Nio ES8: So fährt der chinesische 7-Sitzer-E-SUV in Europa

Nio ES8: So fährt der chinesische 7-Sitzer-E-SUV in Europa
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Nio ES8: So fährt der chinesische 7-Sitzer-E-SUV in Europa

© Nio

Bislang konnte Nio nur chinesisch. Wir checken zum Marktstart in Norwegen die Europa-Version des elektrischen Fullsize-SUV mit sieben Sitzen und Wechselakku.

Wie man so denkt und lenkt, dann fragt man sich schon manchmal, wo genau jetzt die zig Jahre automobilen Vorsprungs geblieben sind. Verflixte Elektromobilität, verflixte Zulieferer, verflixte wechselfreudige Ingenieure. Ein Mix, mit dem Du als Neuling ganz schön flott in den Windschatten der Etablierten sausen kannst. Nehmen wir nur mal Nio, 2014 gestartet und jetzt Innovations-Inkubator. Eine Marke, die just in diesem Moment das erste Nio House in Europa (nach 27 von ihnen in China) direkt unter meinem Hotelzimmer in Oslo eröffnet. Schick, mit großen Glasflächen, hellem Holz und Autos im Showroom, die sogar abgebrühte Fahrensleute groß gucken lassen. Ob Supersportwagen, futuristisches Raumkonzept oder Fullsize-SUV – alles cool, alles elektrisch, alles ziemlich wow!

Bedienhürden? Ganz niedrig

Schauen Sie da mal bei ihrem freundlichen Ford-Händler, meinetwegen auch beim Volkswagen-Partner vorbei. Alles Potemkin Marke Evergrande? Vergänglich wie Byton, Borgward, Qoros. Denken wir nicht weiter dran, fahren lieber mit dem rund fünf Meter langen, 540 PS starken Siebensitzer raus aus Oslo, raus aufs Land. Reinsetzen, Hebel auf D und los. Der ES8 legt die Bedienhürden tief, erscheint wie eine Mischung aus Tesla und einem intuitiven bedienbaren Konzept ohne Eigenaroma. Apropos Aroma: waberte beim vor zwei Jahren gefahrenen Vorserien-ES8 noch eine strenge Klebstoff-Note durch den Innenraum ist die Luft jetzt rein, gekonnt von der zugarmen Klimaanlage samt Beduftung konditioniert.

Konditionieren, gutes Stichwort: Da ist ja noch Nomi, das kugelige Sprachbedienungs-Dings auf dem Armaturenbrett, das einen die ganze Zeit mit seinen digitalen Augen anguckt, sich einem manchmal sogar per sirrendem Motor zuwendet. In unserem Fall wollte sie aber nicht gleich, erledigt sonst aber Wünsche bis hin zur Massagesitz-Aktivierung auf Zuruf. Überhaupt läuft es an Bord des ES8, der hochwertige Anmutung inklusive Nappalederbezügen, Mikrofaserdachhimmel- und Klavierlack-Oberflächen mit luftiger Architektur verbindet. Anstatt sich den Insassen pseudodynamisch aufzudrängen, halten Türverkleidungen und Armaturenträger vornehm Distanz. Gimmicks wie beleuchtete Lüftungsdüsen oder ähnliche Effekte hält Nio für verzichtbar. Fein. Nur die Mittelkonsole mit großem Staufach, Tresor und offener Ladeschale baut etwas massiger, ohne jedoch zu stören.

Liegesessel statt Handschuhfach

Sie ersetzt auch das Handschuhfach, das Platz für eine ausfahrbare Fußstütze macht, die in Verbindung mit dem Liegesessel Business-Class-Atmosphäre erzeugt. Weniger Bereiste denken vielleicht an Oma Lises elektrischen Fernsehsessel. Egal, bequem sind die Sitze jedenfalls, auch der konventionelle des Fahrers. Hinten wird es dann etwas weniger opulent, auch beim Hartplastik der Verkleidungen und dem Bedienhebel der Sitze der zweiten Reihe, an denen vorbei es nach ganz hinten geht – wie üblich wenig verführerisch aber immerhin möglich. Neben der Sieben- offeriert Nio auch eine Sechssitzer-Variante. Ordentlich Kofferraum gibt’s grundsätzlich.

Und Handling? Nun der Fahrer kommandiert den Vollaluminium-SUV mit einer eher distanziert rückmeldenden Lenkung, während er per Luftfahrwerk (von Continental) ziemlich geschmeidig über den Asphalt gleitet. Lediglich kleine Körnigkeiten der Oberflächen kommen durch. Überhaupt beherrscht der steife, sorgfältig akustik-gedämmte ES8 Komfort. Selbst im Sport-Modus (Regelelektronik: Bosch) gibt er den nicht auf, obwohl Lenkung und Ansprechverhalten näher an den Fahrer heranrücken, das Fahrpedal nun auf One-Pedal macht, beim Lösen also deutlich rekuperiert, statt die Fuhre rollen zu lassen. Das Bremspedalgefühl lässt noch Luft für Verbesserung bei der Transparenz. Dafür fahren die beiden Synchronmaschinen an Vorder- und Hinterachse reichlich Leistung und Drehmoment auf. Der ES8 schiebt massiv an, im Sportprogramm muss die Elektronik beim Herausbeschleunigen hart eingreifen, soll der Apparat nicht amtlich quer fahren.

Akkutausch? Gute Idee. Mal sehen, ob das klappt

Ob er mit seinen 540 PS und 725 Newtonmetern tatsächlich in 4,9 Sekunden auf 100 sprintet, ließ sich in Norwegen nicht legal herausfinden, auch die Reichweite (580 Kilometer mit der 100 kWh-Batterie nach NEFZ), der Verbrauch und die Ladezeiten werden Gegenstand von Tests in Deutschland. Vor allem aber den Akkutausch innerhalb von drei Minuten statt konventionellen Ladens, den Nio als erster Hersteller anbieten möchte. Fakt ist aber bereits jetzt, dass der ES8 ein großer komfortabler Typ ist. Weitgehend intuitiv bedienbar sowie komfortabel-unanstrengend. Womit er vielen Marktbegleitern, selbst manchem Etablierten etwas voraus hat. Mit Ausnahme der Preise, die bleiben auf dem Boden. Der bereits annähernd vollausgestattete ES8 mit 100 kW-Akku (ab März 2022) kostet 679.000 Norwegische Kronen, mit 75 kW-Akku (ab Juli 2022) 679.000. Wer sich für Akku-Miete entscheidet, zahlt jeweils 519.000 plus 1.399/1.999 monatlich. Der Wechselkurs? Etwa eins zu zehn.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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