Risiken bei der Kreditaufnahme – darauf sollten Kreditnehmer achten

Bei der Kreditaufnahme sollten einige Fehler vermieden werden.
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Bei der Kreditaufnahme sollten einige Fehler vermieden werden.

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27.11.2017 - 08:00 Uhr von MR

Hier ein neues Auto, da die neue Küche – nur zwei „Klassiker“, wenn es um das Thema Kredit geht. Inzwischen finanzieren Haushalte ganz unterschiedliche Ausgaben, wie Weltreisen oder den Führerschein und hochwertigen Zahnersatz. Für Banken ist die Kreditvergabe ein wichtiger Geschäftszweig, da aus der Zinsdifferenz zwischen Einlagen und Krediten ein Teil der Gewinne für die Institute entsteht. Aus Sicht der Verbraucher haben die Kredite den Vorteil, dass sich teure Anschaffungen bequem auf Raten verteilen lassen. Gerade wenn es schnell gehen muss – etwa weil die alte Waschmaschine den Geist aufgegeben hat – werden Konsumkredite nachgefragt.

Von der Unterschrift unter den Antrag bis zur Entscheidung der Bank vergehen heute mitunter nur noch Stunden. Gerade im Rahmen der Händlerfinanzierungen ist das Zeitfenster noch kleiner. Kein Wunder also, dass Banken allein im September 2017 laut Bundesbank mehr als 1,4 Milliarden Euro in Form von Konsumkrediten vergeben haben. Aber: Wer sich übereilt entscheidet, macht sehr schnell Fehler. Und diese können durchaus teuer werden. Bei 1.000 Euro oder 2.000 Euro Kreditsummen fällt eine Fehlentscheidung oft noch nicht stark ins Gewicht. Bei 10.000 Euro oder dem Hauskredit wird es allerdings sehr schnell teuer.

Bekannte Fehler bei der Kreditaufnahme

Das Angebot bei:

  • Konsumkrediten
  • Händlerfinanzierungen
  • Ratendarlehen

ist riesig. Jede Bank will sich ein Stück vom Kuchen abschneiden und mischt am Markt mit. Das Ergebnis sind Darlehen, die mit oder ohne Zweckbindung sowie bonitätsabhängigem Zinssatz angeboten werden. Oder soll es doch lieber ein Kredit mit einem für alle Antragsteller gleichen Sollzins sein? Die Masse der Angebote sorgt auf der einen Seite für Auswahl, erhöht gleichzeitig auch das Risiko, Fehler beim Abschluss zu machen.

  1. Fehler Nummer 1 – Nur vom Zins leiten lassen

Klar, der Kreditzins beeinflusst die Kosten für einen Kredit. Allerdings ist diese Aussage nur die halbe Wahrheit. Es kommt darauf an, was sich im Kleingedruckten versteckt. Wer sich nicht intensiv mit den Konditionen der Finanzierung beschäftigt, tritt schnell ins Fettnäpfchen.

  1. Fehler Nummer 2 – Zu lange Laufzeit

Niedrige Raten sind bequem. Auf der anderen Seite sorgt eine niedrige Rate auch für eine lange Laufzeit. Im Vergleich zeigt sich recht schnell, dass genau diese Kredite teuer werden – da Zinsen über einen langen Zeitraum zu bedienen sind.

 

Kredit A

Kredit B

Kreditsumme:

10.000 Euro

Zinssatz p. a.:

2,45 Prozent

Rate pro Monat:

250 Euro

350 Euro

Laufzeit:

42 Monate

29 Monate

Kreditkosten:

~ 438 Euro

~ 312 Euro

 

  1. Fehler Nummer 3 – Restschuldversicherung abgeschlossen

Auf den ersten Blick ist es sinnvoll, mit einer RSV für den Fall finanzieller Engpässe vorzusorgen. In der Praxis zeigt sich, dass die Restkreditversicherung nur in bestimmten Situationen Sinn macht. Ist die RSV überflüssig, profitieren davon nur Bank (Stichwort Provision) und Versicherer vom Abschluss.

  1. Fehler Nummer 4 – Auf Vergleich verzichtet

Ein Kreditvergleich sollte das A und O sein. Gerade im Rahmen einer Händlerfinanzierung bleibt dieser oft auf der Strecke. Ein Fehler, der sich später rächen kann.

