Die Geschichte von Microsoft: Ideen, Innovationen, Identitätsverlust

Wir blicken auf die wechselvolle Geschichte von Microsoft zurück!
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Wir blicken auf die wechselvolle Geschichte von Microsoft zurück!

© Microsoft

Microsoft hat lange Zeit das IT-Zeitalter maßgeblich geprägt. Doch danach erlitt der Konzern einen immensen Bedeutungsverlust, die zukunftsweisenden Ideen wurden von anderen entwickelt. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch die Microsoft-Geschichte.

Microsoft wurde im April 1975 gegründet. Auch nach 43 Jahren zählt das Unternehmen nach wie vor zu den weltweit bedeutendsten IT-Firmen. In über 100 Ländern ist der Konzern mit Zweigstellen vertreten - in Deutschland ist Microsoft an elf Standorten präsent. Die wirklich spannenden Innovationen kommen indes längst von anderen Unternehmen. In die Schlagzeilen geriet Microsoft zuletzt immer wieder durch Maßnahmen wie Massenentlassungen. Auf der anderen Seite gelang es dem Konzern, die Stadt München zurückzugewinnen. Der 2016 erfolgte Umzug der deutschen Microsoft-Zentrale von Unterschleißheim nach München hat noch einen anderen Effekt: Die Gewerbesteuern fließen seit diesem Jahr direkt in die bayerische Landeshauptstadt. München verabschiedet sich indes von Limux und kehrt zu Windows zurück. Das gefällt dem Bund der Steuerzahler gar nicht, denn das Hin und Her zwischen den Betriebssystemen hat Millionen von Euro an Steuergeldern verschlungen.

Die Geschichte des IT-Giganten erweckt den Eindruck, als habe sich Microsoft in seiner Firmengeschichte oft zu lange auf den Lorbeeren von einst ausgeruht. Noch immer besteht das Kerngeschäft aus dem Vertrieb zweier Produkte: Windows und Microsoft Office. Sie gehören allerdings schon seit Jahrzehnten zum Portfolio des Konzerns. Erst mit Windows 10 gelang es Microsoft, enttäuschte Nutzer zum Teil wieder zurückzugewinnen. Dennoch verlief auch das Windows-10-Update vom Oktober 2018 wieder einmal desaströs. Microsofts CEO Satya Nadella verfolgt mit der Fokussierung auf Cloud-Dienstleistungen längst eine andere Konzernstrategie. Windows und Office sind davon nicht ausgenommen. Wir wollen aber nicht über aktuelle Microsoft-Produkte berichten, sondern auf die Geschichte des Unternehmens aus Redmond zurückblicken.

Die 70er-Jahre: Die Technologie war noch eine ganz andere

Wer Microsofts Einfluss auf die Gegenwart verstehen will, muss in die Vergangenheit des Unternehmens blicken. Als alles in den 70er Jahren begann, gab es zwar schon Mikrocomputer, doch nur wenige wussten, was das eigentlich ist. Für Laien besaßen die Transistorkisten keine Relevanz. Es fehlte einfach an Betriebssystemen, Anwendungsgebieten und kompatibler Technik, die Laien einen Zugang hätten verschaffen können.

Paul Allen und Bill Gates, die Microsoft später gründeten, war jedoch von Anfang an klar, dass in den öffentlich kaum beachteten Computern ein immenses Potenzial schlummerte. Sie waren seit ihrer Kindheit eng befreundet und entsprachen in jeder Hinsicht dem Nerd-Klischee. Beide gingen in die Lakeside School, eine renommierte Privatschule in Seattle. Sie schwänzten zusammen den Unterricht und verbrauchten ihre Zeit stattdessen im Computerraum der Schule.

Beide hatten dieselbe Vision: Ein Computer gehört auf jeden Schreibtisch, gleich, ob in der Arbeit oder zu Hause. Den Nutzern einen Zugang zu den noch eher abstrakten Rechenmaschinen zu verschaffen, erkannten sie richtigerweise als die größte Herausforderung auf dem Weg dorthin. Beide gaben nach wenigen Jahren ihr Studium auf, um sich voll und ganz den Bits und Bytes zu widmen. Die beiden Freunde sollten eines Tages den Softwaremarkt mit ihren Programmen revolutionieren. Damit beginnt die einzigartige Geschichte der Firma Microsoft.

