Smart Home im Praxistest

Smart Home – Unser Praxistest für die zukunftsträchtige
Technologie
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Smart Home – Unser Praxistest für die zukunftsträchtige Technologie

© Fotolia.com/NicoElNino
15.11.2018 - 06:30 Uhr

Wird das Leben mit „intelligenten“ Geräten sicherer und einfacher? Was ist der beste Weg, um den richtigen Einstieg zu finden? Wir beschäftigen uns mit smarten Lampen und Steckdosen, die programmiert werden können, und geben Ihnen jede Menge Tipps zum Thema.

Wenn Sie an die Gegenstände in Ihrer Wohnung, Ihrem Haus oder in Ihrem Büro denken, so werden diese eines gemeinsam haben: Sie sind analog. Der erste Schritt zum Smart Home besteht daher darin, sich Ergänzungen zu Bestehendem zu besorgen. Aktuell am beliebtesten sind programmierbare Steckdosen oder Lampen, die nach Belieben gesteuert werden können.

Der Grund dafür liegt sowohl in der einfachen Integration in die vorhandene Infrastruktur, als auch im mittlerweile erfreulich niedrigen Preis und dem hohen Nutzen, den Sie sich davon versprechen können. Beispielsweise wird Energie gespart oder Sie können vortäuschen, dass Sie zu Hause wären, um Einbrecher abzuschrecken. Aber sind diese Geräte wirklich so clever, wie es die Werbung verspricht?

Wir sind für Sie ins Testlabor gegangen und haben smarte Geräte sowie die zugehörigen Apps ausprobiert. Gleichzeitig finden Sie wertvolle Tipps bezüglich Einrichtung und Gebrauch der smarten Alltagshelfer.

Das kann Smart Home

  1. Intelligente Beleuchtung

    Eines der beliebtesten LED-Leuchtsysteme stammt von Philips und trägt den bezeichnenden Namen "Hue". Wir haben das Paket "Philips Hue White and Color Ambience" getestet, das etwa 140 Euro kostet. Dafür sind im Lieferumfang drei E27-Birnen sowie die Basisstation - die "Bridge" - enthalten. Falls Sie dimmen möchten, müssen Sie 40 Euro mehr bezahlen. Hue ist also nicht billig, dafür werden aber auch Leuchtmittel von anderen Herstellern - beispielsweise Osram Lightify, die Produkte von Google Home, Amazon Echo oder das Apple Homekit - unterstützt.

    Einer der Gründe für die Popularität liegt in der einfachen Installation, die auf der Homepage unter www.meethue.com/de-de/uber-hue ausführlich beschrieben wird. Die Bridge ist übrigens eine Grundvoraussetzung, denn nur darüber können die Leuchten ins Netzwerk eingebunden werden. Sie setzen zuerst die Birnen ein, und dann wird die Basisstation in Betrieb genommen. Sie sollte sich in der Nähe des Routers befinden, da die Verbindung per LAN-Kabel erfolgt. Sobald Sie die Bridge ans Stromnetz hängen, schaltet sie sich automatisch ein und die drei LEDs beginnen zu blinken. Sobald sie permanent leuchten, ist die Bridge bereit für den ersten Einsatz. Die Kommunikation von Station und Leuchten erfolgt nach dem Zigbee-Funkstandard, und damit Sie Ihre neue Beleuchtung einrichten und steuern können, müssen Sie die App "Philips Hue" herunterladen und auf Ihrem Smartphone installieren.

    Das Tool ist sowohl für Android also auch für iOS erhältlich. Sie starten also die App, und im nächsten Schritt wird die Bridge über das WLAN gesucht. Falls Sie mehrere Funknetzwerke verwenden, sollten Sie darauf achten, dass sich Ihr Smartphone im selben Netzwerk wie die Basisstation befindet, denn nur dann werden die Geräte gefunden. Die Verbindung wird durch Betätigen der Push-Link-Taste an der Bridge aufgebaut, dabei müssen alle mechanischen Schalter Ihrer Deckenleuchten und Lampen auf "An" gestellt sein.

