Mehr Sicherheit mit VirtualBox

Mehr Sicherheit für PC-Tests – durch VirtualBox
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Mehr Sicherheit für PC-Tests – durch VirtualBox

© IDG
13.07.2018 - 08:30 Uhr

Die Virtualisierungssoftware VirtualBox erlaubt ungefährliche Tests.

VirtualWas?

Eine der großen Klassiker unter den Programmen für die Virtualisierung von Software jeglicher Art ist VirtualBox von Oracle. Die Applikation ist kostenlos erhältlich und richtet auf einem beliebigen Desktop-PC (oder anderen computerähnlichen Geräten) eine Sandbox ein. In dieser geschützten Umgebung können Sie dann jede erdenkliche Software ausführen - auch andere Betriebssysteme -, ohne dass Sie den Windows-PC selbst dabei verändern müssen oder Gefahr durch Viren droht.

Das funktioniert, ist aber nicht immer ganz einfach, da doch einiges an Fachwissen an diese "Bastelarbeit" geknüpft ist. Bequemer und auch schneller geht es, wenn eine virtuelle Maschine in einem Emulator landet. Dafür ist auch nicht die allerneueste Hardware notwendig: Es reichen schon 512 MB RAM und eine beliebige x86-CPU, die "nicht zu schwach" ist. Das klingt alles etwas schwammig, was daran liegt, dass abhängig von Software und virtueller Maschine auch die Systemanforderungen schwanken. Wir zeigen Ihnen daher zu jeder VM (virtuellen Maschine), was für Hardware notwendig ist und wie Sie das Programm richtig konfigurieren.

Los geht's: Installation von VirtualBox

Zuerst muss das Programm selbst bereitstehen: Die aktuellste Version finden Sie jederzeit unter www.virtualbox.org. An der englischen Installation können Sie nichts ändern, das Programm können Sie dann nach dem ersten Start bei Bedarf jedoch auf Deutsch umstellen (falls dies nicht aufgrund erkannter Systemsprache automatisch geschieht). Möchten Sie alles selbst genau festlegen, entscheiden Sie sich für das "Custom Setup".

Es ist meist sinnvoll, den Speicherpfad auf seinen Standardeinstellungen zu belassen, da dies sonst später zu Komplikationen führen könnte. Bedenken Sie auch, dass kurzfristig die Netzwerkverbindung unterbrochen wird, da VirtualBox eigene Treiber für die Netzwerkkarte installieren wird. Führen Sie die Installation also beispielsweise nicht während eines Downloads aus. Nach getaner Installation startet dann auch schon das Programm.

Bevor Sie jetzt virtuelle Maschinen ausführen, sollten Sie das Extension Pack installieren. Sie erhalten es unter www.virtualbox.org/wiki/Downloads. Damit bekommen Sie zusätzliche Funktionalitäten, wie die Steuerung der Maschine über eine Remote-Desktopverbindung und den Zugriff auf externe Geräte, die am USB-Anschluss des Computers landen - also etwa Festplatten, Mäuse, Tastaturen und mehr. Praktisch: Das Extension Pack kommt mit einer eigenen Programmendung namens vbox-extpack daher. Darauf reicht ein Doppelklick, damit VirtualBox das Paket automatisch lädt. Prüfen Sie sicherheitshalber dennoch, ob die Installation geklappt hat - und zwar unter "Datei" -> "Einstellungen" -> "Zusatzpakete".

Anwendungsfall #1: sicher surfen auf jeder Webseite

Bei Ausflügen ins Internet wissen Sie nie, ob Sie nicht zufällig über eine von Schadsoftware verseuchte Webseite stolpern. Dies möchten Sie Ihrem PC und den darauf gespeicherten Daten natürlich ersparen. Das gelingt unter anderem mit Webconverger: Eigenlicht handelt es sich dabei um eine virtuelle Maschine, die für Entwickler von Web-Diensten gedacht war. Daher ist auch nur ein einziger Browser verfügbar, und zwar Firefox in seiner aktuellsten Version. Das reicht komplett aus, um etwa Online-Banking an einem Ort zu betreiben, der für Sie absolut sicher vor Fremdzugriffen ist.

