Tesla Cybertruck (2023): Der Edelstahl-Pick-up kommt erst 2023

Tesla Cybertruck (2023): Der Edelstahl-Pick-up kommt erst
2023
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Tesla Cybertruck (2023): Der Edelstahl-Pick-up kommt erst 2023

© Tesla

Tesla-Chef Elon Musk kündigt für den Elektro-Pick-up Cybertruck technische Neuerungen an, die Serienproduktion startet aber wohl erst 2023.

Der natürlich rein elektrisch angetriebene Pick-up von Tesla heißt Cybertruck. Das E-Auto mit Ladefläche fällt optisch komplett aus dem Rahmen – es sieht wie ein fahrendes Dreieck aus. Weder Modelle von Tesla noch sonst irgendein Pick-up ähneln dem Cybertruck. Das Design bezieht sich laut Musk auf den legendären 1976er Lotus Esprit S1 aus der James Bond-Episode "Der Spion, der mich liebte" – das originale Filmauto ersteigerte der Tesla-Boss 2013 für eine Millionen Dollar. Für das Ende 2019 vorgestellte Modell hat Elon Musk jetzt tiefgreifende technische Änderungen angekündigt – lange, bevor der Pick-up auf den Markt kommt. Neuesten Gerüchten aus Unternehmenskreisen zufolge wird das nämlich erst Anfang 2023 sein.

Durch die Premieren der Konkurrenz (Ford F-150 Lightning, Rivian R1T) kommt Tesla offensichtlich unter Zugzwang und besser die Technik des Cybertruck nach. So hat Tesla-Chef Elon Musk angekündigt, dass die Topversion des Elektro-Pick-ups mit vier Motoren ausgerüstet ist – jeweils ein Motor ist für ein Rad zuständig. Musk schwärmt davon, dass so eine superschnelle Momentenverteilung möglich ist. Bisher galt die dreimotorige Version mit einem Motor an der Vorderachse und zwei Motoren an der Hinterachse als leistungsstärkstes Cybertruck-Modell. Den Rivian R1T gibt es bereits in einer viermotorigen Variante. In einem Tweet betont Musk, dass der viermotorige Cybertruck das Marktstartmodell sein wird. Wer eine der leistungsschwächeren Variante ordert, muss sich also bei der Auslieferung hinten anstellen.

Krabben-Modus dank Allradlenkung

Die per Twitter gestellte Frage eines Tesla-Fans, ob Tesla das bisherige Cybertruck-Einstiegsmodell mit nur einem Motor aus dem Programm streicht, ließ Musk unbeantwortet. Auch die Frage, ob bisherige Bestseller der dreimotorigen Version ihre Bestellung auf das neue Topmodell upgraden können, ist bisher unbeantwortet. Aber Musk kündigt noch eine von der Konkurrenz vorgegebene Neuerung an: Den Cybertruck wird es auch mit einer Allradlenkung geben. So eine Technik kommt auch im GMC Hummer EV. Sowohl der Hummer als auch der Cybertruck sind große Fahrzeuge, für deren Wendigkeit eine Allradlenkung deutliche Vorteile bringt. Und da eine Allradlenkung schon mal an Bord ist, rüstet GMC den Hummer auch gleich mit einem sogenannten Crab Mode (Krabben-Modus) aus: Dabei dreht die Lenkung die Vorder- und die Hinterräder in die gleiche Richtung, so dass das Fahrzeug diagonal vorwärts und rückwärts fahren kann. Genau so einen Crab Mode hat Musk jetzt auch für den Cybertruck angekündigt.

Chefdesigner mit Vorschlaghammer

Die Karosserie des Cybertruck besteht aus gehärtetem Edelstahl – bei der Präsentation in L.A. prügelte Tesla-Chefdesigner Franz von Holzhausen einen Vorschlag-Hammer erbarmungslos gegen die Fahrertür – und scheint keinen Kratzer – geschweige denn eine Beule – zu hinterlassen. Gebürsteter Edelstahl kam bisher nur äußerst selten als Karosseriebaustoff bei Fahrzeugen zum Einsatz. Ein paar Studien konnten damit glänzen und der technische Mega-Flop namens DeLorean DMC-12 steckte unter Edelstahl – ein zumindest damals nur sehr schwer wieder auszubeulendes Material.

