Flucht vorm Fiskus: Billig tanken im Ausland

Flucht vorm Fiskus: Billig tanken im Ausland
Bild 1 von 1

Flucht vorm Fiskus: Billig tanken im Ausland

 © Getty Images

Alle Jahre wieder: Pünktlich zur Urlaubszeit müssen Autofahrer wieder mit Höchstpreisen für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen rechnen. Grund dafür sind die nach wie vor hohen Rohölpreise und die üblichen Preiserhöhungen vor Feiertagen und Ferien. Weitaus günstiger tankt es sich da im Ausland - teilweise beträgt die Differenz bei den Spritpreisen mehr als 30 Cent je Liter. Nebenbei entkommt man so auch dem deutschen Fiskus und der hierzulande vergleichsweise hohen Steuerbelastung bei Benzin und Diesel.

Sommerzeit - Urlaubszeit: Doch wer dieses Jahr einen Trip mit dem Auto plant, dessen Urlaubsfreude dürfte wohl spätestens an der Zapfsäule getrübt werden. So kostet ein Liter Superbenzin derzeit im bundesweiten Durchschnitt 1,52 Euro. Der Dieselpreis stieg an den deutschen Tankstellen sogar auf den Höchstwert von durchschnittlich 1,53 Euro. Im vergangenen Jahr lagen die Preise vor Beginn der Urlaubszeit noch bei 1,44 bzw. 1,19 Euro.

Preistreiberei an der Tankstelle?
Zur Begründung für die hohen Spritpreise verweisen die Mineralölkonzerne auf das hohe Preisniveau an den internationalen Ölmärkten. Die steigende Nachfrage nach Öl habe die Einkaufspreise für Super um das Zweieinhalbfache und für Diesel um das Dreifache erhöht. Ein Grund hierfür ist die erhöhte Nachfrage infolge des weltweiten Konjunkturaufschwungs. Allein in den USA werden jährlich 900 Millionen Tonnen Öl benötigt. Einen großen Durst nach dem "Schwarzen Gold" entwickeln aber auch aufstrebender Staaten wie China und Indien.

Hinzu kommen aber offenbar auch Preisspielchen der Mineralölkonzerne. So hat beispielsweise das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bereits früher festgestellt, dass die Unternehmen ohne besonderen Grund kurz vor den Ferien zwei Cent mehr verlangen. Offenbar hätten sie in Deutschland schlechtere Margen als im benachbarten Europa und nutzten deshalb in der Ferienzeit den steigenden Verbrauch als zusätzliche Verdienstmöglichkeit.

Rund 61 Prozent für Steuern
Ein weiterer Grund für die hohen Spritpreise ist die offene Hand des Staates. Nach Berechnungen des ADAC entfallen bei einem Preis von 1,43 Euro je Liter Superbenzin 65,4 Cent auf Mineralöl- und Ökosteuer, 22,9 Cent auf die Mehrwertsteuer und nur 55,4 Cent auf Kosten und Gewinne der Ölkonzern. Insgesamt seien rund 61 Prozent des Benzinpreises Steuern. Durch diese Steuerpolitik trägt der Staat also dazu bei, dass an deutschen Zapfsäulen im EU-Vergleich mit die höchsten Preise zu zahlen sind.

Günstig tanken im Ausland
Eine der Folgen ist ein ausgesprochener Tanktourismus in den grenznahen Gebieten, etwa zu Polen, Tschechien, Österreich oder Luxemburg. Teilweise beträgt die Differenz bei den Spritpreisen mehr als 30 Cent je Liter - wohl dem also, der grenznah wohnt! Doch auch wer ein Reiseziel mit günstigen Spritpreisen hat, sollte preiswerte Tankstopps einplanen: Dabei vor dem Losfahren nicht zu viel und vor der Heimfahrt nochmals volltanken.

