Die Entstehungsgeschichte der sozialen Netzwerke

Die Entstehungsgeschichte der sozialen Netzwerke
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Die Entstehungsgeschichte der sozialen Netzwerke

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Soziale Netzwerke gibt es nicht erst seit Facebook oder Myspace. Wir erklären, wie sich Menschen zu Beginn des Internets trafen und wie die sozialen Netzwerke entstanden.

1997 ging das erste soziale Netzwerk online. Sein Name: SixDegrees.com. Erst 2002 startete Friendster.com als zweites Netzwerk seine Dienste. Beide gelten heute als Vorläufer, ohne die MySpace oder Facebook nicht denkbar gewesen wären.

Doch schon vor diesen ersten beiden sozialen Netzwerken nutzten Menschen das Internet, um miteinander in Kontakt zu treten. Dieser Kontakt sah damals allerdings noch ganz anders aus, als man das heute von den sozialen Netzwerken kennt. So kam es vor, dass lediglich ein Computer von mehreren Personen zu unterschiedlichen Zeiten genutzt wurde, um miteinander zu kommunizieren. So konnte eine Person eine Nachricht auf einem Rechner hinterlegen, die später von einer anderen gelesen wurde.

Die sozialen Netzwerke haben eine sehr junge Geschichte, weswegen es sich lohnt, ihre Entwicklung und ihre Wurzeln genauer zu untersuchen. Hierbei stellt sich zunächst die Frage, wie man den Begriff "soziales Netzwerk" definiert. In diesem Text soll die Definition lauten: "ein Computerverbund mit verschiedenen Profilen und Nutzerkonten, über die die Anwender kommunizieren können." Dies ist eine sehr grundlegende Definitionen, die gerade in den letzten Jahren erweitert und verändert wurde. Heutzutage sind soziale Netzwerke deutlich umfassender und bieten ein größeres Anwendungsspektrum. Die von uns gewählte Definition hilft jedoch dabei, die grundlegende Funktionsweise auch älterer sozialer Netzwerke verstehen zu können.

Honk, Usenet & Co.: Das waren die ersten Sozialen Netzwerke

  1. Berkeley Community Memory

    Dieser 1972 entwickelte Dienst griff die Idee eines schwarzen Bretts auf. So hatten Anwender die Möglichkeit, eine Nachricht zu hinterlassen, die von anderen Nutzern gelesen werden konnte. Das Konzept wurde von Efrem Lipkin, Mark Szpakowski und Lee Felsenstein entwickelt. Nutzer hatten die Möglichkeit, sich in Kalifornien an einen Fernschreiber zu begeben. Hier hatten andere Nutzer bereits eine Nachricht hinterlassen. Die Anwender konnten diese dann lesen und wiederum eigenen Nachrichten verfassen. Thematisch ging es damals unter anderem darum, wo man in Berkley gut Bagels kaufen könnte oder welche Taxiunternehmen zu empfehlen wären. Als Technik wurden ferngesteuerte XDS-940 Time-Sharing Computer genutzt, die mit dem Fernschreiber verbunden und mit einer klassischen Software ausgerüstet waren.

  2. Platon IV

    Der Begriff Platon steht für "Programs Logic for Automated Teaching Operations". Der Dienst wurde in den 60er Jahren entwickelt, erhielt aber erst 1972 ein eigenes Nachrichten-Brett. Die Idee war es, Menschen die Möglichkeit zu bieten, über große Distanzen hinweg neue Dinge zu lernen. Über das Nachrichten-Brett war es möglich, miteinander in Kontakt zu treten und zu kommunizieren. 1973 kam ein eigener Multi-Nutzer-Chat hinzu. Somit kann Plato durchaus als Grundlage verstanden werden, auf die die heutigen computergestützten sozialen Netzwerke aufbauen.

  3. Honk

    1976 wurde an der Kansas Universität eine Art digitales schwarzes Brett ins Leben gerufen. Die Entwickler hießen John Borak und Alexander Barket und sie nannten ihr Projekt "Honk". Die Funktionsweise ähnelte der von Community Memory, sodass Nachrichten an einem bestimmten Rechner gelesen und hinterlassen werden konnten. Das Besondere hierbei war, dass die Nutzer sehr nah beieinander sein mussten, da der Dienst ausschließlich mit den Honeywell Computern an der Kansas Universität genutzt werden konnte.

  4. Computerized Bulletin Board System

    Ward Christensen und Randy Suess entwickelten 1978 ein erstes digitales schwarzes Brett, auf dem sich die Nutzer einwählen konnten. Somit hatten alle mit einem Computer oder einem Modem die Möglichkeit, auf das schwarze Brett zuzugreifen und es zu nutzen. Für das Schreiben und Lesen von Nachrichten wurden die klassischen Telefonleitungen genutzt.

    Da Computer und Modems damals noch nicht verbreitet waren, interessierten sich vor allem Computerfans für diesen Dienst. Entsprechend waren die Themen, die auf dem schwarzen Brett besprochen wurden, irgendwie mit der Welt der Computer verbunden. Grundsätzlich wurde das Projekt sehr gut angenommen. In den 1990er Jahren war der Dienst am beliebtesten, durch das Aufkommen des Internets verlor er jedoch an Relevanz.

