Virtuelle Reisen mit dem Smartphone durchführen

Virtuelle Realitäten: Reisefieber mit dem Smartphone
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Virtuelle Realitäten: Reisefieber mit dem Smartphone

© da-kuk / Getty Images

Reisebeschränkungen werden uns noch ein Weilchen begleiten. Zieht es Sie trotzdem in die Ferne, sollten Sie sich nach Augmented- und Virtual-Reality-Lösungen umschauen.

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Die Pandemie hat alles verändert

Reisen finden derzeit nur in sehr eingeschränktem Rahmen statt. Außerdem ist noch immer zu bedenken, dass auf Fernreisen eine Zeit der Quarantäne folgt - und wer möchte sich das schon freiwillig antun? Dazu sind viele kulturelle Angebote nicht verfügbar, Museen sind geschlossen, Konzerte finden nicht statt. Selbst, wenn Reisen unter diesen Umständen möglich sind, machen sie doch keinen Spaß und von echter Entspannung kann keine Rede sein. Moderne Technik macht es möglich, sich trotzdem für einen Augenblick dem Alltagstrott zu entziehen.

Google Arts & Culture ist eine App, die dafür wie geschaffen ist. In dieser Anwendung hat Google insgesamt 2.000 Museen untergebracht, ungefähr 100.000 Kunstwerke sind dort mit den Fingern erreichbar. Weitere 10.000 Sehenswürdigkeiten aus aller Welt sind ebenfalls Teil des Programms. Weiterhin bekommen Sie Zugriff auf Webcams, die überall auf der Welt im Einsatz sind und können beispielsweise virtuelle Stadtführungen mitmachen. Interessieren Sie sich für Kunst und Kultur, Länder und Sitten, sind Sie bei dieser App gut aufgehoben. Wir stellen sie Ihnen etwas genauer vor.

So funktioniert Google Arts & Culture

Dieses Angebot von Google existiert schon seit ungefähr zehn Jahren und wird seitdem stetig mit neuen Inhalten gefüttert. Wirklich in den Schlagzeilen war die Anwendung nie, weshalb sie auch keinen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Im Zuge der Pandemie hat sich dies jedoch geändert, denn virtuelle Welten waren plötzlich die einzige Alternative zum Leben zu Hause. Menschen können mit der App um die Welt reisen, Kunstwerke anschauen, Museen bewandern und mehr. Ungefähr zehn Millionen Downloads zählt Google Arts & Culture aktuell.

Wer die App das erste Mal startet, wird sofort einige ausgewählte, stetig wechselnde und interaktive Erlebnisse präsentiert bekommen. Im Januar 2021 beispielsweise durften Sie sich den Spiegelsaal von Versailles ansehen, sich an diversen Puzzles versuchen oder ein eigenes Lied komponieren. Erst, wenn Sie weiter nach unten schauen, sehen Sie einige zentrale Bereiche der App.

Diese sind in vier Kategorien eingeteilt: Künstlerisch wertvolle Spiele, bekannte Orte auf der Welt, Museen und dort stattfindende Ausstellungen sowie Künstler und Kunstwerke. Auf irgendeine Weise können Sie sich also einem bestimmten Künstler nähern, aber Sie selbst entscheiden, wie dies stattfinden soll - über die Epoche, den Ort oder direkt den Namen? Wenn Sie von diesen Möglichkeiten nicht Gebrauch machen möchten, können Sie im Menü auch sofort auf Kunstwerke, Themen oder Experimente zugreifen. Dann ähnelt Google Arts & Culture eher einer ausgefeilten Suchmaschine.

Übrigens: Ein modernes, leistungsfähiges Smartphone ist für die Verwendung nicht notwendig. Auch ältere Geräte kommen mit dem Funktionsumfang der App gut zurecht. Einschränkungen werden Sie höchstens im Bereich der Ladezeiten bemerken.

Welches Museum darf es sein?

