Wirksamer Schutz gegen Telefonbetrug

Das Telefon ist ein sehr altes Medium - trotzdem nutzen auch heute findige Betrüger mögliche Ansatzpunkte, um Menschen um ihr Geld zu bringen.
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Das Telefon ist ein sehr altes Medium - trotzdem nutzen auch heute findige Betrüger mögliche Ansatzpunkte, um Menschen um ihr Geld zu bringen.

© Alexas_Fotos (CC0-Lizenz) / pixabay.com
14.01.2019 - 10:00 Uhr

Ein Telefonanruf sollte etwas Schönes sein. Der Anruf eines entfernt wohnenden Familienmitglieds, der Anruf eines guten Freundes. Im schlimmsten Fall sollte sich einfach nur nervige Werbung hinter dem Klingeln verbergen. Leider ist dem nicht so, denn Betrüger haben längst das Telefon für sich entdeckt. Mit der Folge: Nicht nur Senioren fallen auf die teils schwer zu erkennenden Tricks hinein, viele Menschen machen nicht einmal etwas »falsch«, wenn sie den Hörer abnehmen. Dennoch verlieren sie Geld, finden sich in Verträgen wieder und geraten in ernste Schwierigkeiten. Die fiesen Betrugsmaschen und wie Sie sich davor schützen können.

Ping Calls

Dies ist eine fiese Masche, denn wie reagieren die meisten, wenn sie einen verpassten Anruf auf dem Handy oder auf dem Festnetztelefon entdecken? Genau, automatisch wird zurückgerufen, da sich hinter der – auch unbekannten – Nummer ein wichtiger Anrufer verstecken könnte. Mit ein wenig Pech kommt dieser Anruf auch noch zu der Zeit, in der das Kind im Auslandsurlaub ist. Bei einem Unfall würde man doch benachrichtigt werden? Ping Calls setzen auf dieses Verantwortungsbewusstsein und rechnen damit, dass der Angerufene zurückruft. Das Problem: Der Anrufer sitzt tatsächlich im Ausland und der Anruf wird teuer:

  • Calls – die Anrufe sind gezielt so ausgelegt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Angerufene abnehmen kann, gering ist. Das Ziel ist also ein verpasster Anruf.
  • Rückruf – wer nun zurückruft, ist schon längst in der Falle. Da der Anrufer im Ausland sitzt und zusätzlich eine Servicenummer verwendet, erhält er pro Minute mehrere Euro, die gleich in die Tasche des Betrügers gehen.

Und was können Betroffene machen, wenn sie eine unbekannte Nummer sehen? Einige Hinweise:

  • Vorwahl – sobald die Nummer eine Landeskennung vorab hat, gilt immer: Vorsicht.
  • Checken – am besten wird die Nummer notiert und einfach mal in eine gängige Suchmaschine eingegeben. Selbst, wenn sie nicht bis ins Detail von Google erkannt wird, gibt es Hinweise auf das Land, aus dem der Anruf stammt. Und wenn das die Türkei, Tunesien oder afrikanische Länder sind und man dort nicht zufällig jemanden und dessen Nummer kennt, heißt es: Nie zurückrufen. Aber auch inländische Nummern können Probleme bereiten. Hier ist es sinnvoll, sich eine Auskunft über den jeweiligen Anrufer zu verschaffen, um vor Betrügern sicher zu sein.
  • Melden – Ping Calls sollten der Polizei gemeldet werden. Gleichfalls ist es möglich, sie den Ergebnisseiten der Suchmaschinen zu melden, sodass sie fortan für andere Menschen in der Warnung auftauchen.

Sollte wirklich der Fall eintreffen, dass zufälligerweise das eigene Kind gerade in einem der Länder im Urlaub ist, empfiehlt es sich, schnell eine SMS oder WhatsApp an das Kind zu schicken. Damit lässt sich auch das eigene Gewissen beruhigen.

Betrügerische Angebote am Telefon

Jemanden ohne Freigabe am Telefon mit Werbung zu belästigen, ist verboten, dennoch unternehmen Betrüger gerne diesen Weg. Das Problem ist, dass es sich bei den Angeboten nicht um überteuerte Matratzen wie bei Kaffeefahrten handelt, sondern um echte Betrugsfälle oder gar langfristige Verträge:

  • Versorgung – am Telefon wird ein unglaublich guter Strom- oder Gasvertrag angeboten.
  • Mobilfunk/Festnetz – auch hier gilt, dass der Vertrag unglaublich gut klingt.
  • Reisen – manche Betrüger locken auch mit Reisen.
  • Versicherungen – wieder gilt: Die Angebote sind verlockend.

