Bordsteinfühler, Heck-Jalousie und Co.: Vergessenes Auto-Zubehör

Vergessenes Zubehör: Früher normal – heute selten
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Vergessenes Zubehör: Früher normal – heute selten

© Peter Bischoff / Getty Images

Zubehör soll das Leben des Autofahrers einfacher machen oder nur Spaß bringen. Viele Nachrüst- und Anbauteile sind dabei längst vergessen. Wir haben die Zubehör-Stars vergangener Jahre gesammelt.

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Erinnern Sie sich noch an dieses Auto-Zubehör?

  1. Bordsteinfühler

    Klein und doch super auffällig lugen sie bei luxuriösen amerikanischen Autos aus den 1940er- und 1950-Jahren aus den unteren Ecken des Fahrzeugs hervor: Bordsteinfühler. Berührten die festen Drähte den Bordstein, merkte und hörte der Fahrer das und konnte so seine Weißwandreifen schonen. In Deutschland sah man die Fühler noch bis in die 1970er-Jahre – aber auch dort schon selten. Zu kaufen gibt es sie immer noch – die Preise gehen bei zirka 20 Euro los.

  2. Weitwinkel-Heckscheibenlinse

    Eine Weile schienen in die Heckscheibe von Kombis und Vans geklebte Weitwinkel-Linsen Pflicht zu sein – so oft hat man sie gesehen. Klar, verbesserten sie doch beim Rückwärts-Einparken die Sicht nach hinten deutlich. Auch heute sieht man die Linse noch in manchem älteren Kombi. Ihr Nachfolger nennt sich Parksensor. Wer lieber mit einer Weitwinkel-Linse fährt: Für etwas mehr als fünf Euro sind die günstigsten Exemplare im Internet bestellbar.

  3. Einklick-Katzenaugen für die Türen

    In den 1980-Jahren groß in Mode, sind die Katzenaugen zum Einklicken in die Seitentüren inzwischen ein seltener Anblick. Außen rot und innen, nur bei geöffneter Tür zu sehen, teilweise weiß, sollten die Katzenaugen den nachfolgenden Verkehr warnen. Außerdem konnten sie helfen, beim Aussteigen in engen Parklücken den Lack des Nachbarautos zu schonen. Manche Autos hatten das Katzenauge nur auf einer Seite – Waschanlagen und Diebstähle waren oft der Grund. Wer heute mit so einer Ausrüstung auffallen möchte – neu kostet sie um die zehn Euro.

  4. Zierleisten

    Auch sie hatten in den 1980er-Jahren ihre beste Zeit: Zierleisten zum Nachrüsten. Die Schmalen gab es von der Rolle, mit einem Chromstreifen in der Mitte wirkten sie noch etwas schicker und teurer. Und es gab die über fünf Zentimeter breiten Exemplare, die eher in Form von Brettern im Regal standen. Nach dem Zuschnitt auf die richtige Länge kamen bei der breiten Variante noch passende Endstücke auf die Schnittstellen. Die Zierleisten haben auch gegen die zu weit aufschwingende Tür des Nachbarautos geholfen – aber der Zeitgeschmack hat sich inzwischen gegen sie entschieden. Selbstklebende Zier- oder Schonleisten gibt es immer noch – von der Rolle kosten sie ab 20 Euro.

  5. Kompass

    Lange bevor es Handyhalter mit Saugnapf für die Windschutzscheibe gab, gab es Kompasse mit Saugnapf – oder selbstklebende Exemplare für das Armaturenbrett. Auch früher schon kein häufiger Anblick, scheinen Navis den Nachrüst-Kompass komplett verdrängt zu haben.

  6. Lenkrad-Polster

    Kunstleder, echtes Leder oder richtig plüschig: Die Variationen an Materialien und Farben für Lenkrad-Überzüge schien mal gegen unendlich zu gehen. Heute gibt es diesen Lenkrad-Schutz immer noch zu kaufen, aber man sieht ihn nirgends mehr.

  7. Holzkugel-Sitzauflage

    Sie sollten den Rücken massieren und ein wenig vor Schwitzen schützen: aus Hunderten von durchbohrten Holzkugeln zusammengenähte Sitzauflagen. Inzwischen sind die meisten Autositze anscheinend gut genug – die hölzerne Sitzauflage ist aus den Fahrzeug-Innenräumen verschwunden. Wer das Retro-Sitzgefühl haben möchte: So eine Auflage kostet ab neun Euro.

  8. Weitwinkel-Rückspiegel

    Es gab sie in einfach nur riesig oder auch in Segmente (links, Mitte, rechts) aufgeteilt: Innenspiegel, die man vor den Serienspiegel hängen konnte. Das sah schlimm aus und gab dem Fahrer ein größeres, aber auch teilweise verzerrtes Bild nach hinten. Diese Nachrüst-Ausstattung ist ebenfalls aus der Autowelt verschwunden.

