Huaweis neues HarmonyOS 2.0 unter der Lupe

Huaweis neues HarmonyOS 2.0 unter der Lupe
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Huaweis neues HarmonyOS 2.0 unter der Lupe

© Huawei

Das kommende Betriebssystem von Huawei, HarmonyOS 2.0, ist noch nicht erhältlich. Wir zeigen trotzdem schon alle aktuellen Informationen.

Kampfansage an Android?

Die unter Ex-US-Präsident Trump verhängten Einschränkungen gegenüber Huawei trafen den Technikriesen aus China derart, dass dieser einfach sein eigenes Betriebssystem programmierte. Denn: Android war zwar nach wie vor nutzbar, aber Huawei durfte darauf keine Google-Dienste mehr anbieten. Betroffen waren also Google Mail, Maps & Co.

Aus diesen Bemühungen ging schließlich HarmonyOS hervor, das bald in Version 2.0 vorliegt. Nach Huaweis Vorstellungen treibt das neue Betriebssystem sowohl Smartphones als auch Tablets, Smartwatches oder Geräte aus dem Smart-Home-Segment an. Damit wird HarmonyOS auch im Feld von Googles kommendem Fuchsia-Betriebssystem wuchern. Ob HarmonyOS aber wirklich eine Revolution wird oder eher eine kleine Nummer, steht noch in den Sternen.

Der Hintergrund von HarmonyOS

Ganz so eigen wie gedacht ist HarmonyOS 2.0 am Ende nicht. Früher nutzte Huawei EMUI, das auf Android basierte, um die eigenen Smartphones anzutreiben. Ein Blick in den quelloffenen Code von HarmonyOS 2.0 zeigt: Es ist noch immer ein Fork von Android, bis hin zum Linux-Kernel ist alles identisch. Eigentlich unterscheidet sich das Huawei-OS damit nicht besonders vom aktuellen Android.

Die Ambitionen bleiben aber trotzdem hoch. Neben den erwähnten Smartphones und Tablets sollen auch Fitnessarmbänder versorgt werden. Das Smart Home von morgen läuft ebenfalls auf HarmonyOS - angeblich. Einerseits stellt sich Huawei damit vor, dass alle Produkte aus dem eigenen Sortiment damit gut miteinander harmonieren werden. Eine unkomplizierte Zusammenarbeit wird angestrebt. Außerdem ist man weniger abhängig von Partnern, wenn alles auf eigener Software läuft. Potenzielle weitere Bedrohungen gegen China würden damit an Schlagkraft verlieren. Man merkt, dass Huawei damit versucht, die Abhängigkeit von Google zu verlieren - was vielleicht auch keine schlechte Idee ist.

Geräte mit HarmonyOS

Aktuell können Sie HarmonyOS noch nicht offiziell in Deutschland testen. Dies wäre nur möglich, wenn Sie in China lebten. Dennoch erfährt man bei genauerem Hinsehen auf der Webseite des Herstellers einige Details. Kompatibel werden demnach in Deutschland aktuell das MediaPad Pro 12.6 sowie die Watch 3 Pro von Huawei sein. Smartphones sind ebenfalls aufgelistet, darunter das Mate 40 Pro, Mate 40E, Mate X2 und das Nova 8 Pro. Allerdings sind diese erstmal auf China und nur auf die 4G-Version beschränkt.

Dennoch stellt sich Huawei vor, dass HarmonyOS bis Ende 2021 auf ungefähr 300 Millionen Geräten vorhanden sein soll. Es dürfte aber davon auszugehen sein, dass dies fast ausschließlich auf Geräten in China der Fall sein wird.

Die Unterschiede zu Android

Die Codebasis mag zwar identisch sein, doch Unterschiede will Huawei trotzdem möglichst deutlich zur Schau stellen. Schließlich sollen potenzielle Käufer merken, dass sie "selbstgebaute" Software nutzen, die dem normalen Android überlegen sein soll. Unter anderem die folgenden Bereiche werden umgekrempelt.

In diesen Punkten unterscheidet sich Harmony von Android:

  1. Neue Schriftart

    Eine selbst designte Schrift namens HarmonyOS Sans soll die Lesbarkeit erhöhen. Die Schrift passt sich durch Sensoren den aktuellen Bedingungen an: Abhängig von Größe des Displays und der Anwendung skaliert das Betriebssystem die Größe und passt etwa Grauwerte an. So soll die Interaktion zwischen Mensch und Maschine verbessert werden.

  2. Verbesserte Kollaboration

    Neue Multi-Screen-Fähigkeiten sollen die Zusammenarbeit zwischen Geräten erleichtern. HarmonyOS kann beispielsweise ein Tablet mit einem Notebook verbinden und damit als Zweitmonitor dienen. Die Anzeige kann außerdem über mehrere Geräte hinweg gespiegelt werden. Durch Drag & Drop könnten Sie auch Dateien vom einen Gerät zum anderen ziehen, obwohl keine direkte Verbindung vorliegt. In diesem Bereich liegt HarmonyOS wahrscheinlich vor Android.