1975-1979: Die richtige Idee zur richtigen Zeit

Alles beginnt im Januar 1975 mit dem Altair 8800, welcher auf dem Titelblatt der Zeitschrift "Popular Electronics" als der erste Heimcomputer abgebildet wird. Anwendbar war der klobige Computerkasten in keiner Weise. Software oder ein Monitor? Fehlanzeige. Dennoch haben Bill und Paul das Potenzial der Maschine schnell erkannt und entwickeln innerhalb weniger Wochen den Interpreter "Altair BASIC" für das Gerät.

Alsbald verkaufen die beiden Nerds ihre Software an die Firma Instrumentation and Telemetry Systems. Diese stellt den Altair 8800 her. In einem Brief, den Bill Gates an Paul Allen schreibt, taucht erstmals der Name "Micro-Soft" auf. Gemeinsam erzielt das Duo bis zum Jahresende einen Umsatz in Höhe von 16.005 US-Dollar. Eine solche Summe setzt Microsoft heute in nicht einmal sieben Sekunden um.

Es ist übrigens eine Legende, dass Allen und Gates ihre Software in einer Garage entwickelten. Eine Garage gab es zwar tatsächlich, nur wurde diese von Steve Jobs und seinem Kompagnon Steve Wozniak belegt, die dort den ersten Apple-Computer zusammenschraubten - inmitten von Autoreifen und Werkzeugen. Das nur so nebenbei am Rande.

Die zweite, von Microsoft entwickelte Programmiersprache hieß Fortran-80. In 1976 erzielt Microsoft für eine verkaufte Lizenz immerhin schon 500 US-Dollar.

Im Jahr 1977 liefern Apple Computers, Radio Shack, Texas Instruments und Commodore ihre Computer mit Microsoft Basic aus.

1978 wird Microsofts erste Verkaufsniederlassung in Japan eröffnet. Der Start im Land der aufgehenden Sonne erfolgt mit 13 Angestellten. Der Umsatz von Microsoft überschreitet in diesem Jahr bereits die Grenze von einer Million US-Dollar.

1979 verlässt das Unternehmen Albuquerque in New Mexico und zieht nach Bellevue im Bundesstaat Washington. Grund sind Probleme bei der Rekrutierung erstklassiger Programmierer. Microsoft Basic ist nunmehr auf über 200.000 Computern installiert. Es sind Rechner mit den Chips aus den Serien 8080 und Z80. In Belgien eröffnet Microsoft seine erste Niederlassung auf europäischem Boden. Der Jahresumsatz hat sich zwischenzeitlich auf mehr als zwei Millionen US-Dollar verdoppelt.

1980-1984: MS-DOS und Windows betreten die Bühne

Im Jahr 1980 kommt Steve Ballmer zu Microsoft. Er wird später einmal CEO des Unternehmens. 16-Bit-Prozessoren bekommen mit Xexix-OS von Microsoft das erste Betriebssystem, das standalone arbeitet. IBM beauftragt das Unternehmen mit der Entwicklung eines neuen Betriebssystems. Die Basis bildet 86-DOS, das Microsoft für 50.000 US-Dollar kauft. Der Tipp hierzu stammt übrigens von Paul Allen. Auf dem Fundament dieser Fremdsoftware entsteht das Microsoft Disk Operating System, das später nur noch unter dem Akronym MS-DOS vermarktet wird. Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt in diesem Jahr bei mehr als acht Millionen US-Dollar.

IBM bringt 1981 seinen ersten Personal Computer auf den Markt. Auf dem Rechner befinden sich zahlreiche Microsoft-Produkte wie MS-DOS 1.0, Basic, Cobol und Pascal. Gates und Allen erreichen gegenüber IBM, dass die MS-DOS-Vermarktungsrechte bei Microsoft verbleiben. Das Unternehmen wird im gleichen Jahr zur Kapitalgesellschaft.

