Entrümpeln Sie Ihren Windows-PC: So wird’s gemacht!

Entrümpeln Sie Ihren Windows-PC: So wird’s gemacht!
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Entrümpeln Sie Ihren Windows-PC: So wird’s gemacht!

© Fotolia.com/Denys Rudyi
25.05.2018 - 10:24 Uhr

Wer sich einen neuen PC kauft, der findet viele vorinstallierte Programme vor, die er gar nicht benötigt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie zu einem schlankeren Windows gelangen.

Bei neuen PCs ist es üblich, dass die Hersteller zahlreiche Software vorinstallieren. Die meiste Software davon werden Sie in der Praxis aber niemals verwenden wollen. Sicher wird es Anwender geben, die das eine oder andere Tool tatsächlich nützlich finden. In der Regel handelt es sich aber schlicht um Bloatware. Die Hersteller wählen die Programme ziemlich wahllos aus. Kostenlose Tools finden sich ebenso darunter wie Testversionen kostenpflichtiger Programme. Viele Programme sind in ihren Funktionen eingeschränkt. Das können zum Beispiel Virenschutzprogramme sein, aber auch kostenfreie Office-Pakete. Die Softwareentwickler wünschen sich, dass sich Nutzer mit den Programmen vertraut machen und irgendwann Geld dafür bezahlen. Die Hersteller der PCs wiederum lassen es sich von den Softwareproduzenten vergüten, dass sie ihre PCs mit der Software vollschreiben. Für die PC-Firmen ist das ein gern gesehener Zusatzverdienst, schließlich sind die Margen auf dem Markt nicht gerade üppig.

Die meisten Programme benötigt der Anwender nicht

Vorinstallierte Software ist, wenn überhaupt, nur im Einzelfall nützlich. Am ehesten gilt das noch für die Virenschutzprogramme, die den neuen PC ab der ersten Sekunde absichern. Hier haben Sie erst einmal Zeit, bis Sie eines Ihrer eigenen Tools installieren. Und vielleicht haben Sie ja Glück und es findet sich genau der Virenscanner des Herstellers auf dem PC vorinstalliert, den Sie ohnehin bevorzugen. Office-Programme kann man ebenfalls häufig gebrauchen. Dadurch können Sie sich die Installation eigener Office-Pakete sparen. Probleme ergeben sich vor allem dann, wenn der Hersteller Dutzende dieser Programme aufgespielt hat. In einem solchen Fall kann der PC oder das Notebook sogar in seiner Leistung eingeschränkt sein.

Viele PC-Firmen haben die Angewohnheit, unwichtige Programme gleich auf den Startbildschirm zu packen. Das ist unnötig und zudem ein Ärgernis für den Anwender. So benötigen wir zum Beispiel bei einem Notebook kein Programm so dringend, das den Bildschirminhalt auf einen Fernseher spiegelt. Die entsprechenden Icons sind zwar schnell vom Desktop gelöscht, die Programme müssen aber immer noch deinstalliert werden. Zudem sind weniger versierte Anwender in der Regel damit überfordert, einzuschätzen, welche Programme Sie behalten sollten und welche gelöscht werden können.

Ein weiteres Problem besteht in dem nicht selten immensen Platzverbrauch. Jedes Programm nimmt Platz auf der Festplatte ein, der Ihren eigenen Softwareanwendungen dann nicht mehr zur Verfügung steht. Je kleiner die Festplatte, desto größer ist das Problem. Das wird gerade bei SSDs der Fall sein, die aufgrund ihres hohen Gigabyte-Preises in der Regel sehr viel kleiner ausfallen als HDDs. Der Start wird durch die vorinstallierten Programme in jedem Fall verlangsamt. Gerade leistungsschwache Notebooks reagieren hier beim Systemstart mit einer deutlichen Verzögerung. Zudem ziehen die im Hintergrund laufenden Programme Energie aus dem Akku, sodass Sie sogar mit einer eingeschränkten Mobilität rechnen müssen. Die Systemressourcen werden dauerhaft belastet, weil die Programme über den Autostart beim Hochfahren des Systems geladen werden. Häufig findet sich auch ein Link zur Vollversion der Software, der Sie an den offiziellen Herstellershop verweist. Hier müssen Sie die hohe UVP bezahlen, in anderen Shops wäre die gleiche Software vielleicht auch günstiger zu finden. Statt knapp 100 Euro für eine Antivirenlösung zu zahlen, können Sie diese über eine Preisvergleich-Suchmaschinen teilweise schon für 20 Euro entdecken.

