Datenrettung mit Linux-Live

Datenrettung mit Linux-Live
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Datenrettung mit Linux-Live

© IDG
09.03.2019 - 08:08 Uhr

Wenn das Betriebssystem nicht mehr bootet oder andere Computerprobleme auftauchen, können Live-Systeme mit Linux bei der Reparatur und der Datenrettung wertvolle Dienste leisten.

Jedes Livesystem von Linux ist dazu in der Lage, auf defekte Festplatten zuzugreifen. Die Reparatursysteme funktionieren ganz unabhängig davon, unter welchem Betriebssystem die jeweilige Hardware vorher gearbeitet hat. Mit den mobilen Rettungssystemen von Linux-Live lassen sich defekte Konfigurationsdateien editieren, Dateien durch Kopieren in Sicherheit bringen und Partitionen mit Gparted (Gnome Partition Editor) minimieren, ohne einen Datenverlust in Kauf nehmen zu müssen. Mit den Livesystemen von Linux ist es außerdem möglich, ergänzende Programme vorübergehend zu installieren. Dank dieser Funktion lässt sich jedes Livesystem zu einem Reparatursystem erweitern. Allerdings ist es praktischer, wenn man die Tools zum Reparieren schon im Vorfeld einsatzbereit im Livesystem zur Verfügung hat. Denn damit erübrigt sich eine Nachinstallation.

Da bietet es sich an, ein Livesystem wie zum Beispiel Parted Magic mit Gparted-Unterstützung an Bord zu haben. Diese Software beinhaltet nicht nur Reparaturprogramme, sondern bringt auch gleich einen Browser und einen Dateimanager mit. Der kleine Anschaffungspreis von elf US-Dollar für Parted Magic ist eine lohnende Investition, damit erhält der Käufer unter anderem Software für die Verwaltung und das Klonen seiner Festplatte, Clonezilla, testdic (damit lassen sich gelöschte Speicherbereiche instand setzen) und photorec (photorec stellt defekte oder gelöschte Dateien wieder her). Es handelt sich bei Parted Magic also um ein multifunktional einsetzbares Zweitsystem.

Ebenso umfangreich ausgestattet und empfehlenswert ist Knoppix. Das Linux-System Knoppix ist eine deutschsprachige Freeware. Es handelt sich dabei um ein komplettes Betriebssystem inklusive Rettungssystem. Knoppix muss nicht auf der Festplatte installiert werden, es läuft via USB Stick, CD oder DVD.

  1. Rettungsspezialisten

    Komplette Systeme haben ihre Vorteile, aber in manchen Fällen ist es angebracht, auf Rescue spezialisierte Tools einzusetzen. Denn manche Rettungstools, wie zum Beispiel DBAN oder Super Grub Disk, sind nicht in Universalsystem enthalten. Außerdem ist der Einsatz von spezialisierten Livesystemen zielgerichteter auf das jeweilige Computerproblem und schneller arbeiten sie meist auch.

  2. Darik´s Boot and Nuke (DBAN)

    Sie möchten Ihre alte Festplatte verkaufen oder entsorgen? Damit Ihre sensiblen Daten garantiert nicht mehr ausgelesen werden können, ist Darik´s Boot and Nuke (DBAN) die beste Software. Sie löscht restlos alle Daten und wird sogar vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlen! Darik´s Boot and Nuke formatiert physische Festplatten je nach Wahl mit den Algorithmen RCMP TSSIT OPS-II (Kanadischer Standard), DoD 5220.22-M (Standard des amerikanischen Verteidigungsministeriums) oder mit der Gutmann-Methode. DBAN benötigt nur sehr wenig Speicherplatz, es kann also auf einem USB-Stick mit niedriger Kapazität aufgespielt werden.

  3. Antivirenscanner

    Die Unternehmen BitdefenderKaspersky und Avira haben Antivirenscanner in ihrem Programm, die unabhängig via Live-System mit Linux arbeiten. Da sie nicht direkt im Computersystem integriert sind, ist ihre Arbeitsweise garantiert frei von Einflüssen eines eventuell bereits angeschlagenen Betriebssystems. Diese winzigen Live-Systeme haben einen Umfang von nur 200 bis 700 MB.

