Alles Wichtige zum neuen Standard Wi-Fi 6

Alles Wichtige zum neuen Standard Wi-Fi 6
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Alles Wichtige zum neuen Standard Wi-Fi 6

© Imago Images / Westend61

Das Apple iPhone 12 bringt – neben zahlreichen anderen Features – auch die Unterstützung für den neuen Standard Wi-Fi 6 mit sich. Wir erklären Ihnen, was es damit auf sich hat.

Es gibt sie schon, die ersten Geräte, die Wi-Fi 6 unterstützen. Damit sollen WLAN-Anwendungen in Echtzeit möglich sein, und das auch im industriellen Bereich. Dem versierten Anwender fällt sofort eine Neuerung auf: Die Zeit der kryptischen IEEE-Kürzel - denken wir zum Beispiel an 802.11n - ist vorbei.

Der neue Standard heißt schlicht und ergreifend Wi-Fi 6, obwohl die "logische" Bezeichnung 802.11ax wäre. 802.11ac heißt Wi-Fi 5, und 802.11n wird zu Wi-Fi 4. Aber welchen Nutzen hat der neue Standard, abgesehen von höherer Geschwindigkeit? Worauf ist zu achten, wenn Wi-Fi 6 implementiert werden soll? Wann ist es sinnvoll, auf den neuen Standard zu wechseln? Wir werden versuchen, alle diese Fragen zu beantworten!

Alles zum WiFi-Standard 6

  1. Welche Geschwindigkeiten sind in der Theorie und in der Praxis möglich?

    Wenn wir Wi-Fi 6 mit Wi-Fi 5 vergleichen, so geht es um den Faktor 1,5. Bei dem neuen Standard beträgt die Maximalgeschwindigkeit 4,8 Gbit/s, während Wi-Fi 5 "nur" 3,12 Gbit/s schafft. Das MacBook Pro mit 3SS kann mit maximal 1,3 Gbit/s Daten übertragen. Das bedeutet also, dass ein Nettodurchsatz von circa 50 Prozent der theoretisch möglichen Geschwindigkeit durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

  2. Gibt es weitere Vorteile von Wi-Fi 6?

    Es geht bei Wi-Fi 6 nicht nur um die Geschwindigkeit. Gerade dann, wenn sich sehr viele Geräte gleichzeitig mit dem WLAN verbinden, sorgt Wi-Fi 6 für eine spürbar bessere und zuverlässigere Anbindung. Die Erklärung: Es können größere Datenmengen zur gleichen Zeit verarbeitet werden. Außerdem kann mit dem neuen Standard die Leistung besser prognostiziert werden, das ist im Bereich der Videoübertrag mit 4K oder 8K sehr wichtig.

  3. Welche Vorteile gibt es im professionellen Einsatz?

    Wi-Fi 6 ist für den professionellen Einsatz sehr attraktiv, wenn wir an die verbesserte Performance, die höhere Geschwindigkeit und die anderen Vorteile, die wir oben beschrieben haben, denken. Wi-Fi 6 erlaubt es Serviceanbietern und Unternehmen, neue Applikationen bereitzustellen, ohne dafür eine neue WLAN-Infrastruktur aufbauen zu müssen. Ältere Anwendungen laufen genauso gut.

  4. Welche technischen Änderungen im Vergleich zu früheren WLAN-Standards gibt es?

    Hier einige der technischen Neuerungen:
    - Die Modulation erfolgt dichter mit 1024 QAM, das bedeutet für die Geschwindigkeit ein Plus von 35 Prozent.
    - Die Zeitplanung via OFDMA (Orthogonal Frequency Division multiple Access) sorgt für niedrigere Latenz sowie weniger Overhead.
    - Die Signalübertragung erfolgt hocheffizient und robust, wodurch sich der Betrieb verbessert und die RSSI sinkt.
    - TWT (Target Wake Time) sorgt für längere Akkulaufzeiten und insgesamt bessere Zeitplanungsmöglichkeiten.

