Heimnetzerweiterung übers Stromnetz

Heimnetzerweiterung übers Stromnetz
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Heimnetzerweiterung übers Stromnetz

© AVM
17.12.2018 - 17:12 Uhr

Wer die Verbindungen im Heimnetz ohne zusätzliche Kabel verbessern möchte, dem steht mit Powerline eine praktische Lösung übers Stromnetz zur Verfügung.

Die Verbindung von diversen Netzgeräten innerhalb der eigenen Wohnung erfolgt in aller Regel über Ethernetkabel oder über ein drahtloses WLAN-Netzwerk. Standardmäßig werden diese Netze von Fritzboxen unterstützt. Nicht jeder hat allerdings Lust auf die Verlegung von Netzwerkkabeln und WLAN-Funksignale kommen oft nicht überall hin. Da sich manche WLAN-Netze sogar noch über mehrere Etagen erstrecken, bleibt oft nur Powerline als einzige praktikable Lösung. Für die Technik kursieren unterschiedliche Bezeichnungen. Unter anderem: "Power-LAN", PLC (Powerline Communication) oder auch "dLAN". Für die Netzwerkverbindung die heimischen Stromleitungen zu nutzen, ist kostengünstig, weil zusätzliche Kabel nicht benötigt werden.

Wie die Powerline-Technik funktioniert

Powerline bedeutet, Daten zwischen Sendern und Empfängern über Stromleitungen auszutauschen. Die Daten werden von einem Powerline-Adapter an einen anderen, zum Powerline-Netz gehörenden Powerline-Adapter gesendet. Bei dem Datentransport werden die Signale zweimal umgewandelt. Das ursprünglich digitale Eingangssignal wechselt auf der Stromleitung in ein Hochfrequenzsignal, das sich an allen Steckdosen des Stromkreises abrufen lässt. Auf der Empfangsseite filtert der Adapter das analoge Signal und wandelt es dann in digitale Informationen um. Ist ein Rechner angeschlossen, empfängt er die digitalen Daten als IP-Pakete. Grundsätzlich sind bis zu 16 Geräte in einem Powerline-Netz kombinierbar. Das unbefugte Abhören von Netzwerkdaten lässt sich am besten durch eine geeignete Verschlüsselung unterbinden.

Bei modernen Stromkreisen werden standardmäßig drei Adern gebündelt: der Schutzleiter (PE), der Neutralleiter (N) und die Phase (L). Ältere Leitungen haben aber nur zwei Adern. Um schnelles Gigabit-Powerline in seinen Powerline-Produkten nutzen zu können, benötigt man mindestens eine dreiadrige Verkabelung. Für die Funktion "2x2-MIMO" (zwei Sender und Empfänger tauschen gleichzeitig Daten aus) ist Dreiadrigkeit ebenso essentiell wie die als Schukosteckdose bekannte Steckdose mit Schutzkontakt. Gegenüber dem Transport über zwei Adern ist die Übertragung über drei Adern um rund 60 bis 80 Prozent schneller.

Geräte für Powerline

Verschiedene Hersteller haben Powerline-Adapter im Angebot. Auch der Hersteller AVM gehört zu den Anbietern, die verschiedene Modelle in ihrem Portfolio haben. Besonders kostengünstig gelingt der Einstieg mit einem Starter-Kit, das aus zwei Adaptern besteht. So bietet AVM in diesem Segment den Fritz Powerline 510E an, der für rund 45 Euro im Onlineversandhandel erhältlich ist. Bei zusätzlichem Bedarf können Sie weitere Adapter für rund 30 Euro nachkaufen. Bei einigen Powerline-Adaptern wie dem Fritz Powerline 1220E, 1260E aber auch dem 530E und 546E ist sogar eine Steckdose integriert. Diese Ausführungen werden als "Pass-Thru" bezeichnet. An die Steckdosen können Sie beliebige andere Geräte oder auch eine Steckerleiste anschließen. Zudem befinden sich ein oder mehrere Ethernetbuchsen an den Adaptern. Über diese Anschlüsse lassen sich meistens Übertragungen in Gigabit-Geschwindigkeit realisieren. Möchten Sie mit Ihrem Smartphone, Notebook oder Tablet ins Netz, sollten Sie ausschließlich WLAN-fähige Adapter verwenden. Hierzu gehören die AVM-Modelle Fritz Powerline 540E und 546E sowie die Modelle 1240E und 1260E.

