Lichttest 2018

Lichttyp: Adaptivlichter. Mercedes-Maybach S-Klasse: Die
Digital-Light-Scheinwerfer des Maybach funktionieren im Prinzip wie
HD-Beamer, die sogar Symbole auf die Fahrbahn projizieren können,
um etwa auf die eigene Spurbreite in Baustellen oder auf
Gefahrenstellen hinzuweisen. Das klingt nach Science-Fiction, fühlt
sich im Test aber gar nicht so an.
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Lichttyp: Adaptivlichter. Mercedes-Maybach S-Klasse: Die Digital-Light-Scheinwerfer des Maybach funktionieren im Prinzip wie HD-Beamer, die sogar Symbole auf die Fahrbahn projizieren können, um etwa auf die eigene Spurbreite in Baustellen oder auf Gefahrenstellen hinzuweisen. Das klingt nach Science-Fiction, fühlt sich im Test aber gar nicht so an.

© Achim Hartmann
10.12.2018 - 05:00 Uhr von Clemens Hirschfeld

Teure Laser- und HD-Lichter zeigen, was lichttechnisch möglich ist. Doch auch erschwingliche LED- und Halogenscheinwerfer beweisen im großen Lichttest ihre Strahlkraft.

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Um halb zwei Uhr in der Nacht erstrahlt das auto motor und sport-Logo auf dem Asphalt hinter der Mercedes-Tribüne am Hockenheim-Ring. Das Aufmacherbild für den großen Lichttest 2018 ist im Kasten. Sie dachten, das sei ein Photoshop-Trick? Nein, die Projektion ermöglicht High-End-Scheinwerfer-Technologie, in diesem Fall von Mercedes. Die in der Maybach S-Klasse erstmals verwendete Beamer-Technik markiert den vorläufigen Höhepunkt des Fortschritts im Lichtbereich, den vor einigen Jahren die Leuchtdioden eingeleitet haben.

Bekanntlich bieten LED viele Vorteile. Die Scheinwerfer benötigen weniger Platz als etwa Xenon-Brenner und lassen Designern so mehr Freiheiten. Zudem sind Leuchtdioden günstig zu produzieren, energieeffizient und mit ihrer Lebensdauer von zirka 10.000 Stunden wartungsfrei sowie langlebig. Doch die meisten Automodelle werden, zumindest in den Basisvarianten, noch immer mit Halogenscheinwerfern angeboten und auch gekauft.

Halogenlicht und seine Grenzen

Dass die klassischen Leuchten nicht schlecht sein müssen, beweist der Dacia Duster in unserem Test. Die großen Reflektorflächen und die hohe Einbauposition sorgen für eine gute Ausleuchtung der Fahrbahn. Wie wichtig diese zwei Faktoren bei Halogenleuchten sind, beweist der Citroën C3: Seine kompakten Scheinwerfer sitzen sehr tief und erzeugen nicht nur einen recht schwachen Lichtkegel, sondern blenden auch andere Verkehrsteilnehmer. Zudem reichen die Glühbirnen bei beiden Fahrzeugen in puncto Lebensdauer, Helligkeit und Leuchtweite nicht an Leuchtdioden heran.

Schon einfache LED-Scheinwerfer, wie sie für VW Polo oder Mazda CX-3 angeboten werden, bringen mit tageslichtähnlicher Lichtfarbe von 5.500 Kelvin sprichwörtlich mehr Licht ins Dunkel. Noch mehr als die niedrige Einbauhöhe wirkt sich hier die softwaregesteuerte Leuchtweitenregulierung aus. Während der VW-Lichtstrahl recht starr erscheint, ist der Lichtkegel des Mazda ständig in Bewegung. Ob das positiv oder störend ist, wird jedoch unterschiedlich empfunden.

Die größeren SUV Volvo XC60 und DS 7 Crossback haben dagegen Voll-LED-Scheinwerfer mit dynamischen Funktionen an Bord. Neben Kurvenlicht – beim DS mechanisch bewegt – bietet der Volvo einen elektronisch gesteuerten Fernlichtassistenten, der nicht nur die Leuchtweite reguliert, sondern auch entgegenkommende oder vorausfahrende Autos im Lichtkegel ausspart.

Adaptivlichter mit intelligenter Lichtsteuerung

Noch souveräner agieren die adaptiven LED-Scheinwerfer von Audi und BMW. Vor allem das Matrix-LED-Licht im A8 ist permanent in Bewegung, reagiert auf unterschiedliche Kurvenradien und topografische Veränderungen mit dem Zu- beziehungsweise Abschalten einzelner Leuchtdioden. Die Kamera erkennt zudem Gegenverkehr, Personen und Straßenschilder und dimmt diese ab. Ähnlich souverän meistert der Siebener die Testfahrten. Sein helleres LED-Licht und der Fernlichtassistent agieren weniger aufgeregt, die Software tut sich jedoch schwerer bei der Erkennung von Passanten und der Entblendung von Verkehrszeichen.

In beiden werden die LED-Scheinwerfer um Lasermodule erweitert, die im Fernlichtmodus mehrere hundert Meter weit strahlen. Tatsächlich kommen die Laserspots im realen Fahrbetrieb nur auf langen, kaum befahrenen Geraden zur Wirkung, da ihr Verstellbereich trotz dynamischer Steuerung nur gering ist.

In eine andere Richtung geht Mercedes mit dem Digital Light. Dabei handelt es sich um Scheinwerfer, die zusätzlich zu dem bekannten 84-LED-System ein hochauflösendes Beamermodul besitzen. Dadurch kann die S-Klasse im Test nicht nur andere Verkehrsteilnehmer zentimetergenau ausblenden, sondern mit auf die Fahrbahn projizierten Symbolen den Fahrer unterstützen. Das System wäre sogar in der Lage, Zebrastreifen zu animieren. Und genau hier ist der Haken: Denn es fehlt noch die endgültige Freigabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Nach der Genehmigung wird es dann eine Kleinserie für ausgewählte Flottenkunden der Mercedes-Maybach S-Klasse geben.

So haben wir getestet

In der Praxis sind die im Labor ermittelten Lux- und Lumenwerte aktueller Lichtsysteme kaum relevant. Was zählt, sind gute Lichtverteilung und Helligkeit sowie geringe Blendgefahr unter realen Bedingungen. Deshalb bewerten vier Tester im Alter von 28 bis 60 Jahren die Lichtsysteme nach einheitlichen Kriterien – zunächst bei einer nächtlichen Vergleichsfahrt auf einer topografisch anspruchsvollen Landstraße. Die adaptiven Systeme müssen zusätzlich spezielle Test- Szenarien auf der Rennstrecke mit Passanten und Verkehr am Fahrbahnrand meistern.

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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