwendete das Red-Bull-Formel-1-Team auch beim Shakedown seines 2019er F1-Modells – ebenfalls in Silverstone.

Einen echten Eindruck über die Leistungsfähigkeit des Autos bekam man von außen natürlich noch nicht. Immerhin stimmte die Soundkulisse. Selbst die Formel-1-Renner verblassten im Vergleich mit dem Cosworth-V12 im Heck des Valkyrie. In der Straßenversion wird der Saugmotor noch mit einem Elektromotor gekoppelt. Die Hybrid-Version war zur Einhaltung der Abgasnormen in einigen Absatzmärkten notwendig.

Im Frühjahr 2020 dufrte der Valkyrie jetzt erstmals auch in den öffentlichen Straßenverkehr. Ein klares Zeichen dafür, dass der Supersportler bald zu den ersten Kunden rollen dürfte. Für den Straßenausflug wurde der Valkyrie auch erstmals mit allen zulassungsrelevanten Details ausgerüstet.

150 Hypercars werden insgesamt für die Straße gebaut. 25 Modelle sollen dazu noch speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke vorbereitet werden. Die sogenannte Track-Version für Kunden kommt ohne Hybrid-Antrieb. Alle 175 Fahrzeuge waren ausverkauft, bevor Aston Martin auch nur ein einziges Exemplar des Valkyrie gebaut hatte. Selbst bei einem Preis von rund drei Millionen Euro war das Modell mehrfach überzeichnet. Allerdings: Den geplanten Le Mans-Auftritt für 2021 hat Aston Martin abgeblasen. Nach der Fast-Pleite und dem Einstieg von Milliardär Lawrence Stroll haben andere Projekte Priorität.

Klauseln gegen Spekulanten

Das Geschäft mit dem Valkyrie läuft für Aston Martin. Die Briten kennen aber den aufgeheizten Markt. Fahrzeuge eines solchen Kalibers werden von Kunden nicht immer zu Fahrzwecken gekauft, sondern dienen in manchen Fällen vielmehr als Spekulationsobjekt. Teuer kaufen, noch teurer weiterverkaufen. Ford schützte seinen GT gegen diese Praxis mit speziellen Klauseln. Mercedes macht dasselbe mit dem AMG One. Und Aston Martin mit dem Valkyrie.

Die Klauseln lauten wie folgt – zunächst auf Englisch: "The terms (of purchase) prohibit any assignment of the buyer’s interest in the contract for the vehicle, prohibit the buyer from reselling the car within a certain period and provide a right of first offer in Aston Martin’s favour should the Buyer sell the car at any time. Aston Martin will also stop customers who are found to have flipped the car from ordering any future special or limited edition cars."

Die deutsche Übersetzung: "Die Kaufbedingungen untersagen jede Abtretung des Anteils des Käufers am Fahrzeugvertrag, verbieten dem Käufer den Weiterverkauf des Fahrzeugs innerhalb einer bestimmten Frist und verschaffen Aston Martin zum Wohlwollen ein erstes Angebot, sollte der Käufer das Fahrzeug zu jeder Zeit verkaufen. Aston Martin wird auch Kunden, die man erwischt hat, das Auto weiter verhökert zu haben, davon abhalten, zukünftige Sonder- oder Kleinserienautos zu bestellen." Das Verbot soll für Lebenszeit gelten. Wie lange Kunden an einem Weiterverkauf gehindert werden, verrät Aston Martin nicht mit Verweis auf die vertraulichen Verträge.

Aston Martin nennt Leistungsdaten

Nach divesen Leistungsspekulationen bekannte Aston Martin Farbe und nannte die offiziellen Leistungsdaten für den Valkyrie. Der 6,5 Liter große V12-Saugmotor leistet 1.014 PS bei 10.000 Touren. Das maximale Drehmoment von 740 Nm wird bei 7.000/min erreicht. Zusätzlichen Schub liefert die Hybridkomponente. Hier werden 162 PS und 280 Nm genannt. Die Systemleistung beziffert Aston Martin entsprechend auf 1.176 PS bei 10.500/min und 900 Nm bei 6.000 Touren.

Zuvor war Motorenpartner Cosworth vorgeprescht und hatte über seinen Twitter-Account verkündet: "Wir sind bekannt dafür, Rekorde zu brechen. Unser neuester Motor, der 6,5-Liter-V12 des Aston Martin Valkyrie, wird der leistungsstärkste Saugmotor für die Straße sein mit 1.130 bhp." 1.130 brake horsepower sind umgerechnet 1.145 PS. Cosworth löschte den Tweet innerhalb kurzer Zeit.

Die Antriebskraft wird über ein Siebengang-Getriebe von Ricardo an die Hinterachse leitet. Bei den Bremsen soll es einen Mix aus Zangen von Alcon und Carbon-Keramik-Scheiben von Surface Transforms geben. Für die Fahrdynamikregelungen wurde Bosch mit ins Boot geholt.

Valkyrie AMR Pro bis zu 400 km/h schnell

Die Rennstrecken-Version soll mit einem LMP1-Rennwagen mithalten können. Sie greift in der Basis auf denselben 6,5-Liter-V12 zurück wie das Straßen-Hypercar. Aerodynamik, Chassis, Antriebsstrang und Gewicht: Überall wollen die Kooperationspartner nachgeschärft haben. Das Ergebnis ist der Aston Martin Valkyrie AMR Pro.

Der Saugmotor erhält ein Software-Update, um aus den zwölf Zylindern noch mehr Leistung und Drehmoment zu kitzeln. Das Team um F1-Stardesigner Adrian Newey überarbeitete für eine effizientere Aerodynamik alle Oberflächen der Karosserie. Ein größerer Frontsplitter und ein zweigeteilter Heckflügel mit mächtigen Endplatten sollen den Anpressdruck steigern.