Angesichts der immer neuen Höchstmarken bei den Spritpreisen hat der ADAC die Bundesregierung einmal mehr aufgefordert, die Steuern auf Kraftstoffe zu senken. "Wer vor dem Hintergrund dieser Preissituation weiterhin für jeden Liter Superbenzin rund 90 Cent Steuer abzweigt, betreibt staatliche Abzocke", kritisierte der ADAC-Vizepräsident Klaus Ulrich Becker. Verbraucher können aber schon jetzt etwas tun, in dem sie einen Blick über die Grenze werfen. In vielen Nachbarstaaten ist Benzin und Diesel deutlich preiswerter zu haben:

Spritpreise in Deutschlands Nachbarstaaten (1 Liter in Euro)

Land Super Diesel
Belgien1,481,27
Bulgarien1,081,18
Dänemark1,471,40
(Deutschland)(1,44)(1,40)
EU-Durchschnitt1,281,29
Frankreich1,421,35
Großbritannien1,411,54
Irland1,211,25
Italien1,461,45
Luxemburg1,271,21
Niederlande1,621,40
Österreich1,291,31
Polen1,291,28
Portugal1,441,33
Schweden1,411,48
Schweiz1,181,31
Slowenien1,111,19
Spanien1,191,22
Tschechien1,261,31
Ungarn1,211,27

Quelle: AvD via clever-tanken.de (Stand: 20. KW 2008)

Ein Wort zur Qualität

Um die Qualität an ausländischen Zapfsäulen (Stichwort "Sprit-Panscher") braucht man sich nach Angaben des ADAC dabei keine Sorgen zu machen. Beanstandungen lägen weder von deutschen Tanktouristen noch von den ausländischen Partnerclubs vor. Nach derzeitigen Erkenntnissen spreche daher nichts gegen eine Nutzung des Preisgefälles, so der Automobilclub.

"Einmal volltanken bitte" - die drei Wörter sind in den vergangenen Monaten für Autofahrer ein teueres Vergnügen geworden. Doch durch zehn einfache Tipps können Sie Ihre Spritrechnung deutlich reduzieren.

Bei kurzen Stopps Motor aus
Eine rote Ampel, ein gesperrter Bahnübergang - Lohnt es sich in solchen Situationen überhaupt, den Motor abzustellen? Allgemein gilt: Dauert die Standphase über zehn Sekunden, lohnt sich (bei betriebswarmen Motoren) das Abstellen.

Die Fahrweise anpassen
Prinzipiell gilt: Zügig beschleunigen, möglichst früh die Gänge hoch schalten und die gewählte Geschwindigkeit mit niedrigen Drehzahlen halten. Auch im Stadtverkehr können Sie im 5. Gang noch gut mitschwimmen. Solange der Motor ohne zu rucken Gas nimmt, ist ein Zurückschalten nicht erforderlich. Benzin spart auch, wer beim Starten nicht schon den Fuß auf dem Gaspedal hat und gleich nach dem Anfahren in den 2. Gang wechselt.

Vorausschauend fahren
Jede Bremsung vernichtet Energie, also passen Sie sich der Verkehrslage an: Beschleunigen Sie nicht unnötig, rollen Sie an rote Ampeln heran. Nehmen Sie zudem beim Heranrollen an Ampeln oder Kreuzungen nicht den Gang heraus. Durch die Motorbremse, die in den meisten Autos die Kraftstoffzufuhr absperrt, lässt sich mehr Benzin als im Leerlauf sparen.

Das Auto entrümpeln
Der Dachträger vom letzten Urlaub, ein Sack Blumenerde, den Sie schon lange in den Garten bringen wollen - nur zwei Beispiele, wie Aufbauten oder zusätzliches Gewicht Ihren Verbrauch erhöhen. Als Faustregel gilt: je 100 kg Gewicht nimmt das Auto bis zu 0,3 Liter mehr. Aufbauten, die die Aerodynamik des Autos stören (beispielsweise Dachträger mit Fahrrädern), können den Mehrverbrauch nochmals deutlich nach oben treiben.