Neues Logo und erste Tochtergesellschaft

Microsoft gründet 1982 in England die erste Tochtergesellschaft Microsoft U.K. Ltd. Im selben Jahr wird das Verpackungsdesign aufgepeppt und ein neues Firmenlogo kreiert. In den USA wird das Unternehmen eine eingetragene Marke. Für den Mitgründer Paul Allen läuft es in diesem Jahr weniger gut, weil bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert wird. Microsoft hat jetzt 220 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 24 Millionen US-Dollar.

1983 gibt Paul Allen seine Funktion als leitender Vizepräsident auf. Bill Gates präsentiert im gleichen Jahr MS-DOS 2.0. Microsoft startet damit, Word für MS-DOS 1.0 zu verkaufen. Mit dem neu ins Leben gerufenen Unternehmenszweig Microsoft Press möchte Microsoft den Nutzern mithilfe von Büchern Microsoft-Produkte besser erklären. Die MS-Maus wird das erste Hardwareprodukt von Microsoft. Für das vor der Veröffentlichung stehende Windows 1.0 ist das Peripheriegerät unerlässlich. Zu den ersten von zahlreichen Firmenübernahmen gehören die in Australien ansässigen Wiser Laboratories.

Kooperation mit Apple und E-Mail-Leitungen

Microsoft veröffentlicht zum Jahresende den Prototypen von Windows 1.0. Es ist das erste Betriebssystem für den PC, das mit einer grafischen Benutzeroberfläche arbeitet. Am Anfang läuft die Software noch unter der Bezeichnung "Interface Manager".

Die Mitarbeiterzahl von Microsoft steigt in 1984 auf 860 an und der Jahresumsatz klettert auf rund 100 Millionen US-Dollar. Microsoft-Programme wie Basic, File, Multiplan und Word sind jetzt auch auf dem Macintosh, der im gleichen Jahr von Steve Jobs vorgestellt wird. In Deutschland kostet der Macintosh rund 10.000 DM. Microsoft beginnt, Hardware- und Peripherieprodukte zu entwickeln.

1985-1989: Windows, Excel und Office erobern den Markt

1985 erscheint Microsoft Windows 1.0 zeitgleich mit der Tabellenkalkulationssoftware Excel 1.0 - im zehnten Jahr nach der Firmengründung. Dank der grafischen Benutzeroberfläche des neuen Betriebssystems ist nun auch Laienanwendern möglich, Programme zu nutzen, Daten zu bearbeiten und auszutauschen.

Das Betriebssystem kommt mit Bildlaufleisten, Dialogfeldern, Dropdown-Menüs und Symbolen daher. Zum ersten Mal ist es möglich, mehrere Anwendungen gleichzeitig ausführen zu lassen. Windows enthält zudem einen Editor, einen Kalender, das Grafikprogramm Paint sowie einen Taschenrechner. Obwohl sich das Betriebssystem mit nur 256 KB Festplattenspeicher begnügt, bleibt der Erfolg aus. Vor allem, weil es an Anwendungen fehlt.

IBM beauftragt Microsoft im selben Jahr mit der Entwicklung von OS/2. Es soll das neue Betriebssystem für IBM-PCs werden. Microsoft hält am eigenen Windows fest, nimmt den Auftrag aber dennoch an.

In Redmond wird mit dem Bau eines neuen Hauptquartiers begonnen. Die Projektkosten belaufen sich auf 25 Millionen US-Dollar.

Microsoft zieht um nach Redmond

1986 zieht Microsoft in sein neues Hauptquartier in Redmond. In Holland und Japan entstehen neue Zweigstellen und Bill Gates erscheint auf dem Titelblatt der Wirtschaftszeitung "Fortune". Für MS-DOS werden Erweiterungen veröffentlicht, die CD-ROMs unterstützen. Um Desktop-Computer besser zu vermarkten, schließt Microsoft Partnerschaften mit Hewlett-Packard (HP) und Aldus ab. Microsoft beschäftigt jetzt 1.153 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von knapp 200 Millionen US-Dollar. Microsoft steht am Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte.

1987 ist das Jahr der Veröffentlichung von OS/2, dem von Microsoft entwickelten Betriebssystem für IBM. Fast zeitgleich beginnt die Vermarktung des Konkurrenzprodukts Windows 2.0. Microsoft verdient sowohl an Windows als auch an OS/2. Windows wird als Sieger aus dem Rennen hervorgehen und in den 1990er Jahren einen weltweiten Marktanteil von mehr als 90 Prozent erreichen.

