Daten irreversibel aus dem Rechnergedächtnis entfernen

Daten irreversibel aus dem Rechnergedächtnis entfernen
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Daten irreversibel aus dem Rechnergedächtnis entfernen

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Die Sache mit dem Löschbefehl und dem praktischen Papierkorb scheint so simpel zu sein. Doch wenn Sie eine Festplatte ausmustern möchten, sind zusätzliche Maßnahmen nötig.

Umgangssprachlich wird die Festplatte als Gedächtnis des Computers bezeichnet. Das ist ein treffender Vergleich. Noch genauer kann man sagen, dass es sich um das Langzeitgedächtnis des Rechners handelt. Im Langzeitgedächtnis werden Informationen dauerhaft abgelegt. Und genau dieser Fakt macht das unwiderrufliche Löschen der Daten kompliziert. Die Technik eines Rechners ist einfach nicht dafür ausgelegt, Dinge zu "vergessen". Da ist es wenig zielführend, auf die Löschtaste zu klicken oder die überflüssige Datei in den Papierkorb zu verschieben. Um beim Bild zu bleiben, werden mit solchen Aktionen Daten nur aus dem Kurzzeitgedächtnis gelöscht. Sie verbleiben aber in den tieferen Schichten des Systems und sind deshalb immer noch abrufbar. Mit einfachen Mitteln sind die auf diese Weise gelöschten Daten rekonstruierbar, so lange ihr Speicherplatz nicht neu beschrieben wurde. Und nach der Neubelegung des Speicherplatzes ist es zumindest für Computerspezialisten möglich, die eliminierten Daten zurück ans Tageslicht zu befördern.

Wir zeigen Ihnen Optionen zum endgültigen Löschen von Daten, mit denen Sie das allzu gute Gedächtnis Ihres Computers überlisten können. Bevor Sie sich für eine Möglichkeit entscheiden, sollten Sie Klarheit darüber haben, aus welchem Grund Sie eine spezielle oder gleich mehrere Datei von Ihrem Rechner entfernen möchten. Denn davon hängt es ab, welche Option für Sie die beste ist.

  • Sie benötigen die Dateien nicht mehr und möchten durch das Löschen mehr Ordnung in Ihren Computer bringen
  • Ihre Festplatte hat fast keine freien Kapazitäten mehr
  • Sie möchten Ihre SSD oder Festplatte verkaufen oder wegwerfen und im Vorfeld alle sensiblen Daten davon eliminieren

Daten löschen: Das müssen Sie wissen

  1. Der Windows-Papierkorb

    Unter Windows lassen sich Ordner, Dateien oder auch Icons, die sich auf dem Desktop befinden, durch die Löschfunktion in den Papierkorb verschieben. Dabei ist der Begriff Papierkorb ein wenig irreführend, denn eigentlich handelt es sich dabei um einen herkömmlichen Computerordner. Und genau wie im richtigen Leben können Sie Dinge aus dem Papierkorb wieder herausnehmen. Dazu öffnen Sie den Papierkorb-Ordner einfach mit einem Doppelklick, markieren die Datei, die Sie zurückholen möchten und klicken den Menüpunkt "Wiederherstellen" an. Und schon ist die Datei wieder an dem Ort, an dem sie vor dem Verschieben in den Papierkorb abgelegt war. Microsoft hat den Papierkorb als Vorstufe vor dem endgültigen Löschen in sein Betriebssystem integriert, damit User nicht aus Versehen mit einem Klick wichtige Daten löschen. Tatsächlich gelöscht sind die Daten erst dann, wenn Sie den Papierkorb-Ordner öffnen und dort die Menüpunkte: "Papierkorb leeren" oder "Löschen" aktivieren.

  2. Ausnahmen von dieser Regel:

    - Wenn das Fassungsvermögen des Papierkorbs ausgereizt ist, werden beim Übertragen neuer Dateien die ältesten Files automatisch gelöscht
    - Bei der Verwendung des Befehls "del" wird nicht der Umweg über den Papierkorb genommen, die Daten werden direkt ausradiert
    - Passt eine Datei nicht in den Papierkorb, wird sie ebenfalls sofort gelöscht. Ob eine Datei größer ist als das voreingestellte GB-Maß des Papierkorbs können Sie sich anzeigen lassen. Dazu klicken Sie einfach mit der rechten Maustaste auf dessen Icon und dann auf den Punkt: "Eigenschaften".
    - Wenn Computer in einem Netzwerk miteinander verbunden sind, gilt der Löschvorgang für alle Rechner. Wird auf einem Rechner ein File eliminiert, können auch die weiteren mit ihm verbundenen Computer nicht mehr darauf zugreifen.