  5. Woran kann ich erkennen, ob Wi-Fi 6 unterstützt wird?

    Das entsprechende Logo beziehungsweise der QR-Code ist auf den Produkten deutlich zu erkennen, die Wi-Fi 6 "können". Es gibt mittlerweile eine größere Anzahl an neuen Produkten, die mit dem neuen Standard zurechtkommen. Ein paar Beispiele

    - Fritz Box 7530 AX
    Netgear WAX610 und WAX610Y
    - Speedport Pro Plus

    Auch Apple ist auf den Zug aufgesprungen, das iPhone 12 ist Wi-Fi-6-fähig.

  6. Wie ist es um die Kompatibilität bestellt?

    Wi-Fi 6 ist - wie alle anderen Standards der letzten Jahre - rückwärtskompatibel. Das bedeutet, dass Ihr Gerät, wenn es Wi-Fi-6-tauglich ist, ebenfalls mit den Standards 802.11a, b, g, n sowie ac zurechtkommen muss.

  7. Welche Unterschiede gibt es zwischen Profi- und Consumergeräten?

    Die Beurteilung ist aktuelle schwierig, da es derzeit nur ein begrenztes Angebot gibt. Der Unterschied wird aber mit 802.11ax kleiner werden, jeder Client muss alle Standardfunktionen enthalten.

  8. Wird sich Wi-Fi 6 eher im privaten oder im professionellen Bereich durchsetzen?

    Von der höheren Geschwindigkeit werden Privatanwender und Profis im gleichen Maß profitieren. Allerdings ist auch vorauszusehen, dass sich die Vorteile des neuen Standards - Flexibilität, Skalierbarkeit, Effizienz - vor allem im professionellen Einsatz bewähren werden, vor allem dann, wenn es um die Verbindung von vielen Endgeräten geht.

  9. Welche Features sind speziell für den Business-Einsatz geeignet?

    Derartig spezielle Funktionen gibt es nicht, jedoch ist Wi-Fi 6 dafür optimiert, viele Clients gleichzeitig zu versorgen. Das bringt in der IoT-Welt Vorteile, in der ja zahlreiche Steuerungsgeräte oder Sensoren verwendet werden. Diese arbeiten mit niedrigeren Datenübertragungsraten, wodurch Entfernung zur Basis hoch ausfallen kann. Zur gleichen Zeit können Clients, die sich in der Nähe des Access Points befinden, mit hoher Geschwindigkeit bedient werden.

  10. Worauf ist bezüglich der Wi-Fi-6-Infrastruktur zu achten?

    Wenn eine ordentliche Ausleuchtung gewährleistet war, können die Access Points an den gleichen Plätzen installiert werden. Falls es sich um High-Density-Umgebungen handelt, dann sollten die APs dichter platziert werden. Dadurch kann die höhere Geschwindigkeit optimal genutzt werden, für die ja eine hohe Signalqualität erforderlich ist.

  11. Die Performance ist deutlich höher - hat das für das Backbone Konsequenzen? Ist der Tausch von WLAN-Switches notwendig?

    Wi-Fi 6 Access Points sind mit Multigigabit-Schnittstellen ausgestattet, sie unterstützen somit Gigabit- und Fast-Ethernet. Abhängig vom Access Point werden maximal 2,5 oder 5 Gbit/s unterstützt. In Bereichen mit hoher Client-Dichte ist es somit durchaus empfehlenswert, sich um neue Switches zu kümmern. Wenn es um andere Umgebungen geht, in denen es viele IoT-Endgeräte gibt, dürfte Gigabit-Ethernet ausreichend sein.

  12. Wie störanfällig ist Wi-Fi 6?

    Wi-Fi 6 arbeitet auf den gleichen Frequenzen wie die anderen WLAN-Standards. Das bedeutet, dass das Signal ebenfalls durch Fußbodenheizung, Wasserleitung oder Betonwände gedämpft wird. Durch MU-MIMO kann es aber eine Verbesserung beim Uplink Client. Dabei ist aber nicht von "Störanfälligkeit" zu sprechen, es geht schließlich um ein bekanntes physikalisches System: Die Dämpfung der Materialien steigt mit der Höhe der Frequenz.