In der App sind, wie bereits erwähnt, unzählige Museen vertreten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Leistungen jedoch eklatant. Manchmal finden Sie nur eine sehr kleine Auswahl von Ausstellungsobjekten vor, die dann anhand von kleinen, recht liebevoll gestalteten Geschichten zusammengefasst werden. Eine gute Idee, um sich dies in der Praxis anzuschauen, ist das Rijksmuseum in Amsterdam.

Dort haben die Macher der App die genannten Geschichten sehr gut umgesetzt. Sie erfahren viele Hintergrundinfos zu Gemälden, der Entstehungsgeschichte und sogar den Objekten, die auf dem Bild zu sehen sind. Indem Sie einfach scrollen, werden verschiedene Bereiche des Gemäldes in den Vordergrund gerückt, wo dann auch die besagten Informationen auftauchen. Viele der Erklärungen sind nur in Englisch verfügbar, mit dem ebenfalls integrierten Google Translator können Sie sie jedoch in beliebige andere Sprachen ändern lassen.

Außerdem finden Sie in diesem Museum noch einige Sammlungen: Dahinter sind die ausgestellten Objekte in unterschiedlichen Kriterien gefiltert. Beispielsweise sortieren Sie den Inhalt des Museums nach ihren Künstlern, den Entstehungsorten oder den verwendeten Techniken der Malerei. Wählen Sie ein Objekt aus, das Ihnen besonders gut gefällt, erfahren Sie Diverses zu Künstler und Werk. Weiterhin bietet Google Arts & Culture dort Verlinkungen zu Kunstwerken, die ähnlich sind und eine Schlagwortwolke, die der Orientierung dient.

Nach kurzer Zeit "weiß" die App schließlich, was Ihnen ungefähr gefällt und liefert Ihnen passende Bilder und andere Objekte aus. Daran können Sie sich orientieren oder selbst auf eigene Faust weitersuchen.

Umfassendes Material beim Museumsrundgang

Damit nicht genug: Dieses Museum zählt auf der Startseite alle Objekte auf, die dort ausgestellt und per App erreichbar sind. Die vielen verschiedenen Kunstwerke und Bilder sortieren Sie beispielsweise nach Zeitabschnitten und sogar nach Farbtönen. Möchten Sie nur dunkelblaue Gemälde sehen, bietet Ihnen die App die Möglichkeit dazu. In der Welt der Kunst ist dieser Ansatz zwar eher ungewöhnlich, aber die App macht es möglich.

Abschließend dürfen Sie das Museum auch noch selbst ein wenig erkunden. Bewegen Sie sich beispielsweise durch Google Street View direkt im Museum und betrachten Sie die Kunstwerke, die Sie interessieren, aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Tippen Sie darauf, erscheinen manchmal weitere Informationen zu den Bildern oder Gegenständen, die Sie gerade unter die Lupe nehmen. Dies funktioniert aber leider nicht bei wirklich jedem Objekt, das Sie betrachten dürfen.

Beschränken auf das genannte Rijksmuseum müssen Sie sich übrigens nicht. Viele weitere interessante Museen von Weltrang haben es in die Anwendung geschafft. Gute Anlaufstellen für Anfänger sind beispielsweise das Deutsche Museum, zu finden in München, oder das British Museum in London. Beide bieten eine ähnliche Inhaltsvielfalt wie das Rijksmuseum und Sie können sie auch von innen frei begehen. Auch der Blick über den europäischen Tellerrand, etwa nach Südamerika oder Asien, ist sehr lohnenswert.

Auch diese Tools bringen die Welt nach Hause:

  1. App-lose Reise in andere Städte

    Haben Sie keine Lust auf eine App auf dem Smartphone, empfehlen wir Ihnen die Webseite 360 Cities. Dort dürfen Sie kostenlos in andere Städte reisen und sich vor Ort ein wenig umschauen. Möchten Sie sich Italien anschauen, wandern Sie beispielsweise durch das Kolosseum oder paddeln durch die Kanäle von Venedig. Eine Suchfunktion hilft Ihnen dabei, sich auf der Erde zurechtzufinden und Ihre Ziele schnell zu erreichen. Viele, aber nicht alle Angebote sind auch VR-kompatibel. Sie dürfen Sie also mit einer geeigneten Brille bereisen, wenn das Smartphone die notwendige Leistung mitbringt.