Sie können zwischen den beiden Betriebsmodi "WLAN-Brücke" und "LAN-Brücke" wählen, wobei die erste Option Standard ist. Im Konfigurationsmenü lassen sich die Modi unter "Heimnetzzugang -> Zugangsart ändern" jeweils umschalten. Im Modus "WLAN-Brücke" wird die Verbindung zwischen dem Powerline-Adapter und der Fritzbox über WLAN hergestellt. Netzwerkgeräte können sowohl über ein LAN-Kabel als auch per WLAN mit Fritz Powerline verbunden werden. Der Adapter ist dabei völlig unabhängig. Ist bereits ein WLAN vorhanden, fungiert der Adapter als WLAN-Verstärker. Der Vorteil dieser Technik ist, dass es nur ein einziges WLAN gibt. Es meldet sich nur unter einer Kennung (SSID) und nutzt denselben WLAN-Schlüssel. Die verschiedenen Netzwerkgeräte verbinden sich automatisch entweder mit dem Powerline-Adapter oder dem DSL-Router. Welche Verbindung hergestellt wird, hängt von der Signalstärke ab.

Um zwischen der Fritzbox und Fritz Powerline eine Verbindung per Netzwerkkabel herzustellen, ist der Betriebsmodus "LAN-Brücke" zu wählen. Dort, wo Sie den Adapter gerade einsetzen, entsteht ein neues Funknetz, das sich sowohl für das WLAN-Heimnetz als auch für den Fritzbox-Gastzugang nutzen lässt.

Welche Übertragungsgeschwindigkeiten Powerline tatsächlich erreichen kann und welche Störquellen bremsen

Um herauszufinden, wie schnell Powerline tatsächlich ist und welche Störquellen bremsen, haben wir den Test an unterschiedlichen Standorten durchgeführt. Den einen Praxistest führten wir in einem Haus mit drei Stockwerken und den anderen in einer Altbauwohnung durch. Damit können wir Ihnen aufzeigen, welche Geschwindigkeiten mit Powerline möglich sind.

Unsere Tests haben wir mit Fritz Powerline 1220E durchgeführt, der eine Übertragungsrate von 1200 Mbit/s verspricht. Auf einer rund 10 Meter langen Strecke in der Altbauwohnung kamen nur 230 Mbit/s an. Über drei Stockwerke im Haus waren es rund 60 Mbit/s. Mit einer solchen Rate treten bei der Übertragung von Videostreams vom NAS zum Smart TV oder Mediaserver keine großen Probleme auf. Die Ergebnisse unserer Powerlinespeed-Messungen können dennoch nicht ohne Weiteres auf andere Wohnungen übertragen werden. Unter anderem hängen sie vom Alter und der Qualität der Stromleitungen ab. Auch Wohnungsnachbarn können eine Quelle für Störungen sein. Sollten diese ebenfalls PLC-Adapter einsetzen, bewirkt das häufig eine Verschlechterung des Datendurchsatzes im gesamten Haus. Der PLC-Durchsatz kann zudem durch Verwendung billiger Netzteile in benachbarten Steckdosen von Steckdosenleisten beeinträchtigt werden. Daher sollten die PLC-Adapter nach Möglichkeit nur in Wandsteckdosen betrieben werden. Steckdosenleisten verlangsamen generell den Datendurchsatz. Wie stark diese Bremsung ausfällt, hängt von deren Bauart ab.

Es gibt noch weitere Geräte im Stromkreis, welche die Übertragungsgeschwindigkeit im Powerline-Netzwerk behindern können. Hierzu zählen unter anderem Stromzähler, Dimmer, Überspannungsfilter, Schalter in Mehrfachsteckdosen, Vorschaltgeräte, FI-Schutzschalter und zahlreiche weitere Geräte wie Staubsauger und Bohrmaschinen. Werden im PLC-Netz besonders viele Powerline-Adapter eingesetzt, kann das ebenfalls zur Reduzierung des Datendurchsatzes führen.