    Für das tägliche "Reinemachen" ist die Verwendung des Papierkorbs der einfachste Weg. Mit ein paar Klicks können Sie Speicherplatz frei räumen und für mehr Überblick auf Ihrem Rechner sorgen. Falls Sie allerdings den Papierkorb als Ordner für Dateien verwenden, bei denen Sie nicht sicher sind, ob Sie diese doch noch brauchen könnten, dann sollten Sie immer ein Auge auf sein maximales Fassungsvermögen haben. Sonst könnte es passieren, dass Sie Files unbeabsichtigt verlieren!

  3. Doppelt hält nicht besser, es belegt nur viel Speicherplatz

    Sie brauchen Platz auf Ihrer Festplatte? Vielleicht hilft Ihnen in dem Fall das Aufspüren und Löschen von Duplikaten. Moderne Festplatten sind unglaublich aufnahmefähig, aber das verleitet auch dazu, verschiedene Versionen von Dateien in diversen Ordnern abzulegen. Wenn die Dateien das Office-Format haben, kann der Speicher jede Menge davon problemlos unterbringen. Anders sieht es aus, wenn es sich um Songs, Fotos oder Videos handelt. Diese Art von Dateien benötigen große Areale an Speicherplatz. Da lohnt es sich wirklich, Duplikate zu identifizieren und dann zu entfernen.

    Mit dem Tool Anti-Twin können Sie Duplikate auf Ihrem Rechner finden. Die kostenlose Software identifiziert Duplikate auf vielerlei Weise:

    - Anhand des Dateinamens
    - Anhand des Inhalts
    - Durch den Abgleich der Pixel bei Fotodateien
    - Durch den Vergleich von MP3-Dateien

    Anti-Twin kann so eingestellt werden, das es Duplikate nach dem Auffinden direkt in den Papierkorb verschiebt, beziehungsweise sofort löscht. Empfehlenswert ist diese Voreinstellung allerdings nicht. Damit Sie keinen unbeabsichtigten Datenverlust von noch benötigten Dateien erleiden, ist die manuelle Durchsicht der Duplikate der sicherste Weg.

  4. Was Windows alles ungefragt speichert

    Wenn Sie Ihre Festplatte absolut sauber hinterlassen möchten, dann sollten Sie auch bedenken, welche Hinweise und Datenspuren Windows automatisch aufbewahrt. Denn auch nach dem Löschen lassen sich noch zahlreiche Hinweise auf Ihre letzten Aktivitäten am Rechner finden. Word, Explorer und zahlreiche andere Windows-Programme speichern die 20 Dateien, die Sie zuletzt geöffnet hatten. Auch die Suchvorgänge, die Sie zuletzt getätigt haben, sortiert das Betriebssystem in die Registry (Registrierungs-Datenbank) ein.

  5. Besonders gesicherte Datenbanken unter Windows

    Falls Sie Ihre Hardware verkaufen oder entsorgen möchten, sollten Sie ganz auf Nummer Sicher gehen. Um das zu erreichen sollten Sie bedenken, dass Windows mit den Dateisystemen NTFS und MFT alle Ordner und sämtliche weitere Dateien samt ihren Eigenschaften speichert. Das MFT-System ist nicht frei zugänglich, es befindet sich in einem extra gesicherten Areal auf der Festplatte. Für Computerspezialisten stellt es allerdings kein Problem dar, anhand der MFT Ihre Dateien auch nach dem Löschen zu rekonstruieren. Um sämtliche Spuren zu eliminieren, reicht es nicht aus, die Festplatte zu partitionieren oder neu zu formatieren. In diesem Fall müssen Sie Ihre Hardware gemeinsam mit dem Betriebssystem vollständig überschreiben. Für dieses Vorhaben müssen Sie die Festplatte ausbauen und danach in einen zweiten Computer integrieren. Geeignete Tools zum Überschreiben sind zum Beispiel der Secure Eraser oder der Ccleaner.

  6. Verschlüsselung mit Sicherheitsnetz

    Anstatt die Festplatte zu überschreiben, können Sie die Hardware auch mit dem Bitlocker von Windows verschlüsseln. Der Einsatz dieses Bordmittels ist auch empfohlen, wenn Sie Ihr Notebook mobil nutzen und sich im Verlust- oder Diebstahlfall absichern möchten - oder wenn Sie Ihren Rechner nicht allein verwenden und Ihre Daten vor neugierigen Mitlesern verbergen möchten.

