Der eigene Minecraft-Server - so geht's

Der eigene Minecraft-Server – so geht's
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Der eigene Minecraft-Server – so geht's

© IDG
06.09.2018 - 09:08 Uhr

Wenige Spiele erfreuen sich größerer Beliebtheit als Minecraft. Weltweit spielen mehrere Millionen Nutzer mit großer Begeisterung. Mit diesem Game ist es sogar möglich, Kindern die Grundlagen des Programmierens zu vermitteln, und aus diesem Grund wird es sogar in Bildungseinrichtungen eingesetzt. Immer wieder gibt es daher den Gedanken an den eigenen Minecraft-Server – wir erklären Ihnen, wie Sie diesen Wunsch Wirklichkeit werden lassen.

Minecraft kann natürlich auch im Single-Modus gespielt werden - wirklich interessant und spannend wird es aber erst dann, wenn sich mehrere Spieler messen. Sie erforschen die Pixelwelten gemeinsam oder auch gegeneinander und errichten ein Gebäude nach dem anderen. Das Spielerlebnis ist ein komplett andered und daher ist es eine gute Idee, über einen eigenen Minecraft-Server nachzudenken. Dieser stellt das Game allen, die mit dem Heimnetzwerk verbunden sind, zur Verfügung.

So richten Sie Ihren eigenen Minecraft-Server ein

  1. Die Systemvoraussetzungen

    Über den Server werden die Spielerbewegungen in der künstlichen Umgebung koordiniert. Das bedeutet, dass die Bandbreite eine eher unwichtige Rolle spielt, ausschlaggebend für den Erfolg des eigenen Servers ist vielmehr der Arbeitsspeicher, der über ordentliche Reserven verfügen sollte. Sie benötigen zumindest ein Gigabyte RAM, mehr ist natürlich besser. Theoretisch könnten Sie sogar einen Raspberry Pi als Server verwenden, dieser würde allerdings rasch an seine Grenzen stoßen.

    Zusätzlich dazu muss eine Java-Umgebung installiert werden, und zwar Java ab der Version 7 oder höher. Falls Sie noch Version 6 installiert haben, müssen Sie mit Performanceproblemen rechnen. Geben Sie das Kommando "java -version" im Terminal ein und überprüfen Sie, ob die aktuellste Ausgabe installiert ist. Falls Sie als Rückmeldung einen Fehlerhinweis erhalten, so muss die Umgebung zunächst installiert werden. Im Idealfall verwenden Sie dafür den Paketmanager, der in Ihrer Distribution vorhanden ist. Es ist übrigens egal, ob Sie eine offene Java-Version oder jene von Oracle (Sun) verwenden.

  2. Serverinstallation

    Wenn Sie sich mit Minecraft intensiver befassen, so werden Sie feststellen, dass es verschiedene Serverprojekte gibt. Für den Spieler gibt es keinen wesentlichen Unterschied, die hitzigen Diskussionen darüber erinnern eher an einen "Glaubenskrieg". Wir verwenden den "Spigot-Server", da dieser sehr intensiv weiterentwickelt wird. Das Tool wird als lauffähige Variante angeboten, das bedeutet, dass die Installation über das Paketmanagement nicht notwendig ist. Sie öffnen also das Terminal und führen folgende Eingaben durch:

    cd ~/

    mkdir minecraft

    cd ~/minecraft

    wget https://cdn.getbukkit.org/spigot/spigot-1.12.2.jar

    Falls Sie darauf hingewiesen werden, dass das Programm "wget" fehlt, so müssen Sie zuerst dieses Paket installieren. Falls Sie lesen müssen, dass die URL nicht gefunden wurde, so besuchen Sie http://getbukkit.org um zu überprüfen, welche Version die aktuelle ist. Benennen Sie die JAR-Datei sofort nach dem Herunterladen um, um sich Tipparbeit zu ersparen.

    Wir erklären Ihnen in diesem Artikel die Servereinrichtung auf Linux-Systemen, die Anleitung funktioniert aber auch auf anderen Plattformen. Egal, ob Sie einen Raspberry Pi verwenden oder bei Amazon einen virtuellen Server betreiben möchten - unser Weg führt Sie ans Ziel. Falls zunächst Java erfolgreich installiert wurde, dann müsste Minecraft darauf im Serverbetrieb laufen. Das oben erwähnte Tool "Wget" gibt es übrigens für jede Linux-Distribution. Sie müssen sich nur per SSH mit dem System verbinden, um im nächsten Schritt im Terminal die erwähnten Kommandos auszuführen.

  3. Der erste Serveraufruf

    Mit dem Kommando

    java -Xmx 1024M -Xms 1024M -jar spigot.jar

    Starten Sie den Server erstmals, und automatisch werden sofort einige Aktionen durchgeführt. An deren Ende sollte "Done" zu sehen sein, dann ist alles planmäßig verlaufen. Wundern Sie sich nicht, dass der Prompt ein wenig anders als gewohnt aussieht - Sie befinden sich schließlich in der Serverkonsole.