Die Einrichtung funktioniert so:

  1. Unter https://webconverger.org/ laden Sie sich Webconverger auf den PC runter, auf dem Sie in Zukunft sicherer surfen wollen.

  2. Starten Sie VirtualBox und klicken Sie im Emulator auf "Neu". Danach wird Ihnen "Virtuelle Maschine erzeugen" angezeigt. Geben Sie der Maschine einen aussagekräftigen Namen - also beispielsweise Webconverger.

  3. Webconverger basiert auf Linux. Daher wählen Sie unter "Typ" das Betriebssystem "Linux" aus. "Version" können Sie auf "Ubuntu (64-bit)" belassen, dies spielt keine große Rolle.

  4. Unter "Speichergröße" müssen Sie auswählen, wie viel RAM Sie vom eigentlichen System-RAM abzweigen und für die virtuelle Maschine opfern möchten. 1 bis 2 GB sollten ausreichen.

  5. Nun braucht die virtuelle Maschine noch Platz auf der Festplatte: Gehen Sie dazu auf "Platte" und "Festplatte erzeugen". Danach legen Sie den "Dateityp der Festplatte" fest. Entscheiden Sie sich für "VDI" und weisen Sie eine Menge von vielleicht 8 GB zu. Dies spielt keine große Rolle, wenn Sie gleichzeitig die Option "Dynamisch alloziert" wählen, denn dann verändert sich die zugewiesene Größe auf der Festplatte je nach tatsächlichem Bedarf.

  6. Klicken Sie abschließend auf "Erzeugen" - fertig!

Um mit Webconverger anschließend zu arbeiten, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Gehen Sie in VirtualBox auf den grünen Pfeil und anschließend auf "Medium für Start auswählen".

  2. Suchen Sie jetzt den Ort, an dem Sie die Webconverger-Datei gespeichert haben, und klicken Sie danach auf "Starten".

  3. Der Boot-Prozess von Webconverger wird einen Augenblick dauern. Wenn Sie möchten, können Sie mit der Tab-Taste die Sprache der virtuellen Maschine ändern oder auch eine andere Startseite festlegen. Falls Sie nichts ändern, werden Sie nach kurzer Zeit die Startseite von Webconverger sehen.

  4. Das Browserfenster können Sie nach Bedarf auch vergrößern: Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste unten rechts auf "Aktivität der Gastanzeige". Darüber kommen Sie in die Einstellungen, wo Sie unter anderem den Skalierungsfaktor auf bis zu 200 % vergrößern dürfen.

  5. Fertig: Sie können jetzt surfen!

Um eine Verbindung mit dem Internet aufzubauen, setzt die virtuelle Maschine auf den NAT-Modus. Der emulierte Gastrechner bekommt über eine interne Internetadresse Netzwerkzugriff und damit die Verbindung ins Internet, gleichzeitig ist er jedoch von außen nicht erreichbar. Das heißt, dass auch keine Angriffe möglich sind. Sobald Sie Webconverger schließen, verschwinden auch alle Spuren des Surfens vom Computer.

Anwendungsfall #2: Preview-Versionen von Windows 10 testen

In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht Microsoft neue Versionen von Windows 10 für alle, die an einem Test interessiert sind. Da sich in diesen Versionen teilweise noch schwere Bugs tummeln, wäre es nicht besonders intelligent, jede neue Version auf einem produktiv genutzten Computer zu installieren. Besser machen es virtuelle Maschinen - und die stellt Microsoft sogar selbst zur Verfügung. Besuchen Sie dazu zuerst die Webseite https://developer.microsoft.com/en-us/microsoft-edge. Klicken Sie dann auf "See all tools" und entscheiden Sie sich unter "Virtual Machines" für eine Vorschauversion - wie etwa eine Insider-Preview. Die aktuellsten Versionen finden Sie ganz unten in der Auswahl.

Beachten Sie, dass diese virtuellen Maschinen für unterschiedliche Emulatoren bereitliegen. Daher sollten Sie unter "Select Platform" noch "VirtualBox" auswählen. Die virtuelle Maschine wird Ihnen dann komplett als ZIP-Datei ausgeliefert. Nach dem Download entpacken Sie die Datei in ein beliebiges Verzeichnis auf der Festplatte.

