So erkennen Sie Fake-Bewertungen bei Amazon

So erkennen Sie Fake-Bewertungen bei Amazon & Co.
Echt oder gefälscht? Mit diesen 12 Tipps können Sie jede Fake-Bewertung beim Online-Shopping entlarven.
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So erkennen Sie Fake-Bewertungen bei Amazon & Co.

Echt oder gefälscht? Mit diesen 12 Tipps können Sie jede Fake-Bewertung beim Online-Shopping entlarven.

© imago/STPP
06.11.2017 - 00:00 Uhr

Wir verlassen uns gern auf sie, aber allzu oft sind die Online-Bewertungen von Produkten gefälscht. Mit diesen 12 Tipps können Sie ab sofort jeden Fake entlarven.

Andere um Rat zu fragen, tut Entscheidungen an sich gut. Der Impuls vor dem Online-Kauf erst einmal die Rezensionen früherer Käufer zu lesen, liegt also nahe. Wie gut ist die Auflösung des Fernsehers? Ist die Fleecejacke flauschig und sieht sie nach zehn Wäschen noch gut aus? Ist das Fahrrad gut verarbeitet? Und löst die Kompaktkamera schnell genug aus? Fragen über Fragen, die sich oft schon mit den Kundenbewertungen zum Produkt schnell beantworten lassen.

Mit diesen Tipps erkennen Sie Fake-Bewertungen bei Amazon & Co.:

  1. Schauen Sie auf die Textlänge

    Wenn jemand gleich einen halben Roman schreibt, sollten Sie misstrauisch werden. Echte Kunden haben wenig Lust, großen Zeitaufwand zu betreiben, wenn Sie eine Produkt-Bewertung abgeben. Sie fassen sich eher kurz und bringen die Sache auch gern mal in Stichworten schnell auf den Punkt. 

  2. Scannen Sie den Bewerter

    Wenn Sie z.B. nach einem Kinderfahrrad suchen und im Profil des Rezensenten sehen, dass er im gleichen Jahr schon fünf andere Räder bewertet hat, ist das zumindest merkwürdig. Manche echten Käufer sind zwar als Bewerter ziemlich aktiv, aber sie bewerten auch querbeet alles mögliche vom Laufschuh und Kochtopf bis zum Staubsauger. Eben, weil sie die Sachen tatsächlich für den eigenen Gebrauch kaufen. Fälscher hingegen bewerten gern immer wieder die dieselben Produkte.
  3. Lassen Sie die App ran

    Wozu lange selbst recherchieren, wenn man sich technische Hilfe holen kann? Die Web-App ReviewMeta checkt die Bewertungen von Amazon-Produkten auf ihre Echtheit. Sie sucht dabei nach auffälligen Merkmalen und schaut z.B. wie oft und regelmäßig ein User Produkte bewertet und wie seine Durchschnittsnote ausfällt. Auffällige Rezensionen, die für eine Fälschung sprechen, bewirken, dass die App die Gesamtbewertung korrigiert. Da kann ein 5-Sterne-Produkt mitunter schnell abstürzen. Und so geht's: Einfach Link zum Amazon-Produkt bei ReviewMeta eingeben, schon bekommen Sie eine Detail-Analyse der Glaubwürdigkeit.
  4. Vertrauen Sie Käufern

    Die Regel ist simpel, aber gut: Wer kauft, ist vermutlich echt. Achten Sie deshalb auf den Hinweis "Verifizierter Kauf" neben der Bewertung. Hier können Sie sicher sein, dass der User das Produkt auch erworben hat. Und wer gibt schon Geld aus, um gefälschte Bewertungen zu schreiben?
  5. Meiden Sie Schnell-Schießer

    Ein neues Produkt wird noch am Tag seiner Markteinführung sofort umfassend bewertet? Sehr verdächtig. Fake-Rezensionen sollen vor allem zu Beginn den Verkauf pushen. Ist ein Smartphone oder Fernseher also schon länger auf dem Markt und bekommt dann 5 Sterne, ist das Risiko einer Fälschung eher gering.
  6. Suchen Sie nach Masse

    Auch wenn Ihnen der Camcorder noch so gut gefällt – sollte er nur drei Bewertungen haben, ist er leider ein Risiko-Kandidat. Hier fällt bereits ein einziges manipuliertes 5-Sterne-Fazit ins Gewicht. Hat  der Artikel dagegen 180 Rezensionen bekommen, können Sie sich auf das Urteil der User sehr wahrscheinlich verlassen. Bei Artikeln, die viele Noten bekommen haben, haben Fälscher nämlich schlechte Karten. 
  7. Achten Sie auf die Rechtschreibung

    Man könnte vorschnell meinen, Produktbewertungen mit Fehlern in Grammatik oder Orthographie wirken lebensechter. Doch genau auf diese Strategie setzen Agenturen. Deshalb gilt: Ein paar Flüchtigkeitsfehler machen wir alle, wenn Sie jedoch viele auffallende Schreibfehler entdecken, ist das ein Alarmsignal.
  8. Schalten Sie bei Werbung