Microsoft übernimmt Forethought

Noch im selben Jahr stellt Microsoft MS-Works für DOS vor. Mit dem Softwarepaket möchte man kleine Firmen und Privatanwender erreichen. Microsoft erwirbt ferner die Firma Forethought einschließlich des grafischen Präsentationsprogramms. Insgesamt 14 Millionen US-Dollar legt Microsoft dafür hin. Das Präsentationsprogramm erscheint drei Jahre später als Microsoft Powerpoint.

Diese Fremdsoftware ist für Microsoft strategisch genauso bedeutsam, wie das zuvor eingekaufte 86-DOS. Es wird nicht der letzte Zukauf bleiben. Bei InterMail für Macintosh läuft es ähnlich. Das E-Mail-Programm wird später unter dem Namen Mail 1.0 weiter vermarktet.

1988 eröffnet Microsoft eine Niederlassung in Korea. Ebenfalls in diesem Jahr entsteht in Bothell, Washington ein neues Vertriebs- und Produktionszentrum.

Und: Die Verkaufszahlen der Microsoft Maus knacken die Millionenmarke.

Mit Microsoft Office entsteht ein neues Kernprodukt

Das Jahr 1989 wird zu einem der wichtigsten Jahre in der Unternehmensgeschichte. Steve Ballmer wird Senior Vice President. MS-Office 1.0 und SQL-Server 1.0 kommen auf den Markt. Das Office-Paket umfasst Excel 2.2, Mail 1.37, Powerpoint 2.01 und Word 4.0. In dem noch immer rasant wachsenden Konzern wird es zum zentralen Produkt.

Über die Niederlassungen in Belgien, der Schweiz, Israel, Brasilien und Taiwan und neu eröffneten Vertriebsbüros in Tel Aviv und Hongkong treibt Microsoft die Expansion massiv voran. Es entsteht ein erstes eigenes Rechenzentrum, das eine unabhängige Stromversorgung besitzt. Microsoft hat jetzt 4.037 Angestellte erzielt einen Jahresumsatz von 800 Millionen US-Dollar.

1990-1994: Der gewerbliche Markt wird erobert

1990 feiert Microsoft sein 15. Firmenjubiläum. Erstmals übersteigt der Jahresumsatz die magische Grenze von einer Milliarde US-Dollar. Von der Cobb Group werden noch diverse Publikationen gekauft. Insgesamt stehen nun mehr als 100 veröffentlichte Titel auf der Liste von Microsoft Press.

Vizepräsident für Technologie und die Unternehmensentwicklung wird Nathan Myhrvold. Windows 3.0 wird veröffentlicht und die Verträge mit IBM verlängert. Diese umfassen MS-DOS, OS/2 und Windows.

Die Verkaufszahlen von Windows 3.0 entwickeln sich ab 1991 rasant. Über 150 Prozent mehr Absatz als im Jahr 1990. Auch Excel wird mit 1,5 Millionen verkaufter Lizenzen zum Verkaufsschlager. Bei erfolgreichen Softwaretiteln wie Windows 3.1 und Publisher ändert Microsoft das Verpackungsdesign. Die Windows-Flagge wird zum neuen Firmenlogo und ziert ab jetzt die Produktverpackungen. Privatpersonen können erstmals über eine kostenlose Hotline illegal kopierte Produkte an Microsoft melden.

Microsoft wird im Streit mit Apple freigesprochen

1992 werden in einem TV-Werbespot Microsoft-Produkte erstmals dem Massenpublikum vorgestellt. In mehreren Ländern Europas, in Asien, Südamerika und Südafrika entstehen neue Niederlassungen. In einem Urheberrechtsstreit mit Apple wird Microsoft von allen Vorwürfen freigesprochen. Seit 1988 stritt man über Urheberrechtsverletzungen. Streitanlass waren die grafischen Oberflächen von Windows 2.03. Die Marktveröffentlichung von Windows 3.1 löst Vorbestellungen von mehr als einer Million Exemplaren aus.