Besonders schlimm ist es natürlich, wenn die vorinstallierte Software selbst ein Sicherheitsrisiko darstellt. So ist es vor einigen Jahren bei Lenovo geschehen, die ihre PCs mit Schadsoftware ausgeliefert hatten. Solche Fälle ergeben sich in der Praxis zum Glück nur sehr selten. Sie zeigen aber, dass vorinstallierte Software kritisch zu sehen ist. In jedem Fall bläht die Software das System unnötig auf, weshalb sie auch gern als Bloatware bezeichnet wird. Einige nennen die unerwünschten Programme auch einfach Crapware, was so viel bedeutet wie Mistsoftware.

Microsoft hat dieses Problem übrigens auch schon erkannt. Aus diesem Grund hat man das Signature-Edition-Programm aufgesetzt. Dieses Programm verspricht, dass keine Software von Drittanbietern installiert ist, und auch keine zusätzlichen Symbolleisten oder gar Junkware. Auch lustige Bildschirmschoner fehlen hier zum Glück. Derartig verschlankte Systeme bietet Microsoft aber leider nur in den USA an. Einige Smartphones werden mit einem Stock Android ausgeliefert. Das Angebot ist hier aber bedauerlicherweise ebenfalls beschränkt.

So entfernen Sie die vorinstallierten Programme von Ihrem System

Grundsätzlich gilt: Je schlanker Sie Ihr System halten können, desto schneller arbeitet der Rechner. Das Entfernen von Bloatware lohnt sich also in jedem Fall. Wir möchten Ihnen hier einige Strategien vorstellen, wie Sie Ihr System von den unerwünschten Programmen befreien können und wie Sie dabei am besten vorgehen. Eine Wiederherstellung des Systems sollten Sie in keinem Fall durchführen, denn dann sind alle vorinstallierten Programme wieder auf Ihrem Rechner zu finden. Wir zeigen Ihnen, wie es besser geht.

Den Königsweg hin zu einem schlanken Rechner gibt es allerdings nicht. Eine Möglichkeit besteht darin, das gesamte System einfach neu aufzusetzen. Das gelingt gerade im Falle von Windows 10 unkompliziert. Hier können Sie Ihren Key immer wieder verwenden, um das Betriebssystem auf der gleichen Hardware neu aufzuspielen. Wenn es dabei überhaupt zu Problemen kommen kann, dann doch am ehesten bei der Installation der Treiber. Tools wie der Unknown Device Identifier helfen Ihnen dabei, die verwendete Hardware zu ermitteln.

Die Systemsteuerung von Windows verschafft Ihnen die Möglichkeit, jede beliebige Software direkt zu entfernen. Als Alternative können hierfür Programme wie etwa der Revo Uninstaller zum Einsatz kommen. In diesem Fall müssen Sie aber darüber entscheiden, ob eine Software für Ihr System nun wichtig ist oder nicht. Damit könnten Laien überfordert sein. Bemühen Sie Suchmaschinen wie Google, um herauszufinden, was sich hinter dem Namen einer installierten Software im Detail verbirgt. Im Internet finden Sie auch das Portal Alternative To, das Ihnen ebenfalls wichtige Anhaltspunkte liefert. So können Sie schnell herausfinden, wie bedeutsam eine Software wirklich ist und ob sie gefahrlos gelöscht werden kann.