Nutzung von Powerline-Produkten unterschiedlicher Hersteller

Powerline-Adapter von AVM sind standardkonform und lassen sich mit sämtlichen marktüblichen Powerline-Adaptern verbinden. Dazu müssen diese allerdings "Home-Plug"-fähig sein. Protokolle stellen neben der sicheren Verschlüsselung auch die Erreichung einer bestimmten Datenrate sicher. Mit dem aktuellen Standard Homeplug AV2 sind Datenraten von bis zu 1,2 Gbit/s zumindest theoretisch möglich. Wenn Sie Powerline-Adapter von anderen Herstellern wie Zyxel, Devolo oder TP-Link mit Ihrem Fritz-Powerline-Netzwerk verbinden möchten, müssen Sie diesen nur per "Pairing" das Netzwerk-Kennwort für die Verschlüsselung zuweisen. Anschließend fügen Sie den Adapter über die Powerline-Software dem Powerline-Netzwerk hinzu.

Einrichten des Powerline-Netzwerks

Im Handumdrehen lässt sich das Netzwerk über die Stromleitung aufbauen. Erfahren Sie hier, wie schnell und einfach sich ein Netzwerk einrichten und die Geschwindigkeit optimieren lässt.

1. Schritt: Netzwerkaufbau mit dem Powerline-Set

Am einfachsten lässt sich das Netzwerk über die Stromleitung aufbauen, wenn Sie mit einem der AVM Powerline-Sets wie beispielsweise dem Set Fritz Powerline E1260E für rund 145 Euro starten. Ein solches Set enthält die beiden Powerline-Adapter sowie sämtliche benötigten Kabel, die Sie für den Aufbau Ihres Heimnetzwerks benötigen. In unseren Testnetzwerken war Fritz Powerline 1120E der Sender und 1260E der Empfänger, der zugleich auch als WLAN-Repeater fungierte.

Zuerst müssen Sie den 1120E-Adapter in eine, in Fritzbox-Nähe befindliche Steckdose an der Wand einstecken. Entnehmen Sie nun dem Set ein Netzwerkkabel und stellen Sie damit die Verbindung zwischen einem freien LAN-Anschluss an Ihrer Fritzbox und dem Powerline-Adapter her. Sollten an der Fritzbox alle LAN-Anschlüsse belegt sein, ist auch die Nutzung eines Switches möglich. Den anderen 1260E-Adapater aus dem Set stecken Sie in eine Steckdose des Raumes, in dem Sie die einfache erste Einrichtung durchführen. Danach können Sie ihn platzieren, wo Sie wollen. Idealerweise nah bei dem Gerät, das Sie ins Powerline-Netz einbinden möchten.

Powerline-Adapter von AVM, welche als Set verkauft werden, sind ab Werk bereits vorkonfiguriert. Das Netzwerk baut sich dadurch nicht nur automatisch über die Stromleitung auf, sondern wird dabei auch verschlüsselt. Dritte haben keine Möglichkeit, den Datenverkehr abzuhören. Leuchten an beiden Adaptern die "Powerline"-Lämpchen permanent grün, hat der Aufbau geklappt. Allerdings müssen Sie das WLAN-Modul des Powerline-Adapters 1260E noch extra konfigurieren. Das geschieht durch Drücken der "Connect"-Taste. Halten Sie diese zehn Sekunden lang gedrückt. Sobald die WLAN-LED blinkt, lassen Sie los. Jetzt müssen Sie noch die WPS-Taste (WLAN) an der Fritzbox drücken, bis das WLAN-Lämpchen blinkt. Die Verbindung zwischen den Geräten wird jetzt hergestellt. Die Übernahme aller WLAN-Einstellungen erfolgt automatisch.