  9. Antistatikband

    Mache schliffen nur schwarz und schlaff auf dem Asphalt, andere waren mit einem gefährlich aussehenden weißen Blitz bedruckt: Antistatikbänder. Sie hingen am hinteren Ende des Fahrzeugs und sollten eine elektrostatische Aufladung desselben verhindern. Beim Aussteigen sollte der Fahrer dann bei der statischen Entladung "keine mehr gewischt bekommen". Funktioniert hat das nie – schließlich lädt sich nicht das Auto auf, sondern der Fahrer (zum Beispiel, wenn er auf entsprechenden Sitzbezügen sitzt). Gegen die plötzliche Entladung hilft, wenn man beim Aussteigen den metallenen Türrahmen anfasst.

  10. Portables Navi

    Einbau-Navis waren schon immer teuer und als die Bildschirm-Navigation die Zeilen-Anzeige von Din-1-Geräten ablöste, halfen sie erst recht: portable Navis. Es gab eine Fülle von Herstellern und dementsprechend viele Modelle, die in unzähligen Tests gegeneinander antreten mussten. Vorbei: Heute kann jedes halbwegs aktuelle Smartphone perfekt mit Google Maps navigieren.

  11. Spiegel-Würfel und anderer Innenspiegel-Schmuck

    Dicke Plüschwürfel sind vielleicht als hängende Verzierung am Innenspiegel am bekanntesten. Die Auswahl an baumelnden Gegenständen ist aber uferlos: Wunderbäume, winzige Boxhandschuhe, Babyschuhe, Plastik-Skelette oder Perlenketten – an so einen Innenspiegel lässt sich halt leicht etwas anhängen. In einigen US-Bundesstaaten ist es übrigens verboten, etwas vor die Windschutzscheibe zu hängen oder etwas an ihr zu befestigen – dies gilt selbst für Transponder, die ein automatisches Abbuchen von Mautgebühren ermöglichen.

  12. Hutablagen-Lautsprecher

    Sie waren mal groß in Mode und angeblich erleben sie ein Revival: Lautsprecher für die Hutablage. Glaubt man Car-Hi-Fi-Spezialisten, so ist der Einbauort Hutablage auch gar nicht so verkehrt: Der Schall trifft auf die oft geneigte harte Heckscheibe, die ihn dann nach vorn reflektiert. Außerdem dient der komplette Kofferraum als Resonanzraum. Allerdings ist oft fraglich, ob die Hutablage für eine Lautsprecher-Aufnahme stabil genug ist. Und Herstellerlösungen mit nahtlos in den Innenraum eingepassten Lautsprechern, scheinen dann doch viele Kunden zu bevorzugen.

  13. Herausnehmbares Autoradio

    Autoradios waren früher sehr teurer – und sie ließen sich leicht stehlen. Als Gegenmaßnahme entwickelten die Hersteller Radios, die der Fahrer aus dem Din-1-Schacht ziehen und mitnehmen konnte. Einige Radios hatten dafür extra einen ausklappbaren Griff. Später ließen sich das Bedienteil oder nur der Laustärkeknopf entfernen, weil kaum jemand Lust hatte, bei einem Einkaufsbummel sein Radio mitzuschleppen. Heute sind die Geräte groß und ihre Bedienelemente sind an das Innenraumdesign angepasst. Außerdem sind sie mit dem Can-Bus vernetzt. Das verhindert die einfache Nutzbarkeit des Audiogerätes in anderen Fahrzeugmodellen – zu Diebstählen kommt es trotzdem noch.

  14. Wackel-Dackel

    Der Wackel-Dackel sitzt seit 1965 brav auf der Hutablage und sein Kopf wackelt im Takt von Schlaglöchern und Beschleunigungs-Schüben mit. Manch einer findet das bis heute schön – der Wackel-Dackel ist noch nicht komplett ausgestorben.

  15. Wackel-Elvis

    Einer Audi-Werbung hat der Wackel-Elvis seine Popularität zu verdanken: Im Werbefilm hängt ein Elvis-Imitator seinen Wackel-Elvis an die Frontscheibe einer Audi A6 Limousine – die mit einer Multitronic, also einem stufenlosen Automatikgetriebe, ausgerüstet ist. Zur Enttäuschung des Imitators wackelt der Elvis wegen der fehlenden Schaltrucke kaum. Der Wackel-Elvis war kurzzeitig ein Verkaufsschlager – die Beliebtheit der Multitronic hielt sich hingegen in Grenzen.

  16. Ventilator

    Klimaanlagen für Autos gibt es schon lange, aber sie waren auch lange unfassbar teuer. Wer mehr bewegte Luft im Auto haben wollte als von der Lüftungstechnik vorgesehen, konnte sich einen Ventilator aufs Armaturenbrett schrauben – oder ihn per Saugnapf an die Frontscheibe pappen. Solche Autos sahen immer nach rauchenden Insassen aus – aus dem Straßenbild sind sie verschwunden.