Sie sind in jedem Fall nicht der Einzige, der Probleme mit Bloatware auf seinem Rechner hat. Aus diesem Grund haben die Softwareentwickler längst reagiert und kleine Helfer programmiert, die beim Löschen wichtige Unterstützung bieten. Zu diesen Tools gehört zum Beispiel Should I Remove It. Dieses Programm scannt Ihre gesamte Festplatte und stöbert Programme auf, die Sie bedenkenlos entfernen können und sollten. Die Löschempfehlungen der Software basieren auf Erfahrungen anderer Nutzer und deren Ratings. Anhand eines Ampelsystems erkennen Sie sofort, ob eine Löschung durchgeführt werden sollte. Rot markierte Software ist in jedem Fall unnötig, die Farbe Gelb verweist auf zweifelhafte Angebote und grün markierte Software ist für Ihr System sogar nützlich. Wenn Sie die Software in der Liste anklicken, erhalten Sie weitere Informationen. Hier lesen Sie auch, wozu sie überhaupt dient. Zudem erscheint eine Schaltfläche, über die Sie die Software entfernen können. Auf der Website des Herstellers können Sie noch unbekannte Software überprüfen lassen. Sie erhalten dann eine Einschätzung, ob eine Deinstallation vorgenommen werden sollte.

Mehr Leistung durch SSDs und größeren RAM

Das Entfernen von Bloatware allein reicht häufig nicht aus, ein System wirklich schnell zu machen. Das gilt gerade dann, wenn noch eine alte Magnetspeicherfestplatte verbaut ist und der Arbeitsspeicher zu klein ausfällt. Hier schafft eine moderne SSD Abhilfe, die viel schnellere Zugriffszeiten bietet. Neue RAM-Speicher sind heutzutage günstig zu erwerben und können enorme Auswirkungen auf die Gesamtgeschwindigkeit des Systems haben. Hier lohnt sich eine Investition in neue Komponenten in jedem Fall. Zudem gelingt der Einbau mit nur wenigen Handgriffen. RAM-Module zum Beispiel müssen nur auf der Hauptplatine eingesteckt werden.

Entmüllungsprogramme für Spezialfälle

Ganz ohne Installation lässt sich das Tool PC Decrapifier verwenden. Es dauert nur wenige Minuten, bis die Analyse des Systems abgeschlossen ist. Danach finden Sie über die drei Register Recommended, Questionable und Everything Else fein säuberlich die Software aufgeführt, die Sie behalten und die Sie löschen können. Hier werden die Farben im Gegensatz zu Should I Remove It übrigens genau umgekehrt verwendet. Sie können jetzt in der Liste so viele Programme auswählen, wie Sie möchten und diese gemeinsam löschen. Dazu gehen Sie auf Remove Selected und dann auf Begin Removal Now. Als Teil der Kaspersky Internet Security erhalten Sie das Tool zum Entfernen unerwünschter oder überflüssiger Programme, das ganz ähnlich funktioniert.

Einen etwas anderen Weg geht Adwcleaner. Diese Software kümmert sich vor allem um Browser-Toolbars, ungefragt eingerichtete Startseiten und Spyware jeglicher Art. Leider finden sich auch solche Programme und Störfaktoren auf neuen Rechnern. Installieren Sie Unchecky, wenn Sie Ihr System auch in Zukunft sauber halten wollen. Unchecky verhindert, dass Zusatzprogramme mit anderer Software mitinstalliert werden.

Leider lässt sich bei allen genannten Tools feststellen, dass diese manchmal ein wenig zurückhaltend agieren. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Hersteller der Software juristischen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen wollen und daher lieber eine Software zu viel als zu wenig als harmlos klassifizieren. Zudem hat jeder Anwender andere Interessen, sodass sich eine allgemeine Klassifizierung schwierig gestaltet.

Mit einem kleinen Trick können Sie übrigens eine bereits in Windows 10 integrierte Funktion zweckentfremden und dazu einsetzen, Bloatware loszuwerden. Diese Funktion nennt sich PC auffrischen. Das System wird hierbei wiederhergestellt, Ihre persönlichen Einstellungen und alle Daten bleiben jedoch erhalten. Da bei diesem Vorgang allerdings die gesamten installierten Programme gelöscht werden, erhalten Sie ein blitzsauberes System und die Bloatware ist verschwunden. Denken Sie jedoch daran, dass dieser Vorgang auf langsamer laufenden Systemen mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen kann. Danach müssen Sie alle Programme, die Sie benötigen, erneut installieren. Gerade bei einem neu angeschafften PC ist diese Methode sehr empfehlenswert.