    Da es auf Dauer umständlich wäre, den Server immer über dieses Kommando zu starten, können Sie sich mit einem Alias oder einem Shell-Script behelfen. Sie öffnen dafür einen Editor - welcher, ist egal - und schreiben die folgenden drei Zeilen:

    #!/bin/bash

    cd ~/minecraft

    Java -Xmx 1024M -Xms 1024M -jar spigot.jar

    Wenn auf Ihrem Computer ein anderer Pfad zu Minecraft führt, dann müssen Sie den Befehl entsprechend anpassen. Die Datei wird dann entweder am Desktop oder in einem beliebigen Verzeichnis unter "Minecraft.sh" abgespeichert. Sie müssen aber darauf achten, dass das File als "ausführbar" markiert ist.

  4. Bearbeiten der Serverkonfiguration

    Die Eigenschaften des Servers sind nicht starr vorgegeben, sie können sogar während eines Spiels geändert werden. Die grundlegenden Eigenschaften werden von Minecraft aus einer Konfigurationsdatei entnommen, die beim ersten Start angelegt wird. Um diese zu bearbeiten, müssen Sie das Installationsverzeichnis öffnen und auf die Datei "server.properties" doppelt klicken. Dann suchen Sie nach "whitelist" und teilen dem Befehl den Wert "true" zu. Danach geben Sie in der Serverkonsole mit

    whitelist add [name]

    die Spieler ein, denen Sie den Zugriff ermöglichen möchten. So wird die JSON-Datei, die sich im Serververzeichnis befindet, mit den Namen befüllt. Die Anzahl wird über "max-players" geregelt, im Normalfall genügt jedoch die Voreinstellung von 20 Spielern bei privaten LAN-Events.

    Nun sind die Vorarbeiten abgeschlossen, und es ist an der Zeit, endlich Minecraft zu spielen. Sie starten das Game über den Launcher, wechseln zum Profileditor und editieren Ihr Profil. Den Eintrag "Use Version" setzen Sie auf den gleichen Stand wie am Server, der von Ihnen eingerichtet wurde. Nach der Speicherung klicken Sie auf "Play" und wählen auf der Startseite "Multiplayer" aus. Am unteren Rand müssen Sie nun "Add Server" auswählen und im folgenden Dialog IP-Adresse und Port beziehungsweise den Domainnamen eingeben. Mit "Done" werden Ihre Angaben übernommen, Sie gelangen zur Serverübersicht zurück. Nun selektieren Sie den "neuen" Server, wählen "Join" - und nach wenigen Augenblicken finden Sie sich in der Minecraft-Welt wieder.

  5. Screen sorgt für mehr Sicherheit

    Der Server läuft grundsätzlich im Terminalbetrieb. Falls Sie also aus Versehen das Fenster schließen, werden alle Prozesse, die gestartet wurden, beendet und somit auch der Gameserver. Das ist ärgerlich, wenn gerade Ihre Mitspieler mit dem Server verbunden sind. Es gibt aber ein kleines Tool, das Ihnen dabei hilft, derartige Missgeschicke zu vermeiden. Sie geben im Terminal

    sudo apt-get install screen

    ein und starten danach mit

    Screen -S Minecraft

    Eine neue Sitzung, die den Namen "Minecraft" trägt. Danach wechseln Sie in das Installationsverzeichnis und starten Ihren Server, worauf Sie mit Strg-A-D die Screensitzung wieder verlassen. Der Server läuft dennoch weiter, und Sie können die Konsole ganz normal zum Arbeiten nutzen. Mit dem Befehl

    screen -r

    Kommen Sie zu Ihrem Server zurück. Falls mehrere Sitzungen parallel laufen, so müssen Sie auswählen, welche Sitzung gemeint ist. Der Screen wird über Strg-D vollständig beendet.

  6. Beeinflussen Sie Schwierigkeit und Spiel

    Als Administrator ist es Ihnen möglich, das Spielerlebnis für "Ihre" Gamer direkt zu beeinflussen. Die grundlegenden Änderungen werden über die Datei "server.properties" vorgenommen. Zunächst suchen Sie den Parameter "gamemode". Die Standardeinstellung für den Überlebensmodus liegt bei 0, der Spieler sollte also Erfahrungen und Materialien sammeln, um damit etwas zu errichten. Allerdings wird er dabei immer wieder von Monstern ge- und zerstört. Falls Sie für "gamemode" den Wert 1 auswählen, dann wird Ihr Server im sogenannten Kreativmodus betrieben. Dieser Modus wird von unerfahrenen oder jüngeren Spielern bevorzugt, da sich alle benötigten Materialien bereits im Besitz des Users befinden. Für erfahrene Spieler gibt es dann noch den Wert "2", der den Abenteuermodus startet.

    Auch den Schwierigkeitsgrad können Sie - abhängig von der Erfahrung Ihrer Mitspieler - beeinflussen, und zwar über die Direktive "difficulty". 0 ist die "friedliche Welt", 3 bedeutet höchste Schwierigkeitsstufe. Über die Konsole können Sie auch kurzfristig den Spielverlauf beeinflussen, beispielsweise das Wetter. Dazu geben Sie "/weather" ein und wählen zwischen "clear", "rain" oder "thunder". Der zweite Wert gibt die Dauer des jeweiligen Wetterverhältnisses in Sekunden an.

