Speicherfreigabe auf dem Mac: So geht’s!

Speicherfreigabe auf dem Mac: So geht’s!
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Speicherfreigabe auf dem Mac: So geht’s!

© Macworld / Karen Haslam

Ihr Mac wird scheinbar grundlos langsamer? Gut möglich, dass der RAM einfach voll ist. Wir zeigen Ihnen, wie Sie in diesen Fällen Erste Hilfe leisten.

Symptome eines vollen Arbeitsspeichers

Meistens erkennen Sie einen übervollen Arbeitsspeicher daran, dass beispielsweise Anwendungen oder auch der gesamte Mac plötzlich sehr langsam arbeiten, dass Applikationen abstürzen oder dass macOS einfach von sich aus die Meldung "Ihr System hat keinen Anwendungsspeicher" ausgibt. Ein Neustart behebt das Problem zwar, aber nach einer gewissen Zeit wird dasselbe Symptom erneut auftauchen. Mit unseren Tipps können Sie Abhilfe schaffen.

Technik-Crashkurs: Was ist der Arbeitsspeicher?

Sehen wir uns zuerst an, um was es sich eigentlich genau handelt. Der Arbeitsspeicher wird auch als RAM bezeichnet, was die Abkürzung für das englische "Random Access Memory" ist. Darin speichert das Betriebssystem alle aktuellen Aufgaben, Prozesse und teilweise auch Daten. Im Vergleich zum normalen Speicher in Form der Festplatte ist der RAM drastisch schneller - Daten stehen also sofort zur Verfügung. Diese Geschwindigkeit können Sie ganz gut in Programmen wie Photoshop erkennen: Laden Sie Bilder in das Programm, geht das Arbeiten mit diesen Fotos sehr lange flott von der Hand - bis der RAM voll ist. Neue Bilder passen nicht mehr in den Arbeitsspeicher, sie werden stattdessen auf die Festplatte ausgelagert. Selbst einfache Aufgaben dauern plötzlich sehr viel länger.

Die meisten Macs besitzen heute 8 GB RAM, ältere Modelle bringen es auch auf nur 4 GB. Das kann zwar ausreichen, aber eigentlich werden mit dieser geringen Speichermenge nur die Ansprüche sehr durchschnittlicher Nutzer erfüllt. Sobald Sie mehrere Programme öffnen, ein wenig im Internet surfen und vielleicht ein Foto bearbeiten, wird es kritisch.

macOS gibt in den Fällen eines vollen Arbeitsspeichers meist selbst Meldungen aus, etwa in Form der eingangs erwähnten Meldung. Sie selbst merken das auch an sehr langen Ladezeiten oder beispielsweise am typischen, sich drehenden Strandball. Das Upgrade des RAM wäre in einem normalen Windows-PC zwar kein Problem, Macs sind darauf jedoch nicht ausgelegt. Sie können also nicht "mal einfach so" RAM nachfüttern.

Einige Drittanbieter haben sich darauf spezialisiert, Programme zu entwickeln, die bei der Bereitstellung von mehr RAM helfen sollen. Das funktioniert manchmal ganz gut, manchmal haben diese Tools aber auch keinen Effekt. Außerdem ist macOS bei der Verwaltung des eigenen Speichers ohnehin schon recht effizient. Wir schießen uns in unseren Tipps daher zuerst auf einige Hausmittel ein, bevor wir Ihnen Apps empfehlen.

Der RAM ist voll - was kann ich tun?

In den folgenden Abschnitten zeigen wir Ihnen alle wichtigen Tipps, die Sie bei einem zu vollen Arbeitsspeicher befolgen sollten. Los geht's!

  1. Neustart des Macs

    Mit der Holzhammer-Methode haben Sie garantiert Erfolg: Starten Sie den Mac einfach neu. Dann wird der RAM komplett geleert und steht wieder in voller Größe zur Verfügung. Nach einer gewissen Arbeitsdauer werden Sie aber wieder dasselbe Problem bekommen.