Auch an den aktiven Aerodynamik-Elementen legte man nochmals Hand an, um einerseits mehr Abtrieb zu erzeugen, andererseits den Quasi-Rennwagen windschlüpfrig zu halten. Angeblich soll das Renn-Hypercar etwa 400 km/h schnell sein. Damit überflügelt man das Mercedes-Hypercar. Die Intimfeinde auf der Rennstrecke duellieren sich jetzt auch außerhalb der Formel 1-Strecken.

Red Bull gibt an, dass der AMR Pro derart schnell durch Kurven brezeln kann, sodass maximale Querbeschleunigungskräfte von bis zu 3,3g auftreten. Bei einer Vollbremsung aus hohen Geschwindigkeiten spricht man von Kräften von bis zu 3,5g. Eine Vollcarbon-Bremsanlage stemmt die negative Beschleunigung. Wer so fahren will, muss üben. Red Bull macht dafür den Formel 1-Simulator verfügbar. Außerdem werden die Kunden zu Track-Days ausgeführt.

Bei solchen Kräften braucht es auch klebrige Reifen. Aston Martin verschraubt 18-Zoll-Rennreifen, die von Michelin kommen, und derselben Spezifikation entsprechen sollen, wie sie die LMP1-Autos aus der Sportwagen-WM tragen. Die Straßenversion trägt größere Räder. Gewicht ist bei einer Rennstreckenversion immer ein Thema. Man verzichtet auf die Monitore für das Infotainment im Innenraum ebenso wie auf eine Heizung und ein Gebläse. Die Windschutzscheibe und die Seitenscheiben sind aus leichtem Polycarbonat gefertigt. Auch das Kohlefaser-Bodywork soll abgespeckt haben. Aus Carbon bauen Aston Martin und Red Bull für den AMR Pro die Querlenker der Aufhängung.

Adrian Neweys Traum

Wenn es Weltmeister-Pokale für Formel-1-Konstrukteure gäbe, dann hätte Adrian Newey den Schrank voll davon. Insgesamt zehn Autos aus der Feder des 59-jährigen Engländers haben Titel abgeräumt, zuletzt die Red Bull von 2010 bis 2013. Aber schon als kleiner Junge träumte er von einem eigenen Straßensportwagen – und tut es noch immer. "Von Zeit zu Zeit, wenn Du gelangweilt am Strand sitzt, fängst Du an, Skizzen zu kritzeln und wirfst sie auf einen Haufen, der immer größer wird", sagt Newey.

Weil Red Bull seinem genialen Konstrukteur gerne Freiheiten einräumt, wird Neweys Traum wahr. Und weil Nissans Nobelmarke Infiniti Sponsor von Red Bull war und Ex-Nissan-Vorstand Andy Palmer seit Oktober 2014 Chef von Aston Martin ist, ergab sich eine Konstellation aus englischen Kontakten, die Neweys Traumwagen in Kooperation mit der britischen Traditionsmarke entstehen lässt.

Seit Mitte März 2016 ist diese Kooperation von Red Bull und Aston Martin offiziell. Schon eineinhalb Jahre zuvor hatte Newey den Lieblingsentwurf seines Skizzenhaufens zu Aston-Martin-Chefdesigner Marek Reichmann gebracht, der zusammen mit seinem Team versuchte, mit möglichst wenig Änderungen die Anforderungen an ein Straßenauto einzubringen. Das Ergebnis erinnert je nach Perspektive an ein schöneres LMP1- oder ein verkleidetes Formel-1-Auto wie Neweys Playstation-Entwurf X1. "Es gibt durchaus eine Verbindung von der Formel 1 über das Playstation-Auto X1 bis zum Aston Martin Valkyrie (Code: RB 001); nebeneinandergestellt könnte man bei den Autos eine Evolution wie vom Schimpansen zum Homo sapiens sehen", beschreibt Newey.

Der 59-jährige Engländer gilt als Aerodynamik-Guru. Aber für seinen Straßensportwagen sieht der den Umgang mit Luftströmen nicht als Hauptcharakteristikum. "Das Gesamt-Paket ist entscheidend." Das Auto solle genauso mit "ansprechender Optik und durchdachter Mechanik" glänzen, indem es die Technologie zur Schau stellt ähnlich wie es bei teuren Motorrädern zu beobachten ist. Der Valkyrie ist kein Flügelmonster. Gezielte Aussparungen in der Karosserie und viel Luft unter dem Auto sorgen für hohen Abtrieb ohne sichtbare Spoiler.

Valkyrie auch für den Alltag

Auch großgewachsene Personen sollen den Valkyrie fahren können. "Ich bin 1,95 Meter groß, Andy Palmer ist auch ein gestandener Mann und wir haben gut Platz", erklärt Designer Reichmann. "Man soll mit dem Auto auch ganz normal im Alltag fahren können", sagt Newey. Selbst im Stau solle man sich noch wohlfühlen. Und damit man abseits des Staus sorglos etwas schneller fahren kann, verspricht Newey natürlich auch die üblichen Fahrsicherheitssysteme, die sich freilich abschalten lassen werden.

Der Innenraum zeigt jede Menge Carbon und ein abnehmbares, beidseitig abgeflachtes Sportlenkrad mit zahlreichen Bedienelementen sowie verschiedene Displays – eben ein waschechtes Rennwagencokpit. Die Carbonsitzschalen sind fest am Fahrzeugboden fixiert, die Sitz- ist mehr eine Liegeposition. Verstellbar sind nur die Positionen von Lenkrad und Pedalerie. Monitore an den A-Säulen zeigen das Bild der Außenkameras, die die Rückspiegel ersetzen sollen.

Quelle: 2020 Motor-Presse Stuttgart
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