    Gleichfalls ist es möglich, als Admin mit den am Server eingeloggten Spielern zu kommunizieren. Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn Sie den Server herunterfahren möchten. Über das Kommando "/say" senden Sie die Nachrichten an alle Spieler. Sie können aber auch nur mit einem Spieler Kontakt aufnehmen, indem Sie dafür "/tell" nutzen. Diesem Kommando müssen Sie den Namen des Spielers sowie Ihre Mitteilung übergeben. Der Befehl "/saveon" sichert automatisch die Spielstände und Welten, diesen Vorgang beenden Sie mit "/stop".

  7. Fehlerbehebung

    In Normalfall sollten Sie keine Probleme haben, wenn Sie sich an die Abfolge in unserem Artikel gehalten haben. Allerdings ist es auch eine Tatsache, dass sich die Rechnerkonfigurationen unterscheiden und es den Entwicklern nicht möglich ist, alle denkbaren Varianten durchzuspielen. Die meisten Probleme mit dem Server entstehen durch die Installation von Java sowie durch jene Funktionsaufrufe, die von dem Tool ausgelöst werden. Falls Sie also nach der Scriptausführung beim Start des Servers die Fehlermeldung sehen, dass die Einrichtung der virtuellen Maschine fehlgeschlagen ist, so können Sie es mit folgendem Kommando versuchen:

    java -jar spigot.jar

    Es kann aber auch sein, dass der definierte Speicher Ihres Systems schlichtweg überfordert ist. Diesen rufen Sie ja über "-Xmx 1024M -Xms 1024M" auf. Falls es also nicht klappen sollte, dann versuchen Sie es einfach mit einer älteren Java-Version.

    Gelegentlich tritt auch der Fehler "FAILED TO BIND TO PORT!" Auf. Das bedeutet, dass ein anderer Prozess denselben Port nutzt, auf den auch der Server zugreifen möchte. Verursacher ist zumeist der Minecraft-Server selbst, da dieser mitunter den Port nach dem letzten Herunterfahren nicht wieder freigegeben hat. In diesem Fall hilft nur ein vollständiges Herunterfahren und Neustarten des Systems.

    Sie können übrigens die Verbindungsversuche der Spieler in der Konsole live mitverfolgen, falls es dabei Probleme gebe sollte. Wenn Sie keine Anfrage sehen können, so wird diese offenbar nicht an den Server weitergeleitet. Sehen Sie den Hinweis, dass der Verbindungsaufbau zurückgewiesen wurde, so liegt dies am falschen Passwort. Alternativ dazu kann es sein, dass der Spieler von Ihnen noch nicht in die Whitelist eingetragen wurde. Die Portweiterleitung im Router muss aktiviert sein, damit sich alle Spieler mit dem Minecraft-Server verbinden können. Währen des Spiels kann noch ein weiteres Problem auftreten, Sie können Schwierigkeiten mit der zeitlichen Verzögerung, dem sogenannten "Timelag" haben. Dafür gibt es (leider) viele Ursachen, in den meisten Fällen liegt es aber an einem Leistungs- und Arbeitsspeichermangel. Falls es Ihre Hardware zulässt, sollten Sie daher die 64-Bit-Releases von Java sowie Linux verwenden. Allerdings können auch verschiedene Plugins den Timelag verursachen. Daher ist zu empfehlen, stets nur eine neue Erweiterung zu installieren. Danach sollte das System ausgiebig getestet werden, um herauszufinden, ob das Plugin Probleme verursacht oder nicht. Die Installation derartiger Erweiterungen ist übrigens sehr einfach und nur mit wenig Aufwand verbunden. Sie laden sich das ausgewählt Plugin herunter und verschieben die JAR- und weitere Dateien nach "Plugins" im Minecraft-Verzeichnis. Danach müssen Sie den Server neu starten.

  8. Serverzugriff über das Internet

    Sie können Ihren Minecraft-Server mit allen Geräten, die sich in Ihrem Heimnetzwerk befinden, erreichen. Falls Sie auch über das Internet zugreifen möchten, dann muss im Router das "Portforwarding" aktiviert werden. Dies erfolgt über die Benutzeroberfläche des Routers und ist somit vom Gerät abhängig. Bei der gängigen Fritzbox finden Sie diese Möglichkeit unter "Internet" - "Freigaben" - "Portfreigaben". Sie müssen festlegen, dass Anfragen, die an Port 25565 erfolgen, an die lokale Minecraft-Server-IP-Adresse weitergeleitet werden. Sie müssen bedenken, dass sich Ihre öffentliche IP-Adresse regelmäßig ändert. Das bedeutet, dass Sie zusätzlich eine Dyn-DNS-Adresse benötigen, über die Ihr Netzwerk von jedem Internetzugang weltweit erreicht werden kann. Verschiedene Routerhersteller stellen dafür einen eigenen Onlinedienst zur Verfügung, auch der kostenlose Anbieter www.noip.com ist eine gute Möglichkeit.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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