  2. Aktualisieren Sie macOS

    Es kann nie schaden, macOS auf die neueste Version zu aktualisieren. Es besteht zwar nur eine kleine Chance, dass ein voller RAM mit einem Fehler in der aktuellen Version des Betriebssystems zusammenhängt - aber ein Versuch kann garantiert nicht schaden.

  3. Nutzen Sie die Aktivitätsanzeige

    Für erfahrene Anwender ist die Aktivitätsanzeige die erste Anlaufstelle bei Problemen. Sie ist auf jedem Mac installiert und gibt Ihnen Auskunft über diverse Eigenschaften aller laufenden Programme und Prozesse. Öffnen können Sie sie, indem Sie in Spotlight "Aktivitätsanzeige" eingeben. Sie erkennen dann in dem neuen Fenster unter anderem, wie viel Arbeitsspeicher jede Applikation benötigt - und noch viel mehr:

    - Unter "App-Speicher" sehen Sie, wie viel Speicher wirklich von Ihren Apps und Prozessen genutzt wird. "Reservierter Speicher" hingegen zeigt an, wie viel RAM für bestimmte Apps reserviert ist und daher auch nicht für andere Anwendungen zur Verfügung steht. "Komprimierter Speicher" hingegen ist inaktiver Speicher, der aber ebenfalls in Benutzung ist und nicht bereitsteht. Alle Werte zusammen ergeben am Ende den gesamten Speicherverbrauch.
    - Der "Speicherdruck" ist eine Art Vorhersage, die Ihnen anzeigt, wie sich der Bedarf des Speichers in naher Zukunft wohl entwickeln wird. Eine grüne Grafik ist wunderbar, bei gelb wird es kritisch, rot hingegen bedeutet, dass Sie keinen freien Speicher mehr haben. Mitunter könnte es sein, dass Sie eigentlich noch viel freien Speicher haben, aber trotzdem eine rote Grafik angezeigt wird - was ein Hinweis auf einen Fehler in macOS sein kann.

    Außerdem gibt es noch zahlreiche andere Informationen in der Aktivitätsanzeige. Sie erkennen dort beispielsweise die Anzahl der verwendeten CPU-Threads, den Energiebedarf (gut für mobile Anwender), zwischengespeicherte Daten und vieles mehr. Mit der rechten Maustaste auf eine der Spalten können Sie noch mehr Daten anzeigen lassen.

  4. So schalten Sie besonders markante Speicherfresser ab

    1. Öffnen Sie die Aktivitätsanzeige und gehen Sie dann auf "Speicher".
    2. Klicken Sie noch einmal auf die Spalte "Speicher", um alle aktiven Prozesse hinsichtlich ihrer Speicherauslastung zu sortieren. Sie erkennen dann schnell, welches Programm sich besonders viel RAM genehmigt.
    3. Klicken Sie bei einer Anwendung mit besonders hohem Bedarf auf das Informationsmenü (das kleine i-Symbol). Dort sehen Sie unter anderem den Speicherverbrauch dieses aktiven Prozesses.
    4. Möchten Sie eine Anwendung schließen, wählen Sie ihn in der Aktivitätsanzeige aus und klicken dann auf das X. Beachten Sie, dass dies den Prozess beendet, aber nicht unbedingt die Applikation. Das ist beispielsweise bei Browsern praktisch: Ein Prozess könnte zum Beispiel eine Webseite sein, die dank ihrer schlechten Programmierung unglaublich viel Arbeitsspeicher benötigt. Schließen Sie diesen Prozess, wird nur das Browser-Tab beendet - und nicht der gesamte Browser. Beachten Sie, dass dies nicht bei allen Anwendungen funktioniert. Beenden Sie etwa einen Photoshop-Prozess, wird auch das gesamte Programm geschlossen.

    Beenden Sie keine Prozesse, von denen Sie nicht wissen, wozu sie genau gehören. Sonst schließen Sie unter Umständen Prozesse, die der Mac benötigt. Dann hilft nur noch ein Neustart.