  17. Schmutzfänger

    In den 1970er-Jahren waren hinter den Rädern angebrachte Schmutzfänger noch üblich. Bei nasser Fahrbahn halfen sie, die hinter dem Fahrzeug aufgewirbelte Gischt zu mindern. So nach und nach sind die nützlichen Lappen verschwunden. Allerdings erleben sie aktuell eine kleine Renaissance: In US-Foren diskutieren Tesla-Fahrer, welche Schmutzfänger sich am besten für ihr Modell eignen.

  18. Kleingeld-Halter

    Irgendwo an der Mittelkonsole konnte man sie befestigen: Kleingeldhalter. Das sollte die Suche nach dem Hartgeld für den Parkautomaten einfacher machen. Aber Parkautomaten geben sich heute oft nicht mehr mit kleinen Summen zufrieden, andererseits sorgt offen in Autos herumliegendes Geld vielleicht für Einbruchsversuche. Also sind die Kleingeld-Halter inzwischen selten – und meistens leer.

  19. Zusatz-Sonnenblenden

    Zusätzliche Sonnenblenden sollen eine Sonnenbrille nachahmen – richtig häufig sieht man sie hierzulande nicht. Wer sie mal ausprobieren möchte: Für zirka 14 Euro inklusive Versand gibt es sie immer noch zu kaufen.

  20. Autotelefon

    Beim Autofahren telefonieren – dieses Bedürfnis verspüren die Menschen anscheinend bereits seit es Autos und Telefone gibt. Und die klassischen Autotelefone waren in Anschaffung und Betrieb enorm teuer – 1972 kostete ein Becker-Autotelefon für den Mercedes SL 9.934 Mark. Für alle, die ihr neuestes Smartphone für teuer halten: Mit Einrechnung der Inflation wären das heute 17.644 Euro. Und genau deshalb gibt es fast keine Autotelefone mehr: Smartphones lassen sich überall hin mitnehmen, können viel mehr – und kosten nur den Bruchteil eines Autotelefons.

  21. Heckscheiben-Jalousie

    In den 1970er- und 1980er-Jahren waren Heckscheiben-Jalousien häufig. Es gab starre Modelle, die von außen ans Auto kamen, und Varianten mit verstellbaren Lamellen, die innen vor zu starker Sonneneinstrahlung schützten. Heute gibt es Klimaanlagen und gegen Aufpreis für manche Fahrzeuge elektrisch ausfahrbare Rollos.

  22. Fahrerlehne orthopädisch links, Code 404

    Mein Kollege Thomas Harloff steuert noch eine ganz feine Ausstattung bei, die er selber in seinem Auto hat: "So unsexy konnte wohl nur Mercedes in den Achtzigern eine Sonderausstattung benennen (das rechte Pendant hat übrigens den Code 405). Und nicht nur das: Ähnlich furchtbar, wie diese Bezeichnung klingt, ist die Optik der beiden über der Mittelkonsole positionierten Gummi-Knubbel, mit denen sich dieser Vorläufer einer Lendenwirbel- oder Lordosenstütze aufpumpen lassen. Die Dinger sehen aus, als stammen sie direkt aus dem Fetisch-Regal eines Beate Uhse-Shops. Sie verhunzen die ansonsten klassisch-hochwertige und stimmige Interieur-Optik meines Mercedes 500 SEC (Baureihe C126, Erstzulassung 12/1983) nachhaltig. Zudem gehen die aufwändig mit Druckspeicher verknüpften Teile sehr gern kaputt; auch in meinem Benz spüre ich keinen Effekt, wenn ich zu pumpen beginne. Dass die Technik danach durch rein mechanische Drehräder ersetzt wurde beziehungsweise heutzutage weitgehend elektrisch funktioniert, ist in meinen Augen also ein willkommener technischer Fortschritt. Wobei so mancher moderner Sitz, bei dem sich die Seitenwangen in Abhängigkeit von der vorausliegenden Strecke, die anhand von GPS-Daten analysiert wird, automatisch aufblasen oder kleiner werden, auch wieder "over-engineered" vorkommt. Und die Massagefunktionen, die heutzutage in der Oberklasse angeboten werden, haben mich auch noch nie so richtig aus dem Sitz gehauen."

  23. Integrierter Auto-Staubsauger

    Zum Abschluss unserer Tour durch vergessenes Zubehör noch eine Ausstattung, deren Bekanntheitsgrad überschaubar sein könnte: Für den insbesondere auf dem US-amerikanischen Markt bekannten Minivan Honda Odyssey gab es bis vor kurzem einen Staubsauger, der sich an ein Fahrzeug eigenes Saugsystem anschließen ließ. Für Familien war das zum schnellen Reinigen des Innenraums ein praktisches Zubehör – trotzdem hat es keiner gekauft. Also hat Honda es Anfang 2021 aus den Bestelllisten gestrichen.

Quelle: 2021 Motor-Presse Stuttgart
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