  4. Clonezilla

    Clonezilla ist eine Open Source Software für Linux. Damit lassen sich komplette Computersysteme klonen und Abbilder von Festplatten erstellen, damit diese dann auf anderen Computer ausgewertet oder installiert werden können. Natürlich lassen sich mit Clonezilla auch einzelne Partitionen retten. Das Menü dieser Software ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn es funktioniert mit Bash-Scripts. Die Oberfläche besteht also aus Kommandozeilen. Aber dieser Retro-Charme hat es in sich, denn Clonezilla unterstützt nicht nur alle herkömmlichen Windows- und Linux-Dateisystem wie NTFS, xfs, Ext[x] und FAT. Es kennt sich auch bestens unter anderem mit Reiser FS, exFAT, und BTFS aus. Außerdem kann es Daten mit allen Netzwerkprotokollen, also Webdav, SSH, Samba und NFS austauschen. Mit diesen Funktionen und Kommunikationsfreude ist Clonezilla ein unübertroffenes Werkzeug zum Erstellen von Backups und für das Restoring.

    Clonezilla beherrscht das Imaging, also das Speichern von Backups. Wenn man den aktuellen Systemzustand abspeichern und später eventuell wieder herstellen will, dann ist Imaging die erste und beste Wahl.

    Auch das Klonen gehört um Funktionsumfang von Clonezilla, damit lässt sich der digitale Inhalt einer Festplatte ohne Umwege auf eine andere Festplatte übertragen. Um diesen Vorgang zu starten, geht man zuerst auf "device-device", dann auf "Beginner" und schließlich zur Kommandozeile: "disk_to_local_disk". Im nächsten Schritt muss die Festplatte benannt werden, von der eine genaue Kopie erstellt werden soll. Nach dieser Angabe und dem Festlegen des Ziellaufwerks folgt man dann den Anweisungen der Software. Nach einer gründlichen Kontrolle aller getätigten Eingaben kann das Klonen mit "y" gestartet werden. "y" steht bei Clonezilla grundsätzlich für eine Bestätigung einer Fortsetzung eines Vorgangs, mit der Eingabe "n" wird der Vorgang abgebrochen.

  5. Hardware Detection Tool (HDT)

    Mit HDT lassen sich sämtliche Hardware-Elemente eines Computers ermitteln. Diese Abfrage lässt man normalerweise über die Systemsteuerung laufen, aber falls der PC nicht mehr bootfähig ist oder das Passwort nicht vorhanden ist, dann kommt das Hardware Detection Tool ins Spiel. Die Software läuft über einen bootfähigen USB-Stick, der auf der Basis eines Linux-Livesystems arbeitet.

  6. Gparted live

    Mit Gparted live lässt sich auch auf angeschlagenen Rechnern partitionieren. Der große Bruder Gparted ist zwar über den Paketmanager zu haben und auch Teil der allgemeinen Linux-Software. Doch als Rettungssystem leistet es die schnellere Hilfe, wenn komplette Festplatten oder Teile davon minimiert, gelöscht oder erstellt werden müssen. Gparted live ist auch auf einer bootfähigen Live-CD erhältlich. Das Programm kann man aber auch downloaden und im Anschluss daran brennen oder auf einen Stick kopieren.

  7. Kali Linux

    Kali Linux bietet eine erstaunlich umfangreiche Sammlung von Sicherheitswerkzeugen an. Das Programm ist eine Weiterentwicklung der Distributionen rund um den Bereich "Back Track", damit kann man die Sicherheit von Computern und ganzer Netzwerke kontrollieren. Allerdings ist diese Software in Deutschland juristisch umstritten, das sie Tools beinhaltet, die gegen den "Hackerparagrafen" verstoßen. Erlaubt ist deshalb seine Verwendung nur innerhalb des eigenen Netzwerkes.

  8. Rescatux

    Rescatux ist ein Profi für das Reparieren von defekten Grub-Bootloadern und zum Resetten von Passworten unter Windows. Es arbeitet mit einem LXDE-Desktop. Rescatux basiert auf Debian GNU und verfügt über Rescapp. Bei Rescapp handelt es sich um eine umfangreiche Sammlung von Notfallwerkzeugen.