  5. Schließen Sie problematische Anwendungen

    Mit der Aktivitätsanzeige haben Sie jetzt also vielleicht Programme ausgemacht, die viel zu viele Ressourcen verbrauchen, auch wenn Sie sie gar nicht aktiv nutzen. Es kann nicht schaden, diese Applikationen zu beenden. Übrigens können Sie dies ruhig auch ohne Verwendung der Aktivitätsanzeige so handhaben: Schauen Sie einfach auf Ihr Dock und sehen Sie sich an, welche Anwendungen geöffnet sind. Sie finden dort Programme, die Sie eigentlich gerade gar nicht brauchen? Dann schließen Sie sie einfach - und zwar so:

    1. Rechtsklicken Sie auf die Anwendung im Dock, die Sie schließen möchten.
    2. Klicken Sie mit der linken Maustaste auf "Beenden".

  6. Autostart aufräumen

    Es kann außerdem nicht schaden, Programme am Autostart zu hindern. Mitunter lädt Ihr Mac nämlich schon zum Systemstart Anwendungen, die Sie überhaupt nicht benötigen und die damit nur Ressourcen fressen. Um das zu unterbinden, gehen Sie wie folgt vor:

    1. Begeben Sie sich in die Systemeinstellungen und klicken Sie dort auf "Benutzer & Gruppen".
    2. In der linken Leiste wählen Sie Ihren Benutzernamen aus und klicken dann auf "Anmeldeprojekte".
    3. Nun zeigt Ihnen macOS alle Programme an, die bei jedem Systemstart geladen werden.
    4. Klicken Sie auf die Schaltfläche in Form eines Minus-Symbols, wenn Sie bestimmte Applikationen ausschalten möchten. Keine Angst: Kaputtmachen können Sie hier nichts, denn für das System kritische Anwendungen können Sie hier nicht abschalten.

    Folgen Sie diesen beiden Tipps, sollten Sie einen etwas schnelleren Mac Ihr Eigen nennen können.

  7. Prüfen Sie die CPU-Auslastung

    Es muss nicht zwangsläufig der RAM sein - manchmal ist auch einfach die CPU überfordert. Um das zu prüfen, gehen Sie wieder in die Aktivitätsanzeige:

    1. Öffnen Sie die Aktivitätsanzeige und gehen Sie auf "CPU".
    2. Sortieren Sie alle Anwendungen nach "CPU" und schauen Sie, welche Anwendung einen besonders hohen Bedarf entfaltet. Wahrscheinlich ist dieses Programm für Ihre Probleme verantwortlich.
    3. Wählen Sie die entsprechende Applikation aus und beenden Sie sie mit einem Klick auf das X.

Möglicherweise werden Sie einen besonders hohen Verbrauch bei einem Prozess namens "kernel_task" bemerken. Diese Prozesse werden von macOS benötigt und lassen sich daher nicht abschalten. Ein Neustart behebt das Problem aber. Taucht dieser Fehler immer wieder auf, kann es sein, dass etwas mit der Hardware nicht stimmt. Bevor dies nicht behoben ist, wird das Problem wahrscheinlich immer wieder auftauchen.

Maximierung des RAMs: acht Möglichkeiten

Jetzt schauen wir uns noch einige weitere, kleine Tipps an, die ebenfalls Arbeitsspeicher freilegen.

  1. Optimierung des Desktops
    Räumen Sie den Desktop frei von Dateien, Bildern, Dokumenten & Co. oder speichern Sie wenigstens den gesamten Inhalt in einem einzigen Ordner. macOS behandelt nämlich jedes Icon wie ein geöffnetes Fenster, das entsprechende Ressourcen benötigt. Umso mehr "Müll" auf Ihrem Desktop vorhanden ist, desto mehr RAM legen Sie mit dieser Aktion frei.

  2. Optimierung des Finders
    Gehen Sie im Finder in die Einstellungen und wählen Sie dann unter "Allgemein" einen Ordner aus, der angezeigt werden soll, wenn Sie das Programm starten. Wählen Sie möglichst einen leeren Ordner aus. Denn: Volle Ordner werden beim Öffnen des Finders auch komplett in den RAM geladen, was unter Umständen ein hoher Speicherbedarf sein kann.