Anschließend geht es wie folgt weiter, um das Programm einzurichten:

  1. Starten Sie zuerst VirtualBox. Klicken Sie dann auf "Datei" und "Appliance importieren".

  2. Verweisen Sie das Programm auf den Ordner, in den Sie die Dateien entpackt haben. Klicken Sie dann auf "Öffnen" und "Weiter".

Es handelt sich bei der heruntergeladenen Datei um eine OVA-Datei. Das ist im Prinzip nichts anderes als ein TAR-Archiv, das jedoch direkt von VirtualBox selbst entpackt werden kann. Bevor das Programm die Datei lädt, werden Sie noch einmal einige Informationen über die Konfiguration Ihres Geräts sehen - also etwa das Betriebssystem, die Anzahl der CPU-Kerne, verfügbaren RAM und dergleichen mehr. Weiter geht es am schnellsten, indem Sie jetzt direkt auf "Importieren" klicken.

Die Nutzung der virtuellen Maschine geschieht dann wie folgt:

  1. Nach dem Start der virtuellen Maschine melden Sie sich mit dem Namen "IEUser" und dem Passwort "Passw0rd!" an.

  2. Ändern Sie einige Ländersettings: Klicken Sie auf das Windows-Symbol und gehen Sie dann auf "Settings" und "Time & Language". In "Region and Language" wählen Sie nun "Germany".

  3. Gehen Sie auf "Add a language" und wählen Sie dort "Deutsch" und "Deutsch (Deutschland)" aus. Windows wird das Sprachpaket herunterladen, sobald Sie auf "Set as default" klicken. Andernfalls haben Sie noch die Option, den Download des Sprachpakets selbstständig auf den Weg zu bringen.

  4. Gehen Sie auf "Keyboards" und passen Sie die Tastatur dort auf "QWERTZ" an, da Sie sonst aus Gewohnheit immer wieder Y und Z vertauschen werden. Die Zeitzone und das Datum legen Sie bei Bedarf ebenfalls noch fest, allerdings ist das für einen kurzen Ausflug in die virtuelle Maschine wahrscheinlich nicht notwendig.

  5. Wenn Sie die virtuelle Maschine jetzt neustarten, werden die Einstellungen übernommen und gespeichert. Sie können diese Version von Windows jetzt nutzen.

Die Nutzung der virtuellen Maschine mit dieser Windows-Version ist auf 90 Tage beschränkt. Microsoft gibt daher selbst den Tipp, einen Sicherungspunkt zu erstellen, um die VM danach ebenfalls noch nutzen zu können. Während die virtuelle Maschine läuft, wählen Sie ganz rechts im VirtualBox-Fenster dazu den "Sicherungspunkt". Im neuen Fenster können Sie diesen Snapshot jetzt genauer beschreiben. Erstellen Sie dann den Sicherungspunkt. Dies wird einen Augenblick dauern, da die virtuelle Maschine den aktuellen Zustand exakt festhält. In Zukunft werden Sie diesen Sicherungspunkt danach neben dem Symbol der kleinen Kamera sehen. Sobald Sie die virtuelle Maschine herunterfahren, können Sie sie anschließend durch einen Klick auf diesen Sicherungspunkt sofort wiederherstellen, ohne lange Umwege gehen zu müssen.

Anwendungsfall #3: alte Windows-PCs als VM

Es ist leider nicht so simpel, Windows als virtuelle Maschine einzusetzen - Linux macht es Ihnen wesentlich einfacher. Dafür sind zwei Gründe verantwortlich: Windows hat einerseits seinen kommerziellen Aktivierungszwang, andererseits greift selbst die virtuelle Maschine mit ihren Treibern direkt auf die wirklich vorhandene Hardware zu und emuliert diese nicht etwa. Das ist in der Praxis umständlich zu handhaben, Abhilfe schafft Xenconvert von Citrix: Zwar wird das Programm nicht mehr weiterentwickelt, aber ältere Windows-Versionen bis 8.0 können damit noch immer als Gastsystem emuliert werden. Xenconvert erstellt ein Abbild des aktuellen Systems als Virtual Hard Disk. Das ist eine Image-Datei, die mit VirtualBox kompatibel ist.