    Ebenfalls einen Test wert sind die 360°-Aufnahmen: Damit können Sie etwa ein Korallenriff besuchen und unter Wasser selbstständig die Kamera in jede beliebige Richtung wenden. Um diese Features zu finden, gehen Sie zuerst auf "Erkunden" und dann auf den Punkt "360° Video Gallery".

  2. Vom Sofa aus mit dem Schiff verreisen

    Die deutsche Webseite Wegträumen lädt Sie dazu ein, mit dem Schiff auf Erkundungsfahrt zu gehen: Viele unterschiedliche Routen mit zahlreichen Bildern und Videos warten dort darauf, von Ihnen bereist zu werden. Die Berichte und Bilder sind normalerweise in privater Kapazität aufgenommen, was viel Authentizität schafft. Manchmal schauen Sie auch einfach nur zu, wie jemand am Strand einen Cocktail schlürft. Das mag banal erscheinen, lädt aber auch zum Entspannen ein.

    Weiterhin dürfen Sie viele berühmte Kreuzfahrten mitmachen und wählen dafür eigene Routen und Zielhäfen aus. Durch die Weltkarte plus Suchfunktion sehen Sie sich um und fahren in Länder und an Orte, die Sie sonst nie zu Gesicht bekommen würden. Kompatibel ist das Angebot sowohl mit dem PC als auch mit Smartphones. Eine mobile Webseite stellt sicher, dass Sie auch auf Geräten wie einem Tablet verreisen können.

  3. Live-Webcams laden zu Ausflügen ein

    Live-Bilder existieren schon seit langer Zeit und werden auch im Fernsehen regelmäßig ausgestrahlt. Viele Menschen nutzen dies zweckgebunden: Liegt am Hang in Obertauern heute genug Schnee? Dann los und ab auf die Piste.

    Das Internet macht es möglich, Live-Webcams auf eigene Faust zu erkunden. Beispielsweise sehen Sie sich an, was die Koalas in einem Park in Australien gerade so treiben oder ob das Dorf des Weihnachtsmannes, hoch im nördlichen Lappland, auch schön von Schnee bedeckt ist. Interessante Orte finden Sie überall und manchmal können Sie sich auch über einen längeren Zeitraum in den virtuellen Ansichten verlieren.

    Eine gute, erste Anlaufstelle könnte das Lone Pine Koala Sanctuary sein: Dieser Park, der nur für Koalas geschaffen wurde, liegt in Brisbane. Verletzte Tiere werden hier gepflegt und verwaiste Tiere werden auf 200.000 Quadratmetern großgezogen. Möchten Sie selbst einen Blick auf die Geschehnisse werfen, können Sie dies über die Webcam des Parks versuchen. 24 Stunden täglich finden Sie dort passendes Bildmaterial.

    Einen virtuellen Ausflug wert sind auch die Polarlichter, die Sie in Lappland begutachten können. Auf YouTube existiert dafür ein Livestream, wo ab ungefähr 21:00 Uhr und bis Mitternacht die Chancen recht gut stehen, Polarlichter zu bestaunen. Sind Sie ohnehin schon in der Gegend, können Sie sich auch das Dorf von Santa Claus ansehen. Dort, im offiziellen Dorf des Weihnachtsmannes, ist es meistens recht ruhig, aber zur Weihnachtszeit ist selbst dort viel los.

  4. Ab in den Weltraum

    Wenn es ein Ort sein darf, den nur sehr wenige Menschen jemals zu Gesicht bekommen, lohnt sich ein Blick auf die Live-Webcam der ISS. Sie sehen dort die Raumstation selbst und können auch einen Teil der Kommunikation zwischen NASA und ISS mitverfolgen. Am besten starten Sie dafür über die Webseite der NASA. Alternativ entscheiden Sie sich für YouTube oder über UStream.