2. Schritt: Powerline-Netzwerkinfos

Die Powerline-Software laden Sie unter http://avm.de/service/downloads herunter. Sobald das Programm gestartet wurde, wird Ihnen ein Überblick über Ihr Powerline-Netzwerk angezeigt. Haben Sie ein AVM-Starter-Set verwendet, um das Stromkabel-LAN aufzubauen, sind zwei Adapter zu sehen. Wenn Sie nun mit der Maus über einen der beiden Adapter fahren, erhalten Sie zusätzliche Informationen wie die Modellbezeichnung, die maximal erzielbare LAN-Geschwindigkeit sowie die aktuelle Empfangs- und Sendeleistung. Ferner sehen Sie ein kleines Schlosssymbol. Es signalisiert die Verschlüsselung des Netzwerks. Ab Werk sind übrigens alle Fritz-Adapter verschlüsselt. Eine Erweiterung des Powerline-Netzwerks ist über die "Hinzufügen"-Schaltfläche möglich. Lesen Sie unter dem 4. Schritt, wie einfach es ist, das Powerline-Netzwerk zu erweitern.

3. Schritt: Grundlegende Powerline-Konfiguration

Haben Sie viele Powerline-Adapter in Ihrem Powerline-Netzwerk integriert, sollten Sie den Adaptern eindeutige Namen zuweisen. Verwenden Sie "Wohnzimmer" oder "Büro" für die dort installierten Adapter. Das erleichtert die Zuordnung ungemein. Mit einem Klick auf den Link "mehr …" öffnen Sie das Geräteprofil. In das Bezeichnungs-Eingabefeld tippen Sie dann den passenden Namen ein. Möchten Sie die Leuchtdioden deaktivieren, wie etwa beim 1220E, entfernen Sie bei "LED-Anzeige anschalten" einfach das Häkchen. Zum Speichern der Änderungen klicken Sie dann auf "OK".

4. Schritt: Powerline-Netzwerk erweitern

Sollten Sie mit den beiden Adaptern aus dem Set nicht auskommen, haben Sie die Möglichkeit, Ihr Powerline-Netzwerk um weitere Adapter zu ergänzen. Rufen Sie hierzu die Powerline-Software "Fritz-Powerline" auf. Der Rechner, auf dem die Software läuft, muss eine Verbindung zu einem Powerline-Adapter haben. Klicken Sie auf "Hinzufügen" und geben Sie auf dem Adapter aufgedruckte Gerätekennwort in das zugehörige Eingabefeld ein. Nach der Eingabebestätigung mit "OK" müssen Sie den hinzugefügten Adapter innerhalb von zwei Minuten an eine Steckdose anschließen. Er verbindet sich dann automatisch mit dem Powerline-Netzwerk. Danach müssen Sie nur noch die Grundkonfiguration durchführen und eventuell die Firmware aktualisieren. Die entsprechenden Links dazu finden Sie auf Website des Herstellers.

5. Schritt: Powerline-Geschwindigkeit analysieren

Wenn Sie sich die Frequenzen anschauen möchten, die bei der Übertragung genutzt werden, klicken Sie in der Powerline-Software auf die Schaltfläche "Powerline-Spektrum". In zwei separaten Diagrammen werden Ihnen die Empfangs- und Senderichtung jeweils angezeigt. Den Verlauf der Datenrate der letzten Stunde finden Sie am unteren Seitenende. Das ist nützlich, denn hierüber können Sie Störungen ausfindig machen. Brach die Datenrate zu einem bestimmten Zeitpunkt ein, kann es am Staubsauger oder einem anderen Elektrogerät liegen, das zu dieser Zeit gerade eingeschaltet war.

6. Schritt: Die Weboberfläche des Powerline-Adapters

Bei einigen Powerline-Adaptern wie dem 546E, 540E, 1260E oder 1240E ist WLAN integriert. Auf diese Modelle können Sie auf der Konfigurationsseite im Browser direkt zugreifen. Hier erscheinen die Adapternamen in blauer Schrift. Klicken Sie auf den betreffenden Namen, um den Adapter zu konfigurieren. Anschließend öffnet sich die Seite des Adapters im Browser. Das ist praktisch, denn es erlaubt die direkte Eingabe der IP-Adresse. Sie müssen also nicht die Powerline-Software öffnen, um den Adapter zu konfigurieren. Die Anmeldung führen Sie einfach mit Ihren Fritzbox-Zugangsdaten durch. Anschließend können Sie WLAN-Einstellungen vornehmen oder Netzwerkübersichten aufrufen - so ähnlich wie bei Ihrer Fritzbox.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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