  3. Schließen von Browser-Tabs
    Öffnen Sie Safari (bzw. Ihren Standard-Browser) und schließen Sie alle Tabs, die Sie nicht benötigen. Entfernen Sie außerdem alle Erweiterungen, die Sie vielleicht nicht mehr benötigen oder die überflüssig geworden sind. Im besten Fall sparen Sie dadurch wieder einige Megabytes.

  4. Freilegen von Speicherplatz
    Räumen Sie die Festplatte auf und deinstallieren Sie ungenutzte Programme, löschen Sie doppelte Daten, alte Downloads, nicht mehr benötigte Videos und Bilder und so weiter. Je mehr freier Speicherplatz als virtueller Speicher für den RAM bereitsteht, desto schneller wird Ihr System reagieren.

  5. Zusammenführen von Finder-Fenstern
    Gehen Sie im Finder auf "Fenster" und dann "Alle Fenster zusammenführen". Viele geöffnete Fenster rauben Ihrem Mac Arbeitsspeicher. Indem Sie sie zusammenführen, legen Sie ein wenig RAM frei (und schaffen gleichzeitig noch ein wenig Ordnung).

  6. Leerung des Caches
    Gehen Sie im Finder auf "Go" und "Go to Folder" und geben Sie dort "~/Library/Caches/" ein. Erfahrene Anwender können hier überflüssige Dateien löschen. Kennen Sie sich nicht aus, sollten Sie die Finger von diesem Bereich lassen, da Sie wichtige Systemdaten löschen könnten.

  7. Überprüfung des Druckers
    Sehr große Druckaufträge in der Warteschlange können den RAM ebenfalls blockieren. Prüfen Sie, ob Sie etwas in der Warteschlange haben und löschen Sie den Auftrag nach Möglichkeit (oder beenden Sie ihn). Gerade große Dokumente mit vielen Bildern können sehr viel RAM beanspruchen.

  8. Freigabe von RAM im Terminal
    Erfahrene Nutzer können das Terminal öffnen und dort den Befehl "sudo purge" eingeben. Geben Sie dann das entsprechende Admin-Passwort ein. Anschließend wird der komplette inaktive Speicher gelöscht, was einen Augenblick dauern kann, aber am Ende wieder ein wenig RAM freigibt

Nutzung von Drittanbieter-Programmen

Wenn alles nichts hilft oder Sie einfach auch das letzte Prozent RAM aus Ihrem Mac herauskitzeln möchten, können Anwendungen von Drittanbietern helfen. Wenn Sie darauf vertrauen möchten, sollten Sie aber nur Anwendungen aus dem App-Store von Apple nehmen. Dann können Sie sich immerhin zu 99 Prozent sicher sein, dass es sich um vertrauenswürdige Applikationen handelt. Außerdem ist dies vor allem für Anfänger wesentlich einfacher als die Installation von mehr RAM im Mac.

Mit diesen Anwendungen tunen Sie Ihren Arbeitsspeicher

  • CleanMyMac
    Die Testversion dieses Programms ist kostenlos. Sie können damit über die Schaltfläche "Free Up" viele der Schritte, die wir Ihnen bereits in diesem Artikel gezeigt haben, automatisiert ausführen lassen. Wenn Sie von der Funktionalität überzeugt sind, kostet die Vollversion pro Jahr knapp 40 Euro.
  • Parallels Toolbox
    In dieser Programmsammlung finden Sie 30 Anwendungen, darunter auch das "Free Memory Tool". In seiner Funktionalität unterscheidet sich das Programm nicht deutlich von CleanMyMac, aber Sie bekommen noch weitere Helfer dazu - wie "Free Duplicates", womit Sie doppelte Dateien auf der Festplatte löschen können.
  • Memory Clean 2
    Dieses Programm löscht den inaktiven Speicherplatz auf dem Mac, was gerade nach längeren Sessions notwendig sein könnte. Nicht alle Features stehen kostenlos zur Verfügung, manche Aufgaben können Sie innerhalb der Anwendung durch einen Kauf freischalten.
Quelle: In Zusammenarbeit mit Macwelt
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