Überversicherte Verbraucher - so lassen sich unnötige Versicherungen vermeiden

Welche Versicherungen sind sinnvoll und welche eher entbehrlich? Bildquelle: thodonal88 – 371999371 / Shutterstock.com
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Welche Versicherungen sind sinnvoll und welche eher entbehrlich? Bildquelle: thodonal88 – 371999371 / Shutterstock.com

22.12.2017 - 10:00 Uhr von MR

Deutsche Haushalte sind überversichert! Diese Aussage ist immer wieder zu hören. Der GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.) ist anderer Meinung. Mit einer Versicherungsdichte von 2.387 Euro lag Deutschland 2015 im europäischen Vergleich in der unteren Hälfte. Zum Vergleich: Der Spitzenreiter Schweiz kam auf eine Versicherungsdichte von mehr als 6.600 Euro. Ist also in Deutschland alles in Ordnung? Die Antwort auf diese Frage setzt eine Detailanalyse voraus. Überversicherung kann entweder dadurch entstehen, dass Haushalte generell Risiken absichern, für welche ein Schutz nicht notwendig ist. Der Zustand einer Überversicherung kann aber auch punktuell auftreten – es wird im Einzelfall ein Versicherungsschutz aufgezogen, der nicht nötig wäre.

Parallel bleiben eigentlich wichtige Risikobereiche unversichert. Dieser Zustand einer Kombination aus relativer Unter- und Überversicherung ist in Deutschland oft anzutreffen. Dabei geht es Haushalten mitunter gar nicht ums Geld. Viele Verbraucher wissen schlicht nicht, welche Gefahren zuerst versichert werden sollten. Ein Aspekt, der zum Bumerang werden kann. Tritt der Schadensfall ein, ist eine Absicherung nicht mehr möglich. Welche Versicherungen sind unbedingt abzuschließen? Die Antwort fällt wenig befriedigend aus: Entscheidend ist hier immer der konkrete Einzelfall.

Welche Versicherungen sind wirklich wichtig?

Überversicherung ist ein Begriff, der sehr subjektiv definiert werden kann. Generell ist jedem Verbraucher anzuraten, existenzielle Risikobereiche zuerst abzudecken. Hierzu gehören die Schadenersatzpflicht nach § 823 BGB und der Ausfall der Arbeitsfähigkeit.

  • Private Haftpflichtversicherung: Die Haftpflichtversicherung – kurz einfach als Haftpflicht bezeichnet – deckt einen der wichtigen Schadensbereiche ab. Grundsätzlich ist jeder Bundesbürger zum Schadenersatz verpflichtet, wenn er Verursacher des Schadens ist. Und Personenschäden können, wenn es zur Berufsunfähigkeit des Betroffenen kommt, in die hunderttausende Euro (oder mehr) gehen. Kaum ein Haushalt wird in der Lage sein, diese Summen zu stemmen. Wichtig: Durch die Haftpflichtversicherung wird das Risiko der Haustierhaltung nicht gedeckt. Es ist dringend zu empfehlen, für diesen Fall entsprechend vorzusorgen.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Aus Expertensicht ist dieser Bereich ein weiteres Must-have. Leider existiert heute kein ausreichender Schutz aus der Sozialversicherung für den Fall, dass Berufsunfähigkeit eintritt. Besonders im Freizeitbereich nimmt die Lücke ein beträchtliches Ausmaß an. Der Abschluss einer BU-Versicherung wird mitunter durch die Annahmerichtlinien der Versicherer erschwert. Sofern keine BU-Versicherung abgeschlossen werden kann, sollte über die Erwerbsunfähigkeitsversicherung nachgedacht werden.

Des Weiteren kann – sofern die genannten Bereiche abgedeckt sind – über die Hausratversicherung nachgedacht werden. Diese deckt verschiedene Schadensbereiche ab.

Schadensbereiche Hausratversicherung:

Feuer

Hierzu gehören unter anderem Schäden durch: Brände, Blitzschlag sowie Explosionen oder Implosionen

Sturm/Hagel

Die Definition ist gerade im Hinblick auf Hagel offen, Sturm gilt ab Windstärke 8.

Einbruch & Vandalismus

Versichert werden das Eindringen in die Wohnung sowie der Raub und das Beschädigen von Inventar.

Leitungswasser

Leitungswasserschäden können durch Leitungsschäden, Frost o. Ä. entstehen. Eventuell sind auch Aquarien mitversichert.