Durch Microsoft-Produkte erhalten zahlreiche Privatanwender Zugang zum Computermarkt. Das treibt die Umsätze der Entwickler von Hardware und Software weltweit an.

1990 erscheint mit Microsoft Encarta die erste Computer-Enzyklopädie auf Multimedia-Basis. Ebenfalls kommen MS-DOS 6.0 sowie das 32-Bit-Betriebssystem Windows NT auf den Markt. Excel steigt weltweit zur Nummer Eins unter den Tabellenkalkulationsprogrammen auf. Die erste Microsoft-Maus fliegt mit dem Discovery-Shuttle ins Weltall.

1994 erfolgt mit Softimage aus Quebec eine weitere Übernahme. Microsoft blättert 130 Millionen US-Dollar für das Animationsstudio hin. Nunmehr erwirtschaftet Microsoft mit über 15.000 Angestellten einen Jahresumsatz von 4,6 Milliarden US-Dollar.

1995-1999: Wachstum ohne Ende

1995 erfolgt die Markteinführung von Windows 95. Schon in den ersten 5 Wochen verkauft Microsoft sieben Millionen Exemplare. Windows 95 verwendet die 32-Bit-Architektur des Prozessors, unterstützt das Internet und Plug-and-Play. Microsoft-Betriebssysteme laufen weltweit auf rund 80 Prozent aller Computer. Der Internet-Explorer betritt die Bühne und Microsoft gründet das Microsoft Network (MSN).

Für 133 Millionen US-Dollar kauft Microsoft 1996 die Firma Vermeer Technologies. Nun besitzt Microsoft mit Frontpage einen leistungsstarken HTML-Editor. Alsbald wird auch dieser ein Kernprodukt im Portfolio des Unternehmens.

Microsoft nutzt seine Monopolstellung

Da Windows 3.1 und der Nachfolger Windows 95 mit dem Internet Explorer 2.0 in einem Paket ausgeliefert werden, geraten Wettbewerber wie Netscape immer stärker unter Druck. Nur sieben Monate nach der Gründung ist MSN der erfolgreichste Internet-Dienstleister der Welt. Dieser ist inzwischen in über 190 Ländern vertreten. Der 24-Stunden-Nachrichtensender MSNBC startet im gleichen Jahr als Gemeinschaftsprojekt von Microsoft und NBC. Ebenfalls geht Microsoft Expedia, der kostenlose Reisedienst online.

Office 97 knüpft an die Erfolge seiner Vorgänger nahtlos an. Neu ist, dass jetzt diverse Web-Dienste unterstützt werden. Für den Provider WeBTV Networks legt Microsoft 425 Millionen US-Dollar hin. Eine Milliarde US-Dollar investiert Microsoft in den Ausbau von Internet-Leitungen von Comcast, einem nordamerikanischen TV-Anbieter.

Microsoft kooperiert mit Apple, um Office und den Internet-Explorer für den Macintosh zu entwickeln. Hierfür steckt das Unternehmen 150 Millionen US-Dollar in Apple. Für rund 400 Millionen US-Dollar wird der E-Mail-Dienst Hotmail hinzugekauft. Microsoft genießt in der US-Bevölkerung viel Anerkennung. Umfragen weisen die Redmonder als meistbewundertes US-Unternehmen aus.

Antitrust- und Kartellklagen

Im Jahr 1998 rollt auf Microsoft eine Klagewelle zu. 19 Generalstaatsanwälte und das US-Justizministerium strengen gegen Microsoft eine Antitrust-Klage an. Im Kern geht es dabei um Java und den Browser-Krieg. Der Vorwurf lautet, dass Microsoft zwischen 1995 und 1998 den Netscape Navigator durch den Internet-Explorer unlauter verdrängt habe.

Da Microsoft über deutlich mehr Mittel zur Vermarktung der eigenen Software verfügt, sorgt die Kopplung zwischen dem Internet Explorer und Windows faktisch für eine Zwangsverbreitung des Browsers. Auch bei Java soll Microsoft unlautere Praktiken angewandt haben. Durch sukzessive Erhöhung des Anteils inkompatibler Programmkomponenten wurden Entwickler faktisch gezwungen, Windows-konforme Software zu entwickeln.

