Wohnmobil-Tour Deutsche Fußball-Route NRW

Marktplatz mit Charme: Die Reiterstadt Warendorf entzückt mit
ihrem historischen Stadtkern und ist allemal einen Abstecher
wert.
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Marktplatz mit Charme: Die Reiterstadt Warendorf entzückt mit ihrem historischen Stadtkern und ist allemal einen Abstecher wert.

© Hans Kothe, Coloures-Pic/AdobeStock
17.09.2018 - 10:15 Uhr von Hans Kothe

Fußball ist für viele die schönste Nebensache der Welt. Noch schöner wird sie per Fahrrad und Reisemobil: Die 800 Kilometer lange Fußball-Route Nordrhein-Westfalen von Stadion zu Stadion steigert sich so zum runden Erlebnis besonderer Art.

Die alte Krönungsstadt Aachen ist Ausgangspunkt unserer Radreise und zugleich das erste Highlight. Uns faszinieren der Dom und das historische Rathaus. In der Altstadt kosten wir ein paar Printen, bevor wir zum Tivoli fahren. Der Neubau der Alemannia-Spielstätte glänzt gelblich in der Sonne.

Vom Aachener Tivoli zu den Fohlen

Nach der Stadionbesichtigung kurbeln wir auf dem hügeligen Radweg durch den Hürtgenwald gen Düren, Geburtsort der Fußballlegenden Schnellinger und Schumacher. Hier packen wir die Räder in den Nahverkehrszug zurück nach Aachen und setzen anschließend unser Reisemobil nach Düren um, wo wir übernachten. Morgens düsen wir über kleinere Ortschaften durch die Kölner Bucht. In Köln tobt der Bär. Touristen aus aller Welt tummeln sich auf der Domplatte. Fußballerisch dominiert der 1. FC, von den Fans liebevoll „Effzeh“ genannt. Idealer Ausgangspunkt für eine Stadterkundung mit dem Rad ist der Reisemobilhafen am Rhein.

Tag drei unserer Radreise führt uns am Rhein entlang am Chemiewerk vorbei zur Bay-Arena, wo die Werkself aus Leverkusen kickt. Wir wechseln hinter dem Stadion der „Pillendreher“ wieder auf die andere Rheinseite. Ziel ist der Borussiapark in Mönchengladbach. Doch bis dorthin stehen uns noch etliche Radkilometer bevor. Klöster, Schlösser, Museen und Garten- und Parkanlagen bereichern die Landschaft. In den siebziger Jahren war die Borussia das fußballerische Maß aller Dinge. Voigts, Netzer, Heynckes & Co gewannen mit ihrer „Fohlenelf“ allein fünf deutsche Meistertitel.

Neben Borussia gab es eine Zeit lang mit Bayer Uerdingen noch eine Fußballmacht am Niederrhein. Im März 1986 schrieb die Krefelder Mannschaft Europapokal-Geschichte, als sie in einer schier aussichtslosen Partie gegen den DDR-Verein Dynamo Dresden mit sechs Toren in der zweiten Halbzeit das Spiel drehte und eine Runde weiter kam.

Wieder am Rhein schaukelt uns eine Fähre hinüber nach Kaiserswerth, ein beschauliches Örtchen mit Kaiserpfalzruine. Stromaufwärts taucht vor uns die mächtige Esprit-Arena mit dem schließbaren Dach auf. Bei Bedarf verwandelt sich das Fortuna-Stadion in eine riesige Mehrzweckhalle. Unweit der Arena findet man in der Düsseldorfer Altstadt die „längste Theke der Welt“ und ein Stück weiter am Rhein entlang den architektonisch interessanten Medienhafen hinter dem NRW-Landtagsgebäude.

Wir verlassen Düsseldorf und strampeln leicht bergauf ins Neandertal, wo wir im gleichnamigen Museum eine Zeitreise durch vier Millionen Jahre Menschheitsgeschichte antreten. In Wuppertal queren wir ein die Straße überspannendes Stahlgerüst. Waggons, die daran hängen, donnern über uns hinweg: Die Schwebebahn befördert seit über einem Jahrhundert Menschen durch die enge Talstadt – immer am Zoo-Stadion vorbei, wo das Fußball-Aushängeschild der Stadt, der WSV, beheimatet ist.

Wir folgen der bestens ausgebauten ehemaligen Nordbahntrasse, auf der wir von Vohwinkel kreuzungsfrei durch beleuchtete Tunnel und über Backsteinviadukte durch Wuppertal rollen, bevor wir sanft über die Ruhrhöhen hinweg auf die Fachwerkstadt Hattingen zusteuern. Hier gibt es einen schönen Reisemobilstellplatz, nur einen Katzensprung vonder Henrichshütte entfernt, dem ältesten Hochofen des Ruhrgebiets. Hier lassen wir uns nachmittags in der Schaugießerei dieses Industriedenkmals die klassischen Gießverfahren vorführen.