    Das Rettungstool erkennt alle installierten Linux-Systeme selbständig. Unter dem Punkt "Grub (+)" findet man den Befehl "Restore Grub", dort kann man einen neuen Bootloader wahlweise in der Version 1 oder 2 schreiben. Die Wahl der Version hängt davon ab, welche Distribution auf der Festplatte oder in den MBR installiert ist. In den neu erstellten Bootloader lassen sich nun alle im Vorfeld erkannten Betriebssysteme integrieren.

    Für User von Ubuntu hat Rescatux ein spezielles Boot-Repair mit an Bord, dieses Tool ist im Menü unter den "Expert Tools" zu finden.

  9. Memtest86+

    Mit dem Einsatz von Memtest86+ lässt sich herausfinden, ob das RAM, also der elektronische Speicher fehlerhaft ist. Das Diagnose-Tool arbeitet zwar langsam, aber dafür extrem gründlich. Bei der Fehlersuche setzt Memtest86+ auf eine Vielzahl von Speichertests. Unter anderem schreibt es Testmuster in jede einzelne Adresse im Speicher. Im nächsten Schritt liest das Live-System die Muster aus und sucht nach eventuellen Differenzen. Sämtliche Tests werden mehrmals durchgeführt, damit wird garantiert, dass auch die Probleme gefunden werden, die erst nach einer längeren Laufzeit des Rechners auftreten. Die Ergebnisse der Prüfung werden farbig angezeigt. Grün bedeutet, dass keine Fehler bei der jeweiligen Speicheradresse gefunden wurden. Bei Rot wurden defekte Elemente analysiert. Findet Memtest86+ keine Probleme, dann kann das RAM schon mal ausgeschlossen werden als potentielle Quelle von Computerproblemen.

  10. Super Grub2 Disk

    Das kleine Linux-Livesystem Super Grub2 Disk richtet sich vor allem an User, die mehr als ein Betriebssystem auf ihrem Computer installiert haben. Windows ist dafür bekannt, andere Betriebssysteme zu überschreiben. Wer also Windows nach Linux installiert, der muss damit rechnen, dass der Gigant das Linux mal eben verschwinden lässt. Linux ist durch diesen Überschreibvorgang nicht komplett gelöscht, aber kann nicht mehr gestartet werden. Hilfe kommt in diesem Fall vom Super Grub2, er repariert den Bootloader.

    Auch wenn der Fehler nicht bei Windows oder ähnlichen Betriebssystemen liegt, sondern zum Beispiel bei fehlerhaften Partitionierungen, ist diese Software mehr als hilfreich.

    Die kostenlose Software bietet Deutsch als Option an und steht als Version für Floppy, CD-ROM oder USB-Stick zur Verfügung. Da es nur einen winzigen Speicherplatz besetzt, sollte es auf keinem Multiboot-Stick fehlen.

    Damit kommen wir zum Thema: Multiboot-Sticks, wir stellen ihnen hier zwei Varianten vor. Die erste Variante läuft unter Windows (plus Linux) und die zweite unter Linux.

  11. Der Multiboot-Stick mit Yumi

    Auch wenn Sie als Hauptbetriebssystem mit Windows arbeiten, können Sie parallel dazu mehrere Linux-Systeme zum Booten und für weitere Funktionen auf einem USB-Stick abspeichern. Möglich ist das mit Yumi! Ohne vorherige Installation kann dieses Programm gestartet werden.

    Nach dem Starten des Programms muss das Ziellaufwerk ausgewählt werden, im zweiten Schritt wird nach der gewünschten Distribution gefragt und bei Step 3 geht es um das ISO-Image. Step 3 basiert auf Step 2, also den in diesem Schritt ausgewählten Dateiobjekten. Es ist zwar möglich, bei Nummer 2 die Option "Show all ISOs" auszuwählen, aber das ist wenig hilfreich, denn damit kann Yumi nicht sämtliche Systeme, die auf Linux basieren booten. Aus diesem Grund empfehlen wir, die optionalen Distributionen in Schritt 2 einzugrenzen. Nur so kann das Programm die richtigen Areale zum Booten finden.