Wie lässt sich eine Kreditaufnahme richtig vorbereiten?

Wer als Haushalt ein Darlehen aufnehmen will, sollte den „Schuss ins Blaue“ vermeiden. Ohne Vorbereitung sind Verbraucher heute zwar in der Lage, einen Kreditvertrag abzuschließen. Wie dessen Qualität aussieht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Was zählt, ist die richtigen Vorbereitung. Auch spezielle Communitys und Foren können eine große Hilfe sein, um den Service und die Leistungen bestimmter Banken näher kennenzulernen. Nur wer als Kreditnehmer genaue Vorstellungen davon hat, welche Anforderungen das Darlehen erfüllen muss, kann sich richtig entscheiden.

  • Kapitaldienstfähigkeit ermitteln: Wie hoch darf die Kreditrate sein? Diese Frage ist auf jeden Fall zu klären. Damit schlagen Antragsteller zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der einen Seite wird vermieden, sich finanziell zu überfordern. Andererseits lässt sich so eine Tilgung realisieren, welche den schnellen Schuldenabbau ermöglicht.
  • Über Verbraucherrechte informieren: Was darf meine Bank überhaupt? Antragstellern sollte bekannt sein, welche Rechte und Pflichten sie haben. So lassen sich nicht nur umstrittene Passagen im Kreditvertrag erkennen. Wer seine Rechte kennt, weiß beim Verbraucherdarlehensvertrag zum Beispiel um die Kündigungsrechte nach § 500 Abs. 2 Satz 1 BGB.
  • Spielraum ausloten: Dieser Aspekt sollte allen Antragstellern am Herzen liegen, die sich nicht gleich auf eine hohe Rate festlegen – aber trotzdem flexibel bleiben wollen. Über Sondertilgungen ist es möglich, auch außerhalb des Ratenplans zum Schuldendienst beizutragen. Wer diese Möglichkeit konsequent einsetzen will, sollte Quellen für das nötige Kapital ausloten – wie zum Beispiel Sonderzahlungen des Arbeitgebers.

Was tun bei Bonitätsproblemen?

Banken durchleuchten Antragsteller – besonders in Bezug auf die Bonität. Die SCHUFA-Auskunft ist nur ein Teil dieser Prüfung. Auch die finanzielle Leistungsfähigkeit steht auf dem Prüfstand. Wie verhalten sich Antragsteller, wenn die Bonität zum Problem wird? Ein wichtiger Schritt ist die regelmäßige Datenabfrage auf Basis des Datenschutzgesetzes bei Auskunfteien.

Fehler im Datensatz haben leider immer wieder Auswirkungen auf die Bonität. Werden diese erkannt und korrigiert, verbessert sich die Situation oft schon. Schwieriger ist die Situation mit zu recht eingetragenen Negativmerkmalen. Diese erschweren eine Kreditaufnahme. Und auch zu niedrige Einkommen sind ein Problem – oder die zu hohen Ausgaben. Wer bereits viele Kredite zu tilgen hat oder Unterhalt zahlt, sollte sich das Eingehen neuer Verbindlichkeiten überlegen. Banken achten darauf, dass Einkommen oberhalb der Pfändungsfreigrenzen vorhanden sind.

Tipp: Sollte sich die Bonität nachteilig auf den Kreditzins auswirken, wäre die Suche nach Darlehen mit bonitätsunabhängigem Zins eine Option. 

Fazit: Viele Fehler bei Krediten lassen sich vermeiden

Fehler können passieren! Bei der Aufnahme eines Kredits werden Fehler allerdings teuer – bis hin zur Kündigung des Vertrags durch die Bank. Letzteres kann zum Beispiel der Fall einer Zweckentfremdung der Mittel bei zweckgebundenen Darlehen sein. Aber es reicht schon, beim Kreditzins die Angebote nicht richtig zu vergleichen – und schon wird die Finanzierung deutlich teurer. Viele Fehler, die heute bei der Aufnahme eines Kredits gemacht werden, lassen sich eigentlich vermeiden. Antragsteller unterlassen es oft, sich gründlich zum Angebot zu informieren. Oder wissen schlicht nicht, welche Rechte sie als Kreditnehmer gegenüber der Bank geltend machen können.

Quelle: freenet.de
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