Regelmäßige Auto-Checks
Achten Sie nicht nur wegen der Verkehrssicherheit auf Ihr Auto. Zündfreudige Zündkerzen, saubere Luftfilter sowie regelmäßige Ölwechsel und die Überprüfung des Reifendrucks tragen zum Sprit sparen bei.

Internet-Preisvergleiche
Die Benzinpreise können je nach Ort oder Stadtteil variieren. Dabei spielt vor allem die örtliche Tankstellen-Konkurrenz eine Rolle. Zwar sind die Unterschiede von einem oder zwei Cent meist zu gering für lohnende Tankausflüge. Doch wer bestimmte Strecken fahren muss, kann sich im Internet auch die preiswerteste Tankstelle an dieser Strecke raussuchen.

Auch im Auto ans Strom sparen denken
Achten Sie auch im Auto auf Ihren Stromverbrauch. Die Lichtmaschine läuft zwar immer mit. Ein erhöhter Strombedarf verstärkt aber den Drehwiderstand der Lichtmaschine und macht eine höhere Motorleistung erforderlich. Das kostet Sprit. 400 Watt Strom können da laut ADAC schon mal mit einem halben Liter mehr je 100 Kilometer zu Buche schlagen.

Und 400 Watt sind recht schnell zusammen. Hier einige Verbrauchsbeispiele: Nebelscheinwerfer (100 Watt), Scheibenwischer (80), Heckscheibenheizung (120), Sitzheizung (60), heizbare Außenspiegel (30), Radio mit CD-Wechsler (60), Musikanlage mit 4-Kanal-Endstufe (200).

Klimaanlage und Heizung mit Bedacht nutzen
Ob Klimaanlage, Sitz- oder Standheizung - in unseren Autos wollen wir weder frieren noch schwitzen. Doch nutzen Sie diese Zusatzfunktionen nicht gedankenlos. Laut ADAC verbraucht eine Klimaanlage im Mittel zwischen 0,3 und 0,7 Liter pro Stunde, eine Standheizung zwischen 0,2 und 0,5 Liter.

Aber auch Frischluft knapst an der Benzinrechnung: Offene Seitenfenster oder Schiebedächer beinträchtigen die Aerodynamik. So steigert ein offenes Fenster bei 130 km/h den Verbrauch um rund 0,13 Liter je 100 Kilometer.

Im Ausland billiger tanken
Nicht überall in Europa ist Benzin und Diesel so teuer wie bei uns. Wer im Grenzgebiet lebt oder auf Urlaubsfahrt ist, sollte diese Unterscheide nutzen. Billiger tanken können Sie beispielsweise in Luxemburg, Österreich, Polen oder Tschechien. Der Tank-Ausflug in die Niederlande lohnt dagegen nur für Besitzer von Diesel-Autos - Normal und Super sind dort teuerer.

Kurze Wege zu Fuß
30 Liter auf 100 Kilometer, das gilt nicht nur für amerikanische Straßenkreuzer. Diesen Durchschnittsverbrauch hat jedes Auto nach einem Kaltstart auf den ersten ein bis zwei Kilometern. Für kurze Wege nehmen Sie also ruhig mal das Rad, die U-Bahn oder gehen Sie zu Fuß.

Quelle: freenet.de
Kommentare
Top-Themen
Maue Geschäfte, hohe Schulden, Aktie im freien Fall: Beim Frischhaltedosen-Hersteller Tupperware herrscht miese Stimmung.mehr
Reiseeinschränkungen, stillgelegte Firmen, unterbrochene Handelsketten - das Coronavirus hat immer mehr Auswirkungen ...mehr
Die Coronavirus-Epidemie im Iran belastet die ohnehin schon gebeutelte Tourismusbranche des Landes. Auch deutsche ...mehr
Anzeige