    Sollten Sie Ubuntu verwenden, dann können Sie optional im vierten Schritt einen dauerhaften Speicher einrichten.

    Mit Yumi ist es auch möglich, zusätzliche ISO-Images aus dem Netz downzuloaden. Dazu muss man bei Schritt 2 die gewünschte Distribution wählen und dann die Option "Download Link" via Klick aktivieren.

  12. Der Multibootstick mit dem Linuxprogramm Multisystem

    Multisystem ist eine Freeware, die Distributionen, Reparaturprogramme, Live-Systeme und Bootloader beinhaltet. Diese geballte Ladung an Software lässt sich auf einem Stick speichern, das hat den Vorteil, dass man für alle (Not-)Fälle gerüstet ist. Der dafür vorgesehene Stick muss nach FAT-32 formatiert sein. Es stehen mehrere Optionen zur Verfügung, um einen Multibootstick anzulegen. Man kann Grub2 dazu nutzen, das hat den Vorteil, dass man die Iso-Images direkt booten kann, ohne vorheriges Auspacken. Außerdem hat man mit Grub2 nur eine Partition und ein wunderbar übersichtliches Verzeichnis auf dem USB-Stick. Nach der Installation über das Terminal kann das multifunktionale System über das Hauptmenü gestartet werden, dazu muss man nur den Stick aus der Liste der Vorschläge auswählen. Im nächsten Schritt muss man auf den Datenträgereintrag klicken, dort den Punkt "Überprüfe" aktivieren und der Frage nach der Installation des Bootloaders zustimmen. Im "Drag and Drop ISO/img"-Areal kann nun die Datei des ausgewählten Systems auf den Stick verschoben werden. Dazu muss man vorher eine Bestätigung via sudo-Passwort eingeben. Dieser Vorgang muss nun für jedes System wiederholt werden, welches vom Stick aus gestartet werden soll.

    Sollte dieser Vorgang via Drag and Drop nicht möglich sein, dann klicken Sie einfach auf das Symbol mit der CD, daraufhin öffnet sich ein Dialogfenster mit dem Sie zur gewünschten ISO-Datei geführt werden.

    Das Multisystem kann natürlich auch zusätzliche ISO-Dateien aus dem Netz herunterladen.

    Wenn Sie auf das Symbol mit dem Auge links oben im Fenster klicken, werden weitere Optionen eingeblendet. Hier stehen zum Beispiel eine Veränderung der Reihenfolge der vorhandenen Systeme oder eine Modifizierung der Beschriftung der Einträge im Grubmenü zur Auswahl. Leider kommt das Grubmenü ein wenig unübersichtlich daher, aber wenn Sie mit der Maus über die einzelnen Beiträge fahren, dann öffnen sich Fenster, die kurze aber hilfreiche Beschreibungen der jeweiligen Funktionen bieten.

    Falls Sie den Stick zunächst einmal testen möchten, geht das ohne einen Rechnerneustart über den Befehl QEMU.

User von Ubuntu haben mehr Funktionen zur Auswahl

Nur unter Ubuntu lässt sich ein persistenter Speicher auf dem Stick einrichten. Damit lassen sich Anpassungen und weitere Installationen auf dem Stick realisieren. Unter allen anderen Systemen funktioniert das leider nicht. Trotzdem halten wir den Multiboot-Stick unter jedem Betriebssystem für eine sinnvolle Sammlung von Tools. Damit hat der User die besten Werkzeuge für den Notfall, beziehungsweise auch für den täglichen Betrieb zur Hand. Die Distributionen von Linux benötigen nicht viel an Speicherplatz und passen damit gesammelt auf einen einzigen Stick. Und auch wer nicht mit Ubuntu arbeitet, kommt mit dem Stick in den Genuss eines tollen Universalwerkzeuges. Ein Stick bietet ganz abgesehen davon auch eine Möglichkeit zum Testen, welche Distribution von Linux für einen bestimmten Zweck am besten eingesetzt werden kann.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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