Schussfest gegen 9-Millimeter-Geschosse

Außerdem beteuert Musk, dass sein Pick-up schussfest sei. Während der Präsentation zeigt er Fotos, die belegen sollen, dass die Karosserie Beschuss aus zehn Metern Entfernung mit einem 9-Millimeter-Vollmantelgeschoss aushält. Auch die Fensterscheiben sollen extrem stabil sein. Zum Beweis wirft Holzhausen eine fast Tennisball große Stahlkugel gegen die vordere Seitenscheibe – und beschädigt sie deutlich. Zweiter Versuch bei der hinteren Seitenscheibe – wieder eine deutliche Beschädigung. Musk meint, da gäbe es noch etwas zu verbessern, freut sich aber, dass die Kugel die Scheiben nicht durchschlagen hat. Dieser Teil der Show ging in die Hose – später reichte Musk ein Video nach, in welchem die Fensterscheiben nach Kugelbewurf unbeschädigt blieben. Allerdings ist das Video umstritten, da während des Versuchs die entsprechende Cybertruck-Tür nicht komplett geschlossen war. Der Wurf hat die Tür in Bewegung versetzt, was beim Energiabbau hilft.

Keine Türgriffe

Bei der Präsentation des Cybertruck fiel auf, dass der Pickup keine Außenspiegel hat. Ob diese noch kommen, ist unbekannt – ein anderes Detail entfällt aber: Einem nach Neuigkeiten zum Cybertruck dürstenden Fan hat Musk per Twitter geantwortet, dass der Pickup keine Türgriffe bekommt. Auf den Bildern der Premiere sind zwar noch Türgriffe angedeutet, aber diese scheinen in der Serienversion zu entfallen. Wie die Türen stattdessen zu öffnen sind, beispielsweise über Sensoren, hat Musk noch nicht verraten. Ob eine grifflose Lösung in Europa zulässig ist, bedarf der Klärung – fehlende Türgriffe könnten die Bergung von Unfallopfern aus dem Fahrzeug erschweren. Hinzu kommt, dass Musk den Cybertruck mit besonders robusten Fenstern ausstatten möchte, die sich kaum einschlagen lassen – dies würde in Kombination mit fehlenden Türgriffen weitere Schwierigkeiten bei der Bergung von Verletzten aus Fahrzeugen bedeuten.

Ford-F-150-Dimensionen

Bei den Dimensionen seines Alles-anders-Trucks hat sich Musk am seit Jahrzehnten erfolgreichsten Auto der USA orientiert: dem Ford F-150. Die fahrende Edelstahl-Ecke ist 5,86 Meter lang, 2,03 Meter breit und 1,90 Meter hoch. Sie hat sechs Sitze und ein abgedecktes 1,98 Meter langes Ladebett, dass Tesla Vault, also Bunker, nennt. 1.588 Kilogramm sollen sich dort zuladen lassen – die Zuladung gehört zu den Kernkompetenzen eines Pick-ups. Beim F-150 ist die Zuladung je nach Ausstattung verschieden hoch, liegt aber meistens unter dem Wert von Tesla.

Fahrwerk mit Allradlenkung

Beim Fahrwerk des Cybertruck setzt Musk eindeutig auf Sport: Sein Twitter-Spruch "Needs to kick butt in Baja." bezieht sich auf die Baja 1000, eines der längsten und härtesten Offroad-Rennen der Welt. Der Tesla-Boss plant eine neu entwickelte Luftfederung, die also nicht auf bisher bekannten Tesla-Systemen basiert. Die adaptive Bodenfreiheit soll bei enormen 41 Zentimeter liegen. Den dynamischen Luftfederweg möchte Musk für gesteigerte Offroad-Eigenschaften verbessern.

Im Juli 2021 hat Musk auch per Twitter bestätigt, dass der Cybertruck für mehr Agilität eine Allradlenkung bekommt – so eine Allradlenkung hat GM auch für seinen neuen GMC Hummer EV angekündigt. Der Cybertruck ist damit Teslas erstes Allrad-Lenkungsmodell. Musk begründet die Ausrüstung mit einer dadurch gesteigerten Agilität des Trucks – außerdem muss er gegen den rein elektrisch angetriebenen Ford F-150 Lightning punkten, der gute Pick-up-Eigenschaften zu einem niedrigen Elektroautopreis bietet.

Hohe Zugkraft für den Pickup

Die bei Pick-ups ebenfalls wichtige Zugkraft gibt Tesla mit 3,4 Tonnen für die einmotorige Variante an. Hoch geht es über 4,5 Tonnen (zwei Motoren) bis 6,3 Tonnen für die Version mit drei Motoren. Zur Verdeutlichung ließ Musk während der Cybertruck-Präsentation einen F-150 und seinen Cybertruck im Seilziehen direkt gegeneinander antreten: der Cybertruck zieht den Ford spielend weg. Allerdings hat Ford bereits mit einem elektrischen Prototyp des F-150 Lightning gezeigt, dass dieser im Experiment Eisenbahnwagons mit einem Gesamtgewicht in Höhe von 454 Tonnen ziehen kann. Das Duell elektrischer F-150 gegen Cybertruck verspricht also Spannung. Und auch auf die Beschleunigung seines Pick-ups ist Musk stolz: In einem Video lässt er ihn beim einem Beschleunigungsrennen gegen einen Porsche 911 antreten und gewinnt gegen den deutschen Sportwagen locker.