    Auch wenn die App nicht läuft, werden im Standby-Modus etwa 0,5 Watt verbraucht. Dafür erhalten Sie mit "Philips Hue" ein umfangreiches Programm, mit dem Sie Lampen bestimmten Räumen zuordnen können. Das Starterset wird mit durchnummerierten Lampen ausgeliefert, die von Werk aus als "Hue color lamp 1, 2 und 3" benannt wurden. Mit einer Bridge können Sie übrigens bis zu 50 Lampen ansteuern. Sie wählen zunächst den Raum und vergeben dann den Namen für die jeweilige Lampe. In der App werden dann im Bereich "Haus" sowohl die Räume als auch die darin befindlichen Lampen dargestellt, das sorgt für einen guten Überblick. Unter dem Raumeintrag befindet sich ein Schieberegler, mit dem die Helligkeit für das Zimmer festgelegt werden kann. Wenn Sie auf den Raumeintrag tippen, können Sie die einzelnen Lampen ansprechen und ihnen Farben zuordnen. Zusätzlich dazu gibt es vorprogrammierte Szenarien wie "Lesen", "Konzentrieren" oder "Entspannen". Wenn Sie auf "Routinen" tippen, finden Sie zusätzlich Optionen, die gewisse Abläufe auslösen können. So gibt es einen Timer oder die Funktion "Schlafen gehen".

    Wenn Sie möchten, dass das Licht angeht, sobald Sie einen Raum betreten oder erlischt, sobald Sie ihn verlassen, wählen Sie "Zuhause & abwesend". Voraussetzung dafür ist, dass die Ortungsdienste auf Ihrem Smartphone aktiviert sind und dass Sie einen Account registriert haben. Der Account ist auch notwendig, wenn Sie außerhalb Ihres Heimnetzwerkes über das Internet auf Ihre Beleuchtung zugreifen möchten. Das Konto kann sowohl direkt in der App als auch über die Website angelegt werden. Zusätzlich dazu müssen Sie die Taste an der Bridge noch einmal drücken, erst dann wird die Kommunikation aktiviert. Zusätzliche Apps finden Sie im Bereich "Entdecken", damit können Sie beispielsweise die Beleuchtung mit zusätzlichen Szenarien noch attraktiver machen, manche Apps sind aber leider kostenpflichtig. Die Bedienung über das Smartphone ist zwar bequem, aber auf Dauer etwas umständlich, die Steuerung kann alternativ direkt über die Tasten am Starterkit erfolgen.

  2. Amazon Echo: Steuern Sie Ihre Geräte per Sprache

    Die smarten Lautsprecher von Amazon aus der Echo-Familie können unter anderem auch smarte Geräte wie das Musiksystem von Sonos oder die Luminea-Steckdose von Pearl und das oben beschriebene Hue-System steuern. Bevor es soweit ist, müssen Sie aber das Gerät mit dem Lautsprecher koppeln und ihm die Sprachbefehle näherbringen. Voraussetzung dafür ist wiederum, dass sich alle Geräte im selben WLAN befinden. Um dem Echo-Lautsprecher diese neue Fähigkeit beizubringen, gehen Sie in der Alexa-App in den Bereich "Skills", der sich am linken Rand befindet. Nun tippen Sie im Suchfeld den Namen des Gerätes, das verbunden werden soll ein, also zum Beispiel "Hue". Nach einem Tipp auf "Aktivieren" werden Skill und Sprachsteuerung miteinander gekoppelt. Sie werden während dieses Vorganges zum Benutzerkonto weitergeleitet und müssen sich dort anmelden, erst danach ist der Skill endgültig aktiviert.

    Nun verbinden Sie das Gerät mit dem Lautsprecher: Damit sich die smarten Helfer gegenseitig erkennen, gehen Sie in der Alexa-App auf "Smart Home" - "Geräte" und tippen mit dem Finger auf "Suchen". Es kann sein, dass Sie den Knopf an der Basis drücken müssen, um den Verbindungsprozess anzustoßen. Dies sollte innerhalb von 20 Sekunden erfolgen, da die Suche sonst abgebrochen wird. Sobald sich die Geräte "bekanntgemacht" haben, sehen Sie dies in der App.

    Wenn Sie nun einen Sprachbefehl erteilen, müssen Sie die genaue Bezeichnung aussprechen, also beispielsweise sagen: "Alexa, dimme die Lampe Büro". Bei nachträglichen Änderungen müssen Sie den Suchvorgang wiederholen. Damit vermeiden Sie, dass ein Sprachbefehl wegen unzureichender Informationen nicht durchgeführt werden kann.