Entscheiden Sie sich vor dem Download für die 32- oder 64-Bit-Version. Jene Version muss derjenigen entsprechen, die Sie auch emulieren wollen. Außerdem brauchen Sie das .NET-Framework von Microsoft in Version 4. Um den konvertierten PC speichern zu können, nutzen Sie am besten eine externe Festplatte, die via USB an den Computer gelangt. Mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung machen Sie keinen Fehler:

  1. Starten Sie Xenconvert und wählen Sie den PC aus, von welchem Sie ein Image erstellen möchten. Definieren Sie als Zielformat anschließend VHD (Virtual Hard Disk).

  2. Klicken Sie auf "Next" und entscheiden Sie sich unter "Source" für die Laufwerke, die Sie emulieren möchten. Verzichten Sie auf externe Festplatten, DVD-Laufwerke oder ähnliche Wechselspeicher.

  3. Unter "Destination Volume" sehen Sie, welche Partitionen Sie übernehmen werden. Dazu ist eine recht umfassende Menge Speicherplatz notwendig. Ob Sie genügend Kapazität haben, sehen Sie unter "Free Space".

  4. Im nächsten Schritt definieren Sie den Pfad zur externen Festplatte, auf der die VHD-Datei abgelegt werden soll. Klicken Sie nun noch einmal auf "Next" und Sie erhalten eine Zusammenfassung.

  5. Ist alles in Ordnung, klicken Sie auf "Convert". Abhängig von der Größe der Partitionen und der Übertragungsgeschwindigkeit an die externe Festplatte kann dieser Prozess geraume Zeit in Anspruch nehmen. Rechnen Sie - grob - mit einer Minute pro GB.

Während der Konvertierung dürfen Sie den PC einfach weiternutzen. Es drohen keine Fehler beim Scheiben des Images.

Sobald der Prozess abgeschlossen ist, werden Sie auf der externen Festplatte zwei neue Dateien finden - eine mit der Endung VHD und eine PVP-Datei. Verbinden Sie die externe Festplatte jetzt mit dem PC, auf dem sich auch VirtualBox befindet. Jetzt geht es wieder Schritt für Schritt weiter:

  1. Klicken Sie in VirtualBox auf "Neu" und erstellen Sie eine neue virtuelle Maschine. Vergeben Sie einen beliebigen Namen und wählen Sie als "Typ" am besten "Microsoft Windows" sowie "Windows 7". Entscheiden Sie sich auch für entweder die 32- oder 64-Bit-Version.

  2. Beim Arbeitsspeicher sollten Sie lieber großzügig sein: Mit 4 GB befinden Sie sich auf der sicheren Seite.

  3. Unter "Virtuelle Maschine erzeugen" entscheiden Sie sich für "Festplatte erzeugen" und wählen außerdem die Option "VHD (Virtual Hard Disk)". Bei der "Art der Speicherung" entscheiden Sie sich wieder für "Dynamisch alloziert".

  4. Vergessen Sie nicht, unter "Dateiname und Größe definieren" die Standardeinstellung von 10 GB zu erhöhen. Diese Menge reicht nämlich meist nicht aus. 25 GB ist besser - und als Faustregel gilt, dass viel auch viel hilft.

Wenn alles geklappt hat, sehen Sie die von Ihnen erstellte virtuelle Maschine jetzt im Programmfenster von VirtualBox. Falls der emulierte PC mit Windows 7 von einer SSD erstellt wurde, sollten Sie dies in VirtualBox noch einmal gesondert festlegen, da beim Booten sonst Probleme entstehen könnten. Markieren Sie dazu die Maschine und klicken Sie auf "Ändern". Gehen Sie dann in den "Massenspeicher" und arbeiten Sie sich über "Attribute" und "Festplatte: Primärer Master" nach "SSD-Laufwerk" vor. VirtualBox wird die Festplatte aber nur finden, wenn Sie unter "System" die passende Boot-Reihenfolge festlegen. Lassen Sie dort einfach nur "Festplatte" stehen, um keine Risiken einzugehen.

Klicken Sie abschließend auf den Pfeil in VirtualBox und wählen Sie im nächsten Fenster den Pfad zur externen Festplatte aus. Entscheiden Sie sich dann für die von Ihnen erstellte VHD-Datei. Der Boot-Prozess wird aufgrund der Anbindung an eine externe Festplatte länger dauern als üblich - aber es wird funktionieren.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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