Die Abmahnungen, die sich Microsoft damit einfing, konnten Netscape auch nicht mehr helfen. Das Verfahren kam einfach zu spät. AOL schluckte im gleichen Jahr Netscape samt seinem Navigator.

1998 erscheint Windows 98 in insgesamt 40 Ländern weltweit. Es ist das letzte Windows-Betriebssystem, das noch auf MS-DOS basiert. Zielgruppe sind Endverbraucher. Die Produkte von Microsoft sind nun weltweit anzutreffen. Boomende Internetcafés sowie die private und gewerbliche Verbreitung des PCs bescheren Microsoft einen Boom nach dem anderen. Steve Ballmer wird von Bill Gates zum Präsidenten des Unternehmens befördert.

1999 gibt es nur noch wenige Länder ohne Microsoft-Niederlassung. Mit neuen Niederlassungen in Bolivien, Bulgarien, Jamaika, Lettland und Tunesien schrumpft der Kreis dieser Länder noch mehr. Der erste eigene Online-Store wird eröffnet und Office 2000 geht an den Start. Dank MSN Mobile können Nutzer erstmalig Nachrichten mobil auf Handys und Pager aus dem Internet abrufen. Microsoft setzt in diesem Jahr rund 20 Milliarden US-Dollar um.

2000-2009: Kartellklagen und hohe Strafen häufen sich

Aufgrund von Kartellklagen ergeht gegen Microsoft in den USA im Juni 2000 ein folgenschweres Gerichtsurteil. Microsoft wird zur Aufteilung in zwei separate Unternehmen verdonnert. Microsoft kauft die Visio Corporation einschließlich der Diagrammsoftware Visio und legt dafür 1,3 Milliarden US-Dollar hin. Steve Ballmer wird Vorstandsvorsitzender und löst Bill Gates ab.

Nachdem George W. Bush 2001 die Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewinnt, wird die Aufspaltung des Microsoft-Konzerns nicht weiterverfolgt. Bushs Wahlkampfagentur Century Strategies ist auch Kunde von Microsoft. Bush besetzt die US-Kartellbehörde mit einem neuen Leiter. Zwar werden Kartellrechtsverletzungen und illegale Praktiken in Microsofts Berufungsverhandlung bestätigt. Dennoch kommt es zur Aufhebung des Urteils. Die umstrittenen Produktbündelungen werden daraufhin von Microsoft fortgesetzt. Sie betreffen nun auch den Windows Media Player.

Mit dem neuen Windows XP, das Ende 2001 auf den Markt kommt, hält eine neue grafische Benutzeroberfläche Einzug. Erstmals werden Sicherheits-Updates für das Betriebssystem über das Internet bereitgestellt. Ebenfalls kommt das erste Xbox-Modell heraus. Microsoft wird damit zum dritten großen Player auf dem Spielkonsolenmarkt neben Nintendo und Sony. 22 Millionen Exemplare werden von der Xbox bis Ende 2005 verkauft.

Strafzahlungen in Milliardenhöhe

In 2003 werden 750 Millionen US-Dollar im Rahmen eines Vergleichs an den Medienkonzern AOL Time Warner gezahlt. Der Browser-Krieg aus den 90er Jahren wirkt hier noch immer nach. Außerdem erhält AOL eine Nutzungslizenz über sieben Jahre für den Internet Explorer als Entschädigung.

Microsoft ereilen im März 2004 neue Forderungen im Zusammenhang mit dem erneuten Vorwurf des Monopolmissbrauchs. Microsoft soll 497 Millionen Euro als Strafe an die Europäische Union zahlen. Das Bußgeld wird durch eine zusätzliche Auflage begleitet. Neue Versionen von Windows XP dürfen nicht mehr als Bundle mit dem Windows Media Player angeboten werden.

Die Smartphone-Ära geht an Microsoft vorbei

2007 stellt Microsoft Windows Vista vor. Augenfälligste Neuerung ist "Aero", das visuell überarbeitete Design. Die Reaktionen darauf fallen jedoch gemischt aus. Ganz anders sieht es bei Office 2007 aus. Die erfolgreiche Suite für Büroanwendungen ist einer der Haupttreiber für den Umsatz. Mit 51,12 Milliarden US-Dollar im Kalenderjahr stellt Microsoft einen neuen Umsatzrekord auf.