  3. WLAN-Steckdosen

    In jedem Haushalt oder Büro befindet sich eine Vielzahl an Elektrogeräten, allerdings sind diese in der Regel nicht mit eigener Intelligenz ausgestattet. Wenn Sie sich für eine Steckdose mit WLAN entscheiden, so kommen Sie der digitalen Welt ein Stückchen näher. Diese Geräte sind auch unter den Bezeichnungen "schaltbare Steckdose", "Zwischenstecker" oder "intelligente Steckdose" in den Regalen der Fachmärkte oder den Onlineshops der einschlägigen Anbieter zu finden.

    Die Funktion ist - unabhängig von der Bezeichnung - dieselbe: Sie verbinden diese Dosen mit Ihrem WLAN. Dabei können Sie entweder den Router als Basisstation nutzen, oder Sie besorgen sich ein Zusatzgerät, das die Funktion des Gateways übernimmt. Die zweite Methode ist kostspielig und nur dann sinnvoll, wenn Sie weitere Geräte einsetzen möchten. Darunter sind beispielsweise Überwachungskameras, funkgesteuerte Thermostate oder Bewegungsmelder zu verstehen. Wir haben uns bei unserem Test auf die günstigere Variante ohne zusätzlicher Basisstation beschränkt.

  4. Für die Fritzbox gibt es spezielle Steckdosen!

    Falls Sie eine Fritzbox besitzen, können Sie über AVM die Zwischenstecker "Dect 200" und "Dect 2010" beziehen, diese kosten etwa 44 beziehungsweise 54 Euro. Die Stecker sind baugleich, der Unterschied liegt im Einsatzzweck. Der Dect 200 sollte nur im Wohnungsinneren verwendet werden, der Dect 210 ist spritzwassergeschützt und daher ideal für Outdoor-Geräte. Die Geräte werden entweder direkt über das Webinterface der Fritzbox, die MyFritz-App oder den Schalter an der Dose gesteuert. Der Vorteil liegt darin, dass eventuelle Updates rasch und problemlos installiert werden können. Das trägt zur Sicherheit in Ihrem smarten Heimnetzwerk bei, ein Punkt, der keinesfalls missachtet werden sollte.

    Die Dosen sind relativ breit, das bedeutet, dass es mit dem Nachbarstecker zu Konflikten kommen könnte. Als Basisstation dient die Fritzbox, die Verbindung erfolgt über den Standard DECT-ULE. Das hat mehrere Vorteile: Die Reichweite beträgt im Inneren bis zu vierzig Meter, im Außenbereich liegt sie - optimale Bedingungen vorausgesetzt - sogar bei 300 Metern. Außerdem wird das Frequenzband von 1.880 bis 1.900 Megahertz genutzt, dadurch kommt es praktisch nie zu Konflikten mit anderen Geräten. Insgesamt können Sie 34 Geräte mit der Fritzbox ansteuern: sechs Telefone, zehn Steckdosen, zwölf Thermostate und sechs Repeater.

    Leider stellt AVM ein geschlossenes System zur Verfügung, das bedeutet, dass es für Lösungen anderen Anbieter und Standards wie Z-Wave oder Homematic keinerlei Unterstützung gibt. Andererseits ist die Verbindung der Fritz-Geräte denkbar einfach: Sie müssen nur den Zwischenstecker nahe der Fritzbox in eine Steckdose stöpseln, daraufhin beginnt die Dect-LED zu blinken. Innerhalb von zwei Minuten müssen Sie nun die Dect-Taste betätigen, und zwar so lange, bis die LED "Info" zu blinken beginnt. Wenn die LED an der Steckdose permanent leuchtet, sind die schaltbare Steckdose und die Fritzbox verbunden. Wenn Sie nun einen anderen Steckplatz für die Dose wählen, wird die Verbindung wiederum automatisch hergestellt. Die weitere Einrichtung erfolgt über die Benutzeroberfläche der Fritzbox. Sobald Sie sich angemeldet haben, finden sie die neue Dose unter "Heimnetz" - "Smart Home". Nun definieren Sie die automatische Schaltung, gleichzeitig können Sie den Stromverbrauch und sogar die Raumtemperatur erfassen. Auf Wunsch werden die Ergebnisse per E-Mail an Sie geschickt.