Vier Motorisierungen

Der Cybertruck ließ sich bislang in drei Motorisierungen ordern: mit einem Motor und Hinterradantrieb, mit zwei Motoren und Allradantrieb, mit drei Motoren – wieder in Kombination mit Allradantrieb. Die dreimotorige Variante soll in 2,9 Sekunden auf 97 km/h (60 Meilen pro Stunde) preschen. Für den zweimotorigen Cybertruck gibt Tesla einen 0-auf-60-mph-Sprintwert von 4,5 Sekunden an. Das Basismodell soll die Aus-dem-Stand-Beschleunigung in 6,5 Sekunden schaffen. Zur von Musk angekündigten Variante mit 4 Elektromotoren gibt es noch keine technischen Details.

Über 800 Kilometer Reichweite und Solarpanele

Tesla bietet den Cybertruck mit drei verschiedenen Reichweiten an: 402 Kilometer, 483 Kilometer und sensationelle 805 Kilometer. Die Aufladung soll mit mehr als 250 Kilowatt funktionieren, wenn es in Zukunft Ladestationen gibt, die diese Leistung erbringen. Der Cybertruck soll das erste Fahrzeug von Tesla sein, dass es optional mit einem Solardach gibt – damit soll sich im Bestfall Energie für zusätzliche 15 Meilen (circa 24 Kilometer) Reichweite sammeln lassen.

Darüber hinaus soll es auch noch ausklappbare Solarflügel geben: Die gesammelte Energie soll dann täglich für insgesamt 30 bis 40 Meilen Zusatzstrecke reichen. Diese würden zusammen mit dem Panel auf dem Dach Solarstrom für 30 bis 40 Meilen (48 bis 64 Kilometer) pro Tag liefern. Damit wäre die durchschnittliche Tagesfahrleistung eines US-Amerikaners in Höhe von 30 Meilen allein durch Solarenergie abgedeckt.

Cyberquad und Cyberbike

Außerdem plant Tesla ein ATV (All-terrain vehicle, Quad), das auf die Ladefläche des Cybertrucks passt und sich dort auch laden lässt. Tesla hat die Ladefläche des Cybertruck mit einer Haushaltsstrom-Steckdose ausgestattet, die die in dem Land jeweils übliche Spannung (beispielsweise USA 110 Volt und Europa 230 Volt) liefert. Das Zwei-Personen-ATV heißt Tesla Cyberquad und soll im Zusammenhang mit dem Cybertruck als Option bestellbar sein. Allerdings war das in L.A. präsentierte Cyberquad noch keine Tesla-Eigenentwicklung, sondern eine umgebaute Yamaha Raptor. Aktuell denken die Verantwortlichen bei Tesla auch über die Konstruktion eines Elektromotorrades namens Cyberbike nach.

Marktstart erst Ende Q1/2023?

Die Produktion des Cybertruck wird in der neuen Gigafactory 5 in Texas stattfinden – die Fabrik befindet sich seit Ende Juli 2020 im Bau. Dort sollen auch Model 3 und Model Y vom Band laufen, die dann ebenfalls die neuen und für die Cybertruck-Batterie vorgesehenen 4680-Zellen bekommen. Den Produktionsstart des Cybertrucks hatte Elon Musk zuletzt für Ende 2021 in Aussicht gestellt. Jetzt findet sich aber im Kleingedruckten des Konfigurators der klare Hinweis darauf, dass die Produktion des Cybertruck erst Ende 2022 anlaufen wird. Es gebe noch Probleme mit der Herstellung der Edelstahl-Karosserie sowie mit der Massenfertigung der Batteriezellen. Inzwischen schein allerdings auch der 2022-Termin nicht mehr zu halten. Die  Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf einen Tesla-Insider, dass die Firma den Start der Serienproduktion erst für das Ende des ersten Quartals 2023 plane. Vor allem, weil man unter anderem die Eigenschaften und Funktionen des Pick-ups geändert habe, um auf den sich verschärfenden Wettbewerb im Segment zu reagieren. Das würde zur Ankündigung des viermotorigen Cybertrucks passen. Seinen aktualisierten Produkt-Fahrplan will Tesla am 26. Januar 2022 vorstellen.

Ursprünglich gab es für den US-Markt wurden auch schon Cybertruck-Preise. Die begannen ohne Subventionen bei 39.900 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 36.050 Euro), die zweimotorige Variante sollte 49.900 Dollar (45.085 Euro) kosten und das dreimotorige Topmodell wurde mit 69.900 Dollar (63.155 Euro) beziffert. Im Oktober 2021 hat Tesla alle Preise wieder von der Homepage genommen.

Quelle: 2022 Motor-Presse Stuttgart
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