    Wie Sie sehen, sind die Angebote so vielfältig, dass wir sie unmöglich in einem recht kurzen Artikel allesamt auflisten können. Wir raten Ihnen daher dazu, sich einfach selbst auf die Suche zu machen. YouTube ist dafür ein guter Startpunkt: Filtern Sie die Videos bei der Suche nach dem Kriterium "Live". Dann werden alle statischen Videos ausgeblendet, es bleiben Livestreams in der Ergebnisliste. Hier können Sie auch die Qualität anpassen - beispielsweise, wenn Sie nur 1080p-Streams genießen möchten. Nach dieser Suche werden Sie auch ohne Suchwörter beispielsweise die Küste von Maine im Überblick haben oder auch das treffend benannte Skigebiet St. Corona einsehen.t?

Virtual Reality heute: Stand der aktuellen Möglichkeiten

Das Thema der Virtual Reality ist noch immer nicht ganz im Mainstream angekommen, was auch an den sehr hohen Preisen für die Hardware liegt. Die deutlich günstigeren Varianten ähneln eher dem Projekt Cardboard von Google: Diese VR-Brille besteht aus Pappe, in die das eigene Smartphone eingelegt wird. Viele Firmen sprangen damals, als Google das Projekt startete, auf den Zug auf und vertrieben anschließend Brillen dieser Art zu Preisen um zehn Euro.

Außerdem hat Google in dieser Zeit das Cardboard SDK zur Verfügung gestellt. Das Software Development Kit bietet die notwendige Basis, um Anwendungen für virtuelle Realitäten zu schreiben. Bei Interesse können Sie sich die Software und auch eine Anleitung für den Bau einer Papp-Brille herunterladen. Trotz seines Alters - 2014 kam die Technik auf den Markt - wird die Software noch immer gut gepflegt.

Mehr Komfort durch Technikfortschritt

Die moderne Technik macht es möglich und bietet Ihnen die Chance, für etwas mehr Geld auch deutlich mehr Komfort zu bekommen. Zwischen 30 und 40 Euro kosten moderne VR-Brillen, die zum Beispiel integrierte Lautsprecher und eine Fernsteuerung mitbringen. Das ist schon ein ganz anderes Kaliber als eine Brille aus Pappe. Bedenken Sie: Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass Ihr Smartphone auch in diese Brillen passt. Support wird weiterhin meist nur für Android und iOS geboten, Nutzer anderer Betriebssysteme schauen vorerst (nicht) in die Röhre.

Diese Brillen können Sie anschließend hervorragend nutzen, um die genannten Museen auch in virtuellen Welten zu erkunden. Im bereits erwähnten British Museum dürfen Sie beispielsweise ein Angebot wahrnehmen, um Quiriguá in Guatemala zu besichtigen. In der Cardboard-App sollten Sie einfach nach "Virtual Reality" suchen, um alle Angebote dieser Art wahrnehmen zu können. Mit einer Brille ist es dann fast so, als befänden Sie sich wirklich vor Ort, wenn Sie eine Weile mit der App experimentieren. Aus "nur mal kurz testen" werden dann schnell stundenlange Ausflüge.

Fazit: Fernreisen vom Sofa aus

Für alle, die häufig unter Fernweh leiden, sind harte Zeiten angebrochen. Die moderne Technik macht es aber immerhin möglich, halbwegs realistische Reisen auch vom Sofa aus zu erleben. Ob Sie Museen erkunden, Naturgebiete bereisen oder sich in Museen fortbilden möchten, bleibt Ihnen überlassen. Außerdem können Sie diese Reisen auch als Inspiration verstehen: Sammeln Sie Ideen für Orte, die Sie wirklich aus der Nähe erleben möchten. Sobald die Pandemie unter Kontrolle ist, können Sie dann noch einmal real in diese Bereiche der Welt vordringen.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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