 

Eine Zahnzusatzversicherung ist zwar kein unbedingtes Must-have. Aufgrund der inzwischen hohen Eigenbeteiligungen beim Zahnersatz kann sich der Abschluss einer solchen Police durchaus lohnen.  Zu beachten sind hier die gerade in den Anfangsjahren begrenzten Leistungen (Zahnstaffel) und der Umgang mit Vorerkrankungen. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, sollte sich den letzten Test von Stiftung Warentest zu Gemüte führen.

Welche Versicherungen können wichtig werden?

Neben Risikobereichen mit besonderer Tragweite kommt der Abschluss einiger Policen nur in Frage, wenn bestimmte Rahmenbedingungen eintreten. Beispiel: Kinder können nicht adäquat gegen das Risiko Berufs-/Erwerbsunfähigkeit abgesichert werden. Mithilfe einer Kinder-Unfallversicherung wäre hier zumindest ein Minimum an Sicherheit zu realisieren.

Parallel sind Policen mit Ausschnittsdeckung – wie die Jagdversicherung oder Tarife für den Modellflugsport – nur abzuschließen, wenn das versicherte Risiko tatsächlich in den Vordergrund tritt. Auch braucht ein Hausbesitzer nicht automatisch eine Photovoltaikversicherung.

Die Liste der Versicherungen, die in bestimmten Situationen an Bedeutung gewinnen, lässt sich beliebig fortsetzen. Hierzu gehört die Auslandskrankenversicherung (kommt in Frage, wenn Ferien oder Geschäftsreisen ins Ausland geplant sind) genauso wie die Reiserücktrittsversicherung. Ein Sonderfall ist die Rechtsschutzversicherung, da sie zwischen „den Stühlen“ steht. Deren Abschluss macht sich in verschiedenen Situationen bezahlt – aber nur, wenn Versicherte die Konditionen der Police tatsächlich verstanden haben.

Tipp: Bei Heirat und der Geburt eines Kindes ist auf jeden Fall über den Abschluss einer Risikolebensversicherung nachzudenken. Damit bleiben Hinterbliebene abgesichert. Bezüglich der Versicherungshöhe sind Einkommen und Bedarf (etwa Verbindlichkeiten aus dem Eigenheim) zu berücksichtigen.

Auf diese Policen darf verzichtet werden

Versicherungsgesellschaften bieten inzwischen eine breite Palette unterschiedlicher Produkte an, deren Wert in der Praxis mitunter zweifelhaft ist. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Brillenversicherung
  • Fahrradversicherung
  • Laptop- und Handy-Versicherung
  • Restschuldversicherung

Letztere taucht im Zusammenhang mit der Aufnahme von Darlehen auf und soll den Kreditnehmer vor den Folgen eines Zahlungsausfalls schützen. In der Praxis wird deren Wert allerdings kritisch gesehen, da den Beitragskosten häufig ein nur unzureichender Nutzen gegenübersteht.

Dieser Grundsatz gilt auch für viele andere Policen. Gerade wenn der Leistungsfall Kosten von nur wenigen hundert Euro bis niedrige vierstellige Summen annimmt, können sich Haushalte den Abschluss der Policen oft sparen. Am Ende liegt der Nutzen dieser Versicherungen häufig beim Versicherer statt beim Versicherungsnehmer.

Fazit: Sich richtig zu versichern erfordert Weitblick

Nur auf Basis der Zahlen des GDV betrachtet, ist Deutschland nicht überversichert. Im Gegenteil: Bundesdeutsche Haushalte sind diesbezüglich einfach Durchschnitt. In der Praxis kann die Situation für den einzelnen Verbraucher schnell anders aussehen. Leider ist immer noch nicht jedem Haushalt klar, welche Risiken besonders gravierende Formen annehmen können. Aufgrund dieser Defizite werden Policen bevorzugt abgeschlossen, deren Bedeutung in den Augen vieler Experten eigentlich zweitrangig ist. Das klassische Beispiel sind die Unterschiede in der Reichweite von Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Obwohl die letztgenannte Police die eigentliche entscheidende Deckung darstellt, verzichtet ein Teil der Verbraucher nach wie vor auf den Abschluss dieser Versicherung. Stattdessen wird – auch aufgrund der Beitragsgestaltung – lieber zur Unfallpolice gegriffen. Das Motto: „Halber Schutz ist besser als gar kein Schutz“ führt am Ende zu trügerischer Sicherheit, die sich im Ernstfall in Luft auflöst.

Quelle: freenet.de
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