  5. CompuServe Information Service

    Die ersten beiden Dienste, die über die Funktion des schwarzen Brettes hinaus gingen, waren "The Source" und "CompuServe Information Service". Sie boten den Anwendern ein breites Spektrum an Möglichkeiten, das vom Verfassen von Nachrichten über das Einkaufen bis hin zur Nutzung von Datenbanken und E-Mails reichte. Auch ein schwarzes Brett war selbstverständlich im Dienst enthalten.

    CompuServe entwickelte zudem den CB Simulator, der 1980 das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Hierbei handelt es sich um den ersten landesweit verfügbaren Online-Chat. Die Funktionsweise ähnelte dem Internet Relay Chat, der allerdings erst 1988 veröffentlicht wurde. CompuServe überlebte deutlich länger als The Source und wurde später von AOL geschluckt. Mittlerweile ist CompuServ zu einem einfachen Internetanbieter geworden und die ursprünglichen Dienstleistungen spielen kaum noch eine Rolle.

  6. Usenet

    Usenet brachte 1980 etwas Ordnung in die Kommunikation der Anwender. Es handelt sich hierbei nämlich um das erste System, bei dem die veröffentlichen Nachrichten bestimmten Themengruppen zugeordnet wurden. Usenet wurde von Tom Truscott und Jim Ellis entwickelt und über ARPANET an verschiedene Rechner weitergegeben. Grundsätzlich war es unmöglich, über alle erdenklichen Themen zu sprechen. Entsprechend gab es Gruppen zu Filmen, Drogen, Religion, Sex oder Politik. Der Dienst wurde sehr gut angenommen und wuchs schnell. In den 90er Jahren gehörte er zu den beliebtesten Nachrichten-Systemen überhaupt. Das sogenannte Usenet steht auch heute noch zur Verfügung, ist durch die Dominanz des WWW jedoch zu einem Spartendienst degradiert worden.

  7. American People/Link

    Auch bei American People/Link gab es eine Vielzahl an Dienstleistungen, die von E-Mail Services bis hin zu Livechats reichten. Somit kann der Dienst am ehesten mit dem Einwahlnetzwerk BBS verglichen werden. In einer Werbekampagne von 1985 wurde damit geworben, dass American People/Link einen Online-Dating-Service bieten würde. Was heute zur Normalität gehört, war damals eine revolutionäre Idee. Der Dienst hatte am Ende der 1980 er Jahre mit 5.000 Mitgliedern seine Blütezeit. 1991 wurde er endgültig eingestellt.

  8. Quantum Link

    Der Erfolg von AOL ist auf Start Quantum Link (Q-Link) zurückzuführen. Dieser Einwahl-Online-Dienst war 1985 für den Commodore 64 entwickelt worden. Die verfügbaren Dienstleistungen entsprachen denen von CompuServe. Nutzer konnten Nachrichten verfassen und lesen, einkaufen, Dateien herunterladen oder miteinander in einem Chat kommunizieren. Außerdem gab es eine Art Multiplayer-Spielemodus. Zudem wurde unter Quantum Link das sogenannte "Habitat" ins Leben gerufen und ausprobiert. Hierbei handelte es sich um ein Experiment mit virtuellen Onlinewelten. 1991 bekam Quantum Link einen neuen Namen und hieß "America Online". Die Serviceleistungen für den Commodore 64 wurden 1995 endgültig eingestellt.

  9. Prodigy

    Der heute unter dem Namen Prodigy bekannte Dienst wurde zu Beginn der 1980er Jahre als "Trintex" veröffentlicht. Er kann als eine Art Vorstufe von Bildschirmtext-Diensten gesehen werden. Das einwählbare Informationssystem setzte Vektorgrafiken ein, um auf dem Bildschirm verschiedene Präsentationen darzustellen. Die Idee des Services bestand darin, erstmals Dienstleistungen für Nutzer von IBM-PCs bereitzustellen. Im Unterschied dazu nutzten Konkurrenten wie CompuServe lediglich eine Kommandozeilen Benutzeroberfläche, die einer grafischen Benutzeroberfläche unterlegen war.

    Die von Prodigy angebotenen Dienstleistungen entsprachen in vielen Bereichen denen von AOL und CompuServe. Somit war es auch hier möglich, einzukaufen, E-Mails zu schreiben und zu chatten. Außerdem konnten unter Prodigy Spiele gespielt werden. Besonders MadMaze war sehr beliebt. 1996 wandelte sich Prodigy zu einem Internetanbieter um und seit 1999 gibt es den Dienst nicht mehr.

​Die hier genannten Services waren Vorläufer der heutigen sozialen Netzwerke, die durch deren Einführung jedoch obsolet wurden. Das betrifft allerdings nur die Art der Nutzung. Denn der Erfolg von Facebook und Co. zeigt deutlich, dass auch heute noch ein reges Interesse daran besteht, sich über das Internet auszutauschen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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