  13. Das "klassische WLAN" ging rasch in die Knie - ist Wi-Fi 6 für Flughäfen oder Messen besser geeignet?

    Kurze Antwort: Ja. Längere Antwort: Gerade dann, wenn es um "High-Density-Bereiche" - also Bahnhöfe, Messen oder Flughäfen - geht, in denen eine Vielzahl an Geräten gleichzeitig zugreift, kann Wi-Fi 6 seine großen Stärken ausspielen, indem es für die zuverlässige Anbindung ans Netzwerk sorgt. Der neue Standard kommt mit einer größeren Anzahl an Datenströmen zurecht als die Vorgängerversionen. Dadurch kann das Netzwerk stark belastet werden, ohne dass dies dem einzelnen Nutzer überhaupt auffällt. Wenn wir uns einen 8x8-Access-Point vorstellen, der im 5-GHz-Bereich arbeitet, dann können bis zu acht Endgeräte zur gleichen Zeit mit dem AP kommunizieren. Bei Wi-Fi 1 bis 5 war nur ein Client möglich - Sie sehen also, wie mächtig Wi-Fi 6 ist.

  14. Bisher stellten sowohl die mangelnde Echtzeitfähigkeit als auch der Mangel an QoS große Probleme dar. Ändert sich dies mit Wi-Fi 6?

    Wi-Fi 6 verbessert die Echtzeitfähigkeit spürbar, es ist ja für bis zu acht Clients möglich, mit dem AP zu kommunizieren. Zusätzlich dazu wurde die Frequenzbandnutzung mittels "Ressource Units" optimiert. Die nutzen pro Kanal oder -bündelung nur einen kleinen Anteil der Bandbreite und nicht - wie bisher - die gesamte.

    Abhängig von der Bandbreite kann der AP dem Client mehrere oder nur eine RU zuweisen. Zwar bleibt WLAN wie bisher ein "Shared Medium", allerdings können via Wi-Fi 6 eine deutliche höhere Anzahl an Clients mit den Access Points in Verbindung treten. Das sorgt gerade bei Echtzeitanwendungen für zuverlässige Datenübertragung.

  15. Wie sieht es mit Seamless Handover aus?

    Durch den Standard 802.11r ist der "Seamless Handover" jedenfalls gegeben. Auch andere Protokolle - denken wir an 802.11k oder 802.11v - unterstützen Fast Roaming. Allerdings sind derzeit nicht alle Clients dazu in der Lage, über diesen Standard zu kommunizieren. 802.11ax ist außerdem kein Echtzeitprotokoll, das bedeutet, dass es in der Steuerungstechnik nur bei bestimmten Varianten zum Einsatz kommen kann.

  16. Wi-Fi 6 soll als Alternative zu 5G dienen. Wie ist es um die Störungsanfälligkeit bestellt?

    Es kann durchaus sein, dass Funkwellen entstehen, die das WLAN im Bereich von 5 oder 2,5 GHz stören. Allerdings besitzt Wi-Fi 6 - so wie die Vorgängerstandards - Mechanismen, welche erkennen können, ob das Datenpaket fehlerhaft war oder nicht. Sollte ein Fehler vorliegen, so wird die Übertragung wiederholt. Wi-Fi 6 bietet also diesbezüglich keine Optimierungen im Vergleich mit den Standards Wi-Fi 1 bis 5.

  17. Welche Vorteile bietet Wi-Fi 6 im Vergleich mit 5G?

    Damit die Versorgung mit 5G auch tatsächlich als "flächendeckend" bezeichnet werden kann, müsste es zumindest alle 1.000 Meter einen Funkmast geben, da die Reichweite nur bei etwa 500 Metern liegt. Das bedeutet, dass 5G im Gebäudeinneren nicht überall verfügbar sein wird. Im Gegensatz dazu bieten Wi-Fi 6 und die Vorgängerstandards innerhalb von Gebäuden ausgezeichnete Übertragungsmöglichkeiten. Auch die Outdoorversorgung mit Wi-Fi ist kein Problem, wenn es in der jeweiligen Region noch kein 5G geben sollte. Moderne Devices bieten übrigens die Möglichkeit, automatisch rasch zwischen 5G und Wi-Fi 6 zu wechseln, damit der User immer die optimale Verbindungsmöglichkeit vorfindet.


Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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