    Es ist eine Sache, ein Produkt positiv zu bewerten. Aber wenn sich der Text liest, als sei er einem Werbeprospekt entnommen, ist in der Regel etwas faul. Gerade auf Reiseportalen ist dieses Phänomen verbreitet. Echte Kunden sprechen z.B. selten von einem „unvergleichlich traumhaften Aufenthalt, der alle Sinne berauscht.“ Stutzig werden sollten Sie auch, wenn jemand euphorisch schreibt, aber dabei schwammig bleibt bzw. wenig konkrete Details nennt. Grundsätzlich sind besonders blumige Kommentare meistens ein Fake. Das bestätigt auch eine Studie der Cornell University im US-Bundesstaat New York. Demnach tummeln sich in falschen Bewertungen außerdem viele Verben und der Produktname fällt häufig.
  9. Pfeifen Sie auf beschenkte Kunden

    Nicht nur gekaufte Bewertungen sind ein Problem. Sondern auch die sogenannten Incentive-Rezensionen, so heißen die Urteile von Produkttestern. Das Problem: Diese Tester bekommen Produkte geschenkt und gehören außerdem z.B. bei Amazon zum Vine-Club.  Wer oft wertvolle Geschenke bekommt und deshalb den Druck verspürt, den Club nicht verärgern zu wollen, urteilt natürlich schnell nicht mehr objektiv. Deshalb Vorsicht. Bei Amazon erkennen Sie einen solchen Produkttester an dem Vermerk "Kundenmeinung".
  10. Fragen Sie Google

    Wenn Ihnen Formulierungen in der Bewertung seltsam oder standardisiert vorkommen, geben Sie diese doch mal bei Google ein. Es passiert immer wieder, dass die Phrasen Ihnen dann wortgleich bei anderen Produkten begegnen. In dem Fall wissen Sie, dass die Meinung gekauft wurde.
  11. Tappen Sie nicht in die Enkel-Falle

    Wenn der User sich im Kommentar zur Mikrowelle nicht auf die Fakten beschränkt, sondern noch eine hübsche Geschichte darüber erzählt, dass selbst sein 5-jähriger Enkel damit neulich kinderleicht das Mittagessen aufwärmen konnte, ist das eine Spur zu authentisch. Fälscher erzählen gern von Enkelkindern, Ehefrauen und Ehemännern (gern auch noch, indem sie exakt die Begriffe verwenden). Das soll lebensecht wirken und Nähe herstellen, aber echte Nutzer plaudern nicht so viel aus dem Familien-Nähkästchen, sondern bleiben bei den Fakten.
  12. Lesen Sie querbeet

    Egal, ob es um ein Hotelzimmer an der Algarve oder einen neuen Kopfhörer geht: Am besten gewinnen Sie vor der Buchung oder dem Kauf ein gutes Gesamtbild, wenn Sie querbeet lesen. Das heißt: Nicht nur die Top-Kommentare, sondern auch bewusst die Durchschnittsbewertungen und ein paar der ganz schlechten. Ergänzen Sie das, indem Sie sich nur auf den Portalen selbst umschauen. Gerade zu Elektronikartikeln gibt es oft unabhängige Tests. Auch Händler bei Ebay oder Amazon lassen sich am besten überprüfen, indem man mehrere Bewertungsplattformen überprüft. Das bedeutet zwar mehr Aufwand, aber je mehr Sie selbst recherchieren, desto eher fallen Ihnen unseriöse User-Urteile auf.

Weniger hilfreich ist, dass bei Online-Versandportalen wie Amazon, Zalando oder Ebay nicht hinter jeder Meinung ein echter Kunde steht. Vor allem bei bei Hotelbewertungen auf Seiten wie Holidaycheck oder Tripadvisor mischen sich unter die authentischen Rezensionen leicht Fakes. Auch Anbieter für Preisvergleiche wie Ciao oder Restaurantbewertungen wie Yelp sind vor Manipulationen nicht sicher.

Wessen Meinung können Sie beim Online-Kauf noch trauen?

Der Hintergrund ist logisch: Positive Reviews erhöhen den Marktwert, oft sogar die Platzierung auf der Seite, also trickst man und bezahlt für lobende Kommentare. Oder mitunter mal für schlechte, um die Konkurrenz abzuhängen. Ganze Agenturen haben die Fake-Bewertung mittlerweile als ertragreichen Geschäftszweig entdeckt.

Bleibt die Frage, wie der Kunde damit umgeht, wenn er die nächste Wochenendreise buchen oder einen neuen Staubsauger bestellen will. Umfragen haben ergeben, dass in Deutschland immerhin zwei Drittel der Befragten die Meinung anderer Kunden beim Online-Kauf sehr wichtig ist. Gleichzeitig ist Schätzungen zufolge jede dritte Rezension gefälscht. Wem glaubt man da also noch? Im Zweifel muss man lernen, erfundene Bewertungen zu entlarven. Die gute Nachricht: Wenn Sie dabei unsere Tipps verinnerlichen, ist es gar nicht so schwer, sich selbst eine garantiert echte Meinung zu bilden.

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