  3. Überarbeitete Bewegungsabläufe

    Motion Design nennt Huawei ein Feature, um Animationen besser an die reale Welt anzupassen. Verschieben Sie etwa ein Icon auf dem Display, wird es in HarmonyOS etwas träge hinter dem Finger hergezogen. Was zuerst wie ein Nachteil klingt, soll sich im tatsächlichen Einsatz besser und natürlicher anfühlen, da Trägheit in der physischen Welt eben existiert. Davon verspricht sich Huawei eine bessere Handhabung und eine unterstützte Wahrnehmung.

  4. Robustere Sicherheit

    Apple und Google machen es vor, Huawei zieht nach: Privatsphäre und Sicherheit werden in HarmonyOS in den Vordergrund gestellt. Jede Kopplung mit anderen Geräten muss eine Prüfung bestehen. Außerdem ist ein Schutzmodus integriert, der das Gerät so einstellt, dass nur "risikofreie" Apps installiert werden können. Um dies zu gewährleisten, sind zwei Sicherheitszertifikate im Betriebssystem vorhanden: EAL 4+ sowie CC EAL5+. Ob dies in der Realität wirklich alles sicherer macht, bleibt abzuwarten.

  5. Flexiblere Widgets

    Widgets feiern in AndroidiOS und Windows 11 ein Comeback. HarmonyOS wird schritthalten. Mit einer neuen Wischgeste über ein App-Symbol können Sie in Zukunft Widgets sofort erstellen. Informationen in Widget-Form lassen sich damit ohne weitere Umwege irgendwo auf dem Startbildschirm platzieren. Außerdem werden Apps und Widgets zukünftig gebündelt behandelt, was die Verwaltung erleichtern sollte.

  6. Erleichtertes Kontrollzentrum

    Das Kontrollzentrum in HarmonyOS wird ebenfalls überarbeitet. Dort verändern Sie in Zukunft Lautstärke und WLAN-Verbindungen, passen das Display an oder probieren sich am neuen Setting "Super Device". Damit verwalten Sie Kopplungen mit anderen Geräten und steuern Streams, die Sie an andere Geräte senden. Dies funktioniert in der Praxis sehr einfach: Auf einer Karte der Umgebung sehen Sie kompatible Geräte. Dort ziehen Sie das Gerät einfach zu Ihnen, um eine Verbindung aufzubauen. Einfacher geht es wohl nicht mehr.

  7. Zukunft von HarmonyOS

    Es ist davon auszugehen, dass HarmonyOS früher oder später Android auf den eigenen Geräten von Huawei komplett ersetzen soll. Ob das ein kluger Schritt ist oder nicht, bleibt abzuwarten, doch das Marketing des Unternehmens scheint in genau diese Richtung zu laufen. Momentan gibt es aber noch sehr viele Parallelen zu Android 10, sodass Fachkundige sofort erkennen werden, dass es sich nicht um einen kompletten Eigenbau handelt. Viele Elemente sind außerdem von EMUI übernommen und wurden nur dezent in ihren Details angepasst.

  8. Android-Apps auf HarmonyOS

    Wahrscheinlich werden alle Apps, die nicht auf spezielle Google Mobile Services angewiesen sind, auch auf HarmonyOS laufen - was nicht verwunderlich ist, da der Code identisch ist. HarmonyOS nutzt beispielsweise auch denselben App-Store, den Huawei schon in Android eingesetzt hat: die App Gallery. Instagram, Netflix, Disney+ & Co. werden also auch mit HarmonyOS kooperieren.

    Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die anderen Beschränkungen aufgehoben werden. Die bekannte To-Do-Listen-App ToDoIst beispielsweise benutzt einen der genannten Google Mobile Services. Diese App wird somit nicht unter HarmonyOS funktionieren.

Aktuelle Installation in Deutschland

Momentan müssen Sie sich in China aufhalten, um HarmonyOS zu testen. Nach und nach soll das Betriebssystem dort auch ältere Geräte unterstützen, also etwa das Mate 10 und Mate 9 sowie die Serien P10 und P20. Dies wird aber erst 2022 der Fall sein. Um das Update aufzuspielen, müssen Sie sich im Huawei Club registrieren. Eine Alternative stellt die App "My Huawei" dar. Leben Sie wirklich in China, können Sie es auch in einem der Huawei Stores des Landes probieren.

Wer ein VPN besitzt, kann experimentierfreudig sein: Mit einem VPN in China könnte es sein, dass sich das Geoblocking des Updates aushebeln lässt.

Lange Arbeit an HarmonyOS

Schon 2012 kamen erste Gerüchte darüber auf, dass man bei Huawei an einer Alternative zu Android arbeitet. Trumps bereits erwähntes Embargo war also nicht der Auslöser hinter dem Willen, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln. Es ist aber durchaus denkbar, dass dieses Ereignis die Bemühungen von Huawei vorantrieb, um in Zukunft unabhängiger zu sein.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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