  7. Eine SSD mit Ccleaner zur Tabula rasa machen

    Eine SSD lässt sich wesentlich leichter löschen als eine Magnetfestplatte. Ihre Speicherzellen sind schon aus rein physikalischen Gründen schwerer zu dechiffrieren. Denn als Maßnahme zur Lebensverlängerung der Speicherzellen werden die Schreibzugriffe absolut homogen auf alle freien Zellen verteilt. Wenn Zellen nach einem einfachen Löschvorgang vom System als frei definiert werden, dauert es nur kurze Zeit bis sie neu belegt werden. Und nach dem Überschreiben sind die vorherigen Speicherinhalte im digitalen Nirwana verschwunden.

    Wenn Sie den Ccleaner starten, um Ihre SSD zu löschen, erhalten Sie zunächst einen Warnhinweis. Darin weist der Hersteller Sie aber nur daraufhin, dass während des Löschvorgangs eine vorzeitige Abnutzung der SSD entstehen kann. Damit ist gemeint, dass die Zellen des Speichers nicht unbegrenzt häufig überschreibbar sind. Allerdings können Sie diese Warnung getrost außer Acht lassen, denn eine SSD verträgt mehrere tausend dieser Schreibvorgänge.

    Mit dem Ccleaner lassen sich Hardwareelemente nicht nur komplett löschen, das Tool ist auch dazu geeignet, um neuen Speicherplatz zu schaffen. Es kann dazu eingesetzt werden, um temporäre Dateien zu löschen. In die Tiefen des Systems geht die Software erst auf Ihre ausdrückliche Zustimmung hin, Sie müssen also keine Bedenken haben, wenn Sie den Ccleaner für einen einfachen "Frühjahrsputz" verwenden möchten. Das Löschen der Registry ist bei diesem Tool eindeutig von den anderen Cleaning-Vorgängen getrennt.

    Für ein weiteres Plus an Datensicherheit sorgt der Befehl: ATA Secure Erase. Dieser Befehl ist in der ATA-Spezifikation enthalten und setzt eine SSD zurück in den Werkzustand. Um diesen Befehl ausführen zu können, ist spezielle Software nötig. Diese Tools finden Sie in der Regel auf einer CD, die zum Lieferumfang Ihrer SSD gehört. Falls Sie dort nicht fündig werden, können Sie im Internet nachschauen, ob der Hersteller auf seiner Webseite ein Programm zum Download der Software anbietet.

    Sollte Ihr Hersteller kein Programm zum Zurücksetzen der SSD anbieten, bleibt noch das Tool Parted Magic. Dabei handelt es sich um ein auf Linux basiertes und bootfähiges Livesystem. Allerdings wird die Anwendung nur besonders versierten Nutzern empfohlen.ior schon einen Wahlkampfplan für seinen Sohn hat?

So löschen Sie Dateien unwiderruflich

Mit dem Löschbefehl oder dem Leeren des Papierkorbs werden eigentlich nur die Verwaltungseinträge der betroffenen Dateien aus dem System entfernt. Das Betriebssystem kennzeichnet diesen Speicherplatz als unbesetzt. Aber bis dieses Areal im Speicher überschrieben oder auf eine andere Weise genutzt wird, sind die Dateien rekonstruierbar.

Wiederherstellen lassen sich auf diese Weise "gelöschte" Dateien mit darauf spezialisierter Software, wie zum Beispiel Photorec oder Recuva.

Damit die Inhalte wirklich nicht mehr im System auftauchen, können Sie die als unbesetzt definierten Speicherplätze mit neuen Daten überschreiben.

Wenn Sie Daten definitiv aus Ihrem System entfernen wollen, sollten Sie auch an Duplikate denken, die sich häufig in Backups verbergen. Das Löschen dieser Kopien ist natürlich auch hilfreich, wenn Sie mehr Platz auf Ihrer Festplatte benötigen.

Die Datensicherung unter Windows beinhaltet auch die "File History", was mit "Dateiversionsverlauf" übersetzt werden kann. Diese Dokumentation Ihrer Dateien und Aktivitäten am Rechner können Sie selbst einfach löschen. Dazu müssen Sie die Systemsteuerung öffnen, in diesem Bereich zu "System und Sicherheit", dann zum "Dateiversionsverlauf" und schließlich zu "Erweiterte Einstellungen" navigieren. In diesen Einstellungen wird Ihnen der Menüpunkt: "Versionen bereinigen" angezeigt.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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