Niedrigzinsen und Negativ-Zins-Kredite: Wie Verbraucher profitieren können

Die EZB entscheidet über die Entwicklung des Leitzinses.
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Die EZB entscheidet über die Entwicklung des Leitzinses.

© ProfessionalPhoto (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)
22.07.2018 - 08:00 Uhr

Schon seit mehr als zwei Jahren liegt der EZB-Leitzins buchstäblich am Boden. Wo noch vor fünfzehn Jahren höhere Werte zu finden waren, prangt seit 2016 eine schwarze Null. Interessant ist das jedoch nicht nur für Kreditinstitute, sondern auch für den Verbraucher. Er nämlich kann sich die aktuelle Lage zum Vorteil machen. Am Beispiel eines Negativzins-Kredits wird das umso deutlicher.

Bestimmende Größe: Der Leitzins

Um zu verstehen, warum sich die Verzinsung unterschiedlicher Finanzprodukte verändert, ist ein genauerer Blick auf den Leitzins der Europäischen Zentralbank unverzichtbar. Er nämlich kann von den Verantwortlichen sowohl angehoben als auch gesenkt werden und beeinflusst dabei den gesamten Markt. Grundsätzlich wird mit Hilfe des Leitzinses festgelegt, wie teuer es für Kreditinstitute ist, sich bei Zentral- oder Notenbanken Geld zu leihen. Da sowohl Ersparnisse als auch Verteuerungen an den Verbraucher weitergegeben werden, spürt er die indirekten Auswirkungen einer Leitzins-Anpassung.

Sobald der Leitzins angehoben wird, steigen die Kosten für Kreditinstitute, die sich Geld leihen wollen. Auf diese Weise soll die Inflation niedrig gehalten werden. Da das Bankengeschäft jedoch auch bei hohen Zinsen nicht zu erliegen kommt, muss der Verbraucher mit verschiedenen Auswirkungen rechnen. Einerseits wird es teurer, Kredite aufzunehmen und andererseits kann sich Sparen wieder lohnen.

Genau umgekehrt sieht das bei einer Senkung des Leitzinses aus. Banken können sich nun zu deutlich günstigeren Konditionen Geld leihen und vergeben ihrerseits Kredite mit erheblich niedrigeren Zinssätzen. Für den Kreditnehmer also ist das vorteilhaft, für den Sparer hingegen nicht. Der gesenkte Leitzins soll dabei helfen, die Wirtschaft anzukurbeln, da auch Unternehmen günstigere Kredite erhalten und entsprechend leichter investieren können.

Dass der Leitzins in den letzten Jahren einen Negativ-Trend erlebt, ist längst klar. Auch statistisch lässt sich das leicht erkennen. Lag er vor zehn Jahren noch bei 3,75 Prozent, sind es nun schön seit März 2016 null Prozent.

Profiteure der Niedrigzinspolitik: Kreditnehmer

Kreditinstitute können sich nun Angebote und Aktionen leisten, die es im letzten Jahrzehnt sicherlich nicht gegeben hätte. Das beste Beispiel: Smava.de bietet aktuell einen Aktionskredit mit Negativ-Verzinsung an. Diese Aktion ist nicht neu, übersteigt nun jedoch den bisherigen Rahmen von üblicherweise 1.000 Euro. Verbraucher können sich bei Smava jetzt 10.000 Euro leihen, die mit einem effektiven Jahreszins von -0,40 Prozent pro anno verzinst werden. Die Folge: Es müssen nicht 10.000 Euro zurückgezahlt werden, sondern 9.959 Euro.

Angesichts dieses Beispieles wird deutlich: Vom niedrigen Leitzins profitieren vor allen Dingen diejenigen, die sich Geld leihen wollen. Ob für Immobilienkredite, PKW-Finanzierungen oder andere Darlehensformen spielt dabei kaum eine Rolle, denn Banken geben die Ersparnis ihrerseits an den Kunden weiter. Das ist vorteilhaft für all jene, die sich schon länger mit dem Gedanken an größere Investitionen beschäftigen. Sie erhalten nun zwar nicht grundsätzlich Negativzinsen wie bei Smava, aber dennoch erheblich günstigere Konditionen als beispielsweise in den Neunzigerjahren.

Auch Hauskäufer sind daher Vorteilsnehmer, wenn es um den niedrigen Zinssatz geht. Das Verhältnis zwischen Tilgung und Zinsbelastung liegt aktuell auf günstigem Niveau, weswegen sich Verbraucher in vielen Fällen eine schnellere Rückzahlung ihres Immobiliendarlehens erlauben können. Was am Schluss der Zinsbindung passiert, sollte jedoch jeder Kreditnehmer mit langfristigem Darlehen im Blick behalten. Wie sich der Leitzins in den kommenden Jahren entwickelt, bleibt nämlich unklar und auch Steigerungen sind möglich. Eine Anschlussfinanzierung ohne gesicherten Zinssatz könnte daher in der Zukunft teurer werden.

Wer klug anlegt, verschafft sich ebenfalls Vorteile

Oft wird in diesen Tagen davor gewarnt, veraltete Spar-Strukturen aufrecht zu erhalten. Die Hintergründe liegen auf der Hand, denn wo der Leitzins niedrig ist, sinken auch die Guthabenzinsen. Etablierte Sparermodelle wie Kapitallebensversicherungen, Sparbücher, Festgeldkonten und Tagesgeld erweisen sich daher aktuell als wenig profitabel. Sogar von Negativzinsen auf das Ersparte ist längst die Rede. Wer als Anleger auch in Niedrigzins-Zeiten profitieren will, muss sich daher etwa einfallen lassen.

Auch jungen Anlegern wird daher nun zu neuen Strategien geraten. Vermögens-Portfolios mit breiter Streuung sollen dabei helfen, die eigenen Finanzen zu sichern. So schützen sich Anleger vor der Inflation und setzen nicht nur auf einen Bereich, der im Falle einer Schwankung zu Verlusten führt. Bestandteil einer breit gestreuten Anlagestrategie sind laut Finanzexperten daher nun auch verschiedene Fonds, Aktien, Immobilien und in geringem Ausmaß auch Edelmetalle oder Direktinvestitionen. In diesem Fall aber gilt: Wer klug anlegen will, muss mehr kennen als nur den Leitzins.

Es ist sinnvoll, klassische Sparmodelle in Zeiten niedriger oder gar negativer Zeiten zu meiden, beim Aufbau des persönlichen Portfolios aber kommt es auf zahlreiche Faktoren wie die Vermögenshöhe, Risikobereitschaft und Laufzeiten an. An diesem Punkt ist es daher nur empfehlenswert, einen unabhängigen Berater aufzusuchen, der nicht an einzelne Kreditinstitute gebunden ist. Er kann das aktuelle Marktgeschehen weitaus objektiver beurteilen und Ratschläge geben, die sich nicht hintergründig an Vorteilen Einzelner orientieren. So lässt sich auch mit einem niedrigen Leitzins Geld anlegen, ohne von dessen Folgen benachteiligt zu werden.

Quelle: freenet.de
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