Die Sache ist natürlich, dass es diese Verträge oder Angebote nicht gibt. Was die Betrüger während des Anrufs erhalten wollen, sind persönliche Daten. Name, Kontaktadresse, aber auch Kontonummern. Um sich zu schützen, sollten Betroffene wie folgt vorgehen:

  • Ablehnen – ganz klar »nein« sagen. Wer geschickt ist, merkt sich den angeblichen Namen der Firma oder des Anrufers.
  • Keine Daten – es dürfen keine Daten rausgegeben werden, egal, wie sehr der Anrufer darauf drängt.
  • Kein »Ja« – während des Anrufs darf niemals »Ja« gesagt oder zugestimmt werden. Auch nicht auf die Frage, ob es einem gut ginge oder ob die eigenen Versicherungen teuer sind.

Der beste Schutz ist jedoch, gleich aufzulegen, wenn ein solcher Anruf kommt. Ein wenig komplizierter ist es, wenn der Enkeltrick zum Tragen kommt:

  • Masche – die Betrüger rufen an und geben sich auf gut Glück als Enkel, Enkelin oder auch Freund aus. Sie warten darauf, dass der Angerufene den Namen der jeweiligen Person sagt, sodass sie sich fortan so ausgeben können.
  • Ziel – der Enkeltrick zielt immer auf Geld ab. Zumeist ist ein Angehöriger in einer finanziellen Notlage und braucht Geld, welches beim Angerufenen von einem Freund abgeholt werden soll.

Bei diesen Anrufen gilt: Auflegen, wenn möglich, die Nummer notieren und den Anruf der Polizei melden.

Der Ja-Trick

Diese Betrugsmasche ist unglaublich perfide, wie jeder an sich selbst testen kann. Wie schnell rutscht einem ein »Ja« auf eine Frage heraus? Und genau das benötigen die Betrüger, alles andere ist ihnen egal:

  • Die Masche – die Betrüger rufen an und locken dem Angerufenen mit Fragen ein »Ja« ab.
  • Vertrag – diese Antwort reicht nun schon aus, um die angebliche Zustimmung des Opfers anzunehmen und ihn in einem Vertrag festzusetzen.

Was kann jeder für sich tun, um nicht auf diesen Trick hereinzufallen? Wichtig ist schon, wie das Telefon abgenommen wird. Schon da sollte niemals ein »Ja« kommen. Und sobald der Anrufer sein »Angebot« vorträgt, gilt, dass ein »Kein Interesse« und das Auflegen der beste Weg ist.

Weitere Tipps

Bei unbekannten Rufnummern oder unterdrückten Nummern sollte nach Möglichkeit gar nicht abgenommen werden. Beim Festnetz empfiehlt es sich, den Anrufbeantworter auf Sofortannahme zu stellen, beim Handy die Mailbox zu aktivieren. Im Freundes- und Familienkreis sollte freilich darauf hingewiesen werden, dass ein Nummernwechsel möglichst rasch mitgeteilt wird, damit keine Freunde auf die vermeintliche Betrugsliste kommen. Zudem:

  • Telefonbuch – viele Betrüger suchen im Telefonbuch gezielt nach älteren Namen. Senioren sollten sich daher höchstens mit einem abgekürzten Vornamen eintragen lassen – oder den Eintrag vollständig löschen.
  • Sperrung – die meisten Telefongesellschaften erlauben es, Nummern zu sperren. So können Senioren Auslandsnummern beispielsweise vollständig sperren lassen.

Gerade bei Senioren ist es jedoch wichtig, dass sie sich niemals vom Anrufer unter Druck setzen lassen. Wird der unverschämt oder drängt auf eine Antwort, muss immer aufgelegt werden. Die Betrüger zielen darauf ab, den Anrufer unter Stress zu setzen, um ihr Ziel zu erreichen.

Fazit - aufpassen und auflegen

Unbekannte Rufnummern sollten grundsätzlich nicht ohne eine Onlineprüfung zurückgerufen werden, gerade, wenn kein Anruf erwartet wird und die Nummer scheinbar aus einem anderen Land kommt. In allen anderen Fällen von Telefonbetrug gilt: Auflegen ist die beste Option. Wer auflegt, kann nichts Falsches sagen und erspart sich Ärger.

Quelle: freenet.de
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