Um den Auffrischungsvorgang zu starten, laden Sie das Refresh-Windows-Tool herunter und starten es einfach. Eine Installation ist nicht erforderlich. Wählen Sie dann die Option Nur persönliche Dateien beibehalten aus. Falls Sie vergessen, diese Option anzuwählen, werden alle Ihre Einstellungen und persönlichen Daten gelöscht! Windows achtet übrigens auch darauf, die installierten Treiber mit in das neue System zu retten. Den einen oder anderen Treiber werden Sie nach dem Auffrischen aber trotzdem neu installieren müssen. Übrigens hatten wir unter Windows 8.1 keinen Erfolg mit diesem Tool. Die Anwendung ist also nur unter Windows 10 erfolgreich.

Praktischerweise speichert Windows das alte System auf der C-Festplatte in dem Ordner Windows.old. So haben Sie 30 Tage lang Zeit, das alte System aus diesem Ordner wiederherzustellen. Der Vorgang ist also für eine gewisse Zeit reversibel.

Mehr Geschwindigkeit und Speicherplatz

Jedes System hat andere Voraussetzungen. Durch das Löschen von nicht mehr benötigter Software lässt sich eigentlich immer noch etwas Geschwindigkeit herausholen.

Auf unseren Testrechnern gelang es uns, bei einer Festplattengröße von 256 Gigabyte im Durchschnitt 28 Gigabyte freizuschaufeln. Allein 23 Gigabyte ist dabei die nicht mehr benötigte Recovery-Partition wert. Durch das Löschen von nicht benötigten Programmen konnten ganze 5 Gigabyte gewonnen werden. Mehr als 10 Prozent Gewinn bedeutet das unter dem Strich. Auf einem Rechner nahm allein das Office-Programm von Microsoft mit seinen 7 Sprachversionen bereits 2 Gigabyte ein. Das war in diesem Fall besonders überflüssig, da sich Office ohne entsprechende Lizenz gar nicht nutzen lässt. Auf einigen Rechnern waren sogar 40 Gigabyte große Recovery-Partitionen zu finden. Diesen Platz sollte man in jedem Fall freigeben. Häufig lohnt sich bei ganz neuen Rechnern auch die Datenträgerbereinigung per cleanmgr. Bis zu 2 Gigabyte zusätzlich lassen sich damit gewinnen.

Im Hinblick auf den Ressourcenverbrauch ist nicht entscheidend, welche Programme installiert sind, sondern welche als Hintergrundprozesse mitlaufen. Im Taskmanager sehen Sie, welche Programme Windows über den Autostart lädt. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Taskleiste und wählen Sie dann im Kontextmenü den Task-Manager aus. Dann gelangen Sie zur Liste der Autostart-Programme.

Gehen Sie danach auf Mehr Details und dann auf Autostart. Nun sehen Sie, welche Programme aktuell geladen sind und damit auch Ressourcen verbrauchen. Klicken Sie das Programm per rechter Maustaste an und wählen Sie Deaktivieren. Danach sollte das Tool beim nächsten Systemstart nicht mehr geladen werden. Gerade wenn ein Programm hinsichtlich der Startauswirkungen als Hoch klassifiziert wird, lohnt sich diese Maßnahme.

System im aufgeräumten Zustand sichern

In das Entmüllen des Systems müssen Sie viel Zeit investieren. Es lohnt sich daher, den neuen Zustand zu sichern, um ihn später bei Bedarf wiederherstellen zu können. Das lässt sich zum Beispiel mit einem Tool wie EaseUS Todo Backup Free erledigen. Damit speichern Sie Ihre gesamte Systempartition. Sie müssen nach dem Starten des Tools nichts weiter tun, als das gewünschte Laufwerk auszuwählen und das Ziel für die Sicherung festzulegen. Mit EaseUS Partition Master können Sie auf Ihrem System eine zweite Partition auf der internen Festplatte anlegen und dort die Sicherungsdatei ablegen.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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