    Wenn Sie den Fernzugriff über die Bedienoberfläche eingerichtet haben, können Sie über die App "Myfritz" auch unterwegs auf die Fritzbox zugreifen. Die App dient dabei nur indirekt zur Steuerung der Steckdose, eigentlich soll damit eine verschlüsselte Verbindung zur Box hergestellt werden. Dennoch finden Sie in der App Ihre Steckdose, wenn Sie in den Bereich "Smart Home" wechseln. Sie können nun die Stromzufuhr stoppen oder wieder aktivieren. Über die Weboberfläche können weitere Einstellungen vorgenommen werden. Sie können also beispielsweise Schaltzeiten festlegen oder sich die Verbrauchsdaten anzeigen lassen. Generell betrachtet hält sich die Funktionsvielfalt in Grenzen, Änderungen bei zukünftigen Updates sind zu erwarten und werden sicher freudig begrüßt.

  5. Angebote von Pearl

    Falls Sie eine Lampe über das WLAN steuern wollen, sind Sie bei Pearl an der richtigen Adresse. Die WLAN-Steckdose ZX-2820 kostet etwa 17 Euro und kann sogar mit Alexa gekoppelt werden. Falls Sie also einen Echo-Lautsprecher besitzen, können Sie Sprachbefehle direkt an die Steckdose übermitteln. Damit Sie dieses Produkt von Pearl nutzen können, müssen Sie zunächst die App "iO.e" herunterladen, die sowohl für Android-Smartphones als auch für das iPhone kostenlos erhältlich ist. Nach dem Download werden Sie aufgefordert, ein Konto anzulegen und sich zu registrieren. Das können Sie sowohl mit der E-Mail-Adresse als auch mit der Telefonnummer tun. Sie sollten jedenfalls ein Passwort vergeben und die Ortungsdienste am Handy aktivieren. Falls Sie ohne GPS arbeiten möchten, werden Sie schon beim Einrichten scheitern, zumindest mussten wir in unserem Test diese Feststellung machen.

    Sie tippen in der App auf "Gerät hinzufügen" und sehen eine Auswahlliste. Die Steckdose wird dort unter "Smart Power" geführt. Sie wählen diese aus und drücken die Taste an der Dose für fünf Sekunden. Im nächsten Schritt blinkt die LED, der Anmeldeschirm für Ihr WLAN wird angezeigt. Nun geben Sie noch das Passwort ein - schon ist die Dose hinzugefügt. Dieser Vorgang ist also schnell erledigt, und in der App sehen Sie die neue Steckdose unter der Bezeichnung "ZX2820-d1d8". Falls Sie mehrere Steckdosen verwenden möchten, sollten Sie die Bezeichnung ändern, denn nur so wissen Sie, welcher Dose Sie gerade einen Befehl erteilen möchten. Zur Namensänderung tippen Sie das Gerätesymbol an und gelangen in den Bereich, über den die Steckdose gesteuert werden kann. Oben rechts sehen Sie drei Punkte, die Sie wiederum antippen und dann "Mehr" auswählen. Jetzt müssen Sie nur noch unter "Gerätenamen bearbeiten" einen aussagekräftigen Namen vergeben, und schon ist dieser Schritt erledigt. Auch die Bildung von Gruppen - also zum Beispiel alle Steckdosen im Arbeitszimmer - ist über diesen Menüpunkt möglich. Wenn Sie auf "Zurück" tippen, gelangen sie wieder in den Steuerungsbereich. In diesem können sie festlegen, wann die Steckdosen ein- oder ausgeschaltet werden sollen. Falls Sie eine Lampe über die Steckdose betreiben möchten, dann müssen Sie darauf achten, dass diese stets eingeschaltet ist - der Stromfluss wird über die Dose selbst geregelt.

    Bei regelmäßiger Beleuchtung können Sie auch einen Zeitplan erstellen und unter dem gleichnamigen Menüpunkt die Details dazu festlegen. Unter "Statistiken" sehen Sie, wie viel Strom das jeweilige Gerät exakt verbraucht. Die Messung ist leider nicht sehr genau, sie liegt etwa ein bis zwei Watt niedriger als jener Wert, den wir im Testlabor ermittelt haben. Die Energieaufzeichnung ist also ein nettes Feature, bietet aber nur grobe Richtwerte. Dafür benötigt die Dose selbst keinen Strom, das ist umso bemerkenswerter, weil viele Konkurrenzprodukte sehr wohl Energie zum Betrieb benötigen.

    Mit der App können die unterschiedlichen Geräte gesteuert werden, und Sie können auch selbst Szenarien zusammenstellen, wenn Sie im Hauptmenü auf "Szenen" tippen. So koppeln sie zum Beispiel die Dose mit einer IP-Kamera oder einem Thermostat.

Quelle: In Zusammenarbeit mit PC-Welt
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