Fußballtempel und Industriekultur

Morgens lacht die Sonne, und wir radeln an der Ruhr entlang bis nach Duisburg mitten durch den größten Binnenhafen Europas. Bei diesem Wetter lockt die neue Marina am Binnenhafen mit den urigen Kneipen in alten Lagerhäusern viele Menschen an. Nach ein paar Pedalumdrehungen stoßen wir auf den Landschaftspark Nord, Industriekultur mit einer begehbaren stillgelegten Hochofenanlage im Stadtteil Meiderich, der Heimat des MSV Duisburg.

Hier im Ruhrgebiet gibt es viele Radwege, die über ehemalige Bahnstrecken führen. Zum Beispiel rollen wir über die Zechenbahntrasse „Grüner Pfad“ auf Oberhausen zu. Auch in dieser Stadt gibt es wieder Fußball und Industriekultur. Nahe dem Niederrheinstadion, wo der Traditionsverein Rot-Weiß Oberhausen zu Hause ist, begrüßt uns der 112 Meter hohe Gasometer als imposantes Industriemuseum. Die Aussichtsplattform gewährt einen gigantischen Panoramablick über das nördliche Ruhrgebiet. Aus luftiger Höhe erkennen wir unser nächstes Ziel in der Ferne: die Unesco-Welterbe-Zeche Zollverein in Essen. Eine Führung mit einem ehemaligen Bergmann rundet den Tag auf der „schönsten Zeche der Welt“ ab.

Fußballerisch spielt Essen in der Bundesliga, und zwar dank der Frauenmannschaft der SGS Schönebeck. Mit der einstigen Macht von der Hafenstraße, Rot-Weiß Essen – immerhin 1953 Pokalsieger und sogar 1955 Deutscher Meister – ist heute indes weniger los. Der Traditionsverein spielt nur noch in der 4. Liga.

Der Doppelpass macht Gegner nass

Wieder auf den Rädern, kommen wir nach einer weiteren Stunde gemütlichen Strampelns zum beeindruckenden Fußballtempel des FC Schalke 04. Mit sieben Deutschen Meisterschaften, fünf DFB-Pokalsiegen und einem UEFA-Cup-Sieg gehört Schalke zu den erfolgreichsten deutschen Fußballteams. Wir lenken unsere Velos quer durchs Ruhrgebiet nach Bochum, wo der VfL laut Herbert Grönemeyer mit dem Doppelpass jeden Gegner nass macht. Jahrhunderthalle und Bergbaumuseum erinnern an die industrielle Vergangenheit der Region, ebenso wie das LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund, der Stadt mit dem größten Stadion der Republik. Nach den Bayern aus München ist Borussia Dortmund die erfolgreichste deutsche Fußballmannschaft.

Das Runde muss ins Münsterland

Hinter Dortmund wird es ländlich. Fein herausgeputzte Ortschaften reihen sich aneinander, und Schlösser und Burgen wie in Nordkirchen oder in Lüdinghausen säumen unseren Weg durchs Münsterland. Im Zentrum dieser Region besticht Münster mit dem Paulus-Dom und dem Rathaus mit dem Friedenssaal. Sehenswert sind aber auch die Lambertikirche mit den Käfigen am Turm und der Prinzipalmarkt mit seinen Laubengängen.

Wir machen hier Station. Erst morgens heißt es wieder aufsteigen. Vor uns liegt ein gemütlicher Weg an der Ems entlang in Richtung Teutoburger Wald. Fußballroute auch im Münsterland? Man kennt vielleicht Preußen Münster, aber spielt „das Runde“ auch sonstwo eine Rolle? Ja, beispielsweise in Ladbergen, wo das Schuhmachermuseum eine Fußballschuhabteilung hat, oder in Versmold, wo Klaus Rahe Pelés Weltmeister-Schuhe hütet. Nach dem Schwenk durchs nördliche Münsterland steuern wir auf Bielefeld zu, der Stadt, in der Dr. Oetker das Backpulver erfand. Hier spielt die Arminia auf der Alm.

Klingt nach Hochgebirge, ist aber ein Fußballstadion, eingerahmt von Wohnhäusern, unten im Tal. Die Elf der alten Textilstadt schrieb immer wieder mal Fußballgeschichte, gehörte aber nie zu den ganz großen Clubs. Gleichwohl ist für uns Bielefeld ein prima Ausklang unserer Fußball-Mobil-Radreise durch NRW. Schön war’s.

Deutsche Fußball-Route NRW kompakt

Überwiegend über flaches Land verläuft die Deutsche Fußball-Route NRW. Anstiege gibt es im Aachener Raum, vor und nach Wuppertal und kurz vor Bielefeld. Einige Male führt die Route während kurzer Abschnitte über stärker befahrene Straßen. Die Oberflächenbeschaffenheit ist überwiegend gut, fast alle Wege sind asphaltiert. Die Strecke ist indes nicht immer gut ausgeschildert, vor allem in den Städten fehlen oft Wegweiser, weshalb gutes Kartenmaterial oder ein Navigationsgerät empfohlen wird. Im Ruhrgebiet verläuft die Route abschnittsweise über Bahntrassen. An einigen Orten gibt es zusätzliche Hinweistafeln, die fußballerische Sehenswürdigkeiten erläutern. www.deutsche-fussballroute.de

Quelle: 2018 Motor-Presse Stuttgart
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