2007 ist auch das Jahr des beginnenden Smartphone-Booms, den Microsoft aber verpasst. Microsoft hinkt bei der Entwicklung eines Betriebssystems für mobile Geräte den Konkurrenten Apple und Google deutlich hinterher.

2008 wird gegen Microsoft erneut ein Bußgeld durch die Europäische Kommission verhängt. Der geforderte Betrag beläuft sich auf 899 Millionen Euro. Das Bußgeld ergeht wegen der Weigerung des IT-Riesen, den verhängten Auflagen und Strafzahlungen aus dem Jahr 2004 nachzukommen. Bill Gates gibt seinen Posten als Chef der Softwareentwicklung auf. Er bleibt aber dennoch in einer wichtigen Schlüsselposition.

2009 veröffentlicht Microsoft Windows 7. Neuerungen sind die verbesserte Systemsicherheit, die grafisch angepasste Oberfläche und das neue Multi-Touch. An den Betatests zur Tauglichkeitsprüfung der Software hatten sich acht Millionen Nutzer beteiligt.

2010-2014: Bedeutungsverlust geht mit weiteren Bußgeldern einher

Im Jahr 2010 wird immer offensichtlicher, dass Microsoft bei den Smartphone-Betriebssystemen den Anschluss verloren hat. Für den erfolgsverwöhnten IT-Giganten ist das eine völlig ungewohnte Erfahrung. Windows Mobile ist in die Jahre gekommen. Durch die Umwandlung in Windows Phone versucht man, das Ruder herumzureißen. Hierzu wird mit "Metro" eine neue, minimalistische Benutzeroberfläche entwickelt. Sie stemmt sich mit einfachen Symbolen und Formen gegen Googles Android und Apples iOS.

Der verpatzte Start in die Welt der mobilen Geräte führt bei Microsoft im Jahr 2011 zum Umdenken. Man beginnt damit, ganze Produktpaletten anzupassen: Websites, Logos und diversen Diensten wird systematisch das Metro-Design verpasst. Microsoft gelingt es im gleichen Jahr, die Konkurrenten Google und Facebook beim Kauf von Skype auszustechen. Für den IP-Telefonie-Dienst des 2003 gegründeten Unternehmens blättert Microsoft stolze 8,5 Milliarden US-Dollar hin.

Mit dem ersten Tablet hinkt Microsoft hinterher

Den ersten Computer bringt Microsoft 2012 mit dem Tablet "Surface" auf den Markt. Das Mobilgerät baut Microsoft selbst. Angesichts des deutlichen Vorsprungs anderer Hersteller kommt es allerdings viel zu spät.

Im gleichen Jahr bringt Microsoft auch Windows 8 und Windows Server 2012 in den Handel. Sie können das Ergebnis allerdings nicht mehr retten. Das Unternehmen erleidet in dem Geschäftsjahr den ersten Quartalsverlust seiner langen Firmengeschichte.

Der Europäische Gerichtshof bestätigt im Juni sämtliche gegen Microsoft verhängten Bußgeldforderungen, die bis ins Jahr 2004 zurückreichen. Trotz der Reduzierung auf 860 Millionen Euro ist es die höchste Strafe, die ein EU-Gericht jemals verhängt hat. In der Summe sind insgesamt 1,6 Milliarden Euro an Strafzahlungen von Microsoft zu leisten.

Der Ärger mit der EU nimmt kein Ende

2013 gibt es neuen Ärger mit europäischen Gerichten, weil Windows 7 nur mit dem Internet Explorer ausgeliefert wird. Aus Sicht der EU hat es Microsoft versäumt, das Betriebssystem Windows 7 auch mit Browsern von Drittanbietern anzubieten. Die verhängte Strafzahlung bemisst sich auf 561 Millionen Euro.

Die im Jahr 2013 als Xbox One vorgestellte Hochleistungskonsole macht nicht nur wegen ihres stolzen Preises Schlagzeilen, sondern auch wegen ihrer Sanktionsmöglichkeiten. Flucht ein Nutzer beim Spielen allzu derb, kann er von Xbox-Live-Diensten ausgeschlossen werden.

Microsoft kauft den finnischen Mobiltelefonhersteller Nokia für sieben Milliarden US-Dollar. Es tauchen Gerüchte auf, dass drei der größten Microsoft-Investoren von Bill Gates verlangen, er soll sich vom Vorsitz des Verwaltungsrates zurückziehen.

Microsoft treibt den eigenen Börsenkurs durch Aktienrückkaufprogramme über 40 Milliarden US-Dollar nach oben. Zwar steigt der Windows-8-Marktanteil im August 2013 auf 7,41 Prozent, bleibt allerdings von den glorreichen Erfolgen in den 1990er Jahren sehr weit entfernt. Unter anderem auch deshalb, weil das Betriebssystem zeitweise zu Tiefstpreisen verschleudert wird.

Steve Ballmer zieht sich zurück

Steve Ballmer kündigt nach 13 Jahren seinen Rückzug als Microsoft-CEO an. Das beflügelt den Börsenkurs, der daraufhin um zehn Prozent zulegt. Der NSA-Skandal erreicht Redmond: Skype-Nutzer sollen flächendeckend abgehört worden sein. Zudem soll es jahrelange Ausspähungen von Nutzern der Web-Dienste SkyDrive und Hotmail gegeben haben.

2014 ersetzt Satya Nadella Steve Ballmer als CEO an der Konzernspitze. Mit Windows 8.1 möchte Microsoft endlich die hinreichend bekannten Mängel am Betriebssystem Windows beheben. Man will ferner Windows für Geräte mit einer kleineren Bildschirmdiagonale als neun Zoll kostenlos an die Hersteller abgeben. Ungewiss ist, ob das jetzt noch etwas bringt, denn andere wie Google machen das schon seit vielen Jahren so.

Zukunft ungewiss

Schon seit vielen Jahren vollzieht sich ein Paradigmenwechsel auf dem Markt für Computer. PCs und Laptops, auf die sich Microsoft-Produkte bislang fokussiert hatten, verlieren stetig Marktanteile an Smartphones und Tablets. Der Markt für Letztere wird jedoch von Apple und Google beherrscht. Das Überschreiten des Zenits von Laptops und PCs bringt Microsoft in eine Identitätskrise.

Es scheint, als habe der Konzern aus Redmond knapp 30 Jahre nach dem Erscheinen von Windows 1.0 den Anschluss verloren. Niemand will auf Smartphones und Tablets noch viel Geld für Office Programme oder Windows ausgeben. Kostenlose Software liegt im Trend.

Microsoft ist heute nicht mehr der Pionier, sondern läuft der Entwicklung sehr oft nur noch hinterher. Erst im Jahr 2012 brachte Microsoft das erste eigene Tablet heraus. Es wurde ein Flop. Das von Steve Ballmer verordnete Einheitsdesign "One Microsoft" wirkte 2013 wie eine wenig originelle Kopie der erfolgreichen Konzepte von Apple und Google. Längst hatte sich die Konkurrenz auf mobile Geräte konzentriert, Hard- und Software aufeinander abgestimmt und den Markt untereinander aufgeteilt. Der damalige CEO Steve Ballmer machte sich stattdessen über Touchscreens lustig und versäumte es, die eigene Smartphone-Sparte zu entwickeln.

Der neue Boss Satya Nadella machte vieles anders. Rabiate Personalwechsel sind für Nadella ebenso wenig tabu wie Massenentlassungen. Als Devise gibt er "Mobile first, Cloud first" aus. Die Defizite im mobilen Bereich scheinen zu groß, um dort zur alten Stärke zurückzukehren. Doch im Zuge von Windows 10 und der Konzentration auf Cloud-basierte Lösungen gelingt Microsoft ein Achtungserfolg. Die Verknüpfung diverser Dienste wie Outlook, Skype und MS Office findet vor allem bei größeren Unternehmen viele Anhänger. Außerdem werden soziale Plattformen und Chat-